Die Weiterentwicklung der Europäischen Union ist seit ihrer Gründung Gegenstand von Diskussionen und zahlreichen Publikationen. Besonders interessant ist hier, wie es mit der politischen Integration der einzelnen Mitgliedsstaaten weitergeht.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre hat diese Entwicklungen maßgeblich beeinflusst. Zuerst waren nur die Banken von dieser Krise betroffen. Als dem Bankensystem in einigen Ländern der Zusammenbruch drohte, mussten mehrere Finanzinstitute von den jeweiligen Staaten aufgefangen bzw. verstaatlicht werden. Da hier enorme Beträge in die Hand genommen werden mussten, gerieten die betroffenen Länder schnell in einen finanziellen Engpass. Es wurde notwendig, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sich untereinander mit finanziellen Mitteln aushalfen. Die Krise wirkte sich in der Folge auch negativ auf das Wirtschaftswachstum aus und erschwerte damit die Schuldenreduktion der Länder zusätzlich.
Daraus ergeben sich nun die Fragestellungen, wie sich diese Ereignisse auf die zukünftige politische Zusammenarbeit in der Europäischen Union auswirkten und welches Integrationsmodell durch die Krise gestärkt wurde. Sehen die Spitzenpolitiker trotz (oder gerade) wegen der Krise mehr Europa als sinnvoll an oder ist eine Folge der Krise, dass die Länder in Zukunft weniger zusammenarbeiten werden? Auch die Meinung der Bevölkerung wird für die Beantwortung dieser Fragen herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Titel
1.2 Ausgangssituation
1.3 Forschungsfrage und Forschungsziel
1.4 Vorgehensweise und Methodik
1.5 Thematische Abgrenzung
1.6 Argumentationskette
2 Entwicklung der Europäischen Union
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.1.1 Begriff Europa
2.1.2 Erste politische Zusammenarbeit
2.1.3 Europagedanke in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
2.1.4 Europarat
2.1.5 Gründung der EGKS
2.1.6 Vertrag von Rom
2.1.7 Erweiterungen
2.1.8 Verträge
2.2 Aufbau der EU-Institutionen
2.2.1 Europäischer Rat
2.2.2 Europäische Kommission
2.2.3 Rat der Europäischen Union
2.2.4 Europäisches Parlament
2.2.5 Kontrollinstitutionen
2.3 Währungsunion
2.4 Zwischenresümee
3 Modelle
3.1 Begriff der Integration
3.2 Integrationstheorien
3.2.1 Föderalismus
3.2.2 Intergouvernementalismus
3.2.3 Funktionalismus
3.2.4 Sektorale Integration
3.2.5 Multilevel-Governance-Theorie
3.3 Integrationsmodelle
3.3.1 Staatenbund
3.3.2 Europa der Regionen
3.3.3 Europa der zwei Geschwindigkeiten
3.3.4 Vereinigte Staaten von Europa
3.4 Zwischenresümee
4 Standpunktveränderungen
4.1 Eurorettungsschirm
4.1.1 Ursachen der Schulden- und Wirtschaftskrise
4.1.2 Teile des Eurorettungsschirms
4.1.3 Fiskalpakt
4.2 Standpunkte einzelner Mitgliedsstaaten
4.2.1 Österreich
4.2.2 Deutschland
4.2.3 Frankreich
4.2.4 Vereinigtes Königreich
5 Auswirkungen der Krise
5.1 Auswirkungen auf die Meinung der Spitzenpolitiker
5.2 Auswirkungen auf die Meinung der Bevölkerung
6 Resümee
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie sich die Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Standpunkte der politischen Eliten in ausgewählten EU-Mitgliedsstaaten hinsichtlich der zukünftigen politischen Zusammenarbeit in der Europäischen Union auswirkt und welches Integrationsmodell dabei gestärkt wird.
- Analyse der theoretischen Grundlagen europäischer Integration und verschiedener Integrationsmodelle.
- Untersuchung der nationalen Positionen vor und nach Ausbruch der Krise in Österreich, Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich.
- Bewertung der Auswirkungen der Krise auf die politische Meinung von Entscheidungsträgern.
- Auswertung von Eurobarometer-Daten zur Stimmung in der Bevölkerung.
Auszug aus dem Buch
1.2 Ausgangssituation
Wohin steuert der Supertanker Europäische Union? Diese Frage stellt sich schon seit ihrem Bestehen. Die Metapher vom Supertanker passt sehr gut zu dem politischen Projekt Europa. Man assoziiert diese Institution sofort mit einem riesigen Stahlkoloss auf dem Meer, der langsam, aber beständig dahinfährt. Bei diesem trägen Monstrum sind Richtungsänderungen nur sehr schwer möglich. Dies lässt sich auf die wichtigsten Verträge übertragen, da es oft bis zu zehn Jahre benötigt, bis ein solches Werk von allen nationalen Parlamenten ratifiziert wurde.
