Der Gesundheitszirkel ist ein Instrument, das in der Betrieblichen Gesundheitsförderung vielfach eingesetzt wird. In Problemlösungsgruppen versuchen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, v.a. Belastungen zu identifizieren und Lösungsvorschläge dafür zu erarbeiten. Mit der Zeit wurden auch die gesundheitlichen Ressourcen und Stärken des Arbeitsalltags erhoben. Bislang wurden diese jedoch nicht in dem Maß weiter bearbeitet und behandelt wie bei der Belastungsreduktion. Die vorliegende Arbeit stellt den aktuellen Status Quo der ressourcenorientierten Betrieblichen Gesundheitsförderung sowie neue methodische Ansätze zur Bearbeitung von Ressourcen und Gesundheitspotenzialen in Österreich vor. Dabei zeigt sich, dass v.a. in der Analysephase des Gesundheitsförderungsprozesses zahlreiche Instrumente mit Fokus auf die Gesundheitsressourcen eingesetzt werden. Im Gesundheitszirkel hingegen werden erst vereinzelt und auf experimentieller Ebene innovative, ressourcenorientierte Methoden eingesetzt. Insgesamt wird von positiven Rückmeldungen sowohl der Mitarbeitenden und Unternehmen, als auch der Moderatoren und Moderatorinnen gegenüber ressourcenorientierter Arbeitsweise berichtet. Dennoch wird betont, dass – je nach Zielgruppe – auch die belastungs-lösungsorientierte Methodik wichtig und sinnvoll erscheint.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage und Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.2.1 Forschungsfragen
1.2.2 Hypothesen
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Arbeit und Gesundheit
2.1 Wirkungsmodelle
2.1.1 Salutogenese
2.1.2 Soziales Unterstützungsmodell
2.1.3 Anforderungs-Kontroll-Modell
2.1.4 Modell beruflicher Gratifikationskrisen
2.1.5 Ressourcen-Belastungs-Regulationsmodell
2.1.6 Arbeitsfreude
2.2 Ressourcen im Arbeitsleben
2.2.1 Interne, personale Ressourcen
2.2.2 Externe, situative Ressourcen
2.2.3 Kritik an den Ressourcenmodellen
3 Ressourcenorientierte Gesundheitsförderung im Betrieb
3.1.1 SALSA-Fragebogen
3.1.2 IMPULS-Test
3.1.3 Arbeitsbewältigungs-Index und Arbeitsbewältigungscoaching
3.1.4 Ressourcenprofil mit RessourceTool
3.1.5 Anerkennender Erfahrungsaustausch
4 Gesundheitszirkel im Betrieb
4.1 Gesundheitszirkelmodelle
4.1.1 Berliner Modell
4.1.2 Düsseldorfer Modell
4.1.3 Linzer Modell
4.2 Zusammensetzung der Teilnehmenden
4.3 Fokus und Themen im Gesundheitszirkel
4.4 Moderation
4.4.1 Interne versus externe Moderation
4.4.2 Moderationstechniken
4.4.3 Spielregeln für die Gesundheitszirkelarbeit
4.5 Ablauf und Durchführung der Zirkel
4.5.1 Vorbereitung
4.5.2 Phase der Durchführung
4.5.3 Nachbereitung und Ergebnisse
4.5.4 Evaluation
5 Ressourcenorientierung im Gesundheitszirkel – Ergebnisse der Erhebung
5.1 Untersuchungsdesign und Methodik
5.1.1 Literatur
5.1.2 Teilstrukturierte ExpertInneninterviews
5.1.3 Fragebogenerhebung
5.1.4 Weitere Quellen
5.2 Aktueller Stand der Umsetzung
5.2.1 Stellenwert und Reaktionen auf die Ressourcenarbeit
5.2.2 Entwicklung im Laufe der Zeit
5.2.3 Gründe für stärkere Ressourcenorientierung
5.3 Definition von Ressourcenorientierung
5.3.1 Ressourcenorientierung in der BGF
5.3.2 Ressourcenorientierung im Zirkel
5.3.3 Abgrenzung von Ressourcen und Belastungen
5.4 Methodische Ansätze der ressourcenorientierten Moderation
5.4.1 Substitutive, ersetzende Methoden
5.4.2 Additive, ergänzende Methoden
5.5 Ergebnisse, Wirkungen und Chancen ressourcenorientierter Arbeit
5.5.1 Auswirkungen und Reaktionen der Teilnehmenden
5.5.2 Auswirkungen und Reaktionen im Unternehmen
5.6 Herausforderungen in der Ressourcenorientierung
Conclusio
Ressourcenorientierung in der Praxis der BGF
Ressourcenorientierung im Gesundheitszirkel
Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht den aktuellen Stand der ressourcenorientierten Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in Österreich, mit besonderem Fokus auf die Anwendung im Gesundheitszirkel. Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern Methoden zur Stärkung von Ressourcen und Gesundheitspotenzialen in die Gesundheitszirkelarbeit integriert sind und welche methodischen Ansätze dabei existieren.
