Optimierung des Übersetzungsmanagements eines Großunternehmens


Bachelorarbeit, 2012
57 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Themen des Übersetzungsmanagements
2.1 Übersetzung und das Produktsicherheitsrecht
2.1.1 EG-Konformitätserklärung
2.1.2 Die EU Maschinenrichtlinie 2006/42/EG
2.1.3 Produkthaftung
2.1.4 Strafrechtliche Verfolgung
2.2 Übersetzungsgerechtes Schreiben und Formatieren
2.2.1 Satzbau
2.2.2 Sprachstil
2.2.3 Terminologie
2.2.4 Formatierung
2.2.5 Redaktionsleitfaden
2.3 Hilfsmittel für die Texterstellung
2.3.1 Authoring-Memory-Systeme
2.3.2 Controlled-Language-Checkers
2.3.3 Content-Management-Systeme
2.4 Terminologiearbeit
2.4.1 Grundlegendes
2.4.2 Vorgehen
2.5 Qualitätsmanagement bei Übersetzungsdienstleistungen
2.5.1 EN 15038:2006 - Norm für Übersetzungsdienstleistungen
2.5.2 Relevante Inhalte der Norm
2.6 Translation-Memory-Systeme
2.6.1 Übersetzungsspeicher
2.6.2 Terminologiekomponente
2.6.3 Benutzeroberfläche
2.6.4 Workflow-Tool
2.6.5 Alignment
2.6.6 Server
2.7 Maschinelle Übersetzung

3 Das Unternehmen Synventive
3.1 Entwicklung
3.2 Produkte

4 Ist-Situation des Übersetzungsablaufs bei Synventive
4.1 Übersetzungsbedarf
4.2 Vorhandene Terminologie
4.3 Aktueller Übersetzungsablauf
4.3.1 Intern durchgeführte Übersetzungen
4.3.2 Erfahrungen mit externen Übersetzern
4.4 Verbesserungsbedarf beim Übersetzungsablauf
4.4.1 Ausgangstexte
4.4.2 Übersetzung
4.4.3 Korrekturlesen

5 Optimierung des Übersetzungsablaufs bei Synventive
5.1 Übersetzungsgerechte Texterstellung
5.2 Terminologieverwaltung
5.3 Qualitätssicherung
5.4 Autorenunterstützung
5.5 Verwendung eines TMS am Beispiel Across
5.5.1 Wiederverwendung übersetzter Segmente
5.5.2 Automatische Terminologievorschläge
5.5.3 Reportfunktion
5.5.4 Server
5.5.5 Einsparungspotential durch ein TMS

6 Weitere Sprachen: Interne Übersetzung und Outsourcing
6.1 Auswahl eines Übersetzungsdienstleisters
6.2 Möglichkeiten des Übersetzungsablaufs
6.2.1 A) Übersetzungen werden durch einen Übersetzungsdienstleister durchgeführt
6.2.2 B) Übersetzungen werden durch die Firmensitze durchgeführt
6.2.3 C) Übersetzungen werden durch die Firmensitze mithilfe eines TMS durchgeführt
6.3 Gegenüberstellung der Übersetzungsabläufe

