Gestaltpädagogik und Lehrerverhalten


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Was bedeutet Gestaltpädagogik?

3 Gründe die für die Anwendung eines gestaltpädagogischen Unterrichts sprechen
3.1 Ausgangssituation des Lehrers
3.1.1 Probleme mit den Schülerinnen und Schülern
3.1.2 Probleme in Bezug auf die eigene Person
3.1.3 Probleme von außen
3.2 Die Vorteile der Gestaltpädagogik für den Lehrer

4 Vom Lehrer zum Gestaltpädagogen
4.1 Persönlichkeit, Ganzheitlichkeit und Kontaktherstellung
4.2 Die Schüler und ich
4.2.1 Selbstkongruenz und selektive Authentizität
4.2.2 Respekt, Akzeptanz, Wertschätzung und Vertrauen
4.3 Methoden

5 Gestaltpädagogik im Selbstversuch: The TreesofIndia
5.1 Methode
5.2 Introspektion: Meine Empfindungen und Gefühle

6 Fazit

Anhang

Bibliographie

1. Einleitung

Internationale Bildungsstudien sowie die hohe Burnout-Rate heutiger Lehrer zeigen, dass sich etwas im deutschen Schulsystem und im Unterricht ändern muss. Ziel soll es nicht nur sein, dass Kinder und Jugendlichen wieder mehr Freude am Lernen haben sondern auch die Pädagogen beim Lehren entlastet werden. Für Gestaltpädagogen kann es auf diese beiden Probleme eine Lösung geben.

Seitdem ich im Sommer 2010 an einem Gestaltpädagogik-Seminar unter der Leitung Herrn Prof. Dr. Burows teilnehmen durfte, bin ich von jener kreativen Unterrichtsführung fasziniert. Da ich im vorausgegangenen Semester einige Unterrichtspraxis an einem französischen Lycée als Assistenzlehrerin für das Fach Deutsch sammeln konnte, hatte auch ich Erfahrungen mit positiven, aber auch mit problematischen Unterrichtssituationen gemacht. Oft hatte ich überlegt, was ich denn mit den unruhigen, unkonzentrierten Klassen machen würde. Und als ich dann schließlich eines besseren belehrt wurde, war es leider schon zu spät, aber die Gestaltpädagogik beeindruckte mich so sehr, dass ich sie wenig später in meinen Schulpraktischen Studien wieder anwenden würde.

Dennoch fragte ich mich, wie sich denn ein Gestaltpädagogischer Lehrer verhalten müsse – schließlich ist er es doch, der als Kontaktvermittler zwischen Schüler und Stoff (Ich – Du) steht. Und wie Katja Johnen in ihrem Praxisbuch „Lust statt Frust in der Schule“ betont, sei die gestaltpädagogische Lehrerhaltung als das „A+O für das Gelingen und auch Scheitern eines gestaltpädagogischen Unterrichts“ (1999:183).

Aus diesem Grund soll sich jene Hausarbeit auf das Thema „Gestaltpädagogik und Lehrerverhalten“ konzentrieren. Dazu möchte ich zuerst kurz zusammenfassen, was „Gestaltpädagogik“ meint. Da die Lehrenden hier im Fokus stehen, soll zunächst beispielhaft deren Probleme im Schulalltag dargestellt werden. Dabei möchte ich drei Kategorien untersuchen: Die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Lehrer – Schüler – Beziehung, persönliche Probleme sowie erschwerende Anforderungen von außen. Im darauf folgenden Abschnitt möchte ich schließlich beweisen, dass ein Großteil jener Schwierigkeiten durch gestaltpädagogische Maßnahmen verringert werden können. Da empirische Studien auf diesem Gebiet leider noch unzureichend sind, werde ich mich hier vor allem auf die Aussagen Burows (1988) stützen, um die Vorteile der Gestaltpädagogik für den Lehrer herauszufinden. Wie ich mir als Lehrer jene Vorteile zu Nutzen machen kann, soll in dem hiernach folgenden Abschnitt „Vom Lehrer zum Gestaltpädagogen“ behandelt werden. Gleichzeitig soll hier die Frage „Wie wird man ein gestaltpädagogische Lehrer?“ beantwortet werden. Dabei werden verschiedene Ebenen betrachtet. Zunächst die Ich-Ebene, d.h. hier wird vorrangig die Persönlichkeit und Gedanken der/des Lehrenden untersucht, woraufhin das Verhalten gegenüber SchülerInnen und schließlich einige gestaltpädagogische Methoden dargestellt werden.

