Internationale Bildungsstudien sowie die hohe Burnout-Rate heutiger Lehrer zeigen, dass sich etwas im deutschen Schulsystem und im Unterricht ändern muss. Ziel soll es nicht nur sein, dass Kinder und Jugendlichen wieder mehr Freude am Lernen haben sondern auch die Pädagogen beim Lehren entlastet werden. Für Gestaltpädagogen kann es auf diese beiden Probleme eine Lösung geben.
Wie muss sich also ein gestaltpädagogischer Lehrer verhalten – schließlich ist er es doch, der als Kontaktvermittler zwischen Schüler und Stoff (Ich – Du) steht. Und wie Katja Johnen in ihrem Praxisbuch „Lust statt Frust in der Schule“ betont, sei die gestaltpädagogische Lehrerhaltung als das „A+O für das Gelingen und auch Scheitern eines gestaltpädagogischen Unterrichts“ (1999:183).
Da die Lehrenden hier im Fokus stehen, soll zunächst beispielhaft deren Probleme im Schulalltag dargestellt werden. Dabei möchte ich drei Kategorien untersuchen: Die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Lehrer – Schüler – Beziehung, persönliche Probleme sowie erschwerende Anforderungen von außen. Im darauf folgenden Abschnitt möchte ich schließlich beweisen, dass ein Großteil jener Schwierigkeiten durch gestaltpädagogische Maßnahmen verringert werden können. Da empirische Studien auf diesem Gebiet leider noch unzureichend sind, werde ich mich hier vor allem auf die Aussagen Burows (1988) stützen, um die Vorteile der Gestaltpädagogik für den Lehrer herauszufinden. Wie ich mir als Lehrer jene Vorteile zu Nutzen machen kann, soll in dem hiernach folgenden Abschnitt „Vom Lehrer zum Gestaltpädagogen“ behandelt werden. Gleichzeitig soll hier die Frage „Wie wird man ein gestaltpädagogische Lehrer?“ beantwortet werden. Dabei werden verschiedene Ebenen betrachtet. Zunächst die Ich-Ebene, d.h. hier wird vorrangig die Persönlichkeit und Gedanken der/des Lehrenden untersucht, woraufhin das Verhalten gegenüber SchülerInnen und schließlich einige gestaltpädagogische Methoden dargestellt werden.
Den Abschluss meiner Arbeit soll mein persönliches Ergebnis eines gestaltpädagogischen Unterrichtsversuchs im Fach Englisch darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was bedeutet Gestaltpädagogik?
3 Gründe die für die Anwendung eines gestaltpädagogischen Unterrichts sprechen
3.1 Ausgangssituation des Lehrers
3.1.1 Probleme mit den Schülerinnen und Schülern
3.1.2 Probleme in Bezug auf die eigene Person
3.1.3 Probleme von außen
3.2 Die Vorteile der Gestaltpädagogik für den Lehrer
4 Vom Lehrer zum Gestaltpädagogen
4.1 Persönlichkeit, Ganzheitlichkeit und Kontaktherstellung
4.2 Die Schüler und ich
4.2.1 Selbstkongruenz und selektive Authentizität
4.2.2 Respekt, Akzeptanz, Wertschätzung und Vertrauen
4.3 Methoden
5 Gestaltpädagogik im Selbstversuch: The Trees of India
5.1 Methode
5.2 Introspektion: Meine Empfindungen und Gefühle
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Gestaltpädagogik, um die täglichen Belastungen von Lehrkräften zu mindern und die Lernqualität im Schulunterricht durch eine verbesserte Lehrer-Schüler-Beziehung zu steigern. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Lehrer durch gestaltpädagogische Haltungen und Methoden ihr eigenes Wohlbefinden und die Interaktion mit ihren Schülern konstruktiv gestalten können.
- Analyse der Belastungssituation im Lehrerberuf
- Grundlagen und Prinzipien der Gestaltpädagogik
- Förderung von Persönlichkeitsentwicklung und Ganzheitlichkeit bei Lehrenden
- Praktische Umsetzungsmöglichkeiten durch gestaltpädagogische Methoden
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Selbstkongruenz und selektive Authentizität
Johnen (1999) betont, dass gestaltpädagogisches Lehrerverhalten keinesfalls meint, jegliches Schülerverhalten zu tolerieren und warnt davor, ein „Ja-Sager“ zu werden. Womit ihr absolut zuzustimmen ist, denn, denken wir noch einmal an die Ausgangssituation (Erschöpfung, Unlust etc.), würde eine solche aufopfernde Haltung diese noch verstärken.