7 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

Seit Einführung der neuen Maschinenrichtlinie im Jahre 2006 sehen sich viele Unternehmen der Maschinenbaubranche zwangsläufig mit erhöhtem Übersetzungsbedarf konfrontiert. Der Gesetzgeber macht in dieser Richtlinie erweiterte Vorgaben in Bezug auf Übersetzungen von Betriebsanleitungen von Maschinen, die durch den Hersteller bzw. den Inverkehrbringer der Maschinen umzusetzen sind. Viele Unternehmen sind bemüht die Vorgaben der Maschinenrichtlinie und anderer Gesetze und Verordnungen bezüglich der Betriebsanleitungen umzusetzen und dabei die Kosten für die Übersetzung möglichst gering zu halten. Dies ist auch der Grund für die Erstellung dieser Arbeit bei dem Unternehmen Synventive. Hier wurde in den vergangenen jahren der Bereich der Technischen Dokumentation zentralisiert und die Erstellung eines Benutzerhandbuches umgesetzt. Im Bereich Übersetzung sind im Unternehmen noch keine Regeln für den Ablauf festgelegt. Es ist unklar wie man am besten bei der Erstellung von Übersetzungen in weitere Sprachen vorgehen soll und wo man Einsparungen bei Übersetzungen erzielen kann. Für diese Fragen versucht die vorliegende Arbeit Antworten zu liefern. Gedankenansätze des Unternehmens liegen z.B. darin, vorhandenes Personal mit der Übersetzung von Texten zu beauftragen. Dies könnten etwa Technische Redakteure, Ingenieure mit Fremdsprachenkenntnissen oder fachkundige Muttersprachler sein. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dies der optimale Weg ist oder es vielleicht sinnvoller ist, die Übersetzungen bei einem externen Übersetzungsdienstleister in Auftrag zu geben.

Wenn man von Übersetzungsdienstleistungen schreibt, so ist die Norm EN 15038:2006 ein wichtiges Referenzdokument, dass deshalb ebenfalls in dieser Arbeit behandelt wird. Professionelle Übersetzungswerkzeuge wie ein Translation-Memory-System (TMS) waren im Unternehmen bis dato nicht bekannt. Die Verwendungsmöglichkeiten und Vorteile solcher Programme aufzuzeigen, hat sich als ein wichtiger Aspekt dieser Arbeit herausgestellt. Deshalb werden diese Punkte beispielhaft an der Software Across erläutert. Die Qualität einer Übersetzung lässt sich bereits bei der Erstellung des Ausgangstextes nachhaltig beeinflussen, dieser Tatsache wird ebenfalls durch Behandlung des Themas Übersetzungsgerechte Texterstellung Rechnung getragen. Des Weiteren werden verschiedene Ablaufmöglichkeiten von Übersetzungen verglichen, die zur Umsetzung der Übersetzungen in weitere Sprachen in Frage kommen könnten. In diesem Zusammenhang wurden Übersetzungsanfragen an Übersetzungsdienstleister gesendet. Die Ergebnisse sind in Tabellenform dargestellt. Da die Entscheidung für den Ablauf von Übersetzungen beim Unternehmen liegt und die Auftragsvergabe eine sehr spezielle Angelegenheit ist, die mit dem Übersetzungsdienstleister individuell verhandelt werden muss, werden neben Ratschlägen Entscheidungshilfen in Tabellenform zu Verfügung gestellt, um einen schnellen Überblick über die Ergebnisse zu erhalten. Es ist zu Beachten, dass in der Maschinenrichtlinie der Terminus „Betriebsanleitung“ für vollständige Maschinen gilt und der Terminus „Montageanleitung“ für unvollständige Maschinen. Jedoch werden in den auf beide Maschinenarten anzuwendenden Paragrafen diese Termini synonym verwendet, so dass wenn von der „Betriebsanleitung“ die Rede ist, in Bezug auf unvollständige Maschinen die „Montageanleitung“ gemeint ist. In dieser Arbeit werden die beiden Termini im Sinne der Maschinenrichtlinie verwendet.

2 Themen des Übersetzungsmanagements

Diese Arbeit befasst sich mit dem Übersetzungsmanagement als Mittel zur zielgerichteten Planung und Durchführung von Übersetzungstätigkeiten die in einem Unternehmen anfallen. Der Begriff Übersetzungsmanagement beschreibt das Projektmanagement bei der Abwicklung komplexer Übersetzungsaufträge. Darüber hinaus wird dieser Begriff häufig mit der Verwendung eines TMS in Verbindung gebracht, das bei der Übersetzung verwendet wird um bei großen Übersetzungsaufträgen ein effizientes Ergebnis zu erzielen. Unter Übersetzungsprozess versteht man das Übersetzen als Tätigkeit [vgl. EN 15038:2006, Punkt 5.4.1]. Übersetzungsablauf im Sinne dieser Arbeit ist der Übersetzungsprozess und die damit verbundenen Tätigkeiten und Abläufe.

