Darstellung der Geschlechter von Krimiermittlern/Innen in TV-Krimiserien


Seminararbeit, 2009
47 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Zielsetzung der Untersuchung

2. Krimi im deutschen Fernsehen

3. Begriffsdefinitonen

4. Theoretische Grundlagen

5. Methode der Untersuchung

6. Ergebnisse
6.1. Resultat: Die deutsche TV-Krimiermittlerin
6.2. Resultat: Der deutsche TV-Krimiermittler

7. FAZIT

8. Literatur

9. Tabellenverzeichnis

10. Kategoriensystem und Variablen

11. Auflistung aller Serien

1. Einleitung und Zielsetzung der Untersuchung

Das Fernsehen ist ein fixer Bestandteil unseres Alltags und unserer Kultur. Es bietet uns Information und Unterhaltung. Es prägt unsere Vorstellungen darüber, was Männer und Frauen sind, sein könnten und sein sollten. Betrachtet man jedoch Untersuchungen zum medial vermittelten Frauen- und Männerbild und der Rolle der Frau bzw. des Mannes im Fernsehen, so stieß man in der Vergangenheit immer wieder auf eine stereotype Festschreibung.

Diese Feststellungen waren Anlass dafür, dass es inzwischen zB auch Moderatorinnen bei Nachrichten- und Sportsendungen gibt und Frauen in Krimis nicht mehr nur wehrlose Opfer sind sondern durchaus auch erfolgreiche Ermittlerinnen.

Auf den ersten Blick scheinen selbstbewusste, emanzipierte Frauenfiguren im Fernsehen ihren Platz im Fernsehen gefunden zu haben. Analysiert man die Rollen jedoch genauer wird sichtbar, dass die alten weiblichen Rollenklischees weiter wirken.“ (vgl. Rodde 2002:10)

Folgende Kriterien können, laut Cornelißen, für ein Aufbrechen der alten Frauen- und Männerbilder stehen:

- Verzicht auf die starre Präsentation von Schönheitsnormen bei Männern und Frauen
- Verzicht auf die traditionellen Rollenzuweisungen von weiblichen und männlichen Charakteren
- Aufhebung bzw. Lockerung geschlechtsspezifischer Aufgaben- und Aktionsfelder (vgl. Cornelißen o.J.: 24)

Ähnlich sehen dies auch Beckmann et al. und sie fordern: „Frauen und Männer sollten vermehrt als Personen und in sozialen Konstellationen gezeigt werden, die nicht den traditionellen Stereotypen entsprechen.“ (Beckmann et al. o.J.: 35)

Dazu gehört:

- nicht nur schöne Frauen und heldenhafte Männer zu präsentieren
- die traditionellen Aufgaben- und Aktionsfelder von Männern und Frauen sollen durchbrochen werden
- weibliche und männliche Erwerbsarbeit nicht auf traditionelle Frauen- bzw. Männerberufe zu beschränken
- berufliches und politisches Engagement von Frauen soll sich nicht durch Rücksichtnahme auf Familienangehörige relativieren (ebd. o.J.: 35f)

Die vorliegende Untersuchung will das aktuelle Frauen- und Männerbild von Krimiermittlern und Krimiermittlerinnen in TV-Krimiserien aufspüren und entschlüsseln. Die zentrale Forschungsfrage lautet daher:

Wie werden die Geschlechter von Krimiermittlern und Krimiermittlerinnen in deutschen TV-Krimiserien präsentiert?

Es soll geklärt werden, inwieweit es gelungen ist eine Gleichstellung der Geschlechter umzusetzen. Indikatoren dafür sind unter anderem die Rollen (Verteilung weiblicher und männlicher Rollen) die äußerlichen Merkmale (Entspricht sie/er immer noch der/des typischen Fernsehfrau/mann?), die Lebenssituation der Figuren und die Darstellung der Geschlechter im Beruf (Wo steht die Frau im Gegensatz zum Mann?).