Churchill äußerte 1946 Folgendes zur Zukunft des Kontinents in Bezug auf die Verhinderung eines neuen Krieges: Trotzdem gibt es ein Heilmittel, das, allgemein und spontan angewendet, die ganze Szene wie durch ein Wunder verwandeln und innerhalb weniger Jahre ganz Europa, oder doch dessen größten Teil, so frei und glücklich machen könnte, wie es heute die Schweiz ist. Dieses Mittel besteht in der Erneuerung der europäischen Völkerfamilie oder doch einer so großen Zahl ihrer Mitglieder, wie es im Rahmen des Möglichen liegt, und ihrem Neuaufbau unter einer Ordnung, unter der sie Freiheit, Sicherheit und Frieden leben kann. Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa errichten. (…) Die Struktur der Vereinigten Staaten von Europa wird, wenn sie richtig und dauerhaft errichtet werden soll, so geartet sein müssen, dass die materielle Stärke einzelner Staaten an Bedeutung einbüßt. (…) Wenn alle Staaten Europas dieser Union fürs erste nicht beitreten wollen oder können, so müssen wir doch alle jene sammeln, die willens und imstande sind, es zu tun. (…) So möge denn Europa erstehen!
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die Fragestellung zur zukünftigen politischen Zusammenarbeit in der EU durch die Eurokrise sowie die methodische Vorgehensweise.
2 Entwicklung der Europäischen Union: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext von der frühen politischen Zusammenarbeit über die Gründung der EGKS bis hin zu den verschiedenen EU-Verträgen und dem Aufbau der Institutionen.
3 Modelle: Hier werden zentrale Begriffe der Integration, verschiedene Integrationstheorien sowie spezifische Integrationsmodelle definiert und theoretisch eingeordnet.
4 Standpunktveränderungen: Das Kapitel analysiert die Reaktionen auf die Finanz- und Wirtschaftskrise, insbesondere den Eurorettungsschirm und den Fiskalpakt, sowie die spezifischen Meinungen führender Politiker in ausgewählten Mitgliedsstaaten.
5 Auswirkungen der Krise: Es werden die Auswirkungen der Krise auf die Standpunkte der politischen Eliten und der Bevölkerung zusammenfassend dargestellt und diskutiert.
6 Resümee: Das Schlussresümee fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die zukünftige Entwicklung der EU im Lichte der Krisenerfahrungen.
7 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Monographien, Aufsätze und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Europa der zwei Geschwindigkeiten, Europäische Integration, Eurorettungsschirm, Staatenbund, Vereinigte Staaten von Europa, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Politische Zusammenarbeit, Fiskalpakt, EU-Institutionen, Euro, Europäischer Rat, Souveränität, Eurozone.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Eurokrise auf die politische Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union und analysiert die veränderten Positionen der Mitgliedsstaaten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der EU, theoretische Integrationsmodelle, das Krisenmanagement (Eurorettungsschirm, Fiskalpakt) und die Haltung nationaler Eliten sowie der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Es soll identifiziert werden, welches Modell der politischen Zusammenarbeit (z.B. Staatenbund oder föderaler Staat) aus Sicht der untersuchten EU-Mitgliedsstaaten durch die aktuelle Eurokrise gestärkt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine reine Literaturarbeit, die durch eine Inhaltsanalyse von Medienberichten und die Auswertung von Eurobarometer-Daten ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Erläuterung theoretischer Integrationsmodelle sowie die detaillierte Analyse der Standpunktveränderungen in Österreich, Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Europa der zwei Geschwindigkeiten", "Europäische Integration", "Eurorettungsschirm", "Staatenbund" und "Vereinigte Staaten von Europa".
Welche Rolle spielt die Schweiz im Zusammenhang mit dem Integrationsmodell?
Die Schweiz wird als historisches Beispiel für einen funktionierenden Bundesstaat herangezogen, in dem Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen zusammenleben, und dient als Referenzpunkt für föderale Überlegungen.
Warum wird der "Britenrabatt" in der Arbeit thematisiert?
Der Britenrabatt wird als Ausdruck des speziellen Verhältnisses Großbritanniens zur EU angeführt, das dessen skeptische Haltung gegenüber der weiteren Integration und Kompetenzabgabe verdeutlicht.
- Quote paper
- Rene Kohlweiss (Author), 2012, Die EU in der Krise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197579