Singen statt Vokabeln pauken: Fremdsprachenlernen mit musikalischer Unterstützung


Examensarbeit, 2009
60 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spracherwerb
2.1 Erstspracherwerb
2.2 Zweitsprach-/Fremdspracherwerb

3. Fremdsprachen in der Schule
3.1 Historische Entwicklung des frühen Fremdsprachenunterrichts
3.2 Ziele des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule
3.3 Fremdsprachenunterricht in der Grundschule

4. Musik
4.1 Musik und Lernen
4.2 Musik und Sprache
4.3 Prosodie

5. Musik im Fremdsprachenunterricht
5.1 Lieder
5.2 Reime
5.3 Chorsprechen
5.4 Bewegung und Musik
5.5 Methoden für den Einsatz musikalischer Elemente im Fremdsprachenunterricht

6. Vier Ansätze zum Sprachenlernen im Zusammenhang mit Musik
6.1 Bilinguales Lernen
6.2 Musik als Fenster zur Kultur
6.3 Heilpädagogik
6.4 Rhythmus
6.4.1 Chants
6.4.2 Beispiele für Rhythmus im Unterricht

7. Der Einsatz von Musik und Rhythmus in einer englischsprachigen WiBe-Klasse
7.1 Das Konzept WiBe
7.2 Musik in der WiBe-Klasse
7.3 Beschreibung einzelner Stunden
7.3.1 „Brown Bear, Brown Bear, What Do You See?“
7.3.2 „The Very Hungry Caterpillar“
7.3.3 „Oh Dear!“

8. Fazit

9. Literatur

10. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: „Chant zum Thema Farben“

Abbildung 2: „Wortfeld kitchen“

Abbildung 3: „Betonungen von Wörtern“

Abbildung 4: „Übung zum englischen Satzrhythmus“

Abbildung 5: „Hokey Cokey“

Abbildung 6: „Ten little monkeys“

Abbildung 7: „Ten little monkeys, Version 2“

Abbildung 8: „Action Rhyme: One, two – touch your shoe“

Abbildung 9: „Double-U-Rap“

Abbildung 10: „The Caterpillar“

1. Einleitung

In den aktuellen Zeiten der Globalisierung und des Zusammenwachsens speziell Europas wird auch in den Schulen immer mehr Wert auf Mehrsprachigkeit gelegt. Vor allem das frühe Fremdsprachenlernen in der Grundschule ist in den Blickpunkt geraten. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist das Einstiegsalter für das Erlernen einer ersten Fremdsprache stetig gesunken, in den meisten Bundesländern wird inzwischen statt in Klasse 5 schon in Klasse 1 mit Englisch- oder Französischunterricht begonnen.

Für den Fremdsprachenbeginn in jungen Jahren müssen neue Bedingungen geschaffen werden. Da jüngere Kinder andere Bedürfnisse und Interessen haben als Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe, muss auch der Unterricht anderen Konzepten folgen. Eine Methode ist dabei die Verbindung von Sprache und Musik und die damit verbundene Einbeziehung von musikalischen Elementen in den Sprachenunterricht.

Auf genau dieses Konzept bezieht sich die vorliegende Arbeit. Es soll untersucht werden, wie sich Musik auf das Lernen vor allem in unterrichtlichen Situationen auswirkt. Zunächst werden dazu die Entwicklungen der Forschung und aktuelle Forschungsstände im Bereich des frühen Fremdsprachenlernens beschrieben. In diesem Zusammenhang wird auch erklärt, wie Sprachenlernen, insbesondere Zweitsprachenlernen in Unterrichtssituationen, abläuft.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dann auf dem Aspekt der Musik im Fremdsprachenunterricht der Grundschule. Die zentralen Fragen sind dabei, wie Musik eingesetzt werden kann, um Sprache zu lernen und welche Aspekte von Musik auf welche Weise das Lernen unterstützen können. Dazu werden verschiedene Ansätze dargestellt, unter anderem auch der Einsatz von rhythmischen Elementen, die genauer betrachtet werden sollen. Die Frage ist, was Rhythmus, also Sprachrhythmus, Betonungen, Rhythmus und Metrum in Liedern, im Unterricht leisten kann.