Stattdessen empfiehlt sie, nicht nur die Bedürfnisse der SchülerInnen wahrzunehmen und zu beachten, sondern auch den eigenen Empfindungen und Wünschen Aufmerksamkeit zu schenken und wenn nötig auch zu artikulieren. Dabei sei es jedoch wichtig, niemanden anzuklagen, keine Vorwürfe zu erheben und auch nicht zu beschuldigen, da dies sonst in einer Endlosschleife aus gegenseitigen Anschuldigungen und Rechtfertigungen und deren abgewandelten neuen Formen ausufern würde. Ein Beispiel, wie man als Lehrer in einer turbulenten Unterrichtssituation für sich selbst sorgen kann, gibt Jürgen Heinel (1993: 25 f.):
„ Ich sage vielleicht „So wie das jetzt zugeht, ist das für mich kein Weg, fühle ich mich schlecht.“ Geben die Schüler zum Beispiel zurück: „Uns geht es bestens dabei“, so kann es viel zum gegenseitigen Verständnis beitragen, wenn die Rollen vertauscht werden. Ein Schüler übernimmt die Lehrerrolle, ich gehe auf seinen Platz, und er und andere merken, daß es „so“, mit einem solchen Ungleichgewicht, tatsächlich nicht geht.“
Hierbei gilt jedoch zu beachten, „selektiv“ authentisch zu sein. Das bedeutet, dass Lehrer nicht alle Gefühle bis ins Detail gegenüber SchülerInnen artikulieren müssen, sondern ein Gespür dafür entwickeln, wann derartige Äußerungen vertretbar sind und wann nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die hohe Burnout-Rate unter Lehrern und motiviert die Untersuchung gestaltpädagogischer Ansätze als Lösungsweg zur Verbesserung der Schulsituation.
2 Was bedeutet Gestaltpädagogik?: Das Kapitel definiert Gestaltpädagogik als komplexe Haltung, die aus verschiedenen therapeutischen und pädagogischen Strömungen erwachsen ist und den Menschen als Ganzes in seiner Umwelt betrachtet.
3 Gründe die für die Anwendung eines gestaltpädagogischen Unterrichts sprechen: Hier werden die vielfältigen Belastungsfaktoren im Lehrerberuf, wie Aggressivität, Unkonzentriertheit der Schüler sowie eigene persönliche Herausforderungen, systematisch analysiert.
3.1 Ausgangssituation des Lehrers: Dieser Abschnitt differenziert die Schwierigkeiten des Lehrberufs in Probleme mit Schülern, persönliche Defizite und externe Anforderungen.
3.1.1 Probleme mit den Schülerinnen und Schülern: Der Fokus liegt hier auf dem Umgang mit Disziplinproblemen, mangelndem Fokus und gestörten Kontaktbeziehungen im Klassenzimmer.
3.1.2 Probleme in Bezug auf die eigene Person: Hier werden interne Ursachenzuschreibungen von Lehrern wie mangelnde soziale Kompetenzen oder Überlastung reflektiert.
3.1.3 Probleme von außen: Dieser Teil beleuchtet externe Belastungsfaktoren wie das Schulsystem, fehlende Ressourcen und das soziale Umfeld der Schüler.
3.2 Die Vorteile der Gestaltpädagogik für den Lehrer: Das Kapitel erläutert, wie durch gesteigerte Wahrnehmung, Kompetenzen in der Gesprächsführung und Selbstreflexion das Unterrichtsklima verbessert werden kann.
4 Vom Lehrer zum Gestaltpädagogen: Hier wird der Prozess beschrieben, wie sich Lehrkräfte durch Persönlichkeitsentwicklung und eine neue Haltung zum Gestaltpädagogen weiterentwickeln können.
4.1 Persönlichkeit, Ganzheitlichkeit und Kontaktherstellung: Dieser Abschnitt betont die Notwendigkeit, durch den Einklang von Denken, Fühlen und Handeln Ganzheitlichkeit herzustellen, bevor effektive Stoffvermittlung stattfinden kann.
4.2 Die Schüler und ich: Der Fokus verschiebt sich hier auf die partnerschaftliche Ebene zwischen Lehrer und Schüler als Basis für erfolgreiches Lernen.
4.2.1 Selbstkongruenz und selektive Authentizität: Es wird diskutiert, wie Lehrer ihre eigenen Bedürfnisse wahren und dabei selektiv authentisch gegenüber Schülern auftreten können.
4.2.2 Respekt, Akzeptanz, Wertschätzung und Vertrauen: Die Grundpfeiler einer sozialen Lerngrundlage werden hier als essenzielle Einstellungen zur Akzeptanz jedes Lernenden definiert.
4.3 Methoden: Das Kapitel führt zentrale Prinzipien wie das „Hier und Jetzt“ und das „Lernen durch Erfahrung“ ein und nennt praktische Methoden wie Phantasiereisen oder Rollenspiele.
5 Gestaltpädagogik im Selbstversuch: The Trees of India: Dieser Teil beschreibt einen konkreten Unterrichtsversuch in einer 13. Klasse zur Anwendung der Methode der Themenbäume.
5.1 Methode: Hier wird die kreative Umsetzung der Unterrichtsstunde zum Thema „Indien“ unter Einsatz gestaltpädagogischer Prinzipien detailliert dargelegt.
5.2 Introspektion: Meine Empfindungen und Gefühle: Die Autorin reflektiert ihre eigenen Zweifel vor der Stunde und ihr positives Fazit nach der erfolgreichen Umsetzung.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gestaltpädagogik ein enormes Potenzial für die Reform der Schule bietet, da sie den Fokus auf ganzheitliches Entdecken und zwischenmenschliche Beziehungen legt.
Schlüsselwörter
Gestaltpädagogik, Lehrerverhalten, Ganzheitlichkeit, Kontaktherstellung, Unterrichtsstörung, Lehrer-Schüler-Beziehung, Selbstreflexion, Burnout-Prävention, Stoffvermittlung, Persönlichkeitsentwicklung, Authentizität, Lernprozesse, Unterrichtsmethoden, Selbstwahrnehmung, Unterrichtsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie gestaltpädagogische Prinzipien und Haltungen dazu beitragen können, den Lehrerberuf zu entlasten und Unterricht lebendiger sowie erfolgreicher zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Analyse der Lehrer-Belastung, die Bedeutung von Ganzheitlichkeit, die Förderung von Kontaktherstellung zu Schülern und die praktische Umsetzung neuer Lehrmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch die Anwendung der Gestaltpädagogik sowohl persönlich profitieren als auch die Lernbereitschaft und das Wohlbefinden ihrer Schüler stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben der theoretischen Literaturarbeit nutzt die Autorin eine Fallstudie (Unterrichtsversuch) und eine reflektierende Introspektion, um die Wirksamkeit gestaltpädagogischer Ansätze in der Schulpraxis zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Problemanalyse des Lehrerberufs, eine theoretische Fundierung zur Persönlichkeitsentwicklung der Lehrenden und eine Beschreibung praxisnaher gestaltpädagogischer Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gestaltpädagogik, Lehrerverhalten, Ganzheitlichkeit, Kontaktherstellung, Selbstreflexion und Authentizität.
Welches spezifische Fallbeispiel führt die Autorin an?
Die Autorin beschreibt ein Unterrichtsprojekt mit dem Titel „The Trees of India“, bei dem sie in einer 13. Englischklasse durch kreative Gruppenarbeit und assoziatives Lernen die Beteiligung der Schüler förderte.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Lehrerrolle?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Gestaltpädagogik allein keine fertigen „Gestaltpädagogen“ macht, sondern dass eine ständige Reflexion der eigenen Persönlichkeit und der Bedürfnisse die Grundvoraussetzung für ein partnerschaftliches Unterrichtsklima darstellt.
- Citation du texte
- Stefanie Schliephorst (Auteur), 2011, Gestaltpädagogik und Lehrerverhalten , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197548