Der konträre Wissenswandel hat weitreichende Folgen für die Arbeitswelt: Arbeitsprozesse sind vielschichtiger geworden, Abläufe und Entscheidungen haben sich beschleunigt. Um in einer komplexer werdenden Arbeitswelt bestehen zu können, sind die Beschäftigten mehr und mehr gezwungen, den Drahtseilakt zwischen den wachsenden Anforderungen ihrer Arbeit und der selbstgesteuerten Erneuerung ihres beruflichen Wissens bereits am Arbeitsplatz zu meistern. Ein selbstgesteuertes Lernen ist vor diesem Hintergrund zu einer berufspädagogischen Proklamation und einem Leitziel der beruflichen Weiterbildung geworden. Doch der Forderung wie auch dem Ziel stehen Barrieren entgegen. So bleibt die berufliche Weiterbildung weitgehend aus Forschungsvorhaben ausgeklammert. Überdies erfolgt die Weiterbildung der Beschäftigten zumeist abseits vom Arbeitsgeschehen in fremdgesteuerten Lehrgängen zentraler Bildungseinrichtungen. Leider stellen gerade diese Einrichtungen den Ort dar, an dem die Beschäftigten verlernt oder gar nie gelernt haben, selbstgesteuert zu lernen. Mit deutlicheren Worten: „Selbstgesteuert lernen können diejenigen, die es gelernt haben, selbstgesteuert zu lernen. Angesichts dieser Problemstellung ist das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit einem noch weitgehend unerforschten Sektor zugewandt: dem öffentlichen Dienst. Als Exempel für den öffentlichen Dienst wird sie die Territoriale Wehrverwaltung, im Folgenden als TerrWV abgekürzt, herausgreifen. Neben dem Blick auf ihre Struktur wird sie ihre Beschäftigten betrachten; genauer: deren Lernstrategien. Den Lernstrategien wird eine Schlüsselrolle bei einem selbstgesteuerten Lernen zugesprochen. So wird vermutet, dass die Beschäftigten der TerrWV aufgrund ihrer jahrelangen Beschulung in Bildungseinrichtungen Lücken in ihrem Lernstrategierepertoire aufweisen; Lücken, die sie an einem selbstgesteuerten Lernen hindern. Daher versuche ich als Autorin dieser Arbeit eine Antwort auf die Frage zu finden: Verfügen die Beschäftigten der TerrWV über hinreichend Lernstrategien, um selbstgesteuert lernen zu können? In der zu findenden Antwort keimt eine weitere Fragestellung: Welche didaktischen Methoden eignen sich für die TerrWV, um die Lernstrategien und folglich das selbstgesteuerte Lernen ihrer Beschäftigten zu fördern?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Betrachtung der Lernstrategien beim selbstgesteuerten Lernen
2.1 Merkmale und Begriff des selbstgesteuerten Lernens
2.2 Lerntheoretische Begründung des selbstgesteuerten Lernens
2.3 Personale Bedingungen des selbstgesteuerten Lernens
2.3.1 Zum Begriff der Lernstrategie
2.3.2 Klassifikation und Beispiele der Lernstrategien
2.3.2.1 Kognitive Lernstrategien
2.3.2.2 Ressourcenbezogene Lernstrategien
2.3.2.3 Metakognitive Lernstrategien
2.4 Kontextuale Bedingungen des selbstgesteuerten Lernens
2.5 Zusammenspiel personaler und kontextualer Bedingungen
3 Analyse des selbstgesteuerten Lernens in der TerrWV: Konzeption und Befunde einer empirischen Erhebung der Lernstrategien der Beschäftigten
3.1 Konzeption und Durchführung der empirischen Erhebung
3.1.1 Problemstellung und Frage der Erhebung
3.1.2 Design des Erhebungsinstrumentes
3.1.3 Auswahl der Teilnehmer und Durchführung der Erhebung
3.2 Auswertung und Analyse der empirischen Befunde
3.2.1 Auswertungsschritte und Berechnung der Messergebnisse
3.2.2 Ergebnisbericht der Erhebung
3.2.2.1 Kognitive Lernstrategien
3.2.2.2 Ressourcenbezogene Lernstrategien
3.2.2.3 Metakognitive Lernstrategien
4 Förderung des selbstgesteuerten Lernens in der TerrWV: Implikationen für den Aufbau der Lernstrategien der Beschäftigten
4.1 Didaktische Methoden für ein selbstgesteuertes Lernen
4.1.1 Direkte Förderung: Methoden des Lernstrategietrainings
4.1.2 Indirekte Förderung: Methoden des Instruktionsdesigns
4.2 Innovative Methodenlandschaft für eine neue Lernkultur
5 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick auf die künftige Bedeutung des selbstgesteuerten Lernens in der TerrWV
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die Beschäftigten der Territorialen Wehrverwaltung (TerrWV) über ausreichende Lernstrategien verfügen, um in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt selbstgesteuert lernen zu können. Ziel ist es, durch die Analyse der bestehenden Lernstrategien didaktische Implikationen abzuleiten, um das selbstgesteuerte Lernen innerhalb der Organisation zu fördern und die Lernkultur zu modernisieren.
- Theoretische Grundlagen des selbstgesteuerten Lernens und Lernstrategien
- Empirische Analyse des Lernstrategierepertoires von Beschäftigten
- Zusammenhang zwischen personalen Voraussetzungen und Lernstrategien
- Methoden zur direkten und indirekten Förderung der Lernstrategien
- Bedeutung der Lernkultur für die Modernisierung der Behörde
Auszug aus dem Buch
2.1 Merkmale und Begriff des selbstgesteuerten Lernens
Eine Definition dessen, was die Wissenschaft unter einem selbstgesteuerten Lernen versteht, ist keineswegs einheitlich, sondern unterscheidet sich je nach Disziplin und Perspektive als auch von Autor zu Autor. Was beispielsweise in der deutschen Fachliteratur als selbstgesteuertes, selbstbestimmtes, selbstständiges oder selbstreguliertes Lernen bezeichnet wird, findet sich im englischen Sprachraum als self-directed, self-guided oder self-regulated learning wieder (vgl. SCHIERSMANN 2007). Eine scharfe Abgrenzung dieser Konzepte ist nicht Ziel dieser Arbeit. Bedeutend ist jedoch, dass eine derartige Konzept- und Begriffsvielfalt auf eine unterschiedliche Adressierung der Facetten des Lernens zurückzuführen ist (vgl. FRIEDRICH/MANDL 1997, 239). Diese Facetten erstrecken sich vom Lernziel (woraufhin?) über den Lerninhalt (was?) bis hin zur Lernregulierung (wann? wo? wie lange?) und den Lernweg (wie?) (vgl. ebd., 239). Bei einem selbstgesteuerten Lernen gilt es, diese Facetten zu steuern.
Die Steuerung verlangt vom Lernenden jedoch den Einsatz seiner ganzen Person – seinem Selbst. Das Selbst ist das Bild, welches jeder von sich hat (vgl. WILD/HOFER/PEKRUN 2006). Es konstituiert sich aus habituellen Merkmalen wie Fähigkeiten, Stärken, Wissen, Schwächen, Gefühlen und Verhalten (vgl. KONRAD/TRAUB 2009, 2f). So muss der Lernende bei einem selbstgesteuerten Lernen beispielsweise sein Vorwissen und seine Interessen aktivieren, sich motivieren und Ausdauer zeigen. Bildlich gesprochen verknüpft sich das Selbst des Lernenden mit seiner Steuerung; das Lernen wird autonom (vgl. SCHIERSMANN 2004, 58). Dies impliziert die Annahme, ohne eine Lehrperson zu lernen. Dem ist nicht so. Allein der Facettenreichtum des Lernens legt nahe, dass sich der Lernende nie völlig vom Lehrenden löst. Vielmehr bewegt sich der Lernende entlang eines Kontinuums, das sich zwischen zwei Polen erstreckt: der absoluten Selbst- und der völligen Fremdsteuerung (vgl. SIMONS 1992, 251).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Wissensgesellschaft ein, begründet das Interesse am selbstgesteuerten Lernen im öffentlichen Dienst (TerrWV) und leitet die zentrale Forschungsfrage ab.