- Aktueller Stand der Ressourcenorientierung in der BGF
- Methodische Ansätze zur Stärkung von Ressourcen im Gesundheitszirkel
- Vergleich zwischen belastungsorientierter und ressourcenorientierter Moderation
- Wirkungen und Herausforderungen der Ressourcenorientierung in der Praxis
- Empfehlungen für eine ganzheitlichere Gesundheitszirkelgestaltung
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Berliner Modell
Das Berliner Modell ist ein ganzheitlich ausgerichtetes, sehr stark an Themen der Kommunikation bzw. der Organisations- und Personalentwicklung orientiertes. Dabei sollen sich ca. 10-15 Beschäftigte der gleichen Hierarchieebene am Zirkel beteiligen und sich einmal pro Woche, ca. 8-10 Mal für jeweils ca. 1,5 Stunden treffen. Die Interventionsvorschläge, die immer für einen bestimmten Bereich des Betriebes, wie zB eine Abteilung umgesetzt werden sollen, werden ohne Vorgesetzte, unterstützt durch externe Moderation, erarbeitet. Dabei erscheint es wesentlich, dass auf die Lösungsvorschläge schnell auch die Umsetzungsphase folgt, in der gesundheitsfördernde Maßnahmen realisiert und sichtbar werden. Ansonsten könnte es laut Friczewski passieren, dass die Resignation wieder sehr schnell um sich greift bzw. eine Haltung unterstützt wird, „dass das sowieso nichts bringt“. Der Berliner Ansatz umfasst mehrere Projektbausteine, wobei die Zirkel von Projektvorstellungen, Seminaren sowie einer eigens definierten Umsetzungsphase begleitet werden (Friczewski, 1994, S. 15ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage der Betrieblichen Gesundheitsförderung und leitet das Thema der Ressourcenorientierung ein.
2 Arbeit und Gesundheit: Analysiert theoretische Wirkungsmodelle und definiert die Bedeutung von Ressourcen im Arbeitsleben.
3 Ressourcenorientierte Gesundheitsförderung im Betrieb: Stellt verschiedene Diagnoseinstrumente vor, die den Fokus auf Ressourcen und Gesundheitspotenziale legen.
4 Gesundheitszirkel im Betrieb: Bietet eine detaillierte Übersicht über Gesundheitszirkelmodelle, Moderationsmethoden und den Prozessablauf.
5 Ressourcenorientierung im Gesundheitszirkel – Ergebnisse der Erhebung: Präsentiert die empirischen Ergebnisse zu aktuellen Methoden, Ansätzen und Herausforderungen der Ressourcenorientierung in der Praxis.
Schlüsselwörter
Betriebliche Gesundheitsförderung, Gesundheitszirkel, Ressourcenorientierung, Salutogenese, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Arbeitsbewältigung, Gesundheitsressourcen, Stressprävention, Moderation, Empowerment, Arbeit und Gesundheit, Organisationsentwicklung, psychophysische Balance, Mitarbeiterbeteiligung, Gesundheitspotenziale.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Stärkung von Ressourcen im Betrieb und untersucht, wie ressourcenorientierte Ansätze in das bewährte Instrument des Gesundheitszirkels integriert werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Modellen zu Arbeit und Gesundheit, gängigen Diagnoseinstrumenten der BGF sowie einer empirischen Untersuchung zur ressourcenorientierten Gestaltung von Gesundheitszirkeln.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht den aktuellen Stand der Ressourcenorientierung in österreichischen Gesundheitszirkeln und prüft, ob methodische Unterschiede zur herkömmlichen Vorgehensweise zu anderen Ergebnissen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein methodischer Mix (Triangulation) angewandt, bestehend aus einer Literaturanalyse, teilstrukturierten ExpertInneninterviews mit Fachleuten der BGF sowie einer quantitativen Fragebogenerhebung unter Gesundheitszirkelmoderatoren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Analyse bestehender Instrumente, die Beschreibung der Gesundheitszirkel-Methodik und die Präsentation der eigenen Forschungsergebnisse zur ressourcenorientierten Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff der "Ressourcenorientierung" sind "Gesundheitszirkel", "BGF" und "Salutogenese" die zentralen Schlagworte.
Gibt es bereits ein fixes Modell für ressourcenorientierte Zirkel?
Nein, die Forschung zeigt, dass es noch kein einheitlich entwickeltes oder evaluiertes Verfahren gibt, sondern viele experimentelle Ansätze in der Praxis bestehen.
Wie reagieren Teilnehmende auf Ressourcenarbeit?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Stimmung in der Gruppe bei ressourcenorientierter Arbeit positiver, gelöster und entspannter wahrgenommen wird als bei rein belastungsorientierten Zirkeln.
Welche Herausforderungen werden genannt?
Eine zentrale Herausforderung ist, dass "weiche" Faktoren (wie Betriebsklima) schwerer in konkrete, handfeste Maßnahmenpläne zu gießen sind als offensichtliche physische Belastungen.
- Arbeit zitieren
- Maria Wiesinger (Autor:in), 2011, Stärken stärken im Betrieb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199438