Nach dem erfolgreichen Sieg im Westfeldzug gegen Frankreich und der Eroberung der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs hatte Adolf Hitler, der „Führer“ des Deutschen Reiches, nur noch einen Kriegsgegner: Großbritannien. Das Jahr 1940 brachte im Zweiten Weltkrieg eine Wende. Außenpolitisch hatte Deutschland eine große Auswahl an Plänen, um England in die Knie oder zu einem Frieden zu zwingen – und das nationalsozialistische Regime entschied sich am Ende für das kommende Jahr zum Russlandfeldzug. Die grundsätzliche Fragestellung dieser Arbeit ist es, warum die anfangs vielversprechenden Pläne einer Invasion Englands (Unternehmen Seelöwe), der Eroberung Gibraltars (Unternehmen Felix) oder eines Bündnisses mit der Sowjetunion allesamt nicht umgesetzt wurden oder werden konnten. Daneben wird als zweiter Aspekt einen Blick auf den militärischen Geheimdienst des Dritten Reiches geworfen und beleuchtet, welche Rolle die Amtsgruppe Abwehr unter Admiral Wilhelm Canaris bei der Vorbereitung dieser Pläne hatte und ob ein bedeutender Einfluss auf die Außenpolitik Deutschlands bestand.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Amtsgruppe Abwehr unter Admiral Canaris
2.1. Die Abwehr im Jahr 1940
2.2. Spionage auf den Britischen Inseln und in den USA
3. Deutschland im Kampf gegen Großbritannien nach dem Westfeldzug
3.1. Die Vorbereitung der Invasion Englands
3.2. Der de facto Abbruch der Operation Seelöwe
4. Die Umwerbung Spaniens als Alliierter und das Unternehmen Felix
4.1. Spaniens falsche Darstellung der eigenen Kriegsfähigkeit
4.2. Abrücken von den Eroberungsplänen gegen Gibraltar
5. Der Einsatz der Abwehr in Rumänien und auf dem Balkan
5.1. Die sowjetische Annektierung Bessarabiens und Nordbukowinas
5.2. Die deutsche Truppenunterstützung für Rumänien
6. Kriegsvorbereitung gegen und Konsolidierungsversuche mit der Sowjetunion
6.1. Russland und der Dreimächtepakt
6.2. Das Scheitern der Gespräche mit Molotow im November 1940
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die deutsche Außenpolitik im Jahr 1940, insbesondere das Scheitern strategischer Vorhaben wie der Invasion Englands, der Eroberung Gibraltars und einer dauerhaften Konsolidierung mit der Sowjetunion, und analysiert in diesem Zusammenhang die Rolle des militärischen Geheimdienstes (Abwehr) unter Admiral Wilhelm Canaris.
- Die Entwicklung der deutschen Außenpolitik während der entscheidenden Wendephase des Zweiten Weltkriegs 1940.
- Die Rolle und der Einfluss des militärischen Geheimdienstes (Abwehr) bei der Vorbereitung strategischer Operationen.
- Das Scheitern von Schlüsselprojekten wie "Unternehmen Seelöwe" und "Unternehmen Felix".
- Die diplomatischen Beziehungen und Spannungsfelder zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion im Jahr 1940.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Vorbereitung der Invasion Englands
Der am Westfeldzug beteiligte und kurz vor dessen Ende zum Generaloberst beförderte Heinz Guderian schrieb 1951 in seinen Erinnerungen eines Soldaten:
Inzwischen beschäftigten sich die in Frankreich verbliebenen Einheiten mit der Vorbereitung des Unternehmens ‚Seelöwe‘, das jedoch wohl von Anfang an nicht recht ernst gemeint war und meines Erachtens mangels einer ausreichenden Luftwaffe und genügend Schiffsraumes, sowie nach dem Entkommen des britischen Expeditionsheeres von Dünkirchen völlig aussichtslos war.34
Bis zum 10. August waren für die Eroberung Englands schon erste Prototypen der Tauchpanzer vom Typ III. und IV. einsatzbereit und wurden getestet, zum Einsatz kamen sie aber erst am 22. Juni 1941 während des Russlandfeldzuges bei der Durchquerung des Flusses Bug.35 Die Invasionspläne als in Wirklichkeit „weder beabsichtigt, noch auch nur im leisesten vorbereitet“ 36 zu bezeichnen, ist jedoch von Guderian sichtlich aus dem Blickwinkel des Wissenden formuliert. Zwar wurde das Unternehmen Seelöwe in der Tat nicht mit ausreichend Überzeugung von Hitler und dem OKW verfolgt, um am Ende tatsächlich umgesetzt zu werden – aber ernsthaft genug, dass es wohl zu einer Umsetzung gekommen wäre, hätten die Rahmenbedingungen gestimmt. Noch Ende Juli 1940 rechnete Großadmiral Erich Raeder damit, dass die Marine bis zum 13. September bereit wäre die Landung durchzuführen, Generaloberst Halder vermerkte in seinem Kriegstagebuch am 31. August aber auch, dass aufgrund der Wetterlage eher Ende September und Anfang Oktober mit einem Zeitfenster für die Invasion zu rechnen wäre bzw. das Heer anderer Auffassung war als die Marine und eher eine Verlegung in das kommende Frühjahr bevorzugte. Die Eroberung Gibraltars um den Zeitraum bis Mai 1941 zu überbrücken rückte, stärker in den Fokus, ebenso der Vorschlag der Heeresgeneralität Italien in Nordafrika zu unterstützen. Der „Führer“ setzte aber vorerst darauf, die begonnene Luftschlacht um England abzuwarten und gemessen an deren Erfolg oder Misserfolg die Landeoperation am 15. September zu beginnen oder abzusagen.37 Am 20. August 1940 gab Hit-
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Fragestellung nach dem Scheitern der Invasions- und Bündnispläne Deutschlands im Jahr 1940 und skizziert die Rolle der Abwehr unter Canaris sowie die verwendeten Quellen.
