Diese Hausarbeit befasst sich mit der Darstellung der Moraltheorie nach Kohlberg, indem sie zunächst die Grundlagen nach Piaget und Kohlbergs Moralstufen erläutert und im folgenden die Kritik der Theorie in Schwerpunkte gliedert und darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie des moralischen Lernens nach Kohlberg
2.1. Kohlbergs Adaption von Piagets Theorie
2.2. Das moralische Urteil
2.2.1. Der Inhalt des moralischen Urteils
2.2.2. Die sequenzielle Stufenform des moralischen Urteils
2.3. Die sozio-moralische Perspektive der Moralentwicklung
3. Kritik der Theorie des moralischen Lernens nach Kohlberg
3.1. Das strukturelle Problem auf der Ebene der Methoden
3.2. Ein struktureller Engpass – Das Stufenmodell in der Kritik
3.3. Postkonventionalität als Konstrukt eines problematischen Prinzipienbegriffs
3.4. Der Standpunkt der Moral in kritischer Reflexion
3.5. Autonomie als Voraussetzung der Theorie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der grundlegenden Theorie der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg und analysiert diese kritisch unter Berücksichtigung wissenschaftlicher und philosophischer Einwände. Das Ziel besteht darin, sowohl das strukturierte Stufenmodell zu erläutern als auch die Validität der zugrunde liegenden methodischen und begrifflichen Annahmen zu hinterfragen.
- Darstellung der kognitiven Theorie des moralischen Lernens.
- Erläuterung der Stufenstruktur des moralischen Urteils.
- Analyse der sozio-moralischen Perspektivenübernahme.
- Kritische Untersuchung methodischer Schwachstellen der Dilemma-Interviews.
- Reflexion über den Begriff des moralischen Prinzips und die Autonomie des Subjekts.
Auszug aus dem Buch
3.1. Das strukturelle Problem auf der Ebene der Methoden
Kohlbergs Kritiker vertreten die Position, dass das Strukturproblem der Methoden den Fokus der durchgeführten Studien verzerrt.
Döbert verweist dabei auf die verwendeten Dilemmata, die durch ihre Komplexität keine Einordnung des moralischen Standpunkts in einem Entwicklungsverlauf, sondern das strukturelle Verständnis für die beschriebene Situation abfragen (vgl. Döbert 1987, S. 499). Dieses strukturelle Verständnis hat jedoch einigen Kritikern zufolge keinerlei Einfluss auf eine Moralnorm und stellt daher eher eine Verschiebung der Wertigkeit dar, da die Ableitung einer moralischen Norm keiner komplexen operative Basis bedarf, sich diese im Gegenteil erübrigt, da eine Gesellschaft, die auf Moralnormen aufgebaut ist, die Begründung dieser Normen bereits impliziert und daher auch kein Kriterium zu Definition ist (vgl. Oser 1981, S. 54).
Der einzige Bereich der Moralfindung, der vom Grad des strukturellen Verständnisses direkt profitiert – die Möglichkeit, Kompromisse zu schließen unter der Berücksichtigung verschiedener Sichtweisen der Situation – wird im Rahmen der Dilemmata von Kohlberg vollständig isoliert (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Relevanz der Moralentwicklung und Einordnung der Arbeit in zwei Hauptteile: Theoriebeschreibung und kritische Auseinandersetzung.
2. Die Theorie des moralischen Lernens nach Kohlberg: Darstellung der Adaption von Piaget sowie der Kategorisierung moralischer Urteile in Inhalt und Stufenstruktur.
3. Kritik der Theorie des moralischen Lernens nach Kohlberg: Umfassende Analyse methodischer Probleme, des Stufenmodells und des philosophischen Prinzipienbegriffs.
4. Fazit: Resümee über die fortdauernde Bedeutung der Theorie als Gedankenspiel bei gleichzeitiger Hinterfragung ihrer methodischen Grundlage und ethischen Implikationen.
Schlüsselwörter
Moralentwicklung, Lawrence Kohlberg, Stufenmodell, Moralurteil, Kognitive Entwicklung, Sozio-moralische Perspektive, Autonomie, Postkonventionalität, Kritik, Ethiktheorie, Dilemma-Interview, Prinzipienbegriff, Sozialisation, Pragmatismus, Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Theorie des moralischen Lernens nach Lawrence Kohlberg und beleuchtet die kritischen Diskurse, die sich mit dieser wissenschaftlichen Forschung auseinandersetzen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die kognitive Moraltheorie, das sechsstufige Stufenmodell, die sozio-moralische Perspektivenübernahme sowie die methodische Kritik an Kohlbergs empirischen Studien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung und kritische Reflexion des Kohlbergschen Ansatzes, um die Stärken und die theoretischen Schwachstellen des Konstrukts aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Analyse zugrunde?
Die Autorin führt eine Literaturanalyse durch, in der sie verschiedene theoretische und kritische Stimmen zur Moraltheorie zusammenführt und gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit untersucht?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Darlegung von Kohlbergs Modell sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit strukturellen und methodischen Kritikpunkten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen moralische Stufen, kognitive Entwicklung, methodische Kritik, Autonomie und das Dilemma-Verfahren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „Standpunkts der Moral“?
Die Autorin stellt fest, dass der Standpunkt der Moral als Fixpunkt für die Postkonventionalität in der Fachkritik umstritten ist, da er von der Beobachterperspektive abhängt und nicht als allgemeingültiges Kriterium für Reife gelten kann.
Warum wird die Autonomie des Subjekts in der Theorie kritisch gesehen?
Kritiker führen an, dass das in der Theorie vorausgesetzte Bild eines vollständig autonomen Subjekts die Realität gesellschaftlich geprägter Individuen unzureichend abbildet.
- Arbeit zitieren
- Bianca Helbig (Autor:in), 2012, Kohlbergs Theorie des moralischen Lernens und ihre Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197450