Der Einfluss von Emotionen auf das kreative Problemlösen – Anwendung auf den Lehr- und Lernkontext


Hausarbeit, 2012

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Emotionen?

3. Kognition und Problemlösen

4. Angewandtes Problemlösen – Das Duncker’sche Kerzenproblem

5. Die Studie
5.1 Experiment 1
5.2 Experiment 2
5.3 Experiment 3
5.4 Experiment 4
5.5 Ergebnisse

6. Anwendung auf den Lehr- und Lernkontext

7. Schlussbemerkung

1. Einleitung

Der 12–jährige Max geht in die sechste Klasse am Gymnasium. In der heutigen Englischstunde hat ihn der Lehrer zur mündlichen Leistungskontrolle an die Tafel gebeten. Max ist sonst ein durchschnittlicher Schüler mit einigen Problemen beim Fremdsprachenlernen, diesmal allerdings ist er besonders gut vorbereitet. Gestern hat er mit der Mama lange Vokabeln gelernt und kennt sich nun auch mit den Zeitformen „Simple Present“ und „Simple Past“ aus. Die Fragen des Lehrers sollten also kein Problem darstellen. Aber irgendwie fallen Max nun nicht die richtigen Lösungen ein. Vor all den Mitschülern stehen zu müssen schüchtert ihn ein. Max beginnt zu schwitzen und gerät ins Stocken. Es ist heute einfach nicht sein Tag. Das hat er schon nach dem Aufstehen gemerkt, als er aus dem Fenster schaute und bemerkte, dass es regnete. Und in der Hofpause ist er auf dem Schulhof gestolpert und hingefallen. Alle haben sich über ihn lustig gemacht. Aber nun muss er sich auf die Fragen des Lehrers konzentrieren, schließlich schimpft der Papa daheim, wenn das Söhnchen schlechte Noten mit nach Hause bringt. Max stottert weiter, die Klasse wird unruhig und einzelne Schüler beginnen hinter vorgehaltener Hand zu lachen. Nun ist alles vorbei: Max fallen die Lösungen einfach nicht mehr ein, obwohl dass doch alles Sachen sind, die er gestern gelernt hat. Schließlich muss Max sich mit der Note 4 wieder setzen. Mit der Mama zu Hause zu lernen ist halt viel einfacher.

Was war denn da nun los an diesem Tag mit dem kleinen Max? Warum konnte der so gut vorbereitete Junge nicht die richtigen Lösungen zu den vom Lehrer gestellten Problemen finden?

Jegliche Lebenssituationen rufen bei Menschen verschiedene Emotionen hervor, welche den Alltag bestimmen. Nicht nur in der Freizeit, sondern auch in der Schule oder im Beruf bestimmen Gefühle darüber wie wir uns verhalten. Dabei ist uns oft gar nicht so bewusst in welchem emotionalen Zustand wir uns gerade befinden. Immer wieder werden wir nach unseren Gefühlen gefragt: „Hallo, na wie geht’s?“, ist beispielsweise eine Grußfloskel, die uns ständig begegnet. Und meist antworten wir ganz automatisch, ohne darüber nachzudenken: „gut“, „schlecht“, „geht so“, „naja“, „muss ja“. Unschwer zu erkennen, dass diese kurze Antworten keine wirkliche Auskunft darüber geben, wie wir uns fühlen.

Emotionen sind jedoch zentrale Phänomene im Leben und sollten nicht so kurz abgetan werden. Es vergeht kein Tag, an welchem der Mensch keine Emotionen empfindet. Und die Gefühlswelt scheint sogar unser Handeln zu beeinflussen. Zum Beispiel hilft vielleicht ein Mitschüler, weil er spontanes Mitleid empfindet, dem kleinen Max wieder auf die Beine, wenn dieser auf dem Schulhof stolpert. Die Mutter tröstet den Jungen zu Hause, weil sie den Schmerz des Sohnes nachempfinden kann, nachdem der Vater ihn wegen der schlechten Note getadelt hat. Oder vielleicht schämt Max sich sogar so sehr, dass er zu Hause gar nichts von der Note sagt.

Emotionen beeinflussen also das menschliche Handeln. Trotzdem aber bleibt die Frage ungeklärt, warum der kleine Max aus dem Fallbeispiel in der mündlichen Leistungskontrolle so schlecht abschnitt, obwohl er gut vorbereitet war. Aus dem Beispiel lässt sich ablesen, dass Max an diesem Tag nicht in guter Stimmung war: Erst regnete es, dann fiel er auf dem Schulhof hin, dann hänselten ihn die Mitschüler und schließlich schüchterten ihn die Fragen des Lehrers vor der ganzen Klasse ein. Ganz zu schweigen davon, dass zu Hause der Vater mit seinen Standpauken wartete, wenn Max versagen würde.

Haben also diese Emotionen, wie Angst, Befangenheit, Beklemmung, auch einen Einfluss auf die Leistungen des Menschen beim Problemlösen? In meinem angestrebten Beruf als Lehrer werde ich viel mit Leistungsmessungen von Schülern und deren Emotionen umgehen müssen. Für mich gehört es deshalb zum Handwerk eines guten Pädagogen, die Emotionen der ihm anvertrauten Schüler wahrnehmen, verstehen und deuten zu können.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich deshalb mit dem Einfluss von Emotionen auf das kreative Problemlösen. Als Grundlage für die weiteren Betrachtungen sollen dazu zuerst Definitionen der Begrifflichkeiten Emotion, Stimmung und Affekt dienen, welche im Anschluss vom Terminus Kognition abgegrenzt werden sollen. Im Zentrum der Ausführungen steht anschließend eine Studie, welche den Einfluss von Emotionen auf das kreative Problemlösen behandelt und schließlich sollen die daraus gewonnenen Erkenntnisse auf den Lehr- und Lernkontext in der Schule angewendet werden.

2. Was sind Emotionen?

„Emotion ist ein seltsames Wort. Fast jeder denkt, er versteht, was es bedeutet, bis er versucht, es zu definieren. Dann behauptet praktisch niemand mehr, es zu verstehen“ (Wenger et al., 1962; zit. nach Schmidt-Atzert, 1996, S.18).

Der Begriff „Emotion“ wird sowohl in der Alltagssprache als auch in der Wissenschaft sehr häufig verwendet, oft ohne dass er einen spezifischen Sinngehalt erfährt. Eine einheitliche Definition für den Terminus existiert nicht, da er beispielsweise in der Psychologie ganz anders gebraucht wird als in der Wirtschaft oder in der Medizin. Daher ist in der Psychologie die Definition des Begriffes weiterhin erklärtes Ziel der Emotionsforschung, nicht jedoch Voraussetzung für diese.

Fragt man allgemein nach einer Erklärung für die Begrifflichkeit der Emotion, so antworten viele mit Stichworten wie Freude, Angst, Trauer, Liebe, Hass, Ärger oder Zorn. Einige reden von Gefühlen, andere von Stimmungen und der Wissenschaftler spricht oft vom Affekt. Bei all diesen Begriffen handelt es sich jedoch nicht um Synonyme.

„Emotionen sind körperlich-seelische Reaktionen, durch die ein Umweltereignis aufgenommen, verarbeitet, klassifiziert und interpretiert wird, wobei eine Bewertung stattfindet“ (Hülshoff, 2006: S. 14), lautet beispielsweise eine Definition. Dabei haben Emotionen einen körperlichen Aspekt, wenn das genannte Umweltereignis eine Reaktion des vegetativen Nervensystems und damit der Organsysteme des Menschen hervorruft. Beispielsweise beginnt ein ängstlicher Mensch zu schwitzen oder zu zittern, sein Puls rast und er atmet schneller.

Auch auf Mimik und Gestik können sich Emotionen auswirken, einem Menschen ist so meist anzusehen, ob er wütend, ängstlich, oder fröhlich ist. Der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung verraten also unserem Gegenüber in welcher Stimmung wir uns gerade befinden. Und auch der Mensch selbst kann sich seiner Gefühle bewusst sein, also den Grund für die punktuelle Emotion erkennen und sie teilweise kontrollieren. (Vgl. Hülshoff, 2006: S. 14)

Die Psychologen Kleinginna und Kleinginna sammelten in einem umfassenden Werk 92 verschiedene Definitionen des Begriffes Emotion, was sicherlich einen Beweis für die verwirrende Vielfalt an Erklärungsversuchen liefert, und schlugen schließlich die folgende Definition als Arbeitsdefinition vor:

Emotion is a complex set of interactions among subjective and objective factors, mediated by neural/hormonal systems, which can (a) give rise to affective experiences such as feelings of arousal, pleasure/displeasure; (b) generate cognitive processes such as emotionally relevant perceptual effects, appraisals, labeling processes; (c) activate widespread physiological adjustments to the arousing conditions; and (d) lead to behavior that is often, but not always, expressive, goal-directed, and adaptive.” (Kleinginna & Kleinginna, 1981: S. 355)

Im Allgemeinen wird der Begriff Gefühl als Hyperonym für Emotionen, Stimmungen und Affekte genannt. Letztere wiederum gelten als Oberbegriff für Stimmungen und Emotionen. Eine Abgrenzung zumindest zwischen Stimmungen und Emotionen ist jedoch sinnvoll, da beide Begriffe nicht unbedingt das Selbe meinen. Während Emotionen, oft auch als Gefühlsregungen tituliert, meist von kurzer Dauer sind, durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst werden und vermehrt gleichzeitig auftreten können, sind Stimmungen von längerer Dauer, beziehen sich nicht auf individuelle Ereignisse oder Erlebnisse und spiegeln die Befindlichkeit einer Person wider. (Vgl. Ulich, 1992: S. 29)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Emotionen auf das kreative Problemlösen – Anwendung auf den Lehr- und Lernkontext
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V199983
ISBN (eBook)
9783656262893
ISBN (Buch)
9783656263289
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotion, Affekt, Kognition, Problemlösen, Lernpsychologie, Emotionen, Affekte, Duncker'sches Kerzenproblem, Kerzenproblem Lehr-Lernkontext
Arbeit zitieren
Pet Er (Autor), 2012, Der Einfluss von Emotionen auf das kreative Problemlösen – Anwendung auf den Lehr- und Lernkontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199983

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Einfluss von Emotionen auf das kreative Problemlösen – Anwendung auf den Lehr- und Lernkontext



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden