Vom Aderlass bis zur Zahnextraktion: Medikale Konzepte und Therapiemaßnahmen im Spiegel ausgewählter Selbstzeugnisse im frühneuzeitlichen Europa


Bachelorarbeit, 2011

59 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Krankheiten, Therapiemaßnahmen und medikale Konzepte der frühen Neuzeit
2.1. Individuelle Krankheiten und Epidemien
2.2. Therapiemaßnahmen
2.3. Humoralpathologie
2.4. Konzept mobiler Krankheitsmaterie
2.5. Diätetik

3. Die Korrespondenzen der Elisabeth Charlotte von Orléans
3.1. Elisabeth Charlotte von Orléans: Leben und Bedeutung
3.2. Individuelle Krankheiten und Epidemien
3.3. Therapiemaßnahmen
3.4. Humoralpathologie
3.5. Konzept mobiler Krankheitsmaterie
3.6. Diätetik

4. Die Tagebücher des Samuel Pepys
4.1. Samuel Pepys: Leben und Bedeutung
4.2. Individuelle Krankheiten und Epidemien
4.3. Therapiemaßnahmen
4.4. Humoralpathologie
4.5. Konzept mobiler Krankheitsmaterie
4.6. Diätetik

5. Komparatistische Analyse der Selbstzeugnisse
5.1. Krankheiten, Epidemien und Therapiemaßnahmen
5.2. Humoralpathologie, Krankheitsmaterie und Diätetik

6. Zusammenfassung und Ausblick
6.1. Zusammenfassung
6.2. Ausblick

Bibliographie
1. Quellenverzeichnis
2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die sprichwörtlich kochende Galle ist wohl jedem als Synonym für einen aufbrausenden Gemütszustand bekannt. Doch verhältnismäßig wenige wissen um den Ursprung dieser gebräuchlichen Redewendung, bei der durch ein körperliches Phänomen ein seelischer Zustand beschrieben wird. Grundlage und Herkunft ist hierbei die Vier-Säfte-Lehre, die aufgrund ihres ganzheitlichen Charakters keine Trennung zwischen physikalischen und psychischen Erscheinungen kannte. Stellt dies für den heutigen Betrachter eine irrationale Theorie dar, barg dieser Monismus ein logisches Erklärungsmodell für frühneuzeitliche Schulmediziner. Die Überzeugung vom Einfluss seelischer Affekte auf die Gesundheit war vielmehr soweit verbreitet, dass auch Laien bestrebt waren, solche zu vermeiden. Geisteskrankheiten galten als Verneblungen der reinen Seelengeister durch aufsteigende Dämpfe aus den Verdauungs- und Geschlechtsorganen.[1] Ammen sollten nach einem Wutanfall nicht säugen, um das Kind nicht zu gefährden.[2] Dieser Aspekt bietet einen Einblick in das fachmedizinische Europa der frühen Neuzeit, in der neben der Säftelehre parallel weitere Konzepte vorherrschten. Doch inwieweit wussten Patienten um diese Modelle zur Erklärung von Krankheiten? Dies ist Gegenstand dieser Forschungsarbeit: Ausgewählte zeitgenössische Aufzeichnungen medizinischer Laien werden auf den Kenntnisgehalt um medikale Konzepte und Therapiemaßnahmen geprüft.

Die Entwicklung der Autobiographie von spätmittelalterlichen Haushalts- und Kaufmannsbüchern über die Bedeutung religiöser Bewegungen wie Puritanismus und Pietismus bis zur Schilderung des eigenen Lebens, auch während historisch bedeutsamer Ereignisse, lässt eine lange und vielschichtige Vorgeschichte erkennen. Stehen diese Quellen seit langem im Fokus kunstgeschichtlicher und literaturwissenschaftlicher Betrachtungen, werden sie erst seit kurzem durch historisch-qualitative Fragestellungen in den Mittelpunkt der mikrohistorischen Forschung platziert. Lange beschäftigte sich die Medizingeschichte fast ausschließlich mit dem ärztlichen Stand und dessen Forschungen, Theorien und Entdeckungen. Der Patient ging hierbei als unumgängliches Mittel zur Geschichtsschreibung in einer gesichtslosen Masse unter. Erst durch ein vermehrtes Interesse für die Sozial- und Alltagsgeschichte wurde Mitte der 1980er Jahre der Blick auf die Lg Barbara Duden und ihr Werk „Geschichte unter der Haut"[3], in welchem sie mittels Fallgeschichten des Eisenacher Arztes Johann Storch Frauenleiden des frühen 18. Jahrhunderts beschreibt. Bedeutenden Anteil an diesem jungen Forschungsgebiet haben auch Robert Jütte mit seinem Buch „Ärzte, Heiler und Patienten"[4] und Michael Stolberg mit seiner Publikation „Homo patiens. Krankheits- und Körpererfahrungen in der Frühen Neuzeit"[5], die durch die Auswertung einer Vielzahl von Patientenbriefen und ärztlicher Aufzeichnungen die Krankheiten und deren Wahrnehmung aus Sicht der Laien darstellen. Hierbei gelingt es ihnen durch die Selbstauskunft der Verfasser der autobiographischen Schriften, einen Einblick in deren individuelles sowie auch rollenspezifisches Verhalten zu gewinnen und somit Ego-Dokumente als bedeutsame Quellen für die Medizingeschichte zu fundamentieren. Nicht zuletzt dadurch, dass Tagebücher, Briefe und literarische Quellen soziales Wissen vermitteln und somit Rückschlüsse auf die Selbstwahrnehmung im Rahmen einer sozialen Gruppe ermöglichen.[6]

