Diokletian gilt als einer der wichtigsten Kaiser der Spätantike. Unter seiner Herrschaft gelang es, das taumelnde Reich wieder in gemäßigte Bahnen zu lenken, was vor allem den vom Kaiser angestrengten Reformen in der politischen Struktur des Reiches, der Wirtschaft wie auch dem Militär geschuldet war.
Über die Anfänge des Mannes, der all dies vollbrachte, herrschen bis heute jedoch größtenteils Unklarheiten. Schon die antiken Autoren rätselten über die geographische Herkunft des Kaisers, seine Muttersprache, seine Karriere im Militär sowie die Umstände seiner Usurpation. Die Arbeit versucht daher, den Anfängen dieses für das Reich so wichtigen Mannes genauere Betrachtung zu widmen und sämtliche Aspekte zu seiner Biographie bis zu seiner Kaisererhebung zu untersuchen. Zentral soll dabei vor allem die Frage nach der sozialen Herkunft des Kaisers behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Geburt
1.1. Geburtsjahr
1.2. Geburtstag
2. Herkunft
2.1. Region
2.2. Stand/Familie
3. Name
4. Laufbahn bis zur Kaisererhebung
5. Die Kaisererhebung
6. Diokletian – Vom Sklaven zum Kaiser?
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die überlieferten Quellen zu den Anfängen des römischen Kaisers Diokletian, insbesondere im Hinblick auf seine soziale Herkunft und seinen Werdegang vor der Thronbesteigung.
- Analyse antiker Quellen (u.a. Laktanz, Eutrop, Aurelius Victor) zu Geburt, Herkunft und Namensgebung.
- Untersuchung der militärischen Laufbahn Diokletians und der Glaubwürdigkeit seiner angeblich niederen Abstammung.
- Kritische Bewertung der Datierung von Geburtsjahr und Kaisererhebung unter Einbeziehung papyrologischer Evidenz.
- Hinterfragung des literarischen Topos vom „Sklaven zum Kaiser“ vor dem Hintergrund spätantiker Sozialstrukturen.
Auszug aus dem Buch
1.1. Geburtsjahr
Das Geburtsjahr wirft gleich zu Beginn eine Menge widersprüchlicher Aussagen auf, die alle in Zusammenhang mit dem Tod Diokletians stehen. Direkte Angaben eines Geburtsjahres sucht man vergeblich, so dass alle Daten aus den Quellen rekonstruiert werden müssen. Es sind insbesondere drei Autoren, die uns etwas über das Alter Diokletians bzw. sein Todesdatum berichten:
Zunächst ist dies der Autor der so genannten Epitome de caesaribus. Da die Identität des Verfassers dieses letzten erhaltenen Breviariums des vierten Jahrhunderts n. Chr. nach wie vor ungeklärt ist, wird er im Folgenden als Pseudo-Aurelius Victor bezeichnet. Das Werk stellt gewissermaßen eine Kurzform des so genannten Liber de caesaribus dar und ist wahrscheinlich um die Wende vom vierten zum fünften Jahrhundert entstanden. Ps.-Aurelius Victor dürfte daher wohl nicht mehr als Zeitgenosse Diokletians gelten, doch mit Sicherheit weist sein Werk eine hohe zeitliche Nähe zu den Ereignissen auf. Bei ihm lesen wir zum Ende Diokletians Folgendes:
Vixit annos sexaginta octo, ex quis communi habitu prope novem egit. Morte consumptus est, ut satis patuit, per formidinem voluntaria. Quippe cum a Constantino atque Licinio vocatus ad festa nuptiarum per senectam, quo minus interesse valeret, excusavisset, rescriptis minacibus acceptis, quibus increpabatur Maxentio favisse ac Maximino favere, suspectans necem dedecorosam venenum dicitur hausisse.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach den Anfängen Diokletians vor und erläutert die methodische Herangehensweise unter kritischer Auswertung der antiken Quellenlage.
1. Geburt: Dieses Kapitel befasst sich mit der Rekonstruktion des Geburtsjahres anhand widersprüchlicher antiker Autoren und der Datierung des Geburtstages durch papyrologische Funde.
2. Herkunft: Hier werden die regionale Herkunft aus Dalmatien sowie die familiären Hintergründe und der soziale Stand Diokletians untersucht.
3. Name: Dieses Kapitel analysiert die Namensgebung Diokletians und die Wandlung von seinem ursprünglichen Namen Diokles hin zum römischen Namen nach seiner Machtübernahme.
4. Laufbahn bis zur Kaisererhebung: Hier wird die militärische Karriere und die Stellung Diokletians innerhalb der kaiserlichen Leibgarde beleuchtet.
5. Die Kaisererhebung: Dieses Kapitel behandelt das Datum, den Ort und die Umstände der Proklamation Diokletians zum Kaiser im Jahr 284 n. Chr.
6. Diokletian – Vom Sklaven zum Kaiser?: Dieser Analyseteil hinterfragt kritisch das in den Quellen postulierte Narrativ der niederen Sklavenherkunft im Kontext der antiken Sozialverhältnisse.
Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Ergebnisse der Arbeit und betont den hohen Grad an Spekulation in den antiken Quellen.
Schlüsselwörter
Diokletian, Römische Kaiserzeit, Tetrarchie, Dalmatien, Antike Quellen, Militärgeschichte, Soziale Mobilität, Papyrologie, Kaisererhebung, Spätantike, Historische Kritik, Epitome de caesaribus, Sklavenherkunft, Chronologie, Kaiserbiographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Anfängen des römischen Kaisers Diokletian und hinterfragt kritisch die historisch überlieferten Aussagen zu seinem Leben vor der Machtübernahme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf Diokletians Geburt, seiner regionalen und sozialen Herkunft, seiner Namensgebung, seinem militärischen Aufstieg und den Umständen seiner Kaisererhebung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die Glaubwürdigkeit der antiken Quellen zu prüfen, insbesondere hinsichtlich der Frage, ob Diokletian tatsächlich aus einer niederen Sklavenfamilie stammte, wie in vielen Quellen postuliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine quellenkritische Analyse durch, bei der antike Berichte mit dem aktuellen Forschungsstand und neuen Erkenntnissen aus der Papyrologie abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Quellen zu Diokletians Geburtsdatum, Herkunft, Name, Laufbahn und Kaisererhebung sowie eine abschließende Analyse der Plausibilität seines sozialen Aufstiegs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Diokletian, Tetrarchie, Quellennachweis, Dalmatien, militärische Laufbahn, historischer Topos und antike Sozialgeschichte.
Welches Geburtsdatum für Diokletian erscheint nach dieser Arbeit am wahrscheinlichsten?
Aufgrund der widersprüchlichen Angaben in den antiken Quellen lässt sich kein exaktes Jahr bestimmen, jedoch wird ein Zeitraum zwischen 241 und 248 n. Chr. als historisch plausibel eingestuft.
Wie bewertet der Autor die Erzählung vom Sklaven zum Kaiser?
Der Autor hält die Darstellung eines Aufstiegs vom Sklaven zum Kaiser für in der damaligen Gesellschaftsordnung äußerst unwahrscheinlich und interpretiert sie eher als literarischen Topos zur Überhöhung der kaiserlichen Leistungen.
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- Benjamin Wieland (Autor), 2010, Diokletian und seine Anfänge, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196048