Die vorliegende Ausarbeitung ist eine Verschriftlichung des von mir am 01.06.2011 im Seminar abgehaltenen Referates zum Thema ‚Privatsprache‘ aus den ‚Philosophischen Untersuchungen
(Abkürzung: PU)‘ (entstanden zwischen 1936 und 1947, veröffentlicht postum 1953), dem zweiten Hauptwerk/dem Spätwerk des Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951). Im Genauen wird es darum gehen, was Privatsprache ist, was unter dem sogenannten ‚Privatsprachen-Argument‘ zu verstehen ist und welche Probleme die Privatsprache mit sich bringt – dies wird aufgezeigt am Beispiel der Empfindung ‚Schmerzen‘. Speziell das Thema ‚Privatsprache‘ umfasst in den PU die
Abschnitte 243 bis 315; für das Referat sowie die jetzige Verschriftlichung davon wurden ganz bestimmte Abschnitte zur Beschreibung und Analyse ausgewählt. Die vorliegende kurze Abhandlung
soll also (noch einmal) einen Überblick zu den wichtigsten Aspekten der ‚Privatsprache‘ am Beispiel des Schmerzes geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die ‚Privatsprache‘ und deren Problem nach Wittgenstein
3. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das sogenannte Privatsprachen-Argument von Ludwig Wittgenstein anhand der „Philosophischen Untersuchungen“, um zu klären, ob eine Sprache für rein private Empfindungen möglich ist und wie diese durch soziale Konventionen vermittelt wird.
- Analyse des Privatsprachen-Arguments in den Abschnitten 243-315 der „Philosophischen Untersuchungen“.
- Untersuchung der Verbindung zwischen privatem Empfinden und sprachlicher Benennung.
- Diskussion der Bedeutung von Schmerz als exemplarische Empfindung.
- Erörterung der Rolle von Konvention und Abrichtung im Spracherwerb.
- Reflexion über die Grenzen der intersubjektiven Vermittelbarkeit von Erlebnissen.
Auszug aus dem Buch
Die ‚Privatsprache‘ und deren Problem nach Wittgenstein
Bevor es zur Thematik der ‚Privatsprache‘ kommt, soll geklärt werden, wie Wörter ihre Bedeutung erhalten. Wittgenstein greift dafür in seinen PU ein Zitat des christlichen Kirchenlehrers Augustinus von Hippo (354 – 430) aus dessen ‚Confessiones‘ (Bekenntnisse; autobiographische Betrachtungen) auf, das wie folgt lautet:
„Nannten die Erwachsenen irgend einen Gegenstand und wandten sie sich dabei ihm zu, so nahm ich das wahr und ich begriff, daß der Gegenstand durch die Laute, die sie aussprachen, bezeichnet wurde, da sie auf ihn hinweisen wollten. Dies aber entnahm ich aus ihren Gebärden, der natürlichen Sprache aller Völker, der Sprache, die durch Mienen- und Augenspiel, durch Bewegungen der Glieder und den Klang der Stimme die Empfindungen der Seele anzeigt, wenn diese irgend etwas begehrt, oder festhält, oder zurückweist, oder flieht. So lernte ich nach und nach verstehen, welche Dinge die Wörter bezeichneten, die ich wieder und wieder, an ihren bestimmten Stellen in verschiedenen Sätzen, aussprechen hörte. Und ich brachte, als nun mein Mund an diese Zeichen gewöhnt hatte, durch sie meine Wünsche zum Ausdruck.“
Wittgenstein zieht daraus den Schluss, dass das Wesen der menschlichen Sprache so verfährt, dass Wörter der Sprache Gegenstände benennen, d. h. jedes Wort hat eine Bedeutung und umgekehrt ist eine Bedeutung einem bestimmten Wort zugeordnet – die Bedeutung ist also der Gegenstand, für den das Wort steht. Noch etwas vereinfachter heißt das, Wörter für Gegenstände stehen und diese Gegenstände sind folglich die Bedeutungen der Wörter. Warum für die Privatsprache als Einstieg aus den PU Abschnitt 1 (Augustinus) gewählt wurde, soll gleich deutlich werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, die Abschnitte 243 bis 315 der „Philosophischen Untersuchungen“ von Ludwig Wittgenstein mit Fokus auf das Privatsprachen-Argument zu analysieren.
2. Die ‚Privatsprache‘ und deren Problem nach Wittgenstein: Das Kapitel erläutert Wittgensteins Kritik am augustinischen Sprachverständnis und untersucht die Problematik, ob private Empfindungen wie Schmerz durch eine ausschließlich vom Sprecher verstandene Sprache kommuniziert werden können.
3. Fazit: Das Fazit schließt, dass private Empfindungen zwar nicht direkt durch eine Privatsprache vermittelbar sind, jedoch der Umgang mit ihnen durch Konventionen und soziale Abrichtung erlernt und sprachlich kommunizierbar gemacht wird.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Privatsprache, Privatsprachen-Argument, Empfindung, Schmerz, Sprachspiel, Bedeutung, Augustinus, Kommunikation, Konvention, Abrichtung, Subjektivität, Intersubjektivität, Sprachphilosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung von Ludwig Wittgenstein zum sogenannten Privatsprachen-Argument, insbesondere im Kontext von subjektiven Empfindungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Definition von Bedeutung, die Möglichkeit einer Privatsprache sowie die Frage, wie menschliche Empfindungen wie Schmerz intersubjektiv vermittelbar werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum Wittgenstein das Konzept einer rein privaten, nur dem Sprecher zugänglichen Sprache als problematisch betrachtet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt die textual-analytische Methode, indem sie zentrale Passagen aus Wittgensteins „Philosophischen Untersuchungen“ (PU) auswählt und in Bezug auf das Schmerz-Beispiel interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das augustinische Sprachmodell, die Argumente gegen die Kommunizierbarkeit privater Gefühle und das berühmte „Käfer-Gleichnis“ als zentrales Gedankenexperiment.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Privatsprache, Sprachspiel, Empfindung, Schmerz, Konvention und das Privatsprachen-Argument.
Wie definiert Wittgenstein den Begriff der Privatsprache?
Er versteht darunter eine Sprache, deren Wörter sich auf Dinge beziehen, die nur der Sprecher selbst erfahren kann, wie etwa seine privaten, unmittelbaren Empfindungen.
Welche Rolle spielt das „Käfer-Gleichnis“ im Text?
Das Gleichnis illustriert, dass die private Beschaffenheit eines Erlebnisses (wie der „Käfer“ in der Schachtel) für die Sprachgrammatik irrelevant ist, da Sprache auf äußere Zeichen angewiesen ist.
Kann man nach Wittgenstein Schmerzen sprachlich mitteilen?
Ja, aber nicht durch eine private Benennung, sondern durch gelernte soziale Ausdrucksweisen, die auf Konventionen und der Abrichtung durch die Sprachgemeinschaft beruhen.
Warum wird Augustinus im Text zitiert?
Wittgenstein nutzt das Augustinus-Zitat, um ein Sprachverständnis zu verdeutlichen, das Sprache als bloße Nennung von Gegenständen betrachtet, um es anschließend kritisch zu hinterfragen.
- Quote paper
- B.A. Ann Drechsler (Author), 2011, Die Privatsprache und ihr Problem nach Ludwig Wittgenstein am Beispiel der Empfindung "Schmerzen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198468