Die vorliegende Arbeit baut auf diesen Erkenntnissen auf und betrachtet zwei unter dem medizinhistorischen Aspekt der Laienperspektive noch nicht untersuchte Quellen. Zum einen wird der umfassende Briefwechsel der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans (1652- 1722)[7] untersucht, deren Verfasserin als Mitglied der europäischen Aristokratie nicht nur nebensächlich über selbst erfahrene oder ihr Umfeld betreffende Krankheiten schrieb. Sie gewährt uns heute neben einem Einblick in individuelle Krankheiten gleichsam ein Bild von Epidemien und die auf diese bezogenen Reaktionen der Umwelt. Als weitere sehr persönliche und ausführliche Quelle wird das umfangreiche Tagebuch des Samuel Pepys (1633-1703)[8] betrachtet, das dem erstgenannten Zeugnis in Bezug auf Erwähnungen therapeutischer Konzepte und Krankheiten in nichts nachsteht. Diese Quellen sind ausführliche Laienzeugnisse von Mitgliedern sozialer Eliten der frühen Neuzeit und bieten ferner komparatistische Möglichkeiten der Beurteilung, die den detailierten Bezug auf andere zeitgenössische Selbstzeugnisse - nicht zuletzt in Anbetracht des definierten Umfangs dieser Forschungsarbeit - obsolet machen. Neben dem Werk „Genuss im kulturellen Wandel"[9] von Annerose Menninger, das einen präzisen und wesentlichen Einblick in die medikalen Konzepte der frühen Neuzeit bietet, dienen die schon erwähnten Werke von Jütte und Stolberg als theoretische Grundlagen dieser Arbeit. Während sich Stolberg auf 2.000 zeitgenössische Patientenbriefe und weitere Selbstzeugnisse sowie Autobiographien stützt, um die medikale frühneuzeitliche Welt aus Sicht der Laien zu rekonstruieren, bedient sich Jütte an 2.300 regional eingegrenzten Schilderungen zu Krankheitsvisiten von Kölner Wundärzten und Barbieren und beschreibt somit detailiert den medizinischen Alltag von Patienten. Zur Klärung zeitgenössischer Definitionen von Erkrankungen wird das sehr übersichtliche und verständliche „Lexikon der historischen Krankheitsbezeichnungen"[10] von Hermann Metzke herangezogen. Kay Peter Jankrift[11], Hugo Kupferschmidt[12] und Stefan Winkle[13] stellen in ihren Werken ausführlich bedeutende Epidemien dar und beschreiben deren Auswirkungen auf die frühneuzeitliche Gesellschaft, wodurch auch diese Veröffentlichungen zum elementaren theoretischen Gerüst dieser Arbeit zählen.

Der Hauptteil dieser Arbeit gliedert sich in drei Kapitel, wobei sich deren Struktur aus komparatistischen Motiven gleicht. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen um Krankheiten und Therapiemaßnahmen definiert und die Pluralität der medikalen Konzepte dargelegt, wobei auch diese deskriptiv erörtert werden. Anschließend sind im folgenden Kapitel die Korrespondenzen der Herzogin von Orléans Gegenstand der Betrachtungen. Nachdem ein kontextueller Zusammenhang zwischen der Herzogin und ihren Briefen geschaffen wurde, werden zunächst Krankheiten und therapeutische Maßnahmen, dann die drei Konzepte einzeln analytisch auf ihren Gehalt um medikales Wissen untersucht. Ebenso unter diesen methodischen Aspekten und nach den gleichen Gliederungspunkten gestaltet sich die Untersuchung der Tagebücher des Samuel Pepys. Im letzten Kapitel des Hauptteils werden die zuvor gewonnenen Ergebnisse zunächst unter der Gegenüberstellung erwähnter Krankheiten und Therapiemaßnahmen und ferner um die Kenntnis der einzelnen Konzepte verglichen. Abschließend werden alle erbrachten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst und ein Ausklick auf zukünftige thematische Forschungsschwerpunkte gegeben.

2. Krankheiten, Therapiemaßnahmen und medikale Konzepte der frühen Neuzeit

Die frühneuzeitliche Schulmedizin Europas war durch einen pluralistischen Gesundheitsmarkt geprägt, der auf drei zentralen Konzepten ruhte. Bereits an dieser Stelle soll auf die immense Bedeutung der Humoralpathologie hingewiesen werden, da diese hippokratisch-galenische-Säfte-Lehre den Ausgangs- und ebenso Mittelpunkt der ärztlichen Behandlung darstellte.[14] Daher werden im Folgenden zunächst die prägendsten Krankheiten und damit verbundene Therapiemaßnahmen aufgezeigt, um anschließend die verschiedenen medikalen Konzepte herauszustellen, wodurch ein grundlegendes Verständnis für die Entstehung und Ausformung der Pluralität geschaffen werden soll.

