Jagd in der Neuzeit - Wandel von ritterlicher Tugend zum adeligen Vergnügen


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Die Jagdverhältnisse im frühen Mittelalter
3.1 Das allgemeine Jagdrecht der mittelalterlichen Bevölkerung

4. Jagd in der frühen Neuzeit
4.1 DerForstbann
4.2 Entwicklung der Jagd als herrschaftliches Recht
4.3 Herrschaftliche Jagd und Konflikte mit den Bauern
4.4 Landesherrliches Jagdregal
4.5 Jagdfeste im Absolutismus

5. Jagdverhältnisse der Bürger und Bauern
5.1 Ausschluss der ländlichen Bevölkerung
5.2 Die Jagdfronen
5.3 Wildschäden
5.4 Wilderei

6. Der Wandel der Jagd in der frühen Neuzeit

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Jagd wird von dem Zeitpunkt an, an dem sie nicht mehr als eine lebenserhaltende Notwendigkeit angesehen wird, vor allem von den Privilegierten ausgeübt. Die

Auseinandersetzungen und Interessenskonflikte zwischen bäuerlichen Bevölkerung und Adel haben sich seit dem Mittelalter, im Bezug auf die Jagd, verschärft. Regelungen und Verbote seitens des Adels an die Bauern häuften sich und erschwerten ein friedliches Zusammenleben. Der Themenschwerpunkt, weshalb sich der Adel das Vorrecht zur Jagd sicherte und welche Belastungen die Untertanen dadurch erdulden mussten, sollen in der vorliegenden Arbeit untersucht werden. Ich versuche einen Überblick zu geben, auf welche Ansprüche sich das Jagdrecht gründete, warum der Adel es für sich in Anspruch nahm und wie es sich in der frühen Neuzeit entwickelte.

Die Bedeutung der Jagd für den Adel und welche Interessen mit der Durchführung verfolgt werden, soll ebenso behandelt werden, wie die mit der Jagd verbundenen Belastungen, wie Frondienste und Wildschäden. Die verschiedenen Jagdmittel und der genaue Aufbau einer Jagd werden hier nur nebenbei betrachtet. Die verschiedenen Formen und Ausprägungen von Jagdarten werde ich nicht weiter beleuchten.

2. Aktueller Forschungsstand

Die Jagd ist als Literaturthema schon seit Jahrzehnten eher ein einseitig betrachtetes Gebiet. Literaturgeschichte der Jagd beinhaltet auch oft die Forstwirtschaft und Wildhaltung. Viele Handbücher und Fachbücher widmen sich hier dem Thema der Entwicklung der Jagd in Bezug auf die Hege und Ausführung der Jagd in Mittelalter und Neuzeit. In dieser Zeit gab es nachweislich die meisten Veränderungen und Neuerungen in diesem Fachgebiet.

Oft werden in Verlauf der Forschung zur Jagdgeschichte eher auf Monographien hingewiesen, welche sich nur mit dem Jagdrecht beschäftige. Gemeint ist die Entwicklung der Rechte für den Adel und die Veränderungen der Jagdausübung, aber nicht die Bedeutung der neuen Rechte für die ländliche Bevölkerung bzw. die Untertanen.

Meistens bildet das Thema Jagd, schon seit der deutschen Nationalversammlung 1848/49, eher ein Randthema der Geschichtswissenschaft.

Hans Wilhelm Eckhardt schrieb, dass es keine wissenschaftlich übergreifenden Untersuchungen der Thematik Jagd gibt. Selbst Untersuchung des Bauernkrieges, in welchem sehr wohl heftige Diskussionen über die Jagdprivilegien des Adels stattfanden, fehlten.

Die heutige Jagdforschung ist jedoch auch nicht besonders ausgeprägter, dies lässt sich an den wenig erschienen Werken zu diesem Themenkomplex festmachen, welche sich auch in meinem Literaturverzeichnis wiederfinden, in Form von Zusammenfassungen zum Thema Jagd im Mittelalter. Ab dem Spätmittelalter und der Neuzeit sieht die Quellenlage weit aus günstiger aus, als in der vorhergehenden Zeit. Man kann auf eine beachtliche Fachliteratur der Jagd zurückgreifen: Jagdbücher und Jagdtraktate geben Auskunft über verschiedenste Jagdtechniken, Jagdarten und Gebräuche, sowie Gewohnheiten der Jäger.

Die Quellenlage für einzelne territoriale Gebiete im deutschen Raum der Frühen Neuzeit ist als sehr lückenhaft anzusehen; deswegen ist es für eine umfassende Darstellung besonders wichtig, mehrere Gebiete heranzuziehen und zu vergleichen.1 Deshalb wird im Folgenden auf verschiedene Territorien vorwiegend im süddeutschen Raum verwiesen.

Insbesondere die Folgen der verschiedenen Ausprägungen des Jagdrechtes für die Bauern waren bis dahin kaum betrachtet worden bzw. war es nicht klar, ob es überhaupt positive Rechte für die Bauern gab. Die Jagdforschung ist heute immer noch nicht besonders ausgeprägt, was sich darin ausdrückt, dass nur relativ wenige Werke zu dem Thema erschienen sind. Gerade im Zusammenhang mit dem Adel und seinen Konflikten mit der ländlichen Bevölkerung ist es verwunderlich, da die Jagd ein sehr wichtiges Betätigungsfeld der Aristokratie war. Die Jagdgeschichte ist meistens verbunden mit den weidmännischen Regel der Zeit, was aber in dieser Hausarbeit nicht näher betrachtet wird.2

An sich hat die Erforschung der Jagdgeschichte schon einige Bedeutung innerhalb der Wissenschaft. So wurde das „Institut für Jagdkunde und Wildbiologie“ als erstes seiner Art 1936 in Göttingen gegründet und stellt bis heute den einzigen Lehrstuhl dieser Art in Deutschland dar. Hier ist besonders zu beobachten, dass sich dieses Institut heute mit gänzlich anderen Themengebieten als noch zu seiner Gründungszeit beschäftigt. Da die Jagd in der Geschichte auch viele andere Bereiche beeinflusste, wie zum Beispiel Recht, Wirtschaft, Literatur, Kunst, Sprachen und noch viele weitere, umfasst die Jagdforschung heute vielfältige Aspekte. So sind hier als Wichtigste, neben den bereits eben Genannten und Geschichte des Weidwerkes an sich, die Soziologie, Biologie und Ökologie zu nennen. Wegen dieser Relevanz der Jagd befassen sich auch andere Nachbardisziplinen als die Geschichte heutzutage mit der Jagd. Beispiele hierfür sind die Anthropologie, welche das Verhältnis des Menschen zu Tier und Jagd erforscht, als auch die Rechtswissenschaft, Literaturwissenschaft, Archäologie und Kunstgeschichte. Insgesamt hat in den letzten 30 Jahren die Forschung zu der Jagd stark zugenommen. So wird momentan über die kulturgeschichtliche Komponente der Jagd diskutiert und in Amerika wiederum wird zur Jagd in der Frühzeit des Menschen geforscