Die Ausführungen sollen in erster Linie den Blick schärfen für die vielen Frauen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um in unseren Haushalten zu arbeiten. Doch auch wenn man sie vielerorts bei uns antrifft, werden sie in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, was nicht zuletzt auch daran liegen könnte, dass sie sich auch selbst häufig so unauffällig verhalten. Darüber hinaus sind es sehr unterschiedliche Personen mit jeweils individuellen, in vieler Hinsicht völlig verschiedenen Biographien. Verbunden sind solche Frauen aus den unterschiedlichsten Ländern jedoch vor allem durch eine zentrale Gemeinsamkeit:
Eines Tages haben sie ihre Heimat verlassen, und nun verdienen sie ihren Lebensunterhalt, indem sie deutsche Wohnungen putzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die aktuellen Rahmenbedingungen der bezahlten Haushaltsarbeit
2.1.1 Zur Struktur der Arbeitgeberhaushalte
2.1.2 „Die neuen Dienstmädchen“ – Wer arbeitet als Putzfrau in Deutschland? Einige typische Differenzierungen
2.1.3 Warum machen sich Migrantinnen ausgerechnet nach Deutschland auf?
2.1.4 Das Alltagsleben der Haushaltsarbeiterinnen in Deutschland
2.2 Problemkomplex: Illegaler Aufenthalt
2.2.1 Definition von „Illegalität“
2.2.2 Darstellung der aktuellen Gesetzeslage
2.2.3 Illegale Haushaltsarbeiterinnen in Deutschland
2.2.3.1 Leben in der Schattenwelt der Illegalität
2.2.3.2 Arbeiten in der Illegalität
2.3 Nachfrageseite: Wer in Deutschland hat welches Interesse daran, dass Migrantinnen als Haushaltsarbeiterinnen in der Illegalität verbleiben?
2.3.1 Beispiele, die verdeutlichen, dass es solche Interessen gibt
2.3.1.1 Interessen des Migrationslandes Deutschland
2.3.1.2 Interessen der ArbeitgeberInnen von illegalen Haushaltsarbeiterinnen
2.3.2 Präzise Benennung dieser Interessen
2.4 Ausblick: Einerseits Duldung der illegalen Haushaltsarbeit und andererseits Kriminalisierung von illegalen Migrantinnen?
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sozioökonomischen Bedingungen und Interessenlagen hinter der Beschäftigung von Migrantinnen in der illegalen Haushaltsarbeit in Deutschland. Zentral ist dabei die Frage, wer in der deutschen Gesellschaft von diesem informellen Arbeitsmarkt profitiert und warum die Betroffenen in einer rechtlichen Grauzone verbleiben.
- Strukturen und soziale Lebenswelten illegalisierter Haushaltsarbeiterinnen.
- Die Rolle des "Privathaushalts" als bedeutender, aber tabuisierter Arbeitsmarkt.
- Interessenlagen der Arbeitgeberseite und des Migrationslandes Deutschland.
- Spannungsfeld zwischen ökonomischem Nutzen, Kriminalisierung und prekärer Arbeitswelt.
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Illegale Haushaltsarbeiterinnen in Deutschland
Grundlegend stellt Helma Lutz heraus, dass es als illegalisierter Mensch in Deutschland zu leben, in der Regel heißt, mit Arbeitsplatz-, Wohnungs-, Gesundheits-, Orientierungs- und Integrationsproblemen konfrontiert zu sein.96
Dementsprechend bezeichnet Maria S. Rerrich das Leben der Haushaltsarbeiterinnen in Deutschland auch als ein Leben in der Schattenwelt der Illegalität.97 So weist sie grundlegend darauf hin, dass es außerordentlich schwierig ist, quantitative Aussagen dazu zu machen, wie stark illegale Migration in Europa oder auch nur in Deutschland verbreitet ist, nicht zuletzt weil das, was darunter zu verstehen ist, kontrovers diskutiert wird und weil in den einzelnen EU-Ländern unterschiedliche Definitionen von legalem und illegalem Zugang gelten.98 Überdies sagt Christine Kamphues aus, dass sich für den Arbeitssektor Privathaushalt zur Beschäftigung illegaler (illegalisierter) Haushaltsarbeiterinnen keine validen Angaben machen lassen, da dieser private Bereich für Kontrollen tabuisiert ist.99
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Präsenz illegaler Migrantinnen in deutschen Privathaushalten und führt in das Spannungsfeld zwischen der Transnationalisierung der Hausarbeit und der prekären rechtlichen Situation der betroffenen Frauen ein.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Rahmenbedingungen der Haushaltsarbeit, definiert den Problemkomplex der Illegalität und untersucht die spezifischen Interessen von Arbeitgebern und dem deutschen Staat an der Fortführung dieses informellen Sektors.
3. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen, betont die strukturelle Unsichtbarkeit der Arbeit und fordert eine politische Auseinandersetzung, die Menschenrechte über rein ökonomische Verwertungsinteressen stellt.
Schlüsselwörter
Haushaltsarbeit, Illegalität, Migration, Schwarzarbeit, Privathaushalt, Schattenwirtschaft, Transmigration, Arbeitsmarkt, Prekarität, Migrantinnen, Aufenthaltsstatus, Care-work, Ausbeutung, Dienstmädchenfrage, Sozialversicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Migrantinnen, die in Deutschland in Privathaushalten als Haushaltshilfen tätig sind, ohne über den notwendigen aufenthalts- oder arbeitsrechtlichen Status zu verfügen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Schattenwirtschaft im Privathaushalt, die rechtliche Ausgestaltung von Illegalität sowie die sozioökonomischen Interessenlagen der beteiligten Akteure.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzudecken, wer in Deutschland welche Interessen daran hat, dass dieser Zustand der rechtlichen Illegalität für die migrantischen Arbeitskräfte aufrechterhalten bleibt.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse soziologischer und migrationswissenschaftlicher Studien, um die komplexen Strukturen der informellen Arbeitsverhältnisse im Privathaushalt darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rahmenbedingungen, eine Auseinandersetzung mit den Begrifflichkeiten von Illegalität sowie eine detaillierte Ausarbeitung der Nachfrageseite und der Interessen des Migrationslandes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Haushaltsarbeit, Illegalität, Migration, Schwarzarbeit und der ökonomische Aspekt der Prekarisierung von migrantischen Arbeitskräften.
Warum wird der Privathaushalt als "Schattenwelt" bezeichnet?
Der Begriff beschreibt den Umstand, dass die Arbeit in den privaten Räumen gesellschaftlich unsichtbar ist, kaum kontrolliert wird und die Arbeiterinnen dadurch in eine erpressbare und rechtlose Position geraten.
Welche Rolle spielt das "Interesse" des deutschen Staates?
Das Dokument argumentiert, dass eine bestimmte staatliche Politik die Verfügbarkeit dieser Arbeitskräfte durch fehlende legale Rekrutierungswege und eine restriktive Migrationspolitik indirekt fördert, da ein Bedarf an kostengünstigen Dienstleistungen besteht.
- Citation du texte
- Michéle Thüne (Auteur), 2010, Frauen in der Migration: Haushaltsarbeiterinnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197446