Zu Beginn dieser Arbeit werde ich zuerst einige Daten zu Krimis im deutschen Fernsehen vorstellen. Danach werde ich wichtige Begriffe im Zusammenhang mit dieser Arbeit klären. Des Weiteren wird ein kurzer Blick auf die bisherige Forschung geworfen und es werden die theoretischen Grundlagen dieser Arbeit dargestellt. Im fünften Teil werde ich auf die Auswahl der Methode und das methodische Vorgehen eingehen. Im vorletzten Teil werden die Ergebnisse bzw. Resultate dargestellt und interpretiert. Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und ein persönliches Fazit bilden den letzten Teil dieser Arbeit.

2. Krimi im deutschen Fernsehen

Betrachtet man den Angebotsumfang ausgewählter fiktionaler Genres im deutschen Fernsehen (ARD, ZDF, Dritte Programme, 3sat, RTL, ProSieben, Sat.1, Kabel 1, RTL II, VOX) so lässt sich erkennen, dass Krimis, Thriller und Krimikomödien an einem Durchschnittstag 2004 mit fast 19 Stunden den größten Anteil haben.

Die Bundesbürger verbrachten an einem durchschnittlichen Wochentag 18 Minuten mit Kriminalfilmen und -serien. Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zur gesamten Nachfrage nach fiktionalen Stoffen ergibt sich ein Krimi-Nutzungsanteil von 28 Prozent. Platz 2 belegen Komödien und Sitcoms mit lediglich 13 Prozent.

Krimi ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen gleich beliebt. Festzuhalten ist jedoch, dass der Krimikonsum mit zunehmendem Alter steigt. Durchschnittlich sahen Erwachsene ab 14 Jahren 5,2 Krimis pro Woche. Der Anteil der Erwachsenen die im Verlauf einer Woche mindestens einen Krimi sahen lag bei 76,6 Prozent.

Zu den beliebtesten Kriminalfilmreihen und –serien zählten 2004 der Tatort auf Platz 1, gefolgt von Pfarrer Braun und Polizeiruf 110. Die Stärken des „Tatort“ und des „Polizeiruf 110“ sind aus Zuschauersicht die Realitätsnähe und Glaubwürdigkeit der Handlungen. 54 und 42 Prozent der Publika beider Reihen halten sie für „glaubwürdig und authentisch“. Fast ebenso viele finden es gut, dass vor allem bei diesen beiden Serien, „aktuelle Probleme aufgegriffen werden“.

Die besten Krimis sind, aus Sicht der Zuschauer, die des Ersten und des ZDF.

Zusammenfassend lässt sich festzuhalten, dass Krimiangebote vom deutschen Fernsehpublikum am stärksten nachgefragt werden und somit Fernsehsendern einen guten Grund liefern, einen bedeutsamen Teil ihrer fiktionalen Produktionen mit Krimis zu bestreiten. Der größte Teil der Nachfrage entfällt dabei auf die öffentlich-rechtlichen Sender. Die meistgesehene Krimireihe ist der „Tatort“ im Ersten Programm. Aus Sicht der Zuschauer erfüllt der „Tatort“ eine Vielzahl von Qualitätsmerkmalen besser, als die übrigen Formate. (vgl. Zubayr/Geese 2005: 511-520)

3. Begriffsdefinitonen

TV-KrimiermittlerInnen

Es wurden nur jene Krimiserien in die Grundgesamtheit aufgenommen, in welchen die Hauptcharaktere Polizei- bzw. Kriminalermitteler/Innen sind. (Dies können zB Polizei-/Kriminalkommissar, -oberkommissar, -hauptkommissar und Erster Polizei-/Kriminalhauptkommissar sein.)

Nicht aufgenommen wurden zum Beispiel ermittelnde Staatsanwälte, Privatdetektive, Gerichtsmediziner, Amateurdetektive, Rechtsanwälte, Polizeipsychologen oder Polizeipsychiater.

TV-Krimiserie

Hierbei handelt es sich in dieser Arbeit immer um das Genre Krimi. Die Serie wird vom Fernsehen produziert und auch dort ausgestrahlt. Die Formen des seriellen Erzählens beinhalten sowohl Mini-Serien als auch Mehrteiler, Fortsetzungsgeschichten und TV-Reihen. Ausgenommen sind Ermittler-Soaps.

