Datenschutz contra Melde- und Kontrollpflichten im Rahmen des Antidopingprogramms der NADA

Ein Beispiel aus dem MTB-Sport


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Darstellung des Sachverhalts
2.1 Der Fall Fumic.
2.2 Handlungsgrundlagen von NADA und WADA

3. Der NADC gemessen an rechtsstaatlichen Maßstäben der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Konsequenzen aus den Melde- und Kontrollpflichten
3.2 Die Gesetzeslage in Deutschland - klare Verstöße des NADC?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Ehrenwörtliche Erklärung

1. Einleitung

Anfang 2008 verbreitete sich über die Presse die Meldung, dass die beiden Brüder und Ausnahmeathleten Manuel und Lado Fumic, mögliche Medaillenanwärter der kommenden Olympischen Spiele im Cross-Country, auf Grund eines Dopingvergehens (laut BDR) mit einer Sperre rechnen müssen.

Beide Sportler haben jedoch nachweislich nicht gedopt, sondern aus Protest die sogenannten „Whereabouts“ nicht ausgefüllt, da sie sich in ihrer Privatsphäre gestört fühlten. Letzten Endes bekamen Manuel und Lado Fumic vom Bundessportgericht Recht, nichtsdestotrotz distanzierten sich einige deutsche Fahrer von der kritischen Haltung der beiden Brüder ebenso wie, wenn auch nur kurzzeitig, die Öffentlichkeit. In dieser Arbeit möchte ich den „Fall Fumic“ näher vorstellen, die rechtlichen Grundlagen klären und schauen, inwieweit die Melde- und Kontrollpflichten der NADA in Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte eingreifen.

2. Darstellung des Sachverhalts

2.1 Der Fall Fumic

Wegen wiederholten Verstoßes gegen die Meldeauflagen der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) hat das unabhängige Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) die beiden Mountainbike-Profis Lado und Manuel Fumic im April 2008 verwarnt und eine dreimonatige Sperre verhängt. (Bike-Magazin 05/08)

Seit dem 01.07.2007 gilt die sogenannte „Missed Test Policy“, initiiert von der Welt Anti- Doping Agentur und in Deutschland umgesetzt von der NADA, sieht diese gestaffelte Sanktionen bei verpassten Dopingkontrollen vor. Damit einher ging die Einführung des nationalen Testpools, dessen Mitglieder verpflichtet sind, vierteljährlich im Voraus die voraussichtlichen Aufenthaltsorte und -zeiten (sog. „Whereabouts“) der NADA mitzuteilen. Seit dem 01.01.2008 wird dies seitens der Athleten über das online erreichbare Meldesystem „Adams“ gemacht. (Art. 2.4 und 6 NADA-Code)

„Eine Nichtabgabe der „Whereabouts“ wird als Meldepflichtverstoß gewertet und ist entsprechend zu sanktionieren.“1

Die beiden Mountainbiker hatten sich dem ADAMS-System verweigert und ihre Aufenthaltsangaben der NADA formlos auf dem Postweg zugesandt. In ihren „Whereabouts“ des letzten Quartals 2007 und der beiden ersten Quartale 2008 werden lediglich Wettkampftermine und Trainingslager angegeben, ansonsten aber auf die Erreichbarkeit unter der Privat- oder Firmenadresse verwiesen.

Das ADAMS-System, bzw. die NADA sieht hingegen eine lückenlose Dokumentation täglicher Aufenthaltsorte vor - 24 Stunden am Tag. Lado und Manuel Fumic lehnten dies allerdings ab, da es ihrer Ansicht nach einen Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte darstellt. Gegen die Sperre legten die beiden beim Bundesrechtsausschuss Berufung ein, woraufhin der BDR seine im April verhängte Sperre unter Verweis auf einen Formfehler (die Verwarnung habe ihre Funktion nicht erfüllen können, da sie zeitgleich mit der Sperre ausgesprochen worden sei) im Juni wieder aufhob. (Bike Sport News 07/2008)

Der Anwalt der Fumic-Brüder, Markus Höss, kommentierte dies mit den Worten: „Man wollte verhindern, dass die Sache vor einem ordentlichen Gericht geklärt wird.“2 Die Aufhebung der Sperre ermöglichte Manuel Fumic die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking, obwohl der BDR auf seiner Website zur Nominierung für Olympia Folgendes schrieb:

„Meldung zum Trainingskontrollsystem der NADA - Olympische Spiele Peking 2008:

Die Anmeldung und Teilnahme am Trainingskontrollsystem der NADA ist Grundvoraussetzung, um vom BDR/DOSB für die Olympischen Spiele in Peking 2008 nominiert werden zu können. (…)“3

Da die Fumic-Brüder der Meldepflicht in gewisser Weise nachgekommen sind, bei den Dopingproben immer dort anwesend waren, wo sie gemäß ihren Ausführungen (Whereabouts) auch sein sollten, stimmte der DOSB einer Nominierung von Manuel Fumic zu (Lado Fumic erreichte auf Grund gesundheitlicher Probleme nicht die für die Nominierung erforderliche Norm).

Am 15. Dezember 2009 fällte das Bundessportgericht des BDR das endgültige Urteil über den angeblichen Meldeverstoß der Fumic-Brüder. Es stellte sich auf die Seite der beiden Mountainbiker mit der Urteilsbegründung, dass beide Sportler ihrer Verpflichtung zur Abgabe der Whereabout-Meldung ordnungsgemäß nachgekommen seien.

Das Anliegen von Lado und Manuel Fumic soll hier noch einmal durch Auszüge der offiziellen Pressemitteilung vom 28.04.2008 verdeutlicht werden:

„Wir unterstützen den Kampf gegen Doping in unserem konkreten Handeln seit je her und lehnen jegliche Manipulation an und in unserem Sport entschieden ab, wie wir auch das unbedingte Erfordernis anerkennen, dass Kontrollen zur Wahrung der Chancengleichheit im Wettkampf unabdingbar notwendig sind. Die Beachtung rechtsstaatlicher Grundprinzipien und die Wahrung der Verhältnismäßigkeit der Mittel sollte hierbei jedoch eingehalten werden. Die Kontrollen sollten einer gewissen Diskretion in der konkreten Durchführung unterliegen, die auch selbständigen Sportlern in ihrer Lebensführung gerecht wird. Alle Sportler grundsätzlich unter Generalverdacht zu stellen und für Jedermann sonst völlig außer jeder Diskussion stehende Rechte zu ignorieren ist jedoch nicht der richtige Weg zum sauberen Sport. Dies ist nicht das Modell, das einer jungen Generation zum Verständnis von einer menschenfreundlichen und lebenswerten Gesellschaft vorgelebt werden sollte.‘‘4

Nach dem Urteil vom 15. Dezermber 2009 folgten allerdings keine weiteren „Protestaktionen“ der beiden; Lado Fumic beendete Mitte 2010 seine Karriere auf Grund gesundheitlicher Probleme, Manuel Fumic konzentriert sich seither auf seine sportliche Karriere.

Daher möchte ich nun im weiteren Verlauf dieser Arbeit klären, inwiefern die Melde- und Kontrollpflichten mit dem deutschen Recht zu vereinbaren sind und ob ein weiteres „Vorpreschen“ der Fumic-Brüder die Bemühungen der NADA um eine lückenlose Kontrolle möglicherweise in eine tiefe Krise gestürzt hätten. „Denn hätte damals nicht Olympia vor der Tür gestanden“, meint Markus Höss, der Anwalt der beiden, „hätten wir die Sache bis zum Ende durchgezogen.“5

2.2 Handlungsgrundlagen von NADA und WADA

Die Aktivitäten der World Anti-Doping Agency (WADA) und ihres nationalen Pendants, der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA), zielen auf die Durchsetzung und den Schutz eines fairen und sauberen Sports. Dies beinhaltet u.a. Kontrollmechanismen und -maßnahmen mit der Intention, illegale Dopingpraktiken zu verhindern bzw. zu identifizieren. (NADC 2009)

Die Definition und Umsetzung von Antidopingmaßnahmen wird länderübergreifend durch den International Standard of Testing vorgegeben. Für die Einhaltung des Datenschutzes im Zuge der Antidopingmaßnahmen gilt der International Standard for the Protection of Privacy and Personal Information. (WADA 2009)

Athleten ab dem Bundesliganiveau (oder vergleichbarem Leistungsniveau) werden durch den Nationalen Anti Doping Code, sowie durch ergänzende Standards Melde- und Kontrollpflichten auferlegt. Je nach Kaderzugehörigkeit oder Risikogruppe erfolgt eine Aufteilung in Testpools: den Allgemeinen Testpool (ATP), den Nationalen Testpool (NTP) und den Registered Testing Pool (RTP).

[...]


1 Artikel 3.1.1 Anhang 2 Kommentare, NADA Standard für Meldepflichten (2009) Aachen: Meyer&Meyer Verlag S. 25

2 Der Teckbote - Kirchheimer Zeitung 09.02.2009 Kirchheim: GO-Verlag S.4

3 Bike Magazin Online Abruf: 13.03.2012 (http://beta.bike-magazin.de/nachrichten/der-fall-fumic-und-die-folgen--chancen-fuer-peking- schwinden/a643.html)

4 Homepage der beiden Fumic Brüder Abruf: 10.02.2012 (http://www.fumic.de/info/pressemitteilungen/280408)

5 Der Teckbote - Kirchheimer Zeitung 09.02.2009 Kirchheim: GO-Verlag S.4 5

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Datenschutz contra Melde- und Kontrollpflichten im Rahmen des Antidopingprogramms der NADA
Untertitel
Ein Beispiel aus dem MTB-Sport
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Veranstaltung
Sportrecht
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V197308
ISBN (eBook)
9783656237686
ISBN (Buch)
9783656240600
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
datenschutz, melde-, kontrollpflichten, rahmen, antidopingprogramms, nada, beispiel, mtb-sport
Arbeit zitieren
Jannik Siggemann (Autor:in), 2012, Datenschutz contra Melde- und Kontrollpflichten im Rahmen des Antidopingprogramms der NADA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197308

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