Ziel der Verbesserung des Übersetzungsmanagements ist die Ermittlung des optimierten Ablaufs bei Planung, Durchführung, Kontrolle und Abschluss des Übersetzungsprozesses und aller damit verbundenen Tätigkeiten. Ein optimierter Ablauf aus Sicht eines Unternehmens stellt vor allem das Vorgehen mit der höchstmöglichen Kosteneinsparung dar. Weitere bedeutende Faktoren sind Zeiteinsparung, Termintreue und Imagepflege. Die Kosten werden hauptsächlich durch die Dauer der Tätigkeiten die mit dem Übersetzungsprozess zusammenhängen beeinflusst. Dazu gehören: Formatierung des Ausgangsdokumentes, Dateiumwandlung, Auftragsplanung und Auftragsvergabe, Übermittlung der zu übersetzenden Dokumente an den Übersetzer, Kommunikation zwischen Auftraggeber und Übersetzer, die Übersetzungstätigkeit, Korrekturlesen und Prüfen auf fachliche Richtigkeit. Die Qualität der Texte und Arbeitsabläufe hat wiederum Einfluss auf den Korrekturbedarf und beeinflusst dadurch die Gesamtkosten. Ein gut organisiertes Übersetzungsmanagement hilft die Übersetzungskosten des Unternehmens besser zu durchschauen. Dies schafft mehr Sicherheit bei der Umsetzung und ermöglicht, bei zukünftigen Übersetzungsaufträgen besser planen zu können und die anfallenden Kosten möglichst gering zu halten.

2.1 Übersetzung und das Produktsicherheitsrecht

Rechtliche Aspekte sind ein bedeutender Motivationsfaktor für die Anfertigung von Übersetzungen. Deshalb wird in diesem Kapitel die Bedeutung einschlägiger Gesetze und Verordnungen für Maschinenhersteller, die Übersetzungen in Auftrag geben oder selbst erstellen, herausgestellt. Das Produktsicherheitsrecht umfasst zwingend anzuwendende Rechtsvorschriften (Gesetze und Verordnungen). Im Wesentlichen sind dies das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) sowie Gesetze und Verordnungen, die im Rahmen des EU-Harmonisierungskonzepts mit den „CE-Richtlinien“ umgesetzt werden. Von den auf die Heißkanalsysteme von Synventive angewandten EG-Richtlinien in Bezug auf die Dokumentation ist die Europäische Maschinenrichtlinie für das Übersetzungsmanagement von Bedeutung [vgl. KK09:7ff.].

2.1.1 EG-Konformitätserklärung

Mit dieser Erklärung bestätigt der Hersteller oder ein Bevollmächtigter rechtsverbindlich, dass sein Produkt alle sicherheitstechnischen Anforderungen der auf dieses Produkt anwendbaren EG-Richtlinien erfüllt (vgl.[w1]). Die EG-Konformitätserklärung ist jedoch nur für vollständige Maschinen gültig. Unvollständige Maschinen müssen stattdessen eine Einbauerklärung enthalten.

2.1.2 Die EU Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

Die Europäische Maschinenrichtlinie gibt für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verbindliche Vorgaben in Bezug auf Übersetzung und Technische Dokumentation für Maschinen im Sinne dieser Richtlinie. Die von Synventive hergestellt und verkauften Heißkanalsysteme sind unvollständige Maschinen. Der Zusammenhang mit der Maschinenrichtlinie wird im Folgenden dargestellt. Zitate aus der Maschinenrichtlinie werden zur Differenzierbarkeit in Kapitälchen dargestellt. Unvollständige Maschinen werden nach Artikel1, Absatz (1) g) durch die Maschinenrichtlinie geregelt und in Artikel 13 der Maschinenrichtlinie genauer erläutert (vgl.[w2]). Demnach muss der Hersteller bzw. Inverkehrbringer unvollständiger Maschinen die Erstellung bzw. Mitlieferung folgender Unterlagen sicherstellen:

(1) a) Spezielle technischen Unterlagen

(Anhang VII, Teil B): „[...] in einer oder mehreren Gemeinschaftssprachen [...].“ ([w2]).