2. Die Amtsgruppe Abwehr unter Admiral Canaris: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Struktur und Arbeit des militärischen Geheimdienstes unter Canaris, beleuchtet dessen Agieren im Jahr 1940 sowie Aktivitäten auf den Britischen Inseln und in den USA.
3. Deutschland im Kampf gegen Großbritannien nach dem Westfeldzug: Hier wird der strategische Ansatz zur Invasion Englands ("Unternehmen Seelöwe") thematisiert und dessen de facto Abbruch im Kontext der militärischen Gegebenheiten analysiert.
4. Die Umwerbung Spaniens als Alliierter und das Unternehmen Felix: Das Kapitel behandelt die Versuche, Spanien für den Kriegseintritt zu gewinnen, die militärischen Vorbereitungen gegen Gibraltar und das letztliche Abrücken von diesen Plänen.
5. Der Einsatz der Abwehr in Rumänien und auf dem Balkan: Der Schwerpunkt liegt auf der Sicherung der rumänischen Ölressourcen, der Rolle der Abwehr bei der Verhinderung von Sabotage und der Unterstützung durch deutsche Truppen.
6. Kriegsvorbereitung gegen und Konsolidierungsversuche mit der Sowjetunion: Es werden die Bemühungen um ein Bündnis im Rahmen des Dreimächtepakts und das Scheitern der diplomatischen Gespräche mit Molotow im November 1940 untersucht.
7. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die Abwehr primär als ausführendes Organ agierte und ihr Einfluss auf die politischen Grundsatzentscheidungen zum Russlandfeldzug begrenzt blieb.
Schlüsselwörter
Hitler, Außenpolitik, Abwehr, Canaris, Unternehmen Seelöwe, Unternehmen Felix, Rumänien, Sowjetunion, Dreimächtepakt, Molotow, Zweiter Weltkrieg, Geheimdienst, Operation Barbarossa, Großbritannien, Spanien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die deutsche Außenpolitik im Jahr 1940, insbesondere warum strategische Ziele wie die Invasion Englands, die Einnahme Gibraltars und die Konsolidierung mit der Sowjetunion scheiterten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Rolle des militärischen Geheimdienstes (Abwehr), die diplomatischen Beziehungen zu Spanien und der Sowjetunion sowie die militärische Planung des OKW.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, welchen Einfluss die Abwehr unter Admiral Canaris auf die Vorbereitung der deutschen Invasions- und Bündnispläne hatte und ob sie diese beeinflussen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung edierter Quellen, darunter Akten zur deutschen Außenpolitik, Kriegstagebücher des OKW und des Generalstabs sowie Verhörprotokolle ehemaliger Abwehr-Mitarbeiter.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Spionagetätigkeit der Abwehr, dem gescheiterten Unternehmen Seelöwe, der Umwerbung Spaniens (Unternehmen Felix), dem Sicherungseinsatz in Rumänien und den diplomatischen Bemühungen sowie späteren Kriegsvorbereitungen gegen die Sowjetunion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Canaris, Abwehr, Außenpolitik, Seelöwe, Felix, Rumänien, Sowjetunion und Barbarossa charakterisiert.
Welche Rolle spielte die Abwehr konkret in Rumänien?
Die Abwehr war entscheidend für die Sicherung der für das Reich vitalen Ölfelder, indem sie Sabotageakte verhinderte und Truppenbewegungen so tarnte, dass sie einerseits russische Besorgnis minderten und andererseits Stärke demonstrierten.
Warum scheiterten die Verhandlungen mit Molotow im November 1940?
Die Verhandlungen scheiterten an den gegensätzlichen Interessen: Während Hitler Russland in die Peripherie des britischen Empires lenken wollte, beharrte Molotow auf sowjetischen Expansionsinteressen in Europa, insbesondere in Finnland und auf dem Balkan.
- Citation du texte
- Sebastian Großhans (Auteur), 2012, Hitlers Außenpolitik 1940 und die Rolle der Abwehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197673