Einleitung
Das Thema dieser Hausarbeit ist das Werk Kanak Sprak – 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft von Feridun Zaimoglu. Inhaltlich stilisiert die „Nachdichtung“, wie Zaimoglu das Werk selbst literarisch verortet, Interviews türkischstämmiger Männer, die in der zweiten oder dritten Generation der Gastarbeiterfamilien in Deutschland leben. Nach der biographischen Vorstellung des Autors soll allgemein die Sparte der deutsch-türkischen Literatur skizziert werden. Hierbei wird auch kurz auf die geschichtliche Entwicklung dieser Literatur eingegangen. Es soll in einem weiteren Abschnitt eine kurze Einführung in die Thematik der Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität, sowie Hybridität gegeben werden. Anhand dieser theoretischen Begriffe soll versucht werden, Kanak Sprak einem bestimmten Genre zuzuweisen. Nachdem der Begriff „Kanake“, den Zaimoglu in seinen Werken als Bezeichnung einer bestimmten Personengruppe verwendet, erläutert wurde, folgt eine inhaltliche und sprachliche Analyse des Werkes. Um die Hausarbeit abzurunden, soll auch die Problematik der Kritik an Zaimoglus Text angesprochen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Feridun Zaimoglu
2. Deutsch-türkische Literatur
3. Theoretische Problematik
3.1. Multikulturalität
3.2. Interkulturalität
3.3. Transkulturalität
3.4. Hybridität
4. Zaimoglus „Kanake“
5. Inhaltliche und sprachlich Analyse
5.1. Inhaltliche Analyse
5.2. Sprachliche Analyse
5.3. Zusammenfassung der inhaltlichen und sprachlichen Ebene
6. Transkulturelle Literatur?
7. Kritik an Zaimoglus Schreibart
8. Schlussgedanke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk „Kanak Sprak – 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft“ von Feridun Zaimoglu, mit dem Ziel, die Identitätskonstruktion der zweiten und dritten Generation türkischstämmiger Migranten in Deutschland zu analysieren. Dabei wird erforscht, wie sich diese Gruppe durch Sprache und eine hybride kulturelle Identität gegen traditionelle gesellschaftliche Zuschreibungen abgrenzt.
- Analyse der deutsch-türkischen Literatur im historischen Kontext.
- Theoretische Einordnung mittels Konzepten wie Multikulturalität, Interkulturalität und Hybridität.
- Untersuchung der sprachlichen Besonderheiten und der fiktiv-dokumentarischen Struktur des Werkes.
- Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und medialen Kritik an Zaimoglus Schreibstil.
Auszug aus dem Buch
5.2. Sprachliche Analyse
Der Ebene der Sprache kommt in Kanak Sprak eine besondere Rolle zu, denn die Intention des Werkes wird hauptsächlich durch die sprachliche Ausgestaltung vermittelt und nicht nur rein durch den Inhalt. Zaimoglu selbst, beschreibt den Aufbau der Sprache folgendermaßen: „Der Kanake spricht seine Muttersprache nur fehlerhaft, auch das Alemannisch ist ihm nur bedingt geläufig. Sein Sprachschatz setzt sich aus verkauderwelschten Vokabeln und Redewendungen zusammen, die so in keiner der beiden Sprachen vorkommen. In seine Stegreif-Bilder und –Gleichnisse läßt er Anleihen vom Hochtürkisch bis zum dialektalen Argot anatolischer Dörfer einfließen. Er unterstreicht und begleitet seinen freien Vortrag mimisch und gestisch.“ Dass Vokabular benutz wird, das in keiner der beiden Sprachen so vorkommt, sondern eine Zusammensetzung der beiden ist, lässt an dieser Stelle die Hybridität des Werkes zum Vorschein kommen. Ein dritter Raum wird hier durch die Sprache eröffnet, der gleichzeitig auch auf die Sonderstellung der „Kanaken“ innerhalb der deutschen Gesellschaft aufmerksam macht.
Achtet man bei Kanak Sprak genauer auf die sprachliche Ausgestaltung, so wird wohl die Regelung der Groß- und Kleinschreibung die erste Auffälligkeit darstellen, denn diese wird völlig missachtet. Weiterhin sind viele Ausdrücke, die in den Interviews vorkommen, konzeptionell mündlich zu verorten, wie auch im Vorwort von Zaimoglu erläutert wird: „ Die Wortgewalt des Kanaken drückt sich aus in einem herausgepreßten , kurzatmigen und hybriden Gestammel ohne Punkt und Komma, mit willkürlich gesetzten Pausen und improvisierten Wendungen.“ Man könnte also davon ausgehen, dass Kanak Sprak eine Zusammensetzung der deutschen und der türkischen Sprache ist. Jedoch muss man die sprachliche Ebene wesentlich komplexer betrachten, fällt doch auf, dass im Werk keine türkische Formulierung zu finden ist. Im Vorwort geht Zaimoglu näher auf diese Tatsache ein und erklärt, dass die Sprache der Kanaken oft als „blumig Orientalenprache“ missgedeutet wird und er deshalb weder türkische, noch aus dem Türkischen abgeleitete Wörter verwendet hat, um diese „Orientalisierung“ zu umgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk „Kanak Sprak“ ein und erläutert die methodische Herangehensweise der inhaltlichen und sprachlichen Analyse unter Berücksichtigung theoretischer Konzepte.
1. Feridun Zaimoglu: Dieses Kapitel liefert eine biografische Skizze des Autors und ordnet sein Schaffen im deutsch-türkischen literarischen Dialog ein.
2. Deutsch-türkische Literatur: Hier wird die geschichtliche Entwicklung und der Kontext der deutsch-türkischen Migrantenliteratur dargestellt.
3. Theoretische Problematik: Es werden die zentralen Begriffe Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität und Hybridität definiert und abgegrenzt.
4. Zaimoglus „Kanake“: Das Kapitel beleuchtet die etymologische Verschiebung und identitätsstiftende Funktion des Begriffs „Kanake“ durch Zaimoglu.
5. Inhaltliche und sprachlich Analyse: Dieser Abschnitt untersucht sowohl die authentische Gestaltung der Interviews als auch die hybriden sprachlichen Merkmale des Werkes.
6. Transkulturelle Literatur?: Hier wird kritisch hinterfragt, ob das Werk eindeutig der transkulturellen Literatur zugeordnet werden kann.
7. Kritik an Zaimoglus Schreibart: Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit der öffentlichen und medialen Kritik an Zaimoglus aggressivem Stil und dem Vorwurf der Klischeebildung.
8. Schlussgedanke: Das Fazit fasst die Rolle von „Kanak Sprak“ als Ausdruck einer hybriden Identität und als Provokation gegen festgefahrene Identitätszuschreibungen zusammen.
Schlüsselwörter
Feridun Zaimoglu, Kanak Sprak, Migrantenliteratur, Deutsch-türkische Literatur, Identität, Hybridität, Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität, Kanak Attak, Gesellschaftskritik, Sprachanalyse, Integrationsproblematik, Gastarbeiter, Subkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Werk „Kanak Sprak“ von Feridun Zaimoglu im Kontext der deutsch-türkischen Literatur und untersucht, wie eine hybride kulturelle Identität durch Sprache konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Identitätsfindung von Migranten der zweiten und dritten Generation, die Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft sowie die theoretische Auseinandersetzung mit kulturellen Konzepten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Kanak Sprak theoretisch einzuordnen und zu verstehen, wie die Protagonisten durch die „Nachdichtung“ ihrer Lebensrealitäten eine eigenständige Identität jenseits festgeschriebener Rollenbilder entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Begriffe (wie Hybridität oder Transkulturalität) mit einer inhaltlichen und sprachlichen Textanalyse kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Erläuterung des „Kanaken“-Begriffs, eine detaillierte Analyse der inhaltlichen und sprachlichen Ebene sowie eine Diskussion über die Kritik am Werk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hybridität, Migrantenliteratur, Identitätskonstruktion, Kanak Sprak und transkulturelle Kommunikation charakterisieren.
Warum verwendet Zaimoglu keine türkischen Wörter in seinem Werk?
Zaimoglu vermeidet gezielt türkische Begriffe, um eine „Orientalisierung“ seines Werkes zu verhindern und stattdessen eine eigene, hybride Sprache zu schaffen, die nicht in die klassischen Klischees der Herkunftskultur passt.
Wie unterscheidet sich die Gruppe der „Kanaken“ laut Zaimoglu von früheren Gastarbeiter-Generationen?
Während frühe Gastarbeiter oft in einer Opferrolle gesehen wurden, definieren sich die von Zaimoglu dargestellten „Kanaken“ durch ein hohes Selbstbewusstsein und den expliziten Wunsch, als eigene Gruppe ohne Zuweisung zwischen den Kulturen anerkannt zu werden.
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- Verena K. (Author), 2011, "Kanak Sprak" von Feridun Zaimoglu - Thematische, inhaltliche und sprachliche Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199452