Die Hausarbeit schreiben oder doch lieber an den See? Sonntagabends noch einmal den Vorlesungsstoff der letzten Woche wiederholen oder einfach nur einen guten Film im Fernsehen ansehen? Jeder kennt den inneren Zwiespalt, der sich auftut, wenn wir eigentlich eine unangenehme Sache erledigen müssten aber vielmehr den aktuellen Augenblick genießen möchten. Ein Großteil der Menschen umgeht diesen temporären Aufwand indem sie Dinge, die ihnen widerstreben, auf spätere Zeitpunkte aufschieben. Dieses Verhalten wird in der Fachsprache auch als Prokrastination bezeichnet. Eng damit verbunden ist die individuelle Fähigkeit, Selbstdisziplin zu üben und sich trotz kurzfristiger Anstrengungen immer seine langfristigen Ziele und Werte vor Augen zu halten. So konnte nachgewiesen werden, dass sich eine schon im Kindesalter ausgeprägte Selbstbeherrschung positiv auf die spätere Gesundheit oder den Erfolg der Menschen auswirken kann.1 Gerade die Zielgruppe der Studierenden ist sicherlich besonders von der umgangssprachlich „Aufschieberitis“ genannten Verhaltensweise betroffen. Jedoch stellt Prokrastination ein ernstzunehmendes Problem für einen nicht geringen Teil der Bevölkerung dar und bedarf oft auch professioneller Hilfe.2 In dieser Arbeit soll vorwiegend durch Analyse verschiedener Versuche gezeigt werden, dass sich die meisten Menschen durchaus über ihre „prokastinierenden“ Charakterzüge im Klaren sind. Anhand einiger Beispiele wird beschrieben, wie Menschen dieser Nachlässigkeit durch verschiedene Maßnahmen zur Selbstkontrolle versuchen entgegenzuwirken.
Im ersten Teil der Arbeit wird auf die Bereitschaft der Probanden, sich selbst in ihren Handlungsweisen einzuschränken, eingegangen. Es wird klar, dass sie sich zwar Richtlinien setzen, dies aber nicht in optimaler Art und Weise tun. Aus weiteren Versuchen geht hervor, dass Selbstbeherrschung als eine Funktion von der Gestalt einer umgedrehten U-Funktion in Abhängigkeit der kurzfristigen Kosten einer Tätigkeit aufgefasst werden kann.
In dem darauffolgenden Kapitel werden die Beobachtungen aus der Praxis in einem theoretischen Modell festgehalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Problem des Aufschiebens – Experimentelle Untersuchungen
2.1 Bereitschaft zur Selbstkontrolle und Effizienz
2.1.1 Die Versuchsanordnung
2.1.2 Ergebnisse und Diskussion
2.2 Bestrafung und Belohnung als Selbstkontrollmechanismen
2.2.1 Die Versuchsanordnung
2.2.2 Ergebnisse und Diskussion
2.3 Wertschätzung und emotionale Bindung
2.3.1 Die Versuchsanordnung
2.3.2 Ergebnisse und Diskussion
3. Prokrastination am Beispiel eines theoretischen Modells
4. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Prokrastination und die Mechanismen der Selbstbeherrschung, wobei sie analysiert, wie Menschen durch bewusste Einschränkungen und Anreize versuchen, dem Aufschieben unangenehmer Aufgaben entgegenzuwirken. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwiefern individuelle Selbstkontrollstrategien die Produktivität beeinflussen und welche theoretischen Modelle dieses Verhalten erklären können.
- Analyse experimenteller Studien zu Selbstkontrolle und Fristen.
- Untersuchung von Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen bei der Aufgabenbewältigung.
- Zusammenhang zwischen Wertschätzung, emotionaler Bindung und Leistungsfähigkeit.
- Formale Modellierung von Prokrastination (naive vs. vorausschauende Akteure).
- Ableitung gesamtwirtschaftlicher Implikationen für Anreizsysteme.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Versuchsanordnung
Durchgeführt wurde der Versuch mit 99 Teilnehmern einer Weiterbildung für Führungskräfte am MIT. Während des 14-wöchigen Programms sollte jeder Teilnehmer drei Kurzarbeiten verfassen. Dazu wurde der Kurs zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe bekam drei über den gesamten Zeitraum gleichmäßig verteilte Abgabetermine. Gruppe 2 hatte freie Hand bei der Wahl der Abgabefristen. Lediglich die spätest mögliche Abgabe am letzten Tag des Kurses musste eingehalten werden und einmal festgelegte Termine konnten nicht mehr geändert werden. Während die vorzeitige Abgabe einer Arbeit keinen Vorteil brachte, wurde die erreichte Punktzahl für jeden Tag Verspätung um 1% reduziert. Ein vollkommen rational handelnder Teilnehmer ohne Probleme mit seiner Selbstbeherrschung sollte demnach alle drei Abgabetermine auf den letzten Tag des Kurses legen. Hier hätte er zur Vervollständigung seiner Arbeiten so viel Zeit wie möglich und auch eine Bestrafung durch Punktabzug wäre ausgeschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Prokrastination ein, definiert den Begriff und umreißt die Relevanz der Selbstdisziplin sowie die Zielsetzung der Arbeit anhand experimenteller und theoretischer Analysen.
2. Das Problem des Aufschiebens – Experimentelle Untersuchungen: Dieses Kapitel präsentiert verschiedene Studien, die belegen, wie Menschen versuchen, durch externe Fristen, Belohnungen oder Strafen ihre Nachlässigkeit bei unangenehmen Aufgaben aktiv zu bekämpfen.
3. Prokrastination am Beispiel eines theoretischen Modells: Hier wird das Aufschiebeverhalten formalisiert und zwischen naiven sowie vorausschauenden Akteuren unterschieden, um die beobachteten Präferenzen mathematisch zu modellieren.
4. Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert Grenzen der Interpretation und leitet daraus Ansätze für politische oder wirtschaftliche Maßnahmen ab.
Schlüsselwörter
Prokrastination, Selbstbeherrschung, Selbstkontrolle, Aufschieben, Anreizsysteme, Verhaltensökonomik, Leistung, Fristen, Selbstdisziplin, Rationalität, Nutzenfunktion, Zeitpräferenz, Arbeitsleistung, Präferenzen, Zielerreichung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der verhaltensökonomischen Analyse der Prokrastination und untersucht, wie Menschen ihre Selbstdisziplin durch gezielte Kontrollmechanismen steuern.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Die zentralen Felder umfassen experimentelle Studien zu Abgabefristen, die Wirkung von Belohnungen und Strafen sowie die theoretische Modellierung menschlicher Entscheidungspräferenzen bei zeitversetzten Aufgaben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, dass sich Individuen ihrer prokrastinierenden Tendenzen bewusst sind und versuchen, diese durch Selbstbindung oder äußere Vorgaben zu kompensieren, um langfristige Ziele zu erreichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von verhaltensökonomischen Feldexperimenten (insbesondere zu Stress und Zeitmanagement) sowie die mathematische Modellierung von Nutzenfunktionen nach O’Donoghue und Rabin.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in experimentelle Analysen (Bereitschaft zur Selbstkontrolle, Bestrafung/Belohnung, emotionale Bindung) und eine theoretische Modellierung des Aufschiebeverhaltens.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Prokrastination, Selbstkontrolle, Selbstbeherrschung und ökonomische Anreizgestaltung geprägt.
Wie unterscheiden sich naive und vorausschauende Personen im theoretischen Modell?
Naive Personen glauben, ihre Präferenzen blieben über die Zeit stabil, während vorausschauende Personen ihr zukünftiges Aufschiebeverhalten antizipieren und ihre heutige Entscheidung entsprechend anpassen.
Welche Rolle spielt der Stressfaktor in den untersuchten Experimenten?
Stress wirkt bei moderater Intensität oft als Auslöser für verstärkte Selbstkontrolle, kann jedoch bei zu hohem Druck zum Scheitern der Bemühungen und zu einem drastischen Leistungsabfall führen.
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- Bachelor of Science Peter Konz (Autor), 2012, Prokrastination und Selbstbeherrschung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197596