2.1. Individuelle Krankheiten und Epidemien

Die Darlegung der Erkrankungen, die das frühneuzeitliche Europa bewegten, bildet den Ausgangspunkt für eine Beschreibung der Therapiemaßnahmen und der krankheitsdeutenden medikalen Konzepte. Den zu untersuchenden Selbstzeugnissen ist, wie in den einzelnen Kapiteln ausgeführt wird, eine Krankheitswahrnehmung zu entnehmen, die zwischen individuellen Krankheiten und Epidemien differenzierte. Als Ursachen individueller Krankheiten, zu denen frühneuzeitliche Zeitgenossen Infektionskrankheiten und Organbeschwerden zählten, wurden vor allem Erkältungen, Fehler der diätetischen Lebensausrichtung und erbliche Neigungen betrachtet.[15] Hierbei sind Fieber, Schnupfen, Husten, Milzbeschwerden[16], Gicht[17], Wassersucht[18], Rheumatismus[19], Koliken[20], Magenverstimmung, Verdauungsbeschwerden sowie Kopf- und Zahnschmerzen[21] besonders zu betonten, denn diese wurden auch von Elisabeth Charlotte von Orléans und Samuel Pepys häufig thematisiert.

Die jedoch größte medizinische Bedrohung stellten spontan auftretende Massenerkrankungen dar, deren epidemische Ausbreitung durch dicht bevölkerte Städte und überwiegend unhygienische Verhältnisse begünstigt wurde und oft mit Ernteausfällen und Hungersnöten einher ging. Die Pest ist hierbei wohl die bekannteste Epidemie des Mittelalters, wurde der Pestausbruch in Florenz 1348 doch schon im Decamerone[22] Boccaccios dargestellt und seit dem Mittelalter nicht ohne Grund als „Schwarzer Tod" gefürchtet. Die Beulenpest wird durch Biss oder Kot der Ratten- und Menschflöhe übertragen und führt nach 48 Stunden zu einer bläulich-schwarzen Verfärbung der Stelle des Flohbisses. Nach zwei bis sieben Tagen folgt ein Anschwellen der Lymphknoten, was durch Fieberschübe, starke Kopfschmerzen, Halluzinationen und Blutungen unter der Haut begleitet werden kann. Der Tod tritt ein, wenn die Lymphdrüsen nach innen aufbrechen und eine daraus resultierende zu hohe Anzahl von Pesterregern eine Blutvergiftung bewirkt. Liegt die Wahrscheinlichkeit nach Erkrankung an der Beulenpest zu sterben bei 50%, so hat die Lungenpest eine Letalität von 100%. Die durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragende Krankheit führt nach 24 bis 48 Stunden Inkubationszeit zu Atemnot, Bluthusten und Herzrasen. Der unweigerliche Erstickungstod tritt durch eine Nervenlähmung und Zerstörung des Lungengewebes ein.[23] Diese Krankheitsbilder verdeutlichen die Angst der Zeitgenossen, die sich auch in den zu untersuchenden Korrespondenzen und Tagebucheinträgen wiederspiegelt.

Neben Fleckfieber[24], Malaria und der Geschlechtskrankheit Syphilis waren vor allem die Pocken gefürchtet. Diese Virusinfektion ließ jeden zweiten Erkrankten sterben. Das Überleben war nach 14-tägiger Erkrankung und Symptomen wie hohem Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlag mit eitrigen Pusteln mit einer folgenden lebenslangen Immunität, aber auch Narben verbunden.[25] Eine weitere gefürchtete Epidemie stellte die Ruhr dar, denn diese Infektionskrankheit ruft häufig blutige Durchfälle hervor, die durch den enormen Verlust von Wasser, Blut und Mineralien tödlich verlaufen können. Die Ausbreitung dieser Erkrankung des Magen-Darm-Trakts durch über die Nahrung aufgenommene Bakterien wurde ebenfalls durch mangelnde Hygiene unterstützt.[26]

Die individuellen und masseninfektiösen Erkrankungen wurden von den unterschiedlichen medikalen Konzepten gedeutet. Bevor jedoch auf diese eingegangen wird, sollen Therapiemaßnahmen vorgestellt werden, mit welchen die Konzepte die Krankheiten zu heilen beabsichtigten.

2.2. Therapiemaßnahmen

Die therapeutischen Maßnahmen der frühen Neuzeit ließen sich neben der eigenständigen Diätetik in innere (Pharmacia) und äußere Heilmittel (Chirurgia) unterteilen. Mittel zur inneren Anwendung stellten vor allem Medikamente und Elixiere zu Einnahme dar, welche die körperliche Stärke wiederherstellen oder unter prophylaktischen Aspekten auch erhalten sollten. Die Nutzung dieser Heilmittel begann bei der Selbstbehandlung mittels Kräuterbüchern und setzte sich bis hin zu von Ärzten und Apothekern kreierten Pulvern und Tränken fort. Neben Schmerzmitteln wie Opiaten, die vor allem die Symptome abschwächen sollten, war der Theriak[27] das bedeutendste Mittel, durch welches sich die Zeitgenossen Heilung erhofften. Wie der Theriak enthielten die meisten frühneuzeitlichen Medikamente vor allem abführende Inhaltsstoffe, was die Bedeutung des therapeutischen Mittels der Purgation beweist. Andere Arzneien verursachten neben schweißtreibender Reaktion einen erwünschten starken Brechreiz. Allerdings galten zu dieser Zeit auch Mineralwasser[28] sowie Schokolade, Tee, Kaffee und Tabak[29] als Medizin.