Den Abschluss meiner Arbeit soll mein persönliches Ergebnis eines gestaltpädagogischen Unterrichtsversuchs im Fach Englisch darstellen.

2. Was bedeutet Gestaltpädagogik?

Die Gestaltpädagogik entwickelte sich aus verschiedenen psychologischen und therapeutischen Strömungen. Nach Reichel & Scala (1996) zählen zu diesen beispielsweise die Humanistische, die Tiefen- und Gestaltpsychologie sowie die Reformpädagogik Freinets, Montessoris und anderer. Dazu kamen verschiedene pädagogische Konzepte wie beispielsweise die themenzentrierte Interaktion Ruth Cohns und Ideen aus der Gestalttherapie und des Psychodramas, sodass der Begriff „Gestaltpädagogik“ verschiedene Dimensionen annahm. Jene Form des Erziehens und Unterrichtens bezeichnet demzufolge nicht nur eine präzise Didaktik oder Methodik, sondern ist viel mehr als das: Gestaltpädagogik steht für eine komplexe Haltung.

Die Überzeugung, dass der Mensch als „Selbst“ immer in seiner Umwelt zu verstehen sei, steht hierbei im Zentrum. In ihrer Anwendung versucht die Gestaltpädagogik deswegen zunächst auf die Bedürfnisse eines Individuums einzugehen, bevor sie einen Wachstumsprozess einzuleiten versucht, der auf die Veränderung des Individuums und der Umwelt abzielt :

„Dadurch, daß der Mensch lernt, er selbst zu werden, verändert sich auch sein Verhältnis zu seiner Umwelt. Andererseits erkennt er, daß er, um sich selbst zu finden, auch seine Umwelt verändern muss.“(Burow&Scherpp 1981: 127).

Jener Prozess geschieht jedoch parallel: Man findet zu sich selbst und seinen Platz in der Gesellschaft und kann auf diese Weise auch auf die Gesellschaft einwirken. Lernprozesse sollten gemäß gestaltpädagogischen Ansichten demzufolge ganzheitlich verlaufen, um jene relative Gleichzeitigkeit, zu begünstigen.

Warum aber sollte man als Lehrer gestaltpädagogisch handeln?

3. Gründe die für die Anwendung eines gestaltpädagogischen Unterrichts sprechen

3.1 Ausgangssituation des Lehrers

Da sich in dieser Arbeit vorrangig mit der Lehrerperson auseinandergesetzt werden soll, möchte ich zunächst untersuchen, welchen Schwierigkeiten Lehrer in ihrem Beruf ausgesetzt sind. Sieland (2001) weist auf die belastenden Eigenschaften des Lehrerberufs hin. Demzufolge erreichen 96% aller Pflichtschullehrer die normale Dienstaltersgrenze nicht. Grund für eine durchschnittliche Frühpensionierung im Alter von 58 Jahren sei bei der Hälfte der Lehrer Erschöpfung. Was aber ist so belastend am Lehrerberuf?

Dafür unterscheidet Sieland (2001) zunächst zwischen zwei Sichtweisen. Einerseits sind da die Schüler – ihre Verhaltensauffälligkeiten und natürlich die Beziehung zu ihnen. Und andererseits ist da das eigene Empfinden und die Beziehung zu sich selbst.

3.1.1 Probleme mit den Schülerinnen und Schülern

Im Hinblick auf die Schüler macht den Lehrern hauptsächlich die Aggressivität mancher Schüler zu schaffen, womit nicht nur das Provozieren und Ausnutzen von Schwächen gemeint sei, sondern auch schlechtes Reden vor den Eltern oder Kollegen. An zweiter Stelle steht die Undiszipliniertheit der Schüler. Dies betrifft einerseits das Erledigen von Übungen und Hausaufgaben, die entweder schlampig oder gar nicht gemacht werden, und andererseits die Unkonzentriertheit im Unterricht, d.h. Schüler, die nicht zuhören oder nicht aufpassen und Anweisungen nicht befolgen. Direkt im Anschluss folgt schon die Kritik am Lehrer-Schüler-Kontakt, der durch eine oberflächliche Beziehung gekennzeichnet ist (Kontaktstörung). Oft wird kein Zugang zu den Schülern ermöglicht, sodass eine Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen entweder nicht festgestellt oder nicht erzielt wird. Geringere Probleme scheinen die Faktoren Passivität und Demotivation darzustellen, was meint, dass Schüler unterhalten werden wollen, keine eigene Kritik äußern, ihre Unterrichtschance nicht nutzen und den Lehrer nicht herausfordern.

