Das symbiotische Verhältnis zwischen Massenmedien und Terrorismus


Hausarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,5

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktionen der Medien und mediale Eigenlogik bei der Darstellung von Ereignissen
2.1. Funktionen von Medien und ihre Stellung im politischen System
2.2. Mediale Eigenlogik, Ritualisierung und Historisierung von Medienereignissen

3. Terrorismus und Terroranschläge als Kommunikationsstrategie
3.1. Definitionsprobleme und Abgrenzung
3.2. Konzeption und Kommunikation

4. Besteht eine Symbiose zwischen Massenmedien und Terrorismus?

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Spätestens seit dem 11. September 2001 ist Terrorismus, speziell jedoch der islamistische Terrorismus, ein ständig präsentes Thema in der Darstellung der audio-visuellen Medien wie Radio oder Fernsehen, der klassischen Printmedien, sowie des noch recht jungen und interaktiven Mediums Internet. Vor allem die Ereignisse in New York rund um den Angriff auf das World Trade Center wurden in Teilen dabei sogar in Echtzeit auf viele Millionen Bildschirme weltweit übertragen, sodass dieser terroristische Angriff zu einem medialen Großereignis ersten Ranges wurde.

Jeder Berichterstattung oder Thematisierung eines Geschehnisses durch die modernen Massenmedien wohnt eine konsequente Eigenlogik inne, sodass eine Meldung einer Vielzahl von Kriterien entsprechen muss um letztlich in Nachrichtensendungen, Zeitungen oder gar - wie im Fall des 11. Septembers 2001 - in einer Live-Übertragung dargestellt zu werden. Diese mediale Eigenlogik möchte ich im Rahmen dieser Hausarbeit erst allgemein, und dann bezüglich der Darstellung von Krisen (zu denen Terrorakte gehören), gerne näher erläutern. Dabei spielen auch die verschiedenen Funktionen von Medien, sowie deren Stellung im politischen System eine Rolle, die der genannten Eigenlogik zugrunde liegen und sie somit quasi determinieren. Hierbei beziehe ich mich jedoch ausschließlich auf Medien in demokratischen Gesellschaften, in denen weitgehende Pressefreiheit herrscht.

Des Weiteren gilt es zu beleuchten, inwieweit terroristische Anschläge in ihrer Konzeption und Durchführung von dieser medialen Eigenlogik beeinflusst sind, oder ob diese sogar klar mit der stringenten Logik nach der Medien ein gewisses Ereignis aufgreifen und ein anderes außer Acht lassen, korrespondieren. Eine kurze Definition von „Terrorismus" und die Erwähnung der verschiedenen Formen des Terrorismus' darf hierbei nicht fehlen. Abschließend werde ich die Beziehung zwischen Terrorismus und Massenmedien hinsichtlich der Fragestellung skizzieren, ob es sich bei dieser Interaktion um eine symbiotische (also für beide Seiten durchaus nutzbringende Beziehung) handelt, sodass sowohl die Medien, als auch die jeweilige terroristische Gruppierung maximale Resonanz bei den Rezipienten erzielen.

Die Rolle des 11. September 2001 ist für den Diskurs über das Verhältnisses zwischen Medien und islamistischem Terrorismus im Allgemeinen, und für meine Hausarbeit im Speziellen, sehr ambivalent zu betrachten, da die Ereignisse von New York und Washington einen Sonderfall darstellen. Dies kann einerseits bezüglich des Ausmaßes der Angriffe, andererseits jedoch auch für den Umgang der Medien mit den Geschehnissen von New York und Washington attestiert werden. Eine Betrachtung der Interaktion zwischen Terrorismus und Massenmedien kann jedoch schlecht das Musterbeispiel schlechthin außer Acht lassen, was alleine schon der existierenden Quellenlage geschuldet ist, die dem 11. September und dessen Darstellung in den Medien hohe Aufmerksamkeit entgegenbringt.

2. Funktionen der Medien und mediale Eigenlogik bei der Darstellung von Ereignissen

2.1. Funktionen von Medien und ihre Stellung im politischen System

Betrachtet man die Funktion der Massenmedien ganz allgemein, so lässt sich zuerst feststellen, dass die Hauptfunktion moderner Medien in der Herstellung von Öffentlichkeit und in der Reduktion der Komplexität des Alltages zu sehen ist, da Medien die Ereignisse eines Tages filtern und die für die Öffentlichkeit mutmaßlich relevanten Themen selektieren und darstellen. Hierbei ist die vermittelte Übersichtlichkeit allerdings lediglich als fiktive Realität anzusehen (vgl. Bergsdorf 1980: 76). Neben dieser Funktion des sprichwörtlichen Torwächters („Gatekeeper") (vgl. Glück 2008: 34) liefern Medien auch eine Perspektive auf das jeweilige Ereignis („Priming") und betten dieses in einen Kontext („Framing") ein (vgl. Glück 2008: 32).

