Als Folge der Finanzkrise auf den globalen Finanzmärkten kam es im Winterhalbjahr 2008/2009 in allen Weltregionen zu einem in der jüngeren Geschichte einmaligen abrupten und synchronisierten Einbruch der Wirtschaftsaktivität. Besonders hart wurden in der Krise Ökonomien wie Deutschland und Japan getroffen, die sehr stark vom verarbeitenden Gewerbe und der Einbindung in die internationale Arbeitsteilung profitiert hatten. Im Zuge einer starken internationalen Orientierung der deutschen Unternehmen hatte sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte eine Situation ergeben, in der das jährliche Wirtschaftswachstum sehr stark vom Wachstum des Außenbeitrags getragen wurde. Dementsprechend folgt der aktuelle Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung vor allem aus dem Rückgang des Außenbeitrags.
Die Arbeit untersucht zum einen die theoretischen Grundlagen für diskretionäre Fiskalpolitik zur Stabilisierung von Ökonomien, finanziert aus Steuererhöhungen bzw. zusätzlicher Kreditaufnahme, aus neoklassischer und neokeynesianischer Perspektive.
Im Laufe der Abhandlung wird ebenfalls kurz auf die built-in stabilities in Volkswirtschaften eingegangen. Ein besonderer Fokus wird auf die Untersuchung der Tragfähigkeit öffentlicher Defizite als besonderes Problem von Fiskalpolitik liegen.
Zum anderen werden im Laufe dieser Arbeit Struktur und Umfang der Konjunkturpakte der Bundesregierung genauer beschrieben und Teilaspekte in einem weiteren Abschnitt einer kritischen Würdigung unterzogen.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Stabilisierungspolitik aus theoretischer Sicht
2.1. Sicht der (neo-) klassischen Makroökonomik
2.1.1. Steuerfinanzierung
2.1.2. Kreditfinanzierung
2.2. Sicht der (neo-) keynesianischen Makroökonomik
2.2.1 Allgemeines keynesianisches Modell
2.2.2. Multiplikator-Wirkungen von Staatsausgaben
2.3. Tragfähigkeit öffentlicher Defizite
3) Diskretionäre fiskalpolitische Maßnahmen
3.1. Die fiskalpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung
3.1.1. Konjunkturpaket I
3.1.2. Konjunkturpaket II
3.1.3. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz
3.2. Europäischer Vergleich
3.3. Haushaltslage der Bundesrepublik
4) Beurteilung ausgewählter konjunkturpolitischer Maßnahmen
4.1. Richtlinie zur Förderung des Absatzes von Personenkraftwagen
4.2. Steuerpolitische Auswirkungen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes
4.2.1. Wachstumswirkungen der Steuerpolitik der Bundesregierung
4.2.2. Konsolidierungsbedarf und –ziel
5) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ökonomische Rechtfertigung, die Wirkungsweise und die damit verbundenen Probleme schuldenfinanzierter fiskalpolitischer Maßnahmen zur Bekämpfung der globalen Wirtschaftskrise 2008/09 in Deutschland.
- Theoretische Grundlagen der Stabilisierungspolitik (klassisch vs. keynesianisch)
- Analyse der diskretionären Maßnahmen der Bundesregierung (Konjunkturpakete I & II, Wachstumsbeschleunigungsgesetz)
- Europäischer Vergleich der fiskalpolitischen Bemühungen
- Kritische Beurteilung der Umweltprämie und steuerpolitischer Reformen
- Problematik der Tragfähigkeit öffentlicher Staatsschulden
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Konjunkturpaket II
Nach Informationen der Bundesregierung werden im Konjunkturpaket II beispielsweise allein 6,5 Mrd. Euro im Bildungsbereich investiert. Hierzu zählen auch Investitionen in Bauten. Für die kommunale Infrastruktur stehen 3,5 Mrd. zur Verfügung. Für Verkehrswege, Gebäudesanierung und Modernisierung der Informationstechnologie werden 4 Mrd. Euro bereit gestellt. Außerdem sollen Bundesliegenschaften mit insgesamt 2 Mrd. Euro energetisch saniert werden. Daneben wurden Mindereinnahmen durch Tarifänderungen bei der Einkommenssteuer eingeplant. So wurde der Grundfreibetrag auf 8.004 Euro festgesetzt, der Eingangssteuersatz auf 14 v.H. reduziert und der Progressionsrahmen durch Änderungen der Tarifeckpunkte gemäß § 32a Absatz 1 Nr. 2 bis 5 EstG, abgeflacht. Zusammengenommen werden die Maßnahmen im Einkommensteuerbereich im Jahr 2009 zu Mindereinnahmen von 3,1 Mrd. Euro und in 2010 von 5,8 Mrd. Euro führen.