Mini-Serien / Mehrteiler

Dies sind abgeschlossene Geschichten, die in mehreren Teilen erzählt werden. Es werden zwei bis maximal 13 Folgen (á 90 Minuten) gesendet. Sie haben eine eigenständige ästhetische Struktur und werden oft an Feiertagen platziert. (vgl. Bronner 2004: 13f/ Hickethier 2007: 196)

Fortsetzungsgeschichte

Hier wird die Handlung Folge für Folge weitererzählt. Das Ende wird nach ca. 150 Folgen intendiert. Pro Saison wird eine Staffel mit 13 Folgen (á 50 Minuten) gesendet. (vgl. Bronner 2004: 10f/ Hickethier 2007: 196)

TV-Reihen

Bestehen aus einer bestimmten Anzahl von TV-Filmen á 90 Minuten Länge und sind eventuell endlos produzierbar, da kein Ende geplant ist. Die Handlungen sind in sich abgeschlossen. In der Handlungszeit ergeben sich kaum Entwicklungen und ein harmonischer Ausgangspunkt wird immer wieder hergestellt. Verbindende Elemente sind zB das Genre, die Protagonisten oder der/die AutorInnen. (vgl. Bronner 2004: 12f/ Hickethier 2007:196f)

Ermittler-Soap

Hierbei handelt es sich um täglich ausgestrahlte Folgen. Die Folgen haben jeweils eine Länge von 30 Minuten.

Beispiele sind: Niedrig und Kuhnt – Kommissare ermitteln, Lenßen & Partner oder

K11 – Kommissare im Einsatz

Gender und Sex:

Im englischsprachigen Raum gibt es für das Geschlecht zwei Begriffe, die jeweils unterschiedliche Ausprägungen des Geschlechts definieren. Mit „sex“ wird das biologische, durch die primären Geschlechtsmerkmale festgelegte Geschlecht beschrieben.

„Gender“ dagegen bezeichnet das so genannte „soziale Geschlecht“. Vor dem Hintergrund, dass Verhaltensweisen nur zum Teil angeboren sind, bezeichnet Gender die gesellschaftlich und kulturell erlernten und angeeigneten Geschlechtsrollen. Durch die Erziehung, die Gesellschaft und konstruierte Erwartungen an die Verhaltensweisen von Männern und Frauen werden konkrete Geschlechtsrollen geformt und Zuweisungen in „typisch weiblich“ und „typisch männlich“ geprägt. (vgl. Emberger/Overmann 2007: 1)

Geschlechterstereotype:

„sind kognitive Strukturen, die sozial geteiltes Wissen über die charakteristischen Merkmale von Frauen und Männern enthalten.“ (Eckes 1997: 17) Sie haben deskriptive und präskriptive Komponenten. Diese umfassen einerseits Annahmen darüber, wie Frauen und Männer sind. (Frauen sind abhängig, verständnisvoll, emotional; Männer sind unabhängig, dominant, zielstrebig) Andererseits wie Männer und Frauen sein sollten oder wie sie sich verhalten sollten (Frauen sollen verständnisvoll und Männer sollen dominant sein.) (vgl. Eckes 2008: 171)

4. Theoretische Grundlagen

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses des Gleichheitsansatzes steht die Forderung der Gleichberechtigung von Mann und Frau, wobei Geschlecht in erster Linie als rollenspezifisch angesehen wird. Die Annullierung und Trivialisierung der Frauen durch die Medien steht im Mittelpunkt dieses Ansatzes. Traditionell beschäftigt er sich mit den medial vermittelten Frauen- und Männerbildern. (vgl. Klaus 2001: 25)

VertreterInnen des Gleichheitsansatzes stellen die Analyse von Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterverhältnissen in den Mittelpunkt ihrer Forschungen. Grundlegend wird dabei davon ausgegangen, dass Menschen - unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht - gleiche Fähigkeiten, Eigenschaften und Potentiale haben. Geschlechterdifferenzen existieren in Form von Geschlechterhierarchien und sind gesellschaftlich konstruiert (vgl. Wallner 2005:10f).