Meine These dazu ist, dass rhythmisiertes und chorisches Sprechen und Singen Hemmungen abbaut, die vor allem jüngere Kinder bei der Produktion einer fremden Sprache zeigen. Gehemmte oder unsichere Schülerinnen und Schüler werden durch gemeinsames Sprechen und Singen zur Mitarbeit ermutigt. Rhythmus begünstigt außerdem die Merkfähigkeit der Kinder. Lieder und Rhythmen, wie man sie zum Beispiel auch in Reimen findet, können von den Schülern noch lange Zeit abgerufen werden, wohingegen andere Wörter oder Sätze schneller wieder vergessen werden.

Eigene Erfahrungen haben gezeigt, dass man zum Beispiel tagelang geübte Vokabeln innerhalb kürzester Zeit schon wieder vergessen haben kann. Dagegen kann es passieren, dass man ein Lied schon nach einmaligem Hören mitsingen kann und für lange Zeit nicht vergisst. Soll man allerdings den Text des Liedes aufschreiben, ohne die Melodie zu hören, so werden die meisten Menschen Schwierigkeiten haben. Dies führt mich zu der Annahme, dass Musik und Rhythmus die Merkfähigkeit unterstützen.

Die These soll anhand einiger Videoaufnahmen überprüft werden. Die Aufnahmen, die dem Datenschutz unterliegen, stammen aus der „Pilotphase Fremdsprache in der Grundschule: Zielsprache Englisch und Zielsprache Französisch“ in Baden-Württemberg und wurden mir dankbarerweise von Mitarbeitern der Wissenschaftlichen Begleitung (WiBe) zur Verfügung gestellt. Ich werde einzelne Stunden einer Klasse darstellen, die vom ersten Schuljahr an im Zeitraum 2001 bis 2004 Englisch lernte. Anhand der Beschreibungen soll dargestellt werden, wie Musik und Rhythmus konkret im Unterricht eingesetzt wurden und welche Ergebnisse damit erzielt wurden.

2. Spracherwerb

Der Begriff Spracherwerb scheint ganz einfach das Erlernen einer Sprache zu beschreiben. Doch es gibt verschiedene Formen des Spracherwerbs. Es wird zunächst unterschieden zwischen Erst- und Zweitspracherwerb. Dabei ist der Erstspracherwerb der Prozess, bei dem ein Kind seine Muttersprache erlernt. Der Zweitspracherwerb bezeichnet den Prozess, bei dem eine weitere Sprache erlernt wird. Man unterscheidet dabei den natürlichen Zweitspracherwerb und den Fremdspracherwerb.

2.1 Erstspracherwerb

Der Erstspracherwerb ist im Vergleich zum Fremdspracherwerb in der Schule ein ungesteuerter Prozess. Es ist der Lernprozess,

„bei dem der Mensch vom Zeitpunkt der Geburt an (und möglicherweise sogar schon in einer pränatalen Entwicklungsphase) auf der Grundlage einer artspezifischen Spracherwerbsfähigkeit und mit Hilfe sowohl innengesteuerter (…) wie auch außengesteuerter (…) Prozesse (…) eine Sprachkompetenz und -performanz erwirbt“[1].

Bei der Geburt ist ein Kind in der Lage, alle Phoneme der menschlichen Sprachen zu unterscheiden. Im Laufe der Zeit entwickelt das Kind eine Vorliebe für die Laute der Muttersprache, also die Sprache, die in seiner Umwelt gesprochen wird. Das Kind ist ständig von dieser Sprache umgeben und da es erst ungefähr im Alter von sechs Monaten in der Lage ist, selber Sprache zu produzieren, hat es Zeit, ein rein mentales Konzept der Sprache zu erstellen.

Der Erstspracherwerb ist ein Lernen in natürlicher Umgebung. Ein Kind, das seine Muttersprache lernt, wird von niemandem unterrichtet und kontrolliert. Dieser Lernprozess unterscheidet sich also vom gesteuerten, organisierten Lernen in der Schule.

„Das meiste, was Kinder lernen und was grundlegend für ihre gesamte weitere Entwicklung ist, z.B. Sprechen und begriffliches Denken, Laufen, Springen (…) erwerben sie nicht im Rahmen formeller Unterweisung, sondern durch informelle Prozesse der Wahrnehmung, Erkundung und Erprobung.“[2]

Will man im schulischen Sprachunterricht dem Vorbild des Erstspracherwerbs folgen, heißt das für die Förderung von Sprache nicht Worte und Sprechen zu üben, sondern Spaß und Freude am Spielen und Lernen zu erzeugen, zum Beispiel mit Rhythmus, Intensität und Form, „Phänomenen, die schon nach der Geburt differenziert wahrgenommen werden können.“[3]

Hierzu ist es auch hilfreich, sich den Erstspracherwerb eines Kindes einmal genauer anzuschauen. P. M. Lightbown und N. Spada weisen dabei darauf hin, dass man bei Kindern auf der ganzen Welt Ähnlichkeiten in der frühen Sprache beobachten kann.[4] In ihren ersten Wochen und Monaten können Säuglinge bereits sehr subtile Unterschiede zwischen den Lauten der menschlichen Sprache wahrnehmen. Im Alter von etwa 12 Monaten produzieren Babys erstmals einzelne verständliche Wörter. Danach steigt die Anzahl der Wörter, die sie produzieren und verstehen können, rasant an. Im Alter von 2 Jahren kombinieren Kinder Wörter zu einfachen Sätzen. Im Alter von 3 ½ bis 4 Jahren können Kinder Fragen formulieren, Anweisungen geben und von Geschehnisse berichten.[5]

Es gibt verschiedene Ansätze, die versuchen, das Erlernen einer Sprache zu erklären. Drei der wichtigsten Ansätze der letzten fünfzig Jahre sind der Behaviorismus, der nativistische Ansatz und das interaktionistische Modell. Diese werden im Folgenden kurz beschrieben, um einen Überblick zu schaffen.

Der Behaviorismus beschreibt das Lernen als imitativen Prozess. Demnach lernen Kinder eine Sprache, indem sie die sprachlichen Äußerungen ihrer Umwelt imitieren und in geeigneten Situationen anwenden. Lightbown formuliert das folgendermaßen: „Language learning is the result of imitation, practice, feedback on success, and habit formation.“[6] Gegner des Behaviorismus bemängeln an diesem Modell, dass es die strukturellen Fehler, die ein Kind im Laufe des Spracherwerbs macht, nicht erklärt. Kinder neigen zum Beispiel zur Übergeneralisierung von Partizipien oder Pluralbildungen. Diese „Fehler“ beruhen nicht auf Imitation, sondern weisen darauf hin, dass das Kind nicht einfach nur nachahmt, sondern Sprache auf Grund von Analogiebildungen selbstständig produziert.

Ein Gegner des Behaviorismus war zum Beispiel Noam Chomsky, der daraufhin ein neues Modell entwickelte, den Nativismus. Er geht davon aus, dass das Sprachvermögen eines Menschen angeboren ist. Chomsky spricht dabei vom sogenannten Language Acquisition Device oder auch der Universalgrammatik, über die jeder Mensch verfügt. Sie beinhaltet universelle Prinzipien, die es jedem Menschen ermöglichen, jede Sprache zu erlernen. Durch Input aus der Umwelt, also die Sprache, die um sie herum gesprochen wird, lernen Kinder, wie ihre jeweilige Sprache die Prinzipien verwendet.