Eine Bäderkur stellte eine äußere Therapiemaßnahme dar, die zur gesundheitlichen Vorbeugung, aber ebenso zur Behandlung von Hautleiden, Wunden und Geschwüren genutzt wurde. Im Badehaus waren zugleich Bader anzutreffen, die neben Massagen und dem Ansetzen von Blutegeln auch trockenes und blutiges Schröpfen[30] zur therapeutischen Blutentziehung anboten, was ableitend, krampflösend und krampfstillend wirken sollte. Der pluralistisch geprägte, frühneuzeitliche Heilermarkt[31] erlaubte Barbieren aus vorbeugenden oder therapeutischen Gründen die reinigende Maßnahme des Aderlasses durchzuführen. Dieser äußere und gleichsam neben dem Schröpfen der Chirurgie zuzuordnende Eingriff war der primäre Weg zur Absonderung schlechter Säfte. Dabei wurden kosmologische und zeitliche Beziehungen - hierbei halfen Aderlaßkalender - sowie das Alter und die Konstitution des Patienten berücksichtigt. Nachdem das Blut durch Abbinden gestaut und eine Vene eingeschnitten war, wurden je nach Gesundheitszustand, da Folgen wie Mattigkeit und Abgeschlagenheit bekannt waren, 250 - 800 ml Blut gelassen. Umfassendere chirurgische Eingriffe stellten Amputationen, Zahnextraktionen, Steinentfernungen sowie Operationen bei Bruchleiden oder auch Krebs dar. Dem gegenüber standen einfache Maßnahmen um eine äußerliche Anwendung von Pomaden, Ölen und anderen Mitteln pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Herkunft. Diese konnten neben den beschriebenen Medikamenten und Elixieren ebenso wie der Aderlass und das Schröpfen auch zu prophylaktischen Zwecken eingesetzt werden.[32]

Purgation, Schröpfen, Aderlass und die Einnahme gesundheitserhaltender Mittel wurden nicht nur gegen individuelle Krankheiten eingesetzt, sondern ebenso zum Schutz vor Epidemien, beziehungsweise zur Genesung von diesen.[33] Scheinen diese Maßnahmen dem modernen Menschen irrational, waren sie doch zeitgemäß konzeptionell begründet. Als nachvollziehbarer mögen sich Quarantäneverordnungen[34], das Meiden bestimmter Nahrungsmittel und die im begrenzten Rahmen als therapeutisches Mittel zu bezeichnende schnelle, lange und weite Flucht[35] darstellen. Der unterschiedliche therapeutische Umgang mit Krankheiten ist hierbei eine Folge der verschiedenen Konzepte. Da Aspekte der Säfte- und Qualitätenmedizin (Humoralpathologie) in allen Konzeptionen aufgegriffen werden, soll diese Säule zunächst erläutert werden, bevor auf das Konzept mobiler Krankheitsmaterie und die Diätetik eingegangen wird.

2.3. Humoralpathologie

Die Humoralpathologie stellte das älteste und bedeutendste Medikalkonzept in der frühen Neuzeit dar. Daher soll zunächst ihr Ursprung und Inhalt präzisiert werden. Schließlich wirkte sich diese Traditionslinie nicht zuletzt auch auf eine elementar kritische Reflexion des ärztlichen Handelns aus, was sich in humanistischen Erkenntnissen von Möglichkeiten und Grenzen im Kampf gegen Krankheiten und der bis heute anhaltenden Bedeutung des hippokratischen Eides verdeutlicht.[36]

Die Humorallehre des Hippokrates betrachtete die Körpersäfte - in Anlehnung an antike Überlegungen der Naturphilosophen über die Urstoffe des Kosmos (Vier-Elemente-Lehre) - als Grundelemente des Organismus. Jedem der Säfte hafteten zwei der vier Primärqualitäten an, wobei in jeder Jahreszeit ein Saft im Körper dominierte. Das Blut galt als warm-feucht, Schleim (Phlegma) als kalt-feucht, gelbe Galle war warm-trocken und schwarze Galle kalt­trocken. Gesundheit stellte ein Resultat eines normalen Mischverhältnisses der Säfte (Eukrasie) dar. Krankheit wurde als Folge einer Störung dieser Mischung (Dyskrasie) betrachtet; somit als ein rationaler Prozess der Natur, der übernatürliche Einflüsse und magische Behandlungsweisen obsolet machte. Vielmehr wurde die Genesung durch natürliche Selbstheilungstendenzen des Körpers bestimmt, die durch den Arzt unterstützt wurden. Der körperliche Heilungsprozess des Kochens der „rohen" Säfte und deren Ausscheidung zur Wiederherstellung der Eukrasie konnte durch ärztliches Schröpfen, Aderlässe sowie die Verabreichung Erbrechen hervorrufender, abführender und schweißtreibender Mittel verstärkt und beschleunigt werden. Alter, Geschlecht und Konstitution des Patienten beeinflussten freilich den Krankheitsverlauf, was durch Umwelteinflüsse, Gemütsverfassungen und Lebensgewohnheiten verstärkt wurde. Hippokrates betonte neben der Bedeutung der Genesung gleichsam die Wichtigkeit der Verhütung von Krankheiten, wobei er vor allem auf die Diätetik verwies, um der Dyskrasie durch die Regelung der gesamten Lebensweise nach dem Ideal des rechten Maßes vorzubeugen.[37]

