1.2 Gang der Untersuchung
Die vorliegende Arbeit ist im Wesentlichen in fünf Teile untergliedert. Nach einleitender Ausführung in diesem Kapitel wird in Kapitel 2 zunächst die Behandlung latenter Steuern nach dem HGB (BilMoG) und den IFRS unabhängig von den Rechtsformbesonderheiten dargestellt. Dabei wird auf Konzept und Methodik der Steuerabgrenzung eingegangen sowie deren Anwendung kritisch gewürdigt. Dies diente als Ausgangsbasis für die weitere allgemeine Darstellung der Ansatzvoraussetzungen, Bewertungsvorschriften und Ausweisvorschriften latenter Steuern nach dem HGB und den IFRS. Dem folgend werden die nationalen und internationalen Vorschriften einer vergleichen-den Analyse unterzogen.
In Kapitel 3 wird die Bilanzierung latenter Steuern im Hinblick auf rechtsformspezifische Regelungen der steuerrechtlichen Normen untersucht. Da die Vorschriften des HGB nicht detailliert auf die Besonderheiten des Steuerrechts eingehen können, sind die allgemeinen Regelungen für die Organschaften und Personengesellschaften auszulegen. Diesem folgend werden die Anwendungsvorschriften analysiert und kritisch gewürdigt.
Dem bedeutendsten Schwerpunkt der Arbeit ist Kapitel 4 gewidmet. Im Rahmen der Konvergenzanalyse der Bilanzierungspraxis deutscher mittelständischer Unternehmen nimmt das Kapitel seinen Anfang in der Auswertung der bisherigen relevanten empirischen Studien mit Focus auf den Mittelstand. Ausgehend von den abgeleiteten Ergebnissen werden 312 Jahresabschlüsse mittelständischer Unternehmen einer Analyse unterzogen. Dabei werden insbesondere die relevanten Beträge der Bilanz, GuV sowie Anhangangaben ausgewertet. Ausgehend von der dargelegten Bilanzierung latenter Steuern in den analysierten Jahresabschlüssen wird mit Hilfe einer Konvergenz-Divergenz–Analyse untersucht, inwiefern eine Annäherung in der Praxis durch das BilMoG an die internationalen Rechnungslegungsnormen erreicht wurde. Zuletzt schließt sich eine kritische Würdigung der Bilanzierungspraxis der deutschen mittelständischen Unternehmen an.
Die Arbeit schließt durch Kapitel 5 mit einer Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und einem kurzen Ausblick über die bevorstehende detaillierte Auseinandersetzung mit der Berichterstattung zu latenten Steuern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Vergleichende Analyse der Bilanzierung latenter Steuern im Einzelabschluss nach HGB- und IFRS-Vorschriften
2.1 Entstehung und Bedeutung latenter Steuern nach HGB und IFRS
2.2 Konzepte und Methoden der Steuerabgrenzung nach HGB und IFRS
2.2.1 Konzeptionelle Abgrenzung
2.2.2 Methodische Abgrenzung
2.2.3 Zusammenfassende Darstellung und kritische Würdigung
2.3 Bilanzierung latenter Steuern im HGB-Einzelabschluss
2.3.1 Gesetzliche Regelungen im Überblick
2.3.2 Ansatz latenter Steuern
2.3.2.1 Umfang des Aktivierungswahlrechts und der Passivierungspflicht
2.3.2.2 Bewertung latenter Steuern
2.3.2.3 Ausweis latenter Steuern
2.3.3 Ausschüttungssperre
2.3.4 Ansatz latenter Steuern auf steuerliche Verlust- und Zinsvorträge
2.4 Bilanzierung latenter Steuern im IFRS-Einzelabschluss
2.4.1 Gesetzliche Regelungen im Überblick
2.4.2 Ansatz latenter Steuern
2.4.2.1 Umfang der Aktivierungs- und Passivierungspflicht
2.4.2.2 Bewertung latenter Steuern
2.4.2.3 Ausweis latenter Steuern
2.4.3 Ausschüttungssperre
2.4.4 Ansatz latenter Steuern auf steuerliche Verlust- und Zinsvorträge
2.5 Vergleichende Darstellung und kritische Würdigung der latenten Steuerabgrenzung nach HGB und IFRS
3. Untersuchung der rechtsformspezifischen Probleme der Steuerabgrenzung deutscher Unternehmen nach HGB im Vergleich zu IFRS
3.1 Latente Steuern bei Kapitalgesellschaften
3.2 Latente Steuern bei Personengesellschaften
3.3 Abgrenzung latenter Steuern im Organkreis
3.3.1 Besonderheiten der ertragsteuerlichen Organschaft
3.3.2 Bilanzierung latenter Steuern beim Organträger
3.3.3 Bilanzierung latenter Steuern bei der Organgesellschaft
3.3.4 Offene Fragen
3.4 Kritische Würdigung
4. Konvergenz von IFRS und der Bilanzierungspraxis deutscher mittelständischer Unternehmen nach BilMoG
4.1 Überblick über bisherige empirische Untersuchungen
4.1.1 Empirische Studien mit Fokus auf mittelständische Unternehmen
4.1.2 Empirische Ergebnisse zur Bilanzierungspraxis mittelständischer Unternehmen
4.1.3 Teilfazit
4.2 Festlegung des Untersuchungsaufbaus
4.3 Untersuchungsgegenstand und Untersuchungsdesign
4.4 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
4.4.1 Relevanz der latenten Steuern im Einzelabschluss
4.4.2 Umfang der Aktivierung latenter Steuern
4.4.3 Angaben zu Ursachen von latenten Steuerpositionen
4.4.4 Aktive latente Steuern auf steuerliche Verlustvorträge
4.5 Konvergenz der Bilanzierungspraxis deutscher mittelständischer Unternehmen nach BilMoG
4.6 Kritische Würdigung der Ergebnisse
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) eingeleitete Annäherung der deutschen handelsrechtlichen Bilanzierung latenter Steuern an die internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) und analysiert deren tatsächliche Umsetzung sowie die verbleibenden Divergenzen in der Bilanzierungspraxis deutscher mittelständischer Unternehmen.
- Vergleichende Analyse der konzeptionellen und methodischen Grundlagen der Steuerlatenzrechnung nach HGB und IFRS
- Untersuchung rechtsformspezifischer Besonderheiten bei der Steuerabgrenzung (Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften, Organschaften)
- Auswertung der Bilanzierungspraxis mittelständischer Unternehmen hinsichtlich latenter Steuern auf Basis empirischer Daten
- Kritische Würdigung der erzielten Konvergenz sowie der verbleibenden bilanzpolitischen Spielräume
- Evaluation der Informationsfunktion des Jahresabschlusses nach dem BilMoG
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Konzeptionelle Abgrenzung
Der Ermittlung latenter Steuern liegen hauptsächlich zwei verschiedene Konzepte zugrunde, zum einen das GuV orientierte Timing-Konzept und zum anderen das bilanzorientierte Temporary-Konzept.17
Nach dem ursprünglich bevorzugten Timing-Konzept18 werden nur diejenigen Bilanzierungs- und Bewertungsunterschiede zwischen Steuer- und Handelsbilanz berücksichtigt, die sich im Zeitablauf sowohl bei der Entstehung als auch bei der Auflösung in der GuV auswirken. Bei ergebnisneutral entstandenen Differenzen werden im Timing-Konzept folglich keine latenten Steuern abgegrenzt.19 Im Vordergrund steht der zutreffende Ausweis der Unternehmensertragslage.20
Im Gegensatz zum Timing-Konzept bezieht das Temporary-Konzept sämtliche Ansatz- und Bewertungsdifferenzen in die latente Steuerabgrenzung ein. Das gilt ferner dann, wenn die Differenzen ergebnisneutral und erst bei der Umkehrung ergebniswirksam erfasst werden. Das Temporary-Konzept ist bilanzorientiert und damit auf die zutreffende Darstellung der Vermögens- und Schuldenlage des Unternehmens ausgerichtet.21
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung der Arbeit ein und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext der Umstellung auf das BilMoG.
