Das Thema der Skulptur Pluto und Proserpina ist möglicherweise den Metamorphosen Ovids entnommen oder aus Claudius´ "De raptu Proserpinae". Pluto, Gott der Unterwelt, entbrannt der Liebe zu Proserpina, Tochter des Zeus, entführt sie als seine Gemahlin in den Hades. Er hat die blumenpflückende Jungfrau in einem Hain entdeckt. Berninis Skulptur ist jedoch keiner bestimmten Stelle bei Ovid oder Claudius angeknüpft, da Bernini das von den Dichtern so nicht beschriebene Ende zeigt. Nämlich wie Pluto, in seinem unterirdischen Reich angekommen, mit seiner Geraubten, die er im festen Griff hält, über den auf den Boden liegenden Zweizack und den sitzenden, dreiköpfigen Zerberus hinwegsteigt. Die Symbolik soll die Bedenken über die Kürze des Lebens sowie die Bedrohung durch den Tod ausdrücken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Zeit Gianlorenzo Berninis künstlerisches Schaffen.
2. Gianlorenzo Berninis „Pluto und Proserpina“
2.1 Skulpturbeschreibung „Pluto und Proserpina“.
2.2 Die Themenwahl, der Mythos, die Symbole.
2.3 Die Entwurfszeichnung, die Komposition, die vereinten Gegensätze.
3. Gianlorenzo Bernini wurde von einer Skulptur Giovanni
3.1 Skulpturbeschreibung Giovanni Bolognas „Raub einer Sabinerin“.
3.2 Die Unterschiede in den Skulpturengruppen.
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die Marmorskulptur „Pluto und Proserpina“ von Gianlorenzo Bernini unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichte, ikonografischen Symbolik und kompositorischen Gestaltung. Im Zentrum steht dabei die Frage nach den künstlerischen Einflüssen durch Giovanni Bologna sowie die differenzierte Darstellung von Emotionen und Gegensätzen im barocken Skulpturschaffen.
- Historischer Kontext von Berninis Schaffen unter päpstlicher Gönnerschaft.
- Detaillierte formale und ikonografische Analyse von „Pluto und Proserpina“.
- Untersuchung der Provenienz und Standortfragen der Skulptur.
- Vergleichende Analyse zwischen Bernini und Giovanni Bologna.
- Bedeutung der Symbolik von Zeit, Vergänglichkeit und menschlichen Affekten.
Auszug aus dem Buch
2.1 Skulpturbeschreibung „Pluto und Proserpina“.
Der nackte, muskulöse Pluto umfasst mit festem Griff die zarte Proserpina, die sich mit Händen und Füßen gegen diesen wehrt15. Ein Tuch, welches sich über beide Figuren drapiert, schleiert sich von Proserpinas Schulter hinab, zwischen beiden Körpern entlang, bedeckt Plutos Scham und endet schließlich zwischen dem schreitenden Schritt diesem, über dem Fell des dreiköpfigen Zerberus, der hinter Pluto und Proserpina mit offenen Mäulern und bewachenden Blicken das Geschehen begleitet. Auf dem Boden, in mitten des Schrittes Plutos, liegt ein Zweizack, Attribut des Pluto. In der Frontalansicht der Skulptur sind die Muskeln des Pluto fein herausgearbeitet. Seine Hände scheinen sich tief ins Fleisch der zarten Proserpina zu graben, die er mit all seiner Muskelkraft zu bändigen scheint. Sie nämlich wehrt sich verzweifelt. Ihre linke Hand stößt Plutos Kopf von sich weg. Dieser schaut mit unbeirrbarer Miene nach vorn. Seine Krone sitzt auf seinem lockigen Haar, nahezu unerschütterbar von Proserpinas Gegenwehr. Ihr leichtgewelltes Haar hängt über ihre Schultern hinab16. Ihr rechter Arm stößt ins Leere hinter Pluto und verleiht der Skulptur eine enorme Tiefe. Ihre Augen sind geschlossen, ihr Mund geöffnet als schreie sie. Tränen der Verzweiflung entrinnen ihren Augen17. Ihr Kopf und ihr zartes Gesicht neigen sich leicht seitlich, von Pluto weg. In der Frontalansicht sind beide Gesichter für den Betrachter erschließbar, den beiden Figuren selbst jedoch nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Zeit Gianlorenzo Berninis künstlerisches Schaffen.: Das Kapitel beleuchtet den historischen Rahmen des 17. Jahrhunderts unter dem Einfluss päpstlicher Familien und verortet Berninis künstlerische Tätigkeit in diesem politisch-kulturellen Umfeld.
2. Gianlorenzo Berninis „Pluto und Proserpina“: Hier erfolgt eine tiefgreifende Analyse der Skulptur, unterteilt in die formale Beschreibung, die mythologische Themenwahl sowie die kompositorische Entwicklung anhand von Entwurfsskizzen.
3. Gianlorenzo Bernini wurde von einer Skulptur Giovanni: Dieses Kapitel vergleicht Berninis Werk mit Giovanni Bolognas „Raub einer Sabinerin“, um Einflüsse und stilistische Unterschiede in der skulpturalen Ausführung herauszuarbeiten.
4. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst Berninis Leistung zusammen, würdigt seine Fähigkeit, Emotionen und Gegensätze im Marmor festzuhalten, und ordnet die Bedeutung der Skulptur in sein Gesamtwerk ein.
Schlüsselwörter
Gianlorenzo Bernini, Pluto und Proserpina, Barockskulptur, Giovanni Bologna, Raub einer Sabinerin, Bildhauerei, Marmor, Ikonografie, Zerberus, päpstliche Gönnerschaft, Emotionen, Vergänglichkeit, Kunstgeschichte, Skulptur, Mythologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Marmorskulptur „Pluto und Proserpina“ von Gianlorenzo Bernini und deren kunsthistorischer Einordnung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die barocke Formensprache, die symbolische Bedeutung mythologischer Darstellungen und der künstlerische Einfluss vorangegangener Meister.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifische Ästhetik und Ausdrucksstärke von Berninis Skulptur durch einen Vergleich mit dem Werk von Giovanni Bologna und eine Untersuchung der ikonografischen Details zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die formale und ikonografische Analyse von Skulpturen sowie den Vergleich mit kunsthistorischer Fachliteratur und Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die deskriptive Analyse von Berninis „Pluto und Proserpina“, die Untersuchung der mythologischen Symbolik und den vergleichenden Diskurs mit Bolognas „Raub einer Sabinerin“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bernini, Barock, Marmorskulptur, Ikonografie und künstlerische Affektdarstellung charakterisiert.
Warum gibt es Kontroversen um den Standort der Skulptur?
Die Provenienz der Skulptur ist umstritten, da sie kurz nach ihrer Aufstellung in der Villa Borghese als Geschenk an Kardinal Ludovisi weitergegeben wurde, was Fragen nach dem ursprünglichen Auftraggeber aufwirft.
Welche Rolle spielt der Zerberus in Berninis Skulptur?
Der Zerberus dient nicht nur als Stütze für die Figurengruppe, sondern ist auch ein symbolisches Element, das die Vergänglichkeit und die Unausweichlichkeit des Todes darstellt.
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- Tina Pfab (Autor), 2009, Analyse von Gianlorenzo Berninis "Pluto und Proserpina", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198522