Der Politikwissenschaftler Wolfgang Bergsdorf nennt ferner fünf untergeordnete Funktionen der Massenmedien in demokratischen Gesellschaften. So seien die Medien Bildungsträger und sorgten dafür, dass Wissen sich global verbreiten könne. Hierdurch könne im Hinblick auf politische Ereignisse ein politisches Tageswissen durch den Zuschauer erlangt werden, wobei der Rezipient die jeweilige Nachricht in den entsprechenden sozialen Zusammenhang setzen müsse (vgl. Bergsdorf 1980: 77). Weiterhin sei die Informationsfunktion der Medien von großer Relevanz, da gerade große Gesellschaften ständig auf Informationen aus Politik, Kultur und Wirtschaft angewiesen seien, wobei ein normativer Anspruch auf Vollständigkeit, Objektivität und Verständlichkeit bestehe (vgl. Bergsdorf 1980: 79f.). Darüber hinaus hätten Massenmedien eine Sozialisationsfunktion, die auf die Verinnerlichung politischer Normen abziele und Handlungsvorgaben für die Rezipienten nahe lege. Des Weiteren boten Medien eine Möglichkeit zur Vertretung und Darstellung verschiedener Interessen (vgl. Bergsdorf 1980: 84f.). Die letzte der von Bergsdorf genannten Funktionen der Massenmedien liegt in der Kritik die ausgeübt wird sowie in der daraus resultierenden Kontrollfunktion (vgl. Bergsdorf 1980: 87).

Betrachtet man die Funktionen oder die Rolle, die den Medien im Rahmen des politischen Systems zugeschrieben werden, so findet man verschiedene Interpretationen bezüglich der Stellung und Bedeutung der Medien. Unter den diversen Ansätze findet sich zum Beispiel jener der Medien als Themengeber für die Politik sieht, da sie von Impulsen des Publikums beeinflusst sind: das sogenannte Bottom-Up-Modell (vgl. Alemann 2001: 478ff.). Hierzu passt, dass Bruce Hoffman gerade im „…Fernsehen nicht einfach mehr nur einen „Meinungsbildner“, sondern jetzt auch einen „Politikmotor“…“ (Hoffman 2002: 202) sieht. Weiterhin ist das sogenannte Top-Down-Modell zu nennen, dass einen stärkeren Fokus auf politische Akteure legt und die Medien eher als Sprachrohr der Politik zur Erreichung der Rezipienten (oder: der Wähler) betrachtet (vgl. Alemann 2001: 470ff.). Diese beiden Modelle werden aufgrund ihrer Eindimensionalität kritisiert (vgl. Glück 2008: 19). Das „Biotop- Modell" (Alemann 2001: 480ff.) verbindet die beiden genannten Modelle miteinander und spricht sich dafür aus, dass die Medien sowohl gegenüber der Politik, als auch gegenüber Impulsen der Rezipienten aufnahmefähig und aufnahmebereit sind. Einen weiteren interessanten Ansatz beleuchtet der Politikwissenschaftler Thomas Meyer, der von einer elementaren Veränderung der Demokratie hin zu einer „Mediokratie" handelt (vgl. Meyer 2002: 7ff.). Politische Akteure gestalten dieser Auffassung nach die Kommunikation ihrer Politik strikt nach den Kriterien, nach denen Medien aus bloßen Meldungen Nachrichten und Themen machen: „...unterhaltsam, dramatisierend, personalisiert und mit Drang zum Bild, allesamt der Darstellungskunst des Theaters entlehnt..." (Meyer 2002: 7). Das Konzept der Mediokratie geht zurück auf eine Theorie des Politikwissenschaftlers Ulrich Sarcinelli, der Medien als Vierte Gewalt im System demokratischer Gewaltenteilung betrachtet (vgl. Glück 2008: 19), wobei von Alemann anmerkt, dass den Medien hier eine sogar noch umfassendere Rolle zukommen könnte, wenn Sie beispielsweise sogar noch den parteiinternen Kommunikationsprozess mitgestalteten (vgl. Alemann 2001: 474ff.).

