Definition: "Teamforschung"
Als "Oldenburger Teamforschung" bezeichnet man einen Forschungsansatz, in dessen Mittelpunkt die gemeinsame Schul- und Unterrichtsforschung von berufserfahrenen Lehrerinnen, von Referendarinnen und Lehramtsanwärterinnen, von Studierenden und ihren Ausbildern steht. Wesentlicher theoretischer Bezugspunkt ist dabei die sogenannte Aktions- oder Handlungsforschung, wie sie in dem sehr gut lesbaren, inzwischen in der dritten Auflage vorliegenden Buch "Lehrer erforschen ihren Unterricht" von Herbert Altrichter und Peter Posch (Klinkhard Verlag Bad Heilbrunn 1998) beschrieben wird. In Oldenburg wurde zunächst Herbert Altrichters Ansatz erprobt, sein Konzept dann aber weiterentwickelt: Nicht einzelne LehrerInnen, die als Einzelkämpferlnnen ihren eigenen Unterricht durch Forschung zu verbessern versuchen, stehen im Mittelpunkt, sondern das generationsübergreifend zusammengesetzte Team, in dem die LehrerInnen insofern "tonangebend" sind, als sie eine für ihren Unterricht und/oder die Schule insgesamt wichtige Fragestellung vorgeben, diese dann aber gemeinsam mit Studierenden untersuchen, die ihnen dabei helfen können, aus Denkschablonen und Routinen herauszukommen. Wegen dieser Abweichung von einem wichtigen Grundsatz der internationalen Aktionsforschung wurde der Name Teamforschung neu eingeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Arbeitsdefinition und Entstehung
2. Konzeption und Praxis der Oldenburger Teamforschung
- Warum ist es sinnvoll, dass LehrerInnen und StudentInnen gemeinsam im Team forschen?
- Struktur der Forschungsteams
- Ziele der Teamforschung
- Was kann die Teamforschung in Schule und Universität bewirken?
- Zieldreieck der TEAM- Forschung
- Verlauf des Forschungsprozesses
- Die Forschungswerkstatt als „Basislager“ für Teamforschung
- Forschungsmethoden der Praxisforschung
- Mit welchen Fragestellungen wurde sich in der Vergangenheit beschäftigt?
3. BLK-Modellversuch „Lebenslanges Forschendes Lernen im Kooperationsverbund Schule, Seminar, Universität und Fortbildungseinrichtung“
4. Die Autoren
5. Literatur
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Konzept der „Oldenburger Teamforschung“ auseinander, einem Forschungsansatz, der Lehrerinnen, Referendarinnen, Studierende und Ausbilder in generationsübergreifenden Teams zur gemeinsamen Untersuchung schulpraktischer Fragestellungen zusammenführt. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine systematische Verzahnung von Theorie und Praxis eine Professionalisierung aller Beteiligten erreicht und die Unterrichtsqualität nachhaltig verbessert werden kann.
- Grundlagen und historische Entstehung des Teamforschungsansatzes
- Struktur, Ziele und methodisches Vorgehen in den Forschungsteams
- Die Rolle der Forschungswerkstatt als zentrales Unterstützungssystem
- Der BLK-Modellversuch zum „Lebenslangen Forschenden Lernen“
- Wirkungen der Teamforschung auf Schule und Universität
Auszug aus dem Buch
Struktur der Forschungsteams
Die Erfahrung zeigt, dass die gemeinsame Forschungstätigkeit von LehrerInnen und StudentInnen nicht immer reibungslos abläuft. Ebenso wie in der „klassischen“ Handlungs- und Aktionsforschung liegen die Probleme im unterschiedlichen Status der Beteiligten. Die Zusammenarbeit von WissenschaftlerInnen und LehrerInnen in den siebziger Jahren hat häufig dazu geführt, dass sich die LehrerInnen kontrolliert vorkamen und die WissenschaftlerInnen versuchten, über die Forschungsprojekte Einfluss auf die LehrerInnen zu nehmen.
