„In den nächsten Jahren kommt eine riesige Aufgabe auf uns zu, eine Herkulesaufgabe. [...], und das Ganze in dem Umfeld einer Gesellschaft, deren Altersaufbau sich dramatisch verändert. Wir brauchen neues Denken, um diese großen Herausforderungen bewältigen zu können.“
Dieses Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel und die zuletzt in der öffentlichen Diskussion häufig publizierten Beiträge zum demografischen Wandel und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel sowie die Erfahrungen aus eigener Tätigkeit als Krankenpfleger auf Intensivstationen in Berlin und dem beinahe täglichen Erleben des Fachkräftemangels ist Anlass und motivierende Idee für die Erstellung dieser Arbeit.
Sinkende Geburtenzahlen und ein höheres zu erreichendes Lebensalter haben die Altersstruktur in Deutschland verändert und werden sie weiter verändern – hin zu einer überalterten Bevölkerung.
Die aktuell geführte Diskussion weist einen Fachkräftemangel für den Gesundheitssektor aus. Statistische Berechnungen gehen dabei von gravierenden Ausmaßen vor allem auch für den stationären Sektor, die Krankenhäuser, aus.
In der vorliegenden Arbeit sollen jene grundlegenden demografischen Veränderungen aufgezeigt werden, die als maßgebend für das Handeln des Krankenhausmanagements betrachtet werden müssen. Abgeleitet von den allgemeinen Aufgaben des Krankenhauses als Institution und den Einschränkungen hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten sollen des Weiteren Handlungsfelder für das Krankenhausmanagement aufgezeigt und speziell für den Bereich Personalmanagement Empfehlungen konstruiert werden, dem drohenden und schon bestehenden Fachkräftemangel - bedingt durch den demografischen Wandel - möglichst zukunftssicher zu begegnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Update Demografischer Wandel
2.1 Definition und Begriffsklärung
2.2 Demografischer Wandel in Deutschland
2.2.1 Geburtenrate und steigende Lebenserwartung
2.2.2 Entwicklung der Patientenstruktur
2.2.3 Entwicklung der Erwerbspersonenzahl und Fachkräftemangel
2.2.4 Veränderungen in der Krankenhauslandschaft
2.3 Ausblick
3 Krankenhausmanagement
3.1 Abgrenzung und besondere Stellung
3.1.1 Krankenhausstruktur
3.1.2 Das Dienstleistungsunternehmen Krankenhaus
3.1.3 Krankenhausfinanzierung
3.2 Allgemeine Handlungsfelder und Zusammenfassung
4 Handlungsfelder im Personalmanagement
4.1 Personalmarketing und Personalbeschaffung
4.2 Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterentwicklung
4.3 Gestaltung der Arbeitsorganisation
4.4 Im Fokus: Der ältere Mitarbeiter
4.5 Anreize und Motivation
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des demografischen Wandels auf das Personalmanagement in deutschen Krankenhäusern und erarbeitet praxisnahe Handlungsempfehlungen, um dem resultierenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
- Analyse der demografischen Entwicklung und deren Einfluss auf die Patientenstruktur
- Stellenwert des Personalmanagements in Krankenhäusern
- Strategien zur Personalgewinnung und -bindung unter Wettbewerbsdruck
- Gestaltung der Arbeitsorganisation zur Attraktivitätssteigerung
- Förderung und Integration älterer Mitarbeiter
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Krankenhausstruktur
Wie bereits in vorangegangenen Gliederungspunkten erarbeitet, ist das Management diejenige Institution, die innerhalb eines Systems auf das Handeln anderer Personen gestaltend und steuernd Einfluss nimmt. In den (gewachsenen) Strukturen des Krankenhauses hat sich quasi ein 3-Säulen-System etabliert: Verwaltungsbereich, Pflegebereich, ärztlicher Bereich. Jeder dieser drei Organisationsbereiche lässt sich, wie Abb. 5 zeigt, in ein dreistufiges Hierarchiesystem unterteilen. Diese Unterteilung in die Ebenen oberes, mittleres und unteres Management wird auch gern als positionsbestimmte Definition des Managements bezeichnet. Top Management und Unternehmensleitung sind andere, in der Praxis vielleicht sogar häufiger verwendete Synonyme für das obere Management. Bereichsleitung gilt als eine mittlere Managementposition, Gruppenleitung beispielsweise als Vertreter der Hierarchiestufe unteres Management.
