Ein Risiko ist zunächst nur eine bestimmte Wahrscheinlichkeit. Die Art und Weise, wie Risiken kommuniziert werden, kann jedoch entscheidenden Einfluss darauf haben, welche Realitäten beim Rezipienten entstehen. Wie sich zeigen lässt, wird die Kommunikation von Risiken in politischen Reden ganz bewusst so gestaltet, dass Meinungen beeinflusst werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Risikoforschung
2 Leben in Metaphern
2.1 Die metaphorische Struktur des 'embodied mind'
2.2 Politisches Framing
2.2.1 Strenge Väter und fürsorgliche Eltern
2.2.2 Bi-Conceptuals und Essentially Contested Concepts
3 'Risiko', 'Sicherheit' und 'Gefahr' in der Politik
3.1 'Gefahr'
3.2 'Sicherheit'
4 Verantwortungsvolle Risikokommunikation
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie politisches Framing und Metaphern gezielt eingesetzt werden, um die öffentliche Wahrnehmung von Begriffen wie Risiko, Gefahr und Sicherheit zu beeinflussen und politische Meinungsbildungsprozesse zu steuern.
- Grundlagen der interdisziplinären Risikoforschung
- Die kognitive Theorie metaphorischen Denkens (Lakoff/Johnson)
- Politisches Framing und moralische Wertvorstellungen (Strenge Väter vs. Fürsorgliche Eltern)
- Manipulationspotenziale durch sprachliche Rahmung in der Politik
- Die Rolle eines verantwortungsvollen, aufklärenden Journalismus
Auszug aus dem Buch
Die metaphorische Struktur des 'embodied mind'
1980 formulierte George Lakoff zusammen mit Mark Johnson eine Theorie der Metaphern (Lakoff/ Johnson 2003), die man Konzeptualisierungstheorie nennen könnte (Rolf 2005, 235-241). Diese geht davon aus, dass menschliches Denken und menschliche Sprache grundlegend metaphorisch strukturiert sind und dass diese Strukturierungen zu physischen Veränderungen im Gehirn führen. Metaphorisch meint dabei, dass eine Erfahrung partiell in den Ausdrücken einer anderen verstanden wird. Partiell meint wiederum, dass bestimmte Aspekte des Quellbereichs (source domain) hervorgehoben werden, um den Zielbereich (target domain) zu strukturieren, andere wiederum ausgeblendet werden (hiding and highlighting).
„The primary function of metaphor is to provide a partial understanding of one kind of experience in terms of another kind of experience. This may involve preexisting isolated similarities, the creation of new similarities, and more.“ (Lakoff/ Johnson 2003, 154)
Das metaphorische Konzept ZEIT IST GELD beispielsweise strukturiert den Begriff 'Zeit' derart, dass man Zeit haben, investieren, sparen, verschwenden oder jemandem schenken kann (highlighting), jedoch nicht umtauschen, anlegen oder gar zurückbekommen kann (hiding). Fast jeder Begriff wird in der Regel auf diese Weise durch mehrere metaphorische Konzepte strukturiert. Diese Art von Metaphern werden Strukturmetaphern genannt. Es gibt lediglich ein paar sehr elementare Begriffe, die unmittelbar aus der Natur emergieren. Das sind in erster Linie räumliche Kategorien, wie oben und unten, innen und außen, dran und weg, tief und flach, zentral und peripher sowie vorne und hinten (Lakoff/ Johnson 2003, 14ff). Diese können ganze Systeme von Konzepten in deren wechselseitiger Bezogenheit organisieren. Diese Art der Metaphern werden Orientierungsmetaphern genannt. Zum Beispiel: GLÜCKLICH SEIN IST OBEN UND UNGLÜCKLICH SEIN IST UNTEN. Diese zeigen sich in Ausdrücken, wie jemand lässt den Kopf hängen, ist niedergeschlagen, am Boden oder wurde von einem anderen runtergemacht, wohingegen ein Glücklicher gut drauf ist, Höhenflüge hat oder vielleicht von einem anderen aufgebaut wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Risikoforschung: Einführung in die interdisziplinäre Risikoforschung und die Bedeutung von Risikokommunikation zur Vermittlung von Sachverstand an Laien.
2 Leben in Metaphern: Erläuterung der Theorie des 'embodied mind', die darlegt, wie Denken und Sprache durch Metaphern und Frames physisch im Gehirn strukturiert sind.
3 'Risiko', 'Sicherheit' und 'Gefahr' in der Politik: Analyse der gezielten Verwendung von Metaphern durch politische Akteure zur Beeinflussung von Meinungsbildungsprozessen.
4 Verantwortungsvolle Risikokommunikation: Plädoyer für einen kritischen Journalismus, der politisches Framing dekonstruiert und die zugrunde liegenden Weltsichten transparent macht.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Risikokommunikation als zentrales Machtinstrument, das ethische Verantwortung erfordert.
Schlüsselwörter
Risikokommunikation, Metapherntheorie, Politisches Framing, Embodied Mind, George Lakoff, Deep Seated Frames, Essentially Contested Concepts, Risikowahrnehmung, Sprachwissenschaft, Politische Rhetorik, Denkfabriken, Manipulation, Journalistische Verantwortung, Orientierungsmetaphern, Sicherheitsdiskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie politische Akteure Begriffe wie 'Risiko', 'Sicherheit' und 'Gefahr' durch sprachliche Metaphern und Framing gezielt nutzen, um öffentliche Wahrnehmungen und politische Entscheidungen zu beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kognitive Linguistik (insbesondere die Metapherntheorie von Lakoff/Johnson), das Konzept des politischen Framings, die moralische Strukturierung von Weltsichten sowie die Rolle der Medien bei der Aufklärung über diese Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch Sprache bestimmte politische Interessen durchgesetzt werden können, und die Notwendigkeit eines kritischen Journalismus zu unterstreichen, der diese Mechanismen transparent macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptiv-analytische Methode angewandt, die auf der kognitiven Linguistik und Framing-Theorien basiert, um zu untersuchen, wie sprachliche Strukturen die politische Realitätskonstruktion beeinflussen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung von Metaphern und Frames, der Unterscheidung zwischen konservativen und progressiven moralischen Familienmodellen sowie der konkreten Anwendung dieser linguistischen Konzepte auf politische Rhetorik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Politisches Framing, Metapherntheorie, Risikokommunikation, Deep Seated Frames und die kognitive Struktur des menschlichen Denkens charakterisiert.
Welche Rolle spielen die 'Deep Seated Frames' in der Politik?
Deep Seated Frames fungieren als tief verankerte, oft unbewusste moralische Grundstrukturen, die es erlauben, politische Argumente und Begrifflichkeiten emotional wirksam an ein spezifisches Wertesystem (z.B. autoritär vs. kooperativ) anzubinden.
Warum wird im Buch zwischen 'Risiko' und 'Gefahr' unterschieden?
Die Unterscheidung ist deshalb entscheidend, weil das Framing eines Problems als 'Gefahr' statt als 'Risiko' (im Sinne einer berechenbaren Wahrscheinlichkeit) eine höhere Alarmbereitschaft und Verteidigungsbereitschaft erzeugt, was politisch genutzt werden kann, um restriktive Maßnahmen zu legitimieren.
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- Martin Finkenhäuser (Autor), 2011, Risikokommunikation in politischen Reden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195933