1)b) Montageanleitung

(Anhang VI): „[...] in einer Amtssprache der Europäischen Gemeinschaft [...], die vom Hersteller der Maschine, in welche die unvollständige Maschine eingebaut werden soll, oder von seinem Bevollmächtigten akzeptiert wird.“ ([w2]).

1)c) Einbauerklärung

(Anhang II Teil 1, Abschnitt B) In Verbindung mit Anhang I Nummer 1.7.4.1, Buchstabe a):

„Die Betriebsanleitung muss in einer oder mehreren Amtssprachen der Gemeinschaft abgefasst sein [...].“ und b): „[...] in mindestens einer Amtssprache des Verwendungslandes [...].“ (vgl.[w2]). „Ist keine Originalbetriebsanleitung in der bzw. den Amtssprachen des Verwendungslandes vorhanden, hat der Hersteller oder sein Bevollmächtigter oder derjenige, der die Maschine in das betreffende Sprachgebiet einführt, für eine Übersetzung in diese Sprache(n) zu sorgen. Diese Übersetzung ist mit dem Vermerk„Übersetzung der Originalbetriebsanleitung“ zu kennzeichnen.“ ([w2]).

(2) Gemäß Artikel 13 sind die Montageanleitung und die Einbauerklärung der Maschine beizufügen (vgl.[w2]).

Zu 1) a): Spezielle technische Unterlagen: Deutsch und Englisch sind Gemeinschaftssprachen der EU, erfüllen also die Vorgabe. Es müssen keine weiteren Übersetzungen spezieller technischer Unterlagen angefertigt werden.

Zu 1) b): Montageanleitung: Die Sprache muss vom Anwender akzeptiert werden. Wenn man beispielsweise davon ausginge die Montageanleitung nur in Englisch und Deutsch zu erstellen, müsste man mit jedem Kunden einzeln verhandeln und vertraglich festlegen, dass ihm diese Sprachen ausreichen. Den Kunden, die auf eine Übersetzung bestehen, muss man eine Übersetzung liefern, um konform der Maschinenrichtlinie zu handeln.

Zu 1) c): Einbauerklärung: Deutsch und Englisch sind Amtssprachen der EU-Gemeinschaft, erfüllen also die Vorgabe. Für die Länder in denen weder Deutsch noch Englisch Amtsprache ist, ist vom Hersteller eine Übersetzung der Originalbetriebsanleitung anzufertigen.

Demnach muss der Hersteller und Inverkehrbringer von unvollständigen Maschinen die Montageanleitung in eine der Amtssprachen des Verwendungslandes übersetzen, wenn der Kunde dies wünscht. Spezielle technische Unterlagen müssen nicht in weitere Sprachen übersetzt werden. Die Einbauerklärung ist in einer Sprache des Verwendungslandes zu liefern. Die Verantwortung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Verständlichkeit der Übersetzung liegt, auch wenn ein externer Übersetzer mit der Übersetzung beauftragt wurde, stets beim Hersteller bzw. bei dem der das Produkt in das Sprachgebiet einführt [vgl. Kli07:75ff.]. Die Verpflichtung für die Übersetzung der Betriebsanleitung in die Sprache des Verwendungslandes gilt auch in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWG), so wie für Beitrittskandidaten für die Europäische Union, die bereits vor dem EU-Beitritt die Maschinenrichtlinie in nationales Recht integriert haben [vgl. Kli07:76]. Es sei noch hinzugefügt, dass falls Synventive vollständige Maschinen herstellen möchte, andere Paragraphen und Vorgaben gelten.