Betrachtet man Medieninhaltsanalsen aus der Vergangenheit (Küchenhoff 1975, Leinfellner 1983, Schmerl 1984, Weiderer 1993) zum medial vermittelten Frauen- und Männerbild so fasst Wenger nochmals zusammen (vgl. Wenger 2000: 84f)

- Frauen sind im deutschen Fernsehen unterrepräsentiert. Auf 3 männliche Charaktere kommt 1 weiblicher.
- Frauen treten häufiger in Nebenrollen auf und haben kaum Handlungsrelevanz.
- Weibliche Figuren entsprechen meist dem Ideal schön und jugendlich.
- Die berufliche Karriere steht im Hintergrund. Frauen werden als weniger intelligent und weniger gebildet dargestellt als Männer. Meist haben sie statusniedrige Berufe. Sind sie jedoch beruflich erfolgreich, dann sind sie unglücklich in der Ehe. Karrierefrauen haben ein Negativimage.
- Frauenfiguren richten in erster Linie ihre Aufmerksamkeit auf die Herstellung einer Beziehung zu einem Mann, der dann die wichtigen Entscheidungen trifft.

Die stereotype Festschreibung der Rolle der Geschlechter ist also bereits mehrfach nachweisbar, denn durch das Fernsehen werden meist zwei Leitbilder für Frauen vermittelt: auf der einen Seite die Hausfrau und Mutter, auf der anderen Seite die junge, schöne und unabhängige Frau. Sowohl weibliche als auch männliche Figuren werden auf traditionelle Rollenklischees festgelegt. (vgl. Lindhoff/Bralant 1998: 322)

Das Ergebnis der Forschung zum Frauenbild in den Medien ist wenig erfreulich. Die Rollenklischees haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Die Medien erweisen sich damit nicht als Trendsetter oder Förderer der Emanzipation, sondern im Gegenteil als Ort der Verfestigung traditioneller Geschlechterbilder. (vgl. Dorer/Marschik 1999: 6)

Vertreterinnen des Differenzansatzes gehen davon aus, dass Frauen und Männer grundsätzlich unterschiedliche Fähigkeiten, Eigenschaften und Potenziale haben. Diese sind biologisch begründet und liegen außerhalb gesellschaftlicher Einflüsse. Das biologische Geschlecht (Sex) hat im Differenzansatz eine große Bedeutung (Frauen können Kinder gebären, Männer nicht). In der Differenztheorie, so betont Wallner, sind Sex und Gender eng miteinander verbunden und im Gender wird „die real existierende Unterschiedlichkeit der Geschlechter hierarchisiert aber nicht hergestellt“. (vgl. Wallner 2005: 12)

Die Wandlungsprozesse werden unter der Forschungsperspektive des Differenzansatzes deutlicher fixiert und die inhaltlichen Angebote der Medien erscheinen als weniger starr. Veränderungen im weiblichen Lebenszusammenhang werden von den Medien beobachtet und berücksichtigt. Alle Studien zum Frauenbild der Medien ergeben, dass das traditionelle Leitbild der Frau als Hausfrau und Mutter nur noch selten vorkommt. Die Berufstätigkeit weiblicher Protagonistinnen ist heute selbstverständlich.

In einzelnen Medienangeboten finden sich ungewöhnliche Frauengestalten, die das gewachsene Selbstbewusstsein von Frauen und die größere Vielfalt ihrer Lebenszusammenhänge präsentieren. (vgl. Klaus 2001: 31)

Medienpädagoginnen wie Isabel Rodde, Gitta Mühlen-Achs und Verena Mund kommen in Bezug auf Geschlechterrollen in Film und Fernsehen zu dem Schluss, dass es zwar deutlich mehr „starke Frauen“ und „Action-Heldinnen“ zu sehen gibt als früher, sich die Inszenierung der Geschlechterverhältnisse aber auf subtile Weise verschlechtert hat und nach wie vor eine hierarchische Darstellung überwiegt. Es werden auch diese Frauen letztlich wieder auf traditionelle weibliche Charakteristika festgelegt. (vgl. Emberger/Overmann 2007: 4)