3.1.2 Probleme in Bezug auf die eigene Person

Wurden die (lehrenden) Probanden nach den Gründen für diese Probleme gefragt, so wurden diese hauptsächlich auf die eigene Person bzw. den eigenen Unterrichtsstil zurückgeführt. Grimm (1996) unterscheidet dabei zwischen internalen und aktionalen Ursachenzuschreibungen. Bezüglich ihrer Beziehung zu Schülern stellen Lehrer oft die eigenen sozialen Kompetenzen (internal) in Frage. Sie sehen sich oft als nicht einfühlsam genug, sind nicht selbstsicher und unflexibel im Unterricht. Aktional gesehen äußerten die befragten Personen mehrfach das Problem der Überlastung oder des Zeitmangels, sodass wenige Momente für eigene Interessen oder sportliche Aktivitäten blieben. Sie wünschten sich daher mehr Schlaf und Entspannung. Auch der Mangel an sozialen Kontakten und der Sinn für eine gesunde Lebensweise wurden genannt. Mir scheint es jedoch so, als seien dies nicht nur Gründe für belastende Unterrichtssituationen, sondern geradezu Wünsche, den die Lehrer an die eigene Person besitzen. Meines Erachtens bietet Gestaltpädagogik an dieser Stelle einige Möglichkeiten, die bestehende Situation der Lehrer zu verbessern (Vgl. 3.2).

3.1.3 Probleme von außen

Es sollte hier kritisch angemerkt werden, dass Sieland kein Untersuchungsmaterial zur Beziehung des Lehrers zu Personen außerhalb des Klassenraums (Eltern, Direktor, Schulrat etc.) anbietet, denn auch hier ergeben sich belastende Faktoren, wie Grimm (1996) in der externalen Ursachenzuschreibung andeutet. Dazu gehören Mängel im Schulsystem, wie beispielsweise Notendruck, fehlende Mittel oder finanzielle Unterstützung, sowie fehlende Förderprojekte für starke und schwache SchülerInnen, aber auch die Umwelt der Kinder und Jugendlichen, das heißt der Einfluss von Medien, familiären Problemen und Feiertagen. An letzter Stelle sehen viele der befragten Pädagogen auch die Schuld für die schlechte Atmosphäre im Klassenraum in anderen Personen, wie zum Beispiel die Eltern, die in der Erziehung ihrer Kinder versagten.

Alle diese Gründe haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Es scheint so, als stünde der Lehrer als Einzelkämpfer vor einer 20-30- Personen-Klasse und habe gleichzeitig verschiedene Probleme zu bewältigen, nämlich a) die Beziehung zu sich selbst, b) die Beziehung zu den Schülern, c) die Beziehung zwischen Stoff und Schülern, d) die Beziehung zwischen den Schülern und ihrer persönlichen Situation (Familie, Feiertage, Freunde etc.) und e) die Verantwortung gegenüber externen Personen und Institutionen wie Eltern, Direktor, Kultusministerium usw.

3.2 Die Vorteile der Gestaltpädagogik für den Lehrer

Die Gestaltpädagogik bietet einige Möglichkeiten, um die belastende Situation der Lehrer zu verbessern. Zwar sind empirische Daten auf diesem Gebiet noch nicht ausreichend, jedoch schildern verschiedene Erlebnisse von Lehrern, die Gestaltpädagogik betrieben, um die Atmosphäre zu optimieren, ähnliche Ergebnisse. Ebenso stellenBurow (1988) und Bürmann&Heinel (1997) vergleichbare Erfahrungen dar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Gestaltpädagogik und Lehrerverhalten
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V197548
ISBN (eBook)
9783656236399
ISBN (Buch)
9783656236764
Dateigröße
1835 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gestaltpädagogik, Erziehung, Lehrer
Arbeit zitieren
Stefanie Schliephorst (Autor), 2011, Gestaltpädagogik und Lehrerverhalten , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197548

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