Auch für die Teamforschung können sich durch das Setting Probleme ergeben: Denkbar ist, dass StudentInnen mit einem „Ich-kann-alles-besser“- Habitus auftreten und sich die LehrerInnen beobachtet und kontrolliert vorkommen. Ebenso problematisch wäre eine Haltung von LehrerInnen, die die StudentInnen nicht als gleichberechtigte Partner ansehen, weil diese nicht praxiserfahren sind. Es wäre auch denkbar, dass die LehrerInnen die StudentInnen bei der Forschung nur als Hilfskräfte verstehen, die untergeordnete Aufgaben (z.B. zeitaufwendige Transkription von Interviews o.ä.) zu machen haben. Um solchen Problemen zu begegnen, erarbeiten die Teams zu Beginn des Forschungsvorhabens ein Arbeitsbündnis, in dem die Rollen und Verpflichtungen der einzelnen Beteiligten vergegenwärtigt und verabredet werden. Dabei werden alle Phasen des Forschungsprozesses gemeinsam von den Beteiligten geplant und verantwortet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Arbeitsdefinition und Entstehung: Dieses Kapitel definiert den Ansatz der Oldenburger Teamforschung als gemeinsames Forschungsvorhaben von Schulpraktikern und Studierenden und skizziert die historische Entwicklung des Modells in einer Zeittafel.
2. Konzeption und Praxis der Oldenburger Teamforschung: Hier werden die theoretischen und praktischen Grundlagen der Teamforschung dargelegt, einschließlich der Rollenverteilung, der Zielsetzungen im „Zieldreieck“ und der konkreten Forschungsmethoden.
3. BLK-Modellversuch „Lebenslanges Forschendes Lernen im Kooperationsverbund Schule, Seminar, Universität und Fortbildungseinrichtung“: Das Kapitel beschreibt die Zielsetzung und die institutionelle Einbindung des Modellversuchs zur Neukonzeption der Lehrerbildung in Niedersachsen.
4. Die Autoren: Dieses Kapitel stellt die akademischen Hintergründe und Schwerpunkte der am Modell beteiligten Wissenschaftler vor.
5. Literatur: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und weiterführenden Internetressourcen auf.
Schlüsselwörter
Teamforschung, Aktionsforschung, Lehrerbildung, Schulentwicklung, Forschendes Lernen, Kooperationsverbund, Unterrichtsforschung, Professionalisierung, Praxisforschung, Forschungswerkstatt, Schulpädagogik, Reflexion, Handlungskompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Anliegen der Arbeit?
Die Arbeit stellt den Forschungsansatz der „Oldenburger Teamforschung“ vor, der darauf abzielt, die Kluft zwischen universitärer Theorie und schulpraktischem Alltag durch gemeinsame Forschungsteams zu überbrücken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzeption von Teamforschung, die Zusammenarbeit von Studierenden und Lehrkräften, der Aufbau von Forschungskompetenzen sowie die Professionalisierung durch forschendes Lernen.
Was ist das primäre Ziel des Forschungsansatzes?
Das Ziel ist die gegenseitige Bereicherung und Professionalisierung: LehrerInnen entwickeln neue Perspektiven auf ihren Unterricht, während Studierende praxisnah forschen und eine forschende Haltung (Habitus) aufbauen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit stützt sich primär auf den Ansatz der Aktions- oder Handlungsforschung, modifiziert um den Aspekt des generationsübergreifenden Team-Settings.
Was wird im Hauptteil des Dokuments detailliert erläutert?
Der Hauptteil behandelt die Struktur von Forschungsteams, die Funktion der Forschungswerkstatt als „Basislager“, das „Zieldreieck der Teamforschung“ sowie den BLK-Modellversuch.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Kooperation, Reflexion, Praxisforschung, Professionalisierung und die Einbindung der „eigentlichen Experten“, also der Lehrerinnen und Lehrer.
Welche Rolle spielt die Forschungswerkstatt?
Sie fungiert als notwendiges „Basislager“, das den Teams methodische Unterstützung, Supervision bei Konflikten und einen Rahmen für die theoretische Fundierung bietet.
Warum wurde der Name „Teamforschung“ explizit gewählt?
Der Name wurde gewählt, um sich von der klassischen Aktionsforschung abzugrenzen, in deren Mittelpunkt oft die individuelle Lehrkraft als „Einzelkämpfer“ steht, während hier das Team das Zentrum bildet.
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- Sabrina Engels (Author), 2003, Teamforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19880