Eine weitere Theorie zum Spracherwerb ist der Interaktionismus. Er ähnelt zunächst dem Nativismus, da er auch davon ausgeht, dass die kognitiven Fähigkeiten zum Sprachenlernen schon bei der Geburt beim Kind vorhanden sind. Allerdings spielt hier die Interaktion mit der Umwelt des Kindes eine entscheidende Rolle. Das Kind wird durch gemeinsame Handlungen mit der Bezugsperson zur Sprache geführt. Die Vertreter dieser Theorie heben die Wichtigkeit der Sprache, die direkt an das Kind gerichtet ist, hervor. Diese Sprache soll an das Kind angepasst werden, um ihm das Verstehen einfacher zu machen.[7]

2.2 Zweitsprach-/Fremdspracherwerb

Zunächst muss man sich bewusst machen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Zweitspracherwerb und Fremdspracherwerb. Mit Zweitspracherwerb ist der Erwerb einer weiteren Sprache neben der Muttersprache in weitgehend ungesteuerter Form gemeint. Der Zweitspracherwerb findet oft in nichterstsprachlicher Umgebung statt. Der Begriff Fremdspracherwerb dagegen beschreibt das Erlernen einer Sprache, die nicht die Muttersprache ist, in unterrichtlich gesteuerter Form in erstsprachlicher Umgebung.[8]

Von Zweitspracherwerb, speziell vom ungesteuerten Zweitspracherwerb, spricht man also dann, wenn Menschen eine neue Sprache lernen, ohne dabei von jemandem explizit unterrichtet zu werden. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn sie in ein fremdes Land auswandern, in dem eine Sprache gesprochen wird, die nicht ihre Muttersprache ist. Diese Sprache lernen sie dann im Umgang mit anderen Menschen, durch Kommunikation. Da diese Form des Spracherwerbs dem Erstspracherwerb sehr nahe kommt, spricht man auch von natürlichem Spracherwerb. Eine wichtige Gemeinsamkeit von Erst- und Zweitspracherwerb ist die „Unterscheidung von Klangeigenschaften und Klangunterschieden auf der Basis des Hörens und – darauf folgend – des Hörverstehens“[9].

Der Begriff des Zweitspracherwerbs wird aber auch als Oberbegriff für die zuvor beschriebene Form des Zweitspracherwerbs, also den natürlichen Spracherwerb, und den Fremdspracherwerb benutzt. Fremdsprachenlernen findet in unterrichtlichen Situationen statt, also in gesteuerter Form und überwiegend in erstsprachlicher Umgebung. Der häufigste Fall ist dabei wohl der Sprachenunterricht in der Schule, wie er im nächsten Kapitel ausführlich behandelt wird.

3. Fremdsprachen in der Schule

Das Lernen einer oder auch mehrerer Fremdsprachen ist seit langem Bestandteil der schulischen Lehrpläne. Was man aber bisher eigentlich nur aus der Sekundarstufe kannte, ist heute Teil des Grundschulunterrichts geworden. Um diesen frühen Fremdsprachenunterricht an Grundschulen soll es im Nachfolgenden gehen. Zunächst wird ein Blick auf die Entwicklung des primaren Fremdsprachenunterrichts im 20. und 21. Jahrhundert geworfen. Außerdem werden Ziele, Methoden, und Hintergründe des Fremdsprachenunterrichts der Grundschule beschrieben.

3.1 Historische Entwicklung des frühen Fremdsprachenunterrichts

Auch wenn der Fremdsprachenunterricht an Grundschulen, wie wir ihn heute vorfinden, erst innerhalb der letzten 10 Jahre allmählich eingeführt wurde, ist die Idee durchaus nicht neu. Schon nach dem ersten Weltkrieg um 1919 wurden an den Freien Waldorfschulen in Deutschland von der ersten Klasse an zwei Fremdsprachen unterrichtet. In den 20er Jahren kam in den USA die FLES-Bewegung (Foreign Languages in Elementary Schools) auf. „Von den 50er-Jahren an wurden in vielen europäischen Ländern Versuche mit dem Frühbeginn in Grundschulen (…) gestartet.“[10] Diese wurden aber aus verschiedenen Gründen meist wieder eingestellt.

Die Diskussionen um den Fremdsprachenunterricht wurden meist durch politische Entwicklungen ausgelöst. In den 90er Jahren waren vor allem die Wiedervereinigung Deutschlands und die Öffnung Osteuropas Anstoß für Diskussionen über eine europäische Integration. Der Ruf nach Mehrsprachigkeit für Europa wurde laut. Im Maastrichter Vertrag wurde festgehalten, „dass ‚die Entwicklung der Europäischen Dimension im Bildungswesen‘ zu fördern sei, insbesondere ‚durch Erlernen und Verbreitung der Sprachen der Mitgliedsstaaten‘“[11]. Im zusammenwachsenden Europa sollen die Bürger sich also untereinander verständigen können und auch die Kulturen der Nachbarn kennenlernen. „Der Europarat verlangt, dass alle Europäer mindestens zwei Fremdsprachen lernen sollten, damit die Integration Europas voranschreiten kann.“[12]

Die bundesweite Einführung einer Fremdsprache spätestens ab Klasse 3 erfolgte im Schuljahr 2004/2005. Meist ist diese erste Fremdsprache Englisch. Man fragt sich dabei, wo das Konzept der Mehrsprachigkeit geblieben ist, die ja erst bei drei Sprachen beginnen kann. Friederike Klippel nähert sich diesem Problem, indem sie sagt:

„Englisch in der Grundschule könnte der Weg zur Mehrsprachigkeit gerade dann sein, wenn durch das frühe Einsetzen des Englischunterrichts Zeit in der Sekundarstufe gewonnen werden könnte, um mehr und andere Sprachen zu lernen“[13].

Auch im Lehrplan Englisch für die Grundschulen des Landes Nordrhein-Westfalen wird der Erwerb der englischen Sprache als Grundlage für Mehrsprachigkeit und als Modell für das Sprachenlernen insgesamt beschrieben:

„Auf diese Weise wird anhand des Englischen in der Grundschule die Basis gelegt für das lebensbegleitende Sprachenlernen und für die Fähigkeit, neue Lebenswirklichkeiten zu erschließen. Der Englischunterricht öffnet demnach die Tür zur Mehrsprachigkeit und setzt wesentliche Akzente für die sich entwickelnde individuelle Sprachenbiografie.“[14]

3.2 Ziele des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule

Es ist schwierig, allgemeine Ziele des Fremdsprachenunterrichts zu formulieren, da diese in den verschiedenen Bundesländern variieren. Grundlegend ist es die Aufgabe des Fremdsprachenunterrichts, die Anlagen zum Fremdsprachenlernen zu fördern, „die in frühem Alter sehr gut entwickelt werden können.“[15]

Außerdem soll der Fremdsprachenunterricht Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Sprachen und Kulturen sein. Die Verständigung in Europa und der Welt wird im Rahmen der Globalisierung immer wichtiger. Diese

„stellt uns alle vor die Notwendigkeit, fremde Kulturen besser verstehen zu lernen. Interkulturelles Lernen ist wichtig. Es ist notwendig, einen Einblick in die andere Kultur zu bekommen, Angst, Fremdenhass, gefällige Selbstbezogenheit abzubauen und Menschen aus anderen Kulturkreisen zu integrieren.“[16]

Die fremde Sprache soll den Schülerinnen und Schülern also bewusst gemacht werden. Hörverstehen und Sprechfähigkeit sind dabei die wichtigsten Aspekte. Dabei steht vor allem das Sprechen in kommunikativen Situationen im Mittelpunkt. So wird zum Beispiel im Lehrplan Englisch für die Grundschulen des Landes Nordrhein-Westfalen formuliert:

„Im Fremdsprachenunterricht der Grundschule stehen zunächst die Mündlichkeit, das Erleben der Sprache in authentischen Kontexten und das Sprachhandeln in bedeutungsvollen Situationen im Vordergrund.“[17]

Im Bereich des Hörverstehens sollen die Schülerinnen und Schüler dem Unterrichtsgeschehen in der Fremdsprache folgen können und erleben, dass sie „Geschichten, Hörtexten und Hörsehtexten (…) wesentliche Informationen entnehmen können“[18]. Dabei spielt durchaus auch das Weltwissen der Kinder eine Rolle, das ihnen hilft, der fremden Sprache Sinn zu entnehmen auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen.