2.1.3 Produkthaftung

Produkthaftung ist die umgangssprachliche Beschreibung für die gesetzliche Haftung eines Herstellers für Schäden und Folgeschäden, die durch ein fehlerhaftes Produkt hervorgerufen wurden. „Die Verbindung zwischen Produkthaftung und Produktsicherheitsrecht ergibt sich [...] dadurch, dass die Produkthaftung unter einem „fehlerhaften Produkt“ im Wesentlichen ein Produkt mit einem Sicherheitsmangel versteht.“ [KK09:14]. Anspruchsgrundlagen für die Produkthaftung in Deutschland sind die „Haftung nach BGB §823 Schadensersatzpflicht“ und die „Haftung nach Produkthaftungsgesetz.“ [KK09:14]. „Hat also jemand durch ein fehlerhaftes Produkt einen körperlichen oder sachlichen Schaden erlitten, so kann er sich gewissermaßen aussuchen, welche dieser Anspruchsgrundlagen ihm günstiger erscheint für die Durchsetzung seiner Ansprüche.“ [KK09:15].

Das Produkthaftungsgesetz ist ein Gesetz für Schäden, die durch ein fehlerhaftes Produkt entstanden sind. Eine fehlende oder fehlerhafte Übersetzung einer Betriebsanleitung ist nicht als Fehler am Produkt anzusehen. Der §823 Schadensersatzpflicht des BGB behandelt als Verkehrssicherungspflicht die „Instruktionspflicht des Herstellers“ hier sind die genannten Fälle anzusiedeln. Laut Rechtssprechung zählt eine mangelhafte Betriebsanleitung als Instruktionsfehler eines Produkts. Kommt es aufgrund dieses Mangels zu einem Personen- oder Sachschaden durch das Produkt, haftet der Hersteller, unabhängig davon, ob er bei der Erstellung der Betriebsanleitung schuldhaft gehandelt hat oder nicht (vgl.[w5]).

2.1.4 Strafrechtliche Verfolgung

Das deutsche Strafrecht richtet sich grundsätzlich nur gegen natürliche Personen, juristische Personen können strafrechtlich nicht belangt werden. Wenn sich aufgrund eines fehlerhaften Produkts ein Unfall ereignet oder gar ein Mensch getötet wird, kann dies einen Strafbestand darstellen. Das strafrechtlich relevante Verhalten von Personen kann sich nur darin äußern, dass sie „das fehlerhafte Produkt in Verkehr gebracht haben bzw. dafür mitverantwortlich waren (aktive Handlung) oder aber eine erforderliche Gefahrenabwendungsmaßnahme nicht durchgeführt haben bzw. dafür mit verantwortlich waren (unterlassene Handlung).“ [KK09:19]. Dabei können nicht nur Vorstände oder leitende Angestellte belangt werden, ebenso können Mitarbeiter aller Positionen strafrechtlich verfolgt werden. [vgl.KK09:19]. Wie hoch die Strafen bei strafrechtlich relevantem Verhalten sein können, muss an dieser Stelle nicht erörtert werden. Hervorzuheben ist, dass aufgrund einer fehlerhaften oder fehlenden Übersetzung strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegen kann. Denn eine Montageanleitung, die nicht in der vereinbarten Sprachversion im Verwendungsland vorliegt, stellt faktisch eine fehlende Montageanleitung dar. Es sei darauf hingewiesen, das einige Industrieversicherer Leistungen im Schadensfall ausschließen, wenn die Übersetzung durch Personal des Herstellers und nicht durch speziell ausgebildetes Übersetzungspersonal durchgeführt wird [vgl. Kli07:75].