Der Gladiatoren- und spätere kaiserliche Leibarzt Galen erweiterte die hippokratische Viersäftelehre von Elementen und Qualitäten um vier Kardinalorgane - Herz, Gehirn, Leber, Milz - die mit den Gliedmaßen über Venen, Arterien und Nerven verbunden waren. Den Kardinalorganen hafteten ferner Hauptvermögen an. Der Speisebrei aus dem Verdauungstrakt (Chylus) wurde durch die Leber zu Blut verkocht, wodurch diese aufgrund der ihr zugeschriebenen Attribute Ernährung, Wachstum und Fortpflanzung über das vegetative Vermögen verfügte. Das Blut wurde dem Körper über die Venen als Nahrung zugeführt, wobei die Gewebe die ihnen zugedachten Anteile durch anziehendes, zurückhaltendes, umwandelndes und ausscheidendes Vermögen aufnahmen. Da das Herz Träger der Lebenswärme war, besaß es nach Galen vitales Vermögen. Aufgabe der Arterien war es hierbei, diese Wärme im Körper zu verteilen, wobei das vitale Pneuma des Herzens ständig durch die Atemluft erneuert wurde. Ein Teil dieses Pneumas gelangte somit auch in das Gehirn, wo es durch das psychische Vermögen zu psychischem Pneuma umgewandelt wurde und die Nerventätigkeit bedingte. Es gelang Galen ebenfalls die Schmerzempfindung im zentralen Nervensystem und das Seelenpneuma in den Hohlräumen der Nerven zu lokalisieren. Er charakterisierte den Empfindungen folgend einen stechenden, pulsierenden, drückenden und bohrenden Schmerz. Hierbei trennte er Leib als Körperwelt („res extensio") und Seele als Bewusstsein („res cognitans").[38] Die unterschiedlichen Aufgaben von Venen und Arterien verdeutlichen freilich die Unkenntnis des Blutkreislaufs; jedoch konnte Galen eine systematische Ordnung schaffen, die Ursachen um krankhafte Verschiebungen der Primärqualitäten und Säfte sowie unverhältnismäßige Säfteansammlungen erklärte und Therapiemaßnahmen bot. Hierbei folgte der Mediziner dem Prinzip des Hippokrates, die Heilungstendenzen zu unterstützen. Das Galenische „Haus der Heilkunde" bestand aus den Säulen Physiologie, Pathologie und Therapie. Ärztliche Hilfsmittel wie Harnschau und Pulsmessung traten auf Seiten der symptomatischen Behandlung in den Hintergrund, da diese von der vorbeugenden und ursächlich heilenden Therapie abgegrenzt wurde. Letztgenannte wurde durch den Anspruch dominiert, der Arzt müsste vor allem die austreibenden Kräfte stärken, um krankmachende Stoffe und Abfälle zu beseitigen. Dies verdeutlicht die Untergliederung der Therapie in Pharmazeutik, Chirurgie und Diätetik, welche als drittes medikales Konzept in diesem Kapitel näher betrachtet wird. Ferner beschrieb Galen die Teilung der Nosologie in drei Grundbefindlichkeiten, deren Veränderung gleichsam den Gesundheitszustand beeinflusste. Neben Gesundheit und Krankheit verwies er auf einen neutralen Zustand zwischen diesen.[39]

Mittelalterliche Klöster und Kathedralen bewahrten dieses antike Wissen. Griechisch­arabische Schriften verhalfen der Gesundheitspflege und Heilkunde im 12. Jahrhundert zu einem theoretischen Abschluss.[40] Die Dreiteilung der Galenischen Grundbefindlichkeiten wurde um Kenntnisse der Aristotelischen Temperamentslehre erweitert, indem man von der natürlichen Dominanz der Körpersäfte auf Charaktereigenschaften schloss: So waren die Sanguiniker süß, die Choleriker bitter, die Melancholiker traurig und die Phlegmatiker gleichmütig.[41]