Im Bereich der Sprechfähigkeit wird zum einen die originalgetreue Aussprache der Zielsprache gefördert, zum anderen wird das natürliche Mitteilungsbedürfnis der Kinder ausgenutzt um in kommunikativen Situationen die Sprache anzuwenden. Bei der Aussprache ist vor allem auf Intonation und Lautbildung zu achten, wenn „die betreffenden Elemente oder Laute in der Muttersprache der Kinder nicht oder nicht in dieser Anordnung vorkommen“[19]. Die Wörter und Redemittel, die den Kindern schon rezeptiv durch das Hören zur Verfügung stehen, sollen in Dialogen oder anderen Sprechsituationen angewandt werden. So erfahren die Kinder, dass sie in der Lage sind, sich in der fremden Sprache zu verständigen.

Weitere Ziele, die aber vor allem im Anfangsunterricht noch zweitrangig sind, sind Lese- und Schreibfähigkeiten. Die Kinder sollen hier langsam an das Schriftbild bekannter Wörter herangeführt werden und zunehmend mehr zum Lesen und Schreiben kommen. Zunächst wirken diese Kompetenzen aber unterstützend zum Spracherwerb.

Ziel des Fremdsprachenunterrichts soll auch das interkulturelle Lernen sein. Die Schülerinnen und Schüler sollen fremde Kulturen und Lebensweisen kennenlernen und mit ihrem eigenen Leben vergleichen. „Dies stärkt die Entwicklung von Aufgeschlossenheit, Verständnisbereitschaft und Toleranz.“[20]

Im Schlussbericht der WiBe werden die Ziele des Fremdsprachenunterrichts in drei zentralen Punkten zusammengefasst. Eine Mehrsprachigkeit für alle soll angestrebt werden, Sprachlernkompetenzen und eine positive Haltung für ein lebenslanges Sprachenlernen sollen gefördert werden und das Sprachenkönnen soll als Sprachhandeln verstanden werden und nicht als metasprachliches Wissen.[21]

[...]


[1] Maier 1991, S.80.

[2] Gruhn 2003, S.41.

[3] Kramer 2003, S.34.

[4] Vgl. Lightbown 2004, S.1.

[5] Vgl. Lightbown 2004, S.2.

[6] Lightbown 2004, S.9.

[7] Vgl. Lightbown 2004, S.22.

[8] Vgl. Bausch 2007, S.39.

[9] Geisler 2009, S. 41f.

[10] Bausch 2007, S.449.

[11] Schmid-Schönbein 2001, S.17.

[12] Bausch 2007, S.202.

[13] Klippel 2007, S.14f.

[14] Lehrplan Englisch 2008, S.5.

[15] Kramer 2003, S.37.

[16] Kramer 2003, S.37.

[17] Lehrplan Englisch 2008, S.6.

[18] Lehrplan Englisch 2008, S.9.

[19] Maier 1991, S.144.

[20] Lehrplan Englisch 2008, S.10.

[21] Vgl. Werlen 2008, S.7.

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Singen statt Vokabeln pauken: Fremdsprachenlernen mit musikalischer Unterstützung
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
60
Katalognummer
V198053
ISBN (eBook)
9783656240853
ISBN (Buch)
9783656241607
Dateigröße
967 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Englischunterricht, Grundschule, Musik, Sprachenlernen, Rhythmus, Fremdsprachenunterricht
Arbeit zitieren
Stefanie Schmitz (Autor), 2009, Singen statt Vokabeln pauken: Fremdsprachenlernen mit musikalischer Unterstützung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198053

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