Frauen haben in den 90ern die TV-Krimiserien als Protagonisten erobert. In ihrem Artikel „Coole Powerfrauen und kämpfende Glucken“, in dem es u.a. um die Genderrollen-Darstellung in Film und Fernsehen geht, schreibt Rodde (2002): „Auf den ersten Blick scheinen selbstbewusste, emanzipierte Frauenfiguren im Fernsehen Konjunktur zu haben. Immer neue Kommissarinnen, Anwältinnen und Ärztinnen dominieren die Serien. Der Kommissarinnen-Boom ist das deutlichste Zeichen dafür, dass selbstbewusste und beruflich erfolgreiche Frauen ihren Platz im Fernsehen inzwischen gefunden haben.“ Neben diesem positiven Aspekt stellt sie jedoch fest:“ Bei einer genaueren Rollenanalyse wird jedoch sichtbar, dass die alten weiblichen Rollenklischees weiter wirken.“ (vgl. Rodde 2002:10)

In Krimiserien agieren Frauen entgegen dem Klischee oft rational und kühl, dennoch werden sie durch typisch weibliche Schwächen wieder abgewertet. Sie kommen regelmäßig mit ihren Gefühlen in Konflikt oder sie stoßen an die Grenzen ihrer Körperkraft. (vgl. Schneider 1995: 146)

Auch Wahl kam in ihrer Studie: Die Waffen der Frau. Das „schwache Geschlecht“ in deutschen Krimiserien zu dem Fazit: „ Die Krimiheldin der 90er Jahre entspricht der seit rund 20 Jahren fast unveränderten „typischen“ Fernsehfrau: Sie ist immer noch jung, hübsch, schlank, sportlich und meist modisch gekleidet. Frauen haben als Kommissarinnen zwar meist moderne Rolle inne – aber sie verhalten sich immer noch wie ihre Mütter.“ (vgl. Wahl 1996: 203)

So verschieden die Kommissarinnen sein mögen, sind sie doch in zwei Kategorien einzuordnen: entweder sind sie feminin, erotisch und mütterlich (zB Rosa Roth, Lea Sommer) oder sie sind maskulin und rebellisch (zB Lena Odenthal, Sabrina Nikolaidou).

Als Gemeinsamkeiten der Kommissarinnen lässt sich festhalten, dass fast alle ein defizitäres Gefühlsleben haben, Single sind oder private Partnerschaftsprobleme haben. Durch die Ausübung ihres Berufes werden sie selbst oft Opfer von tätlichen Übergriffen männlicher Verbrecher. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die männlichen Vorgesetzten der Kommissarinnen. Ohne männliche Kontrolle darf eine Frau in einer Machposition offensichtlich noch nicht handeln. (vgl. Lindhoff/Bralant 1998: 322)

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit interessieren aber nicht nur die medial vermittelten Frauenbilder sondern die Darstellung und Rollenbilder beider Geschlechter.

Die Form der feministischen Medienforschung wurde lange unter dem Begriff der „Women`s Studies“ zusammengefasst. Aus diesem Ansatz heraus entwickelten sich die „Gender Studies“, welche eine neue Denkrichtung innerhalb feministischer Forschungsansätze signalisieren. Bei den „Women`s Studies“ stand die Darstellung des Frauenbildes im Vordergrund. Bei den „Gender Studies“ wird erstmals auch das Männerbild mit einbezogen. Sie rücken die Frage nach der diskursiven Produktion des Weiblichen und Männlichen in den Vordergrund. (vgl. Angerer/Dorer 1994: 9)

Das, was wir als Wirklichkeit erleben, ist durch gesellschaftliche Sichtweisen und unsere individuelle Wahrnehmung dieser Sichtweisen konstruiert. Die Medien haben daran einen großen und wohl noch immer ständig wachsenden Anteil. Natürlich erleben wir die Wertigkeiten der Gesellschaft nicht nur auf medialen Wegen. Dennoch versorgen sie uns täglich mit Informationen über die sozialen Normen. Hierbei lässt sich auch über die von den Medien konstruierte „Wirklichkeit“ sprechen. Konstruktion bedeutet in diesem Sinn nicht notwendig einen aktiven und bewussten Vorgang, sondern die Weitergabe von Kommunikation, von Normen und von Konsens. Hier wird nun der enge Zusammenhang zwischen den Medien und der weiblichen Emanzipation, zwischen den Medien und der Konstruktion und Wahrnehmung von Sex und Gender deutlich. Das System kann sich entweder durch einen revolutionären Umsturz oder durch einen langsamen und langwierigen Wechsel von allgemein akzeptierten Normen verändern.