2. Vergleichende Analyse der Bilanzierung latenter Steuern im Einzelabschluss nach HGB- und IFRS-Vorschriften: Hier werden die konzeptionellen und methodischen Grundlagen der Steuerabgrenzung in beiden Systemen gegenübergestellt und kritisch gewürdigt.
3. Untersuchung der rechtsformspezifischen Probleme der Steuerabgrenzung deutscher Unternehmen nach HGB im Vergleich zu IFRS: Dieses Kapitel behandelt die spezifischen Herausforderungen bei der Anwendung der HGB-Regelungen für unterschiedliche Rechtsformen sowie für den Organkreis.
4. Konvergenz von IFRS und der Bilanzierungspraxis deutscher mittelständischer Unternehmen nach BilMoG: Im Mittelpunkt steht die empirische Untersuchung der praktischen Anwendung des BilMoG durch mittelständische Unternehmen sowie die Analyse der Konvergenz zur internationalen Rechnungslegung.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammengeführt und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung gegeben.
Schlüsselwörter
BilMoG, Latente Steuern, HGB, IFRS, Steuerabgrenzung, Steuerlatenzrechnung, Temporary-Konzept, Timing-Konzept, Liability-Methode, Mittelständische Unternehmen, Aktivierungswahlrecht, Passivierungspflicht, Steuerliche Verlustvorträge, Konzernabschluss, Organschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der durch das BilMoG initiierten Annäherung der deutschen handelsrechtlichen Bilanzierung latenter Steuern an die internationalen IFRS-Standards.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die konzeptionellen Unterschiede bei der Steuerabgrenzung, die rechtsspezifischen Probleme für den deutschen Mittelstand und die empirische Überprüfung der Anwendung dieser komplexen Regelungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Umsetzung der Neuregelungen durch deutsche mittelständische Unternehmen darzustellen und zu klären, inwiefern sich die Bilanzierungspraxis tatsächlich an die internationale Rechnungslegung annähert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische, vergleichende Analyse der Vorschriften mit einer eigenen empirischen Erhebung, bei der 312 Jahresabschlüsse mittelständischer Unternehmen ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der empirischen Konvergenzanalyse der Bilanzierungspraxis, inklusive der Auswertung von Anhangangaben zu Ursachen und Umfang latenter Steuern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören das BilMoG, latente Steuern, das Temporary-Konzept, der deutsche Mittelstand und die Konvergenz zu den IFRS.
Welche Herausforderungen bestehen bei der Bilanzierung latenter Steuern in Personengesellschaften?
Aufgrund der zweistufigen Gewinnermittlung und steuerlicher Besonderheiten bei der Gewerbesteuer ergeben sich für Personengesellschaften besondere Anforderungen an die Ermittlung und Zuordnung latenter Steuern.
Warum wird die Informationsfunktion des Jahresabschlusses bei mittelständischen Unternehmen kritisch gesehen?
Kritisch ist, dass die detaillierte Offenlegung sensibler Steuerinformationen im Anhang mittelständische Unternehmen im Wettbewerb benachteiligen könnte, weshalb viele Unternehmen von den gesetzlichen Wahlrechten Gebrauch machen.
Welche Rolle spielt das Vorsichtsprinzip bei der Aktivierung latenter Steuern?
Trotz der Modernisierung bleibt das Vorsichtsprinzip prägend; es führt dazu, dass viele mittelständische Unternehmen aus Vorsicht auf die Ausübung von Aktivierungswahlrechten verzichten.
- Citation du texte
- Diplom Ökonom, Diplom t.o. Kauffrau Olga Streng (Auteur), 2011, Bilanzierung latenter Steuern nach dem BilMoG in Annäherung an die IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198399