Insgesamt hat die Bundesregierung mit den Konjunkturpaketen I und II sowie weiteren nachfragestimulierenden Maßnahmen diskretionäre Impulse in einem Gesamtumfang von etwa 85 Milliarden Euro beschlossen. Hierbei belaufen sich die vorgesehen Ausgaben für Infrastrukturinvestitionen auf rund 19 Mrd. Euro in den Jahren 2009 und 2010.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Beschreibt den Ausbruch der Finanzkrise 2007/08, deren Übergreifen auf die Realwirtschaft und die Notwendigkeit staatlicher fiskalpolitischer Interventionen.
2) Stabilisierungspolitik aus theoretischer Sicht: Diskutiert die unterschiedlichen ökonomischen Perspektiven (klassisch vs. keynesianisch) sowie die Kriterien für die Tragfähigkeit öffentlicher Defizite.
3) Diskretionäre fiskalpolitische Maßnahmen: Detaillierte Darstellung der deutschen Konjunkturpakete, deren europäische Einordnung und die daraus resultierende Haushaltsbelastung.
4) Beurteilung ausgewählter konjunkturpolitischer Maßnahmen: Kritische Analyse der Umweltprämie sowie der steuerpolitischen Änderungen hinsichtlich ihrer Wachstumswirkungen und langfristigen Effizienz.
5) Fazit: Zusammenfassende Bewertung der deutschen Krisenpolitik, die als angemessen eingestuft wird, jedoch vor dem Hintergrund langfristiger Haushaltsrisiken kritisch zu hinterfragen bleibt.
Schlüsselwörter
Wirtschaftskrise, Fiskalpolitik, Konjunkturpaket, Staatsverschuldung, Umweltprämie, Stabilisierungspolitik, Keynesianismus, Neoklassik, Haushaltspolitik, Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Haushaltskonsolidierung, Primärdefizit, BIP, Euro-Zone, Fiskalische Impulse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit analysiert die Maßnahmen der deutschen Bundesregierung zur Bewältigung der Wirtschaftskrise 2008/09 unter Berücksichtigung ökonomischer Theorie und haushaltspolitischer Folgen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Fiskaltheorie, der konkreten Umsetzung von Konjunkturprogrammen in Deutschland und deren internationalem Vergleich.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach der ökonomischen Rechtfertigung, den Wirkungen und den Problemen der schuldenfinanzierten Konjunkturprogramme in der Krise.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es erfolgt eine theoretische Einordnung auf Basis makroökonomischer Modelle, kombiniert mit einer empirischen Analyse aktueller politischer Maßnahmen und Haushaltsdaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Darstellung der Konjunkturpakete und eine kritische Beurteilung spezifischer Maßnahmen wie der Umweltprämie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fiskalpolitik, Staatsverschuldung, Konjunkturpaket, Stabilisierungspolitik und Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen.
Wie bewertet der Autor die Wirkung der „Umweltprämie“?
Der Autor ordnet die Umweltprämie als kurzfristiges Instrument ein, sieht jedoch erhebliche Wettbewerbsverzerrungen und zweifelt den langfristigen Nutzen und die ökologische Wertigkeit an.
Warum wird das Wachstumsbeschleunigungsgesetz in der Arbeit kritisch hinterfragt?
Es wird kritisiert, dass steuerliche Entlastungen ohne klare Gegenfinanzierung die Haushaltskonsolidierung gefährden und die gewünschten Wachstumsimpulse wissenschaftlich umstritten sind.
- Citation du texte
- Fabian Löffler (Auteur), 2009, Die schuldenfinanzierte Bekämpfung der Wirtschaftskrise - Ökonomische Rechtfertigung, Wirkungen und Probleme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199123