2.4. Konzept mobiler Krankheitsmaterie

Die Vorstellung mobiler Krankheitsmaterie, die im Organismus kursierte, setzte sich in der frühen Neuzeit neben der Humoralpathologie zunehmend durch. Dieses Konzept bot allerdings bereits seit der Antike ein Erklärungsmodell für die Ausbreitung von Epidemien.[42] Hierbei drangen „Miasmen" und „Kontagien" von außen in den Körper ein und lagerten sich in Körperteilen und Organen ab, wo sie Beschwerden und Krankheiten verursachten. Dabei wird deutlich, dass dieses Konzept ebenso organübergreifend arbeitete, wie die Vier-Säfte­Lehre. Allerdings trat die Bedeutung des Verhältnisses der Säfte zueinander, zugunsten der Funktion dieser Säfte als Träger der schädlichen und giftigen Stoffe, in den Hintergrund. Anhänger der Kontagionentheorie betonten die Ansteckung („contagion") von Mensch zu Mensch über Stoffe, Berührungen und Gegenstände an denen Krankheitsmaterie haftete[43], aber auch die mögliche Übertragung durch Atem und Ausdünstungen bereits Erkrankter. In diesem letzten Aspekt der infizierenden Übertragung ist dieses Modell nicht eindeutig von der Miasmentheorie zu trennen. Denn hierbei verunreinigten und verdarben Miasmen, die sich in Sümpfen, stehenden Gewässern, verrottetem Obst und Gemüse, menschlichen und tierischen Exkrementen sowie Kadavern befanden, die Luft, indem sie sich mit ihr vermischten. Dies wurde von unheilvollen Planetenkonstellationen, dem Klima und der Windrichtung begünstigt. Die so infizierte Luft wurde von den Menschen eingeatmet und ließ sie erkranken. Da beide Theorien die Bedeutung der Säfte betonten, ist es nicht verwunderlich, dass sie zu Aderlässen und Purgation rieten, um die Körpersäfte prophylaktisch zu regulieren beziehungsweise widernatürliche schädliche und giftige Materie aus dem Körper zu spülen. Jedoch sind auch Differenzen in der Reaktion auf Epidemien zu bemerken.[44] Während die Kontagionisten zu Quarantänemaßnahmen wie beispielsweise bei Ausbruch der Pest rieten, riefen Miasmatiker zur Flucht[45] auf und forderten das Fortschaffen und Vergraben von Unrat und Leichen[46] sowie die Verbesserung der Luft durch Feuer, Räucherungen[47] als auch Böllerschüsse, Riechstoffe wie Gewürze respektive Kräuter und das Tragen von Schutzmasken.

Beide Theorien betrachteten nicht nur die Pest als Krankheit schmutziger Orte, was sich durch die unreine Krankheitsmaterie ausprägte, die im Körper Ausschläge und andere Hautveränderungen hervorrief. Pocken, Ruhr, Fleckfieber, Cholera[48], Syphilis und englischer Schweiß[49] zeichneten sich durch ihre Symptome ebenso als schmutzige Krankheiten aus. War die Materie einmal im Körper und durch das Blut im Herzen angelangt, war es ein natürlicher Schutzprozess den Körpers, die Giftstoffe weit vom Herzen entfernt, in der Haut, anzusammeln. Da das Blut spätestens seit der Beschreibung des großen Blutkreislaufs von William Harvey 1628 für die Versorgung des gesamten Organismus zuständig war, indem es in richtiger Konsistenz und Menge vital im Körper pulsierte und das Ablagern von Krankheitsmaterie verhinderte, kam diesem unter den Säften die größte Bedeutung zu. Gleichsam regulierte es die Menge des zäh-kalten Phlegmas, das bei Übermaß zu einer Verstopfung aller Organdrüsen führen konnte. Da eine geregelte Verdauung als Grundlage für vitales Blut galt, musste auf diese besondere Rücksicht genommen werden, denn eine Veränderung des Blutes in Qualität und Quantität hatte auch Folgen für die anderen Körpersäfte, was die Selbstreinigungsfunktion beeinträchtigte. Zu viel Nahrung wiederrum hatte mehr Körpersäfte zur Folge, was Schlaganfälle auslösen konnte.[50] Dieser Aspekt verdeutlicht bereits die Wichtigkeit der Einhaltung des richtigen Maßes, was das dritte und im Folgenden inhaltlich präzisierte medikale Konzept der frühen Neuzeit darstellte.

2.5. Diätetik

Neben der Bedeutung der Genesung betonte schon Hippokrates die Wichtigkeit der Krankheitsprophylaxe. Der Diätetik kam hierbei eine besondere Rolle zu, da durch eine Anpassung der Lebensweise an das Ideal des rechten Maßes einem Ungleichgewicht der Säfte vorgebeugt werden konnte. Wohl nicht zuletzt aufgrund des Mangels in der Antike an wirkungsvollen ganzkörperlichen Mitteln zur Krankheits- und Schmerzbekämpfung verfeinerte Galen das hippokratische Modell um den gesundheitspflegenden Aspekt der Hygiene sowie um die „sex res non naturales". Denn je nach Gebrauch und Dosierung trugen die Verhältnisse zwischen Licht und Luft (lux et aer), Essen und Trinken (cibus et potus), Bewegung und Ruhe (motus et quies), Schlafen und Wachen (somnus et vigilia), Ausscheidungen und Absonderungen (excreta et secreta) sowie seelische Affekte (affectus animi) zur Erhaltung der Gesundheit bei.[51] Diese Idee der antiken Diätetik setzte sich über das Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit fort, zielte sie doch auf Mäßigung und Ausgleich der in der bedeutenden Humoralpathologie betonten Temperamente und Säfte ab.

[...]


[1] Stolberg, Michael: Der gesunde Leib. Zur Geschichtlichkeit frühneuzeitlicher Körpererfahrung, In: Münch, Paul (Hg.): „Erfahrungen" als Kategorie der Frühneuzeitgeschichte, München 2001, S.39-42.

[2] Gitanner, Christoph: Abhandlung über die Krankheiten der Kinder und über physische Erziehung derselben, Berlin 1794, S.58.

[3] Duden, Barbara: Geschichte unter der Haut. Ein Eisenacher Arzt und seine Patientinnen um 1730, Stuttgart 1987.

[4] Jütte, Robert: Ärzte, Heiler und Patienten. Medizinischer Alltag in der frühen Neuzeit, München 1991.

[5] Stolberg, Michael: Homo patiens. Krankheits- und Körpererfahrungen in der Frühen Neuzeit, Köln-Weimar­Wien 2003.