2.2 Übersetzungsgerechtes Schreiben und Formatieren

Die Kosten für eine Übersetzung lassen sich bereits bei der Erstellung des zu übersetzenden Textes beeinflussen. Es lassen sich Einsparungen erzielen, indem man den Ausgangstext im Hinblick auf die Arbeitsweise von TMS (siehe Kap.2.6) erstellt und dadurch die Berechnungsgrundlage des Textpreises beeinflusst. Darüber hinaus wird die Zeit reduziert, die man aufwenden muss um den Übersetzer bei Rückfragen zur Verfügung zu stehen. Beim Übersetzungsgerechten Schreiben könnte man auch von der Verwendung einer„Kontrollierten Sprache“ sprechen. Ein Beispiel für Kontrollierte Sprachen ist „Simplified English“. Darin werden neben den terminologischen Fachausdrücken auch Vokabular, Stil, Grammatik und Satzbau vorgegeben. Kontrollierte Sprachen sind eine Vereinfachung und Standardisierung natürlicher Sprachen was die Verständlichkeit verbessert und dadurch die Übersetzbarkeit erleichtert [vgl. VDMA07:13]. Im Folgenden werden Möglichkeiten des Schreibens und Formatierens genannt, die später schneller zu einem zufriedenstellenden Resultat bei der Übersetzung führen und dadurch Kosten reduzieren.

2.2.1 Satzbau

Der Verfasser eines Textes sollte sachlich schreiben und einfache, kurze Sätze bilden. Diese sind leichter übersetzbar als verschachtelte Satzkonstruktionen (vgl.[w4]). Satzstrukturen sollten, der Satzfunktion entsprechend, möglichst identisch aufgebaut sein. So sollten z.B. Handlungsanweisungen stets mit ähnlicher Satz- und Wortstellung geschrieben werden, damit diese als solche erkennbar sind. Rückbezüge über das Satzende hinaus sollten vermieden werden, da beim Übersetzen mit einem TMS Satz für Satz übersetzt wird und der Zusammenhang zwischen mehreren Sätzen manchmal umständlich nachvollziehbar ist und deshalb das Übersetzen erschwert wird. Ein Satz sollte nicht mehr als eine Handlungsaufforderung enthalten.

2.2.2 Sprachstil

Passive Satzkonstruktionen sollten vermieden werden, stattdessen sollte der Imperativ bevorzugt werden, dies verbessert die Verständlichkeit. Füllwörter sollten weitestgehend vermieden werden, da diese den Ausgangstext unnötig verlängern und dadurch die Übersetzungskosten erhöhen. Sätze sollten stets nach dem gleichen Schema gebildet werden, dies hat Auswirkungen auf die Übersetzungskosten, da bereits übersetzte Sätze wieder verwendet werden können. Neue Benennungen und Abkürzungen sollten erläutert werden, um dem Übersetzer das Verständnis zu erleichtern. Der Nominalstil sollte vermieden werden, da dieser die Verständlichkeit erschwert (vgl.[w4]). Unbestimmte Wörter wie „verhältnismäßig“, „übermäßig“, „eigentlich“ sind zu vermeiden [vgl. FH08].

2.2.3 Terminologie

Die vorgegebene Terminologie sollte konsistent verwendet werden. Synonyme sollten nicht verwendet werden. Für jeden Term in der Ausgangssprache sollte es nach Möglichkeit nur einen entsprechenden Term in der Zielsprache geben. Dies spart Übersetzungskosten, da Wiederholungen bei TMS i.d.R. nicht berechnet werden. Die verwendete Terminologie sollte eindeutig sein um Fehlinterpretationen möglichst auszuschließen. Es empfiehlt sich insbesondere bei schwieriger Fachterminologie eine Erläuterung für den Übersetzer zu liefern, so dass sich Rückfragen erübrigen.

2.2.4 Formatierung

Sätze mit identischer Satzfunktion sollten auch identisch formatiert sein. Dabei sollten Wörter und Absätze nicht manuell formatiert werden sondern mit Hilfe von Formatvorlagen. Bei korrekt angewandter, template-basierter Formatierung der Ausgangstexte sind TMS in der Lage diese nach dem Import und der Bearbeitung mit nahezu identischer Formatierung zu exportieren. Darüber hinaus können TMS bei template-basierter Formatierung effizienter genutzt und damit Übersetzungskosten eingespart werden [vgl. VDMA07:13ff.]. Jede Formatvorlage sollte eine eindeutige Bezeichnung erhalten und idealerweise auch die Funktion des formatierten Segments ausdrücken (Warnung, Anweisung usw.). Dies kann für den Übersetzer hilfreich sein, da die Funktion des Segments die Übersetzung beeinflusst. Die Verwendung von Leerzeichen als Abstandshalter ist zu vermeiden, da Leerzeichen bei der Abrechnung häufig als Text gezählt werden, stattdessen sind unvermeidbare Leerstellen durch Tabstopps zu realisieren. Zeilenumbrüche durch Eingabe der Enter-Taste können zu zeitaufwendigen Umformatierungsarbeiten führen. Deshalb sollten Zeilenumbrüche alleine durch die Begrenzung des Textes durch den Textrahmen zustande kommen. Absätze sollten durch Absatzendemarken realisiert werden.

Zu beachten ist, dass der Ausgangstext in den meisten Fällen eine andere Länge haben wird als der Zieltext. Übersetzt man einen deutschen Text ins Englische, benötigt der Zieltext i.d.R. 10% weniger Platz als der deutsche Ausgangstext, bei der Übersetzung des gleichen Textes ins Französische, benötigt der Zieltext i.d.R. 30% mehr Platz als der deutsche Ausgangstext. Aufgrund dieser Tatsache ist bei der Erstellung des Ausgangstextes darauf zu achten, dass genügend Platz für die Übersetzung vorhanden ist, sonst könnten umständliche Umformatierungen nötig sein [vgl. HHT02:371]. Bilder, Grafiken und Illustrationen sind sprachneutral zu gestalten, so lassen sich diese für jede Sprache verwenden und zusätzliche Anfertigungen vermeiden. Beschriftungen sollten ggf. außerhalb des Bildes mittels einer Legende angebracht werden [vgl. HHT02:373]. Wenn Sätze in Tabellen platziert sind, sollten diese nicht zerteilt werden, um sie etwa in der nächsten Zeile oder Spalte weiterzuführen. Solch eine Formatierung wird durch ein TMS nicht erkannt und die Sätze im TMS werden ggf. in falscher Reihenfolge angezeigt und deren Zusammengehörigkeit ist dann nur noch schwer rekonstruierbar. Um unnötige Umformatierungsarbeiten durch den Übersetzer zu vermeiden, sollte man nachfragen, mit welchen Dateiformaten gearbeitet wird und diese nach Bedarf selbst umwandeln [vgl. HHT02:371].

2.2.5 Redaktionsleitfaden

Der Redaktionsleitfaden stellt ein firmenspezifisches Regelwerk für stilistische und terminologische Vorgaben und Richtlinien dar. Regeln bezüglich des Layouts, der Typografie und sprachliche Festlegungen sichern die Einheitlichkeit der Dokumente und auch ein einheitliches Erscheinungsbild des Unternehmens nach außen. Um mitarbeiterübergreifend die Umsetzung einheitlicher Formatierungen von Dokumenten zu gewährleisten und das angesammelte Wissen im Unternehmen zu verankern, ist es sinnvoll einen Redaktionsleitfaden zu erstellen. Dabei haben verschiedene Dokumente verschiedene Funktionen z.B. müssen in Betriebsanleitungen für interne Mitarbeiter, die über Fachwissen und -vokabular verfügen, standardisierte Benennungen nicht näher erläutert werden. Wohingegen Betriebsanleitungen die sich an Kunden mit unterschiedlichen Vorkenntnissen richten, ausführlich und allgemein verständlich formuliert sein müssen. Ein Kapitel im Redaktionsleitfaden sollte beschreiben wie Aktualisierungen umgesetzt werden sollen und welche Personengruppen im Unternehmen dafür verantwortlich sind [vgl. VDMA07:16ff.].

2.3 Hilfsmittel für die Texterstellung

Neben der Rechtschreibprüfung, die bei gängigen Texterstellungsprogrammen heute standardmäßig vorhanden ist, gibt es weitere hilfreiche Programme um die Qualität von Texten zu verbessern und die Effizienz bei der Texterstellung zu steigern. Man spricht hierbei von der „Standardisierung“ von Texten [vgl. VDMA07:11].

2.3.1 Authoring-Memory-Systeme

Zur Unterstützung der übersetzungsgerechten Texterstellung beim Verfassen von technischen Texten bieten sich sogenannte Authoring-Memory-Systeme an. Diese Programme helfen dem Technischen Redakteur optimierte Anleitungstexte zu erstellen. Dem Übersetzer werden bei der Ausgangstexterstellung die bereits übersetzten Segmente aus dem Übersetzungsspeicher angezeigt. Diese Vorschläge lassen sich dann per Mausklick übernehmen und ggf. abändern, was die Zeit für die Erstellung der Dokumentation verringert und die Vorübersetzungsquote bei der späteren Übersetzung mit einem TMS erhöht (vgl.[w17]).

2.3.2 Controlled-Language-Checkers

Solch eine Software kontrolliert die korrekte Verwendung der Terminologie so wie die Einhaltung von Rechtschreib-, Grammatik-, und Stilregeln. Diese Software erkennt Regelverstöße automatisch und zeigt sie dem Übersetzer an. Die angewandten Regeln lassen sich auch bedarfsspezifisch verändern bzw. erstellen. Die Regeln helfen beim übersetzungsgerechten Schreiben, unterstützen die Einhaltung einer „Kontrollierten Sprache“ und fördern die Verständlichkeit des Textes. Diese Optimierung führt zu günstigeren Übersetzungskosten durch die Erhöhung der Vorübersetzungsquoten (vgl.[w4]).

Die Entscheidung für den Einsatz eines Controlled-Language-Checkers sollte vor der Übersetzung eines Dokumentes in mehrere Sprachen gefällt werden. Wenn Dokumente bereits übersetzt wurden und solch eine Software erst anschließend eingesetzt wird, kann danach die Matchrate im TMS drastisch sinken (vgl.[w17]).

[...]

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Optimierung des Übersetzungsmanagements eines Großunternehmens
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Übersetzen und Dolmetschen)
Veranstaltung
Technische Dokumentation
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
57
Katalognummer
V196822
ISBN (eBook)
9783656228721
ISBN (Buch)
9783656229780
Dateigröße
1466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Übersetzungsmanagement, TMS, Auftragsvergabe, Angebotsvergleich, Vorgehen, Planung, Übersetzungsgerechtes Schreiben, Angebotskalkulation, Translation-Memory-System, Vergleich, Übersetzer, Übersetzung, procurement, comparison, prices, strategy, translator, service provider, translation, translation-oriented authoring, choosing an agency, optimization, Übersetzungsabläufe, technical writing, Technische Dokumentation, Technischer Redakteur, Across, Aufwandsrechnung, CMS, machine translation, maschinelle Übersetzung, controlled language checkers, savings, Einsparungen, Maschinenrichtlinie, Machinery Directive, unvollständige Maschinen, EN 15038:2006, Übersetzungsprozess, Übersetzungsablauf, Übersetzungsentscheidung, decision, Technische Redaktion, Vergleich von Angeboten, Zeilenpreis, Normzeile, Übersetzungsdienstleister, Übersetzungsbüro, Übersetzungspreise, Aufwandsabschätzung
Arbeit zitieren
Andreas Schobner (Autor), 2012, Optimierung des Übersetzungsmanagements eines Großunternehmens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196822

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