2 Theoretische Betrachtung der Lernstrategien beim selbstgesteuerten Lernen: Dieses Kapitel definiert selbstgesteuertes Lernen, beleuchtet lerntheoretische Hintergründe und klassifiziert Lernstrategien in kognitive, ressourcenbezogene und metakognitive Kategorien.
3 Analyse des selbstgesteuerten Lernens in der TerrWV: Konzeption und Befunde einer empirischen Erhebung der Lernstrategien der Beschäftigten: Hier wird das methodische Design der Erhebung dargelegt und die Ergebnisse zur Nutzung verschiedener Lernstrategien bei den Mitarbeitern des Bundesamtes für Wehrverwaltung präsentiert.
4 Förderung des selbstgesteuerten Lernens in der TerrWV: Implikationen für den Aufbau der Lernstrategien der Beschäftigten: Aus den Befunden werden didaktische Methoden abgeleitet, unterteilt in direkte Trainingsansätze und indirekte Maßnahmen des Instruktionsdesigns.
5 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick auf die künftige Bedeutung des selbstgesteuerten Lernens in der TerrWV: Dieses Fazit resümiert die Ergebnisse der Arbeit und diskutiert die Notwendigkeit einer neuen Lernkultur innerhalb der Bundeswehrverwaltung.
Schlüsselwörter
Selbstgesteuertes Lernen, Lernstrategien, berufliche Weiterbildung, Territoriale Wehrverwaltung, Kognition, Metakognition, Ressourcenmanagement, Instruktionsdesign, Arbeitsplatzlernen, Kompetenzaufbau, Lernkultur, Personalentwicklung, empirische Erhebung, Wissensmanagement, Selbstwirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die Notwendigkeit des selbstgesteuerten Lernens für Beschäftigte im öffentlichen Dienst, exemplarisch dargestellt an der Territorialen Wehrverwaltung (TerrWV).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Lerntheorie, die Klassifikation und Messung von Lernstrategien sowie die methodisch-didaktische Gestaltung der beruflichen Fortbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfrage ist, ob die Beschäftigten der TerrWV über hinreichend Lernstrategien verfügen, um selbstgesteuert lernen zu können, und wie diese durch geeignete didaktische Maßnahmen gefördert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung und einer empirischen quantitativen Erhebung, bei der ein auf den beruflichen Kontext transformierter Fragebogen (WLI-Schule) genutzt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse der Lernstrategieklassen sowie eine detaillierte Auswertung empirischer Daten zur Nutzung dieser Strategien durch die Mitarbeiter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Selbstgesteuertes Lernen, Lernstrategien, Territoriale Wehrverwaltung, kognitive/metakognitive Strategien, berufliche Weiterbildung und Instruktionsdesign.
Welche Schwachstellen im Lernverhalten wurden identifiziert?
Die Analyse ergab insbesondere in den metakognitiven Strategien (Planung, Überwachung, Regulation) Verbesserungsbedarf, da die Beschäftigten ihr Lernen am Arbeitsplatz selten als steuerbaren Prozess wahrnehmen.
Welche Rolle spielen Arbeits- und Lernaufgaben für die Förderung?
Arbeits- und Lernaufgaben stellen ein zentrales Instrument der indirekten Förderung dar, da sie den Transfer von theoretischem Wissen in die praktische Arbeitssituation ermöglichen und Selbststeuerung fördern.
- Arbeit zitieren
- B.A. Christiane Kahl (Autor:in), 2011, Lernstrategen für ein selbstgesteuertes Lernen am Arbeitsplatz gesucht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198895