[6] Schulze, Winfried: Ego-Dokumente: Annäherung an den Menschen in der Geschichte?. Vorüberlegungen für die Tagung „EGO-DOKUMENTE", In: Ders. (Hg.): Annäherung an den Menschen in der Geschichte, Berlin 1996, S.12-21. Jütte: Ärzte, S.9-12. Stolberg, Michael: Homo patiens, S.9-12.

[7] Holland, Wilhelm Ludwig (Hg.): Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans aus den Jahren 1676 bis 1722, 6 Bde., Stuttgart-Tübingen 1867-1881.

[8] Pepys, Samuel: The Diary of Samuel Pepys. A new and complete transcription, Hg. v. Robert Latham, William Matthews, 11 Bde., London 1970-1983.

[9] Menninger, Annerose: Genuss im kulturellen Wandel. Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa (16.-19. Jahrhundert), 2. überarbeitete Auflage, Stuttgart 2008.

[10] Metzke, Hermann: Lexikon der historischen Krankheitsbezeichnungen, Neustadt an der Aisch 1995.

[11] Jankrift, Kay Peter: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2003.

[12] Kupferschmidt, Hugo: Die Epidemiologie der Pest, Der Konzeptwandel in der Erforschung der Infektionsketten seit der Entdeckung des Pestrerregers 1894, Aarau-Frankfurt a.M.-Salzburg, 1993.

[13] Winkle, Stefan: Geißeln der Menschheit. Kulturgeschichte der Seuchen, Düsseldorf-Zürich 1997.

[14]Menninger: Genuss, S.119.

[15] Menninger: Genuss, S.116, 125.

[16] Bezeichnung für Beschwerden im Bauchbereich, unter anderem durch eine Magenschleimhautentzündung, Verstopfung oder auch depressive Verstimmung hervorgerufen. Metzke: Lexikon, S.87.

[17] Krämpfe und krampfartig auftretende Krankheiten. Metzke: Lexikon, S.66.

[18] Krankhafte Wasseransammlungen in Körperteilen, was oft ein Zeichen für eine Herzschwäche oder Eiweißmangel ist. Metzke: Lexikon, S.114.

[19] Chronisch entzündliche Erkrankungen mit lokal teils intensiven Schmerzen, die häufig an den Gelenken auftritt. Metzke: Lexikon, S.100-101.

[20] Krampfartiger Leibschmerz. Metzke: Lexikon, S.80.

[21] Jütte: Ärzte, S.83-84.

[22] Boccaccio, Giovanni: Das Dekameron. Aus d. Ital. übers. v. Albert Wesselski, 2 Bde., Leipzig-Frankfurt a.M. 11909. 61980.

[23] Jankrift: Krankheit, S.78, 80-81. Kupferschmidt: S.7-9, 105.

[24] Infektionskrankheit mit Symptomen wie hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost sowie Bewusstseinsstörungen. Metzke: Lexikon, S.113.

[25] Winkle: Geißeln, S.831-833.

[26] Jankrift: Krankheit, S.105.

[27] Der Theriak ist ein seit der Antike aus 66 pflanzlichen, tierischen und mineralischen Bestandteilen eingesetzter Trank. Er wurde zur Prophylaxe und Behandlung von Erkrankungen als Arzneimittel angewandt. Jankrift: Krankheit, S.83.

[28] Stolberg: Homo patiens, S.156.

[29] Menninger: Genuss, S.263. Die ihnen zugesprochenen Eigenschaften und Wirkungen auf den Körper werden in Kapitel 3.3 erläutert, da zuvor die konzeptionellen Grundlagen zum Verständnis dieser in den Kapiteln 2.3 bis 2.5 aufgeführt werden.

[30] Das erwärmte Schröpfkopfglas entwickelt eine Saugwirkung, die beim trockenen Schröpfen einen Reiz durch Blutrückfluß zur geschröpften Stelle hin bewirkt. Beim blutigen Schröpfen wird Blut durch Anritzen einer Hautpartie unter Ausnutzung der Saugwirkung entzogen. Jütte: Ärzte, S.71.

[31] Der frühneuzeitliche Heilermarkt zeichnete sich durch eine enorme Pluralität aus. So praktizierten nicht nur akademisch gebildete Ärzte, sondern neben ihnen Bader, Barbiere und Handwerkschirurgen sowie eine Vielzahl von Laienheilern. Stolberg: Homo patiens, S.88.

[32] Jütte: Ärzte, S.68-72. Stolberg: Homo patiens, S.85-87. Schäfer, Daniel: Alter und Krankheit in der Frühen Neuzeit. Der ärztliche Blick auf die letzte Lebensphase, Frankfurt a.M. 2004, S.112-113.

[33] Jankrift: Krankheiten, S.81.

[34] Kupferschmidt: Pest, S.12.

[35] Jütte: Ärzte, S.73. Kupferschmidt: Pest, S.9.

[36] Weisser, Ursula: Hippokrates (ca.460 - 375 v. Chr.), Galen (129 - ca. 200 oder nach 210 n. Chr.), In: Engelhardt, Dietrich von/Hartmann, Fritz (Hg.): Klassiker der Medizin I. Von Hippokrates bis Hufeland, München 1991, S.16.

[37] Weisser: Hippokrates, S.13-16. Schipperges, Heinrich: Homo patiens. Zur Geschichte des kranken Menschen, München 1985, S.107.