Bei einem langsamen Wechsel von allgemein akzeptierten Normen tauchen solche Vorstellungen zunächst an verborgenen Stellen der Gesellschaft auf und müssen dann allmählich versuchen, sich Gehör zu verschaffen, Machtpositionen aufzubauen, Öffentlichkeit zu erringen, um sich so sukzessive zu einer Mehrheitsauffassung zu wandeln. Die Thematisierung in den Medien ist ein überaus wichtiges Element dieses Weges. Das Tempo der Emanzipation kann sowohl durch die Qualität als auch durch die Quantität, wie Frauen in den Medien dargestellt werden, mitbestimmt werden.

Drei Bereiche sind es vor allem, in denen die Beziehung von Frauen und Medien besonders augenfällig ist: Dort wo Frauen aktiv an der Gestaltung von Medieninhalten beteiligt sind (Journalistinnen), wo Frauen Medieninhalte konsumieren (Rezipientinnen) und wo und wie Frauen in den Medien dargestellt werden. (vgl. Dorer/Marschik 1999: 5)

„Medial vermittelte Vorbilder oder abschreckende Beispiele können zB Väter motivieren oder behindern, auch Familienarbeit zu übernehmen. Medienfiguren und ihre Schicksale können Frauen ent- oder auch ermutigen, sich beruflichen Herausforderungen zu stellen. Die medial vermittelten Frauen- und Männerbilder mit ihrer stereotypen Charakterisierung der Geschlechter können schließlich auch die Wertschätzung weiblicher und männlicher Arbeit und das Zutrauen, das Arbeitgeberinnen in ihre weiblichen und männlichen Mitarbeiter setzen, beeinflussen. Nicht nur die explizite Thematisierung der Geschlechterverhältnisse, sondern auch die variationsreiche Präsentation von Bildern, die gängigen Klischees zuwiderlaufen, können einen Geschlechtsrollenwandel in Richtung hin zu mehr Gleichberechtigung bewirken.“ (Cornelißen o.J.: 9)

Folgende Kriterien, die für ein Aufbrechen der alten Frauen- und Männerbilder stehen, kommen laut Cornelißen in der Analyse fiktionaler Fernsehunterhaltung (Küchenhoff 1975, Weiderer 1993) häufig vor:

- Verzicht auf die starre Präsentation von Schönheitsnormen bei Männern und Frauen
- Verzicht auf die traditionellen Rollenzuweisungen von weiblichen und männlichen Charakteren
- Aufhebung bzw. Lockerung geschlechtsspezifischer Aufgaben- und Aktionsfelder (vgl. Cornelißen o.J.: 24)

Beckmann et al. fordern in der Präsentation von Geschlechtern in fiktionalen Sendungen eine Gleichstellung. „Frauen und Männer sollten vermehrt als Personen und in sozialen Konstellationen gezeigt werden, die nicht den traditionellen Stereotypen entsprechen.“ (Beckmann et al. o.J.: 35)

Dazu gehört:

- nicht nur schöne Frauen und heldenhafte Männer zu präsentieren
- die traditionellen Aufgaben- und Aktionsfelder von Männern und Frauen sollen durchbrochen werden
- weibliche und männliche Erwerbsarbeit nicht auf traditionelle Frauen- bzw. Männerberufe zu beschränken
- berufliches und politisches Engagement von Frauen soll sich nicht durch Rücksichtnahme auf Familienangehörige relativieren

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Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Darstellung der Geschlechter von Krimiermittlern/Innen in TV-Krimiserien
Hochschule
Universität Salzburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
47
Katalognummer
V200197
ISBN (eBook)
9783656268376
ISBN (Buch)
9783656269588
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, geschlecht, krimi, krimiserie, krimiserien, ermittler, ermittlerin, frauenbild, männerbild, geschlechterbilder
Arbeit zitieren
Alexandra Streitfelder (Autor), 2009, Darstellung der Geschlechter von Krimiermittlern/Innen in TV-Krimiserien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200197

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