Zusätzlich zu dem in Abb. 5 vorgestellten 3-Säulen-System wird die Organisationsstruktur im Krankenhaus vom System der Mehrlinienorganisation verkompliziert. Das Mehrliniensystem besagt, dass ein Mitarbeiter mehrere Vorgesetzte haben kann. Im Krankenhaus betrifft dies vor allem die Pflegekräfte, die sowohl von den pflegerischen Leitungen, als auch von Ärzten Anweisungen erhalten können. Weniger häufig findet man in Krankenhäusern dagegen das Einliniensystem, bei dem jeder Mitarbeiter nur einen Vorgesetzten hat. Dieses ist eher Merkmal der Privatwirtschaft.
Das Mehrliniensystem und das 3-Säulen-System sowie die vielfältigen Aufgaben in der Gesundheitsversorgung machen die Krankenhäuser zu einer der kompliziertesten gesellschaftlichen Einrichtung. Die innere Organisation ist hochkomplex und bietet somit Ansatzpunkte für Überschneidungen von Zuständigkeiten und Verantwortung, dadurch ein erhöhtes Konfliktpotenzial bis hin zu Kompetenzgerangel. Letztendlich kann der Informationsfluss entschieden gestört werden, Prozesse in der Leistungserstellung werden verlangsamt und im schlechtesten Fall sogar aufgehalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des demografischen Wandels und des daraus folgenden Fachkräftemangels ein und definiert das Ziel der Arbeit, Handlungsempfehlungen für das Krankenhausmanagement zu entwickeln.
2 Update Demografischer Wandel: Das Kapitel veranschaulicht die statistischen Fakten des demografischen Wandels und deren Auswirkungen auf Patientenstruktur, Erwerbspersonenzahl und die Krankenhauslandschaft.
3 Krankenhausmanagement: Es wird die besondere Stellung des Krankenhauses als Dienstleistungsunternehmen beleuchtet und die komplexe Struktur sowie Finanzierung thematisiert, die das Management vor spezifische Herausforderungen stellen.
4 Handlungsfelder im Personalmanagement: Dieser Hauptteil identifiziert zentrale Bereiche wie Personalmarketing, Bindung, Arbeitsorganisation und den Umgang mit älteren Mitarbeitern, um den Fachkräftemangel strategisch zu bewältigen.
5 Resümee: Das Resümee fasst die Notwendigkeit eines aktiven und mitarbeiterorientierten Personalmanagements zusammen, um die Zukunftsfähigkeit von Krankenhäusern sicherzustellen.
Schlüsselwörter
Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Krankenhausmanagement, Personalmanagement, Personalmarketing, Mitarbeiterbindung, Altersstruktur, Gesundheitswesen, Dienstleistungsunternehmen, Demografie, Personalbeschaffung, Mitarbeiterentwicklung, Arbeitsorganisation, Motivation, Krankenhausfinanzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Krankenhäuser durch ein zielgerichtetes Personalmanagement auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und des drohenden Fachkräftemangels reagieren können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf Personalmarketing, Mitarbeiterbindung, Weiterentwicklung, Arbeitsorganisation und spezifischen Strategien für den Umgang mit älteren Mitarbeitern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für das Krankenhausmanagement, um trotz demografisch bedingtem Fachkräftemangel die Patientenversorgung zukunftssicher und qualitativ hochwertig zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse statistischer Daten sowie aktueller Studien zur demografischen Entwicklung und zum Krankenhausmanagement.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Krankenhausstrukturen (u.a. Mehrliniensystem) und eine detaillierte Ausarbeitung der Handlungsfelder im Personalmanagement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Personalmanagement, Mitarbeiterbindung und Krankenhausmanagement.
Warum spielt die "blutige Entlassung" bei der Krankenhausfinanzierung eine Rolle?
Sie beschreibt das Risiko, dass durch vorzeitige Entlassung zur Kostenoptimierung unter dem DRG-System die Kosten in andere Bereiche verlagert werden und die Versorgungsqualität leiden kann.
Wie unterscheidet sich die Krankenhausstruktur von anderen Unternehmen?
Das Krankenhaus zeichnet sich durch ein komplexes 3-Säulen-System (Verwaltung, Pflege, ärztlicher Dienst) und häufig durch ein Mehrliniensystem aus, das die interne Steuerung komplizierter macht als in der Privatwirtschaft.
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- Dominik Schirbach (Author), 2011, Demografischer Wandel in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196842