Zu allen genannten Kommunikationsmodellen finden sich relativierende Gegenmodelle und Kritik, weshalb man wohl annehmen muss, dass keines der Modelle als gänzlich zutreffend oder unzutreffend betrachtet werden kann. Nichtsdestotrotz haben die Medien einen elementaren Einfluss auf politische Akteure einerseits, und auf Rezipienten andererseits. Hinsichtlich der Agenda der Rezipienten lässt sich konstatieren, dass diese häufig deckungsgleich mit der Medienagenda ist. Dies hängt direkt mit der Auswahl von Meldungen durch die Medien zusammen, die einerseits eine Medienrealität, und somit andererseits eine soziale Realität beim Publikum schafft. Letztlich führt dieser Sachverhalt sogar zu einer direkten Beeinflussung der politischen Agenda und setzt politische Akteure in demokratischen Systemen unter enormen Druck (vgl. Glück 2008: 32).

Die Sachzwänge denen gerade die Politik bei dem Versuch eine Botschaft an die Rezipienten zu richten unterliegt, sind den medialen Kriterien geschuldet, die in erster Linie ihr Publikum unterhalten und an sich binden wollen. Eine kurze Darstellung dieser Kriterien, die politische

Akteure anscheinend derart unter Druck setzen und eine Änderung und Anpassung der Außenkommunikation hervorrufen oder zumindest begünstigen können, soll der Bedeutung dieser Eigenlogik für den Terrorismus voran gehen.

2.2. Mediale Eigenlogik, Ritualisierung und Historisierung von Medienereignissen

Medien thematisieren bevorzugt kontroverse, im besten Fall konfliktreiche Themen. Ebenso finden häufig Darstellungen von tragischen Ereignissen statt. Auch skandalöse Normverletzungen wecken das Interesse der Medien und erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Thematisierung. „Gleichzeitig werden systematisch Themen ausgeblendet, die sich nicht oder nur schwer der Medienlogik anpassen lassen. Dies sind vor allem strukturelle, sich langsam entwickelnde Probleme, es sei denn, sie werden durch ein dramatisches Ereignis plötzlich sichtbar gemacht oder von bekannten Persönlichkeiten befördert.“ (vgl. Voltmer 2007: 22). Von besonderem Interesse sind vor allem Krisensituationen wie Naturkatastrophen oder eben auch terroristische Anschläge, die jedoch meist als äußerst komplex erscheinen. Die Komplexität von Ereignissen wird vor allem „...durch einen gezielten Einsatz von bekannten Erzählweisen und spannungsreichen Dramaturgien, die Zuweisung von Akteursrollen und sonstige journalistische Rahmungsoption erkennbar zu kompensieren versucht." (Weichert 2006: 379). Gerade Meldungen die im Zusammenhang mit Terroranschlägen oder Kriegshandlungen stehen haben einen hohen Nachrichtenwert, da das Publikum emotional in ihren Bann gezogen und geschockt wird (vgl. Klußmann 2005: 7). Neben Dramatik und Überraschungseffekt ist also vor allem der negative Charakter eines Ereignisses entscheidend für dessen mediale Vermittlung (vgl. Waldmann 2005: 10f.).

Eine zentrale Stellung innerhalb der Medienlandschaft nimmt in Krisenzeiten gerade das Fernsehen ein, da kein anderes Medium so viele Menschen erreicht und augenscheinlich verlässlich informiert, politische Kontroversen in Gang setzt, und die Gesellschaft als Ganzes sowohl integrierend als auch polarisierend beeinflussen kann (vgl. Weichert 2006: 380f.). „Mit der Einführung des Fernsehens ist die Notwendigkeit entstanden, Bilder und Symbole zu schaffen, die spektakulär genug sind, um sie auch auf Bildschirmen in aller Welt zu verbreiten." (Klußmann 2005: 7). Dem Zuschauer muss stets vor Augen geführt werden, dass auch er potenziell von Ereignissen, die sich nicht mit den gewöhnlichen und sicheren Strukturen des Alltags decken, betroffen werden kann und bedroht ist (vgl. Rötzer 2005: 32).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das symbiotische Verhältnis zwischen Massenmedien und Terrorismus
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Centrum für Nah- und Mitteloststudien)
Veranstaltung
Terrorismus als Faktor der internationalen Politik
Note
1,5
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V199287
ISBN (eBook)
9783656255444
ISBN (Buch)
9783656256212
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Terrorismus, Medien, Kommunikation, Internationale Politik
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Das symbiotische Verhältnis zwischen Massenmedien und Terrorismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199287

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