[38] Diese Schmerzvorstellung beruht auf der hippokratisch-galenischen Lehre unter Berücksichtigung einer zunehmenden Kenntnis um die Anatomie, angefangen bei empirischen und experimentellen Studien der Schule von Alexandria bis hin zur Trennung von Pharmazeutik, Chirurgie und Diätetik sowie dem „cartesianischen Dualismus" Descartes' (1596-1650). Basler, Heinz-Dieter/'Franz, Carmen/Kröner-Herwig, Birgit/'Rehfisch, Hans- Peter: Psychologische Schmerztherapie, 5. Auflage, Heidelberg 2004, S.153-155.

[39] Weisser: Hippokrates, S.23-26. Jankrift: Krankheiten, S.8-9. Schipperges: Geschichte, S.108f. Hervorzuheben ist ferner die Historia Naturalis von Plinius (23/24 n.Chr. - 79), in welcher er Heilmittel aus dem Pflanzen- und Tierreich beschrieb und auf deren Wirkung verwies. Prinzipien der Krankheitsvorbeugung, gesunden Lebensführung, aber auch Behandlung und Chirurgie fanden in Celsus' (um 25 v.Chr. - um 50) medicina detailierte Beschreibung. Jankrift: Krankheiten, S.9-11.

[40] Jankrift: Krankheiten, S.18. Das vierte Laterankonzil 1215 verbot Klerikern das Studium der Medizin und führte zu einer Verweltlichung der Heilkunde, in deren Folge sich Chirurgie und innere Medizin trennten. Ebenso wurden die Anatomie, Chirurgie und Pharmazie zu eigenständigen Säulen. Jankrift: Krankheit, S.30-31.

[41] Bergdolt, Klaus: Leib und Seele. Eine Kulturgeschichte des gesunden Leibes, München 1999, S.142-146.

[42] Bereits im alten Rom war bekannt, dass Sümpfe durch ihre stehende Eigenschaft Fäulnis- und Verwesungsprozesse bedingten und dadurch fieberhafte Krankheiten wie Malaria begünstigten. Daher wurden Böden zur Bekämpfung der Malaria saniert. Winkle, Stefan: Die sanitären und ökologischen Zustände im alten Rom und die sich daraus ergebenden städte- und seuchenhygienischen Maßnahmen, Sonderdruck aus Hamburger Ärzteblatt Hefte 6 und 8 1984, Hamburg 1984, S.2, 19.

[43] „[..] sondern es stellte sich auch heraus, daß schon Berührung der Kleidung oder irgendeines andern Gegenstandes, den die Kranken berührt oder gebraucht hatten, den Berührenden mit dieser Krankheit ansteckte." Boccaccio: Dekameron, Bd.1, S.11.

[44] Gleichsam bedeutend bei der Interpretation von Epidemien war der Zorn Gottes, den es durch Gebete, Wallfahrten, Prozessionen, Gottesdienste, Talismane und Amulette zu besänftigen galt. Kupferschmidt: Pest, S.9. „[..] die todbringende Pest gekommen ist, die, entweder durch die Einwirkung der Himmelskörper oder wegen unsers schlechten Wandels von dem gerechten Zorne Gottes zu unserer Besserung über die Sterblichen geschickt [..]." Boccaccio: Dekameron, Bd.1, S.9-10.

[45] „[..] gegen die Pest gebe es keine bessere oder ebenso gute Arznei als die Flucht [..]" Boccaccio: Dekameron: Bd.1, S.13-14.

[46] „[..] wurden, da die Kirchhöfe allenthalben voll waren, große Gruben gemacht und die neu Hinzukommenden [Leichen] zu Hunderten hineingelegt [..]" Boccaccio: Dekameron, Bd.1, S.18.

[47] Hierbei wurde auch Tabak verbrannt. Menninger: Genuss, S.259.

[48] Infektiöse und lebensbedrohliche, durch Bakterien übertragene Durchfallerkrankung. Metzke: Lexikon, S.44.

[49] Häufig tödliche Infektionskrankeit mit frieselartigen Hautausschlägen. Metzke: Lexikon, S.107.

[50] Stolberg: Homo patiens, S.158-164. Kupferschmidt: Pest, S.9-12. Jankrift: Krankheit, S.81-82.

[51] Weisser: Hippokrates, S.25-26. Jankrift: Krankheiten, S.10.

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Vom Aderlass bis zur Zahnextraktion: Medikale Konzepte und Therapiemaßnahmen im Spiegel ausgewählter Selbstzeugnisse im frühneuzeitlichen Europa
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Historisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
59
Katalognummer
V198174
ISBN (eBook)
9783656242963
ISBN (Buch)
9783656245353
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frühe Neuzeit, Neuzeit, Diätetik, Galen, Viersäftelehre, Vier-Säfte-Lehre, Miasmen, Kontagionen, Therapiekonzept, Aderlass, Medikale Konzepte, Selbstzeugnisse, Samuel Pepys, Orléans, Krankheitsmaterie, Elisabeth Charlotte von Orléans
Arbeit zitieren
Eric Kresse (Autor), 2011, Vom Aderlass bis zur Zahnextraktion: Medikale Konzepte und Therapiemaßnahmen im Spiegel ausgewählter Selbstzeugnisse im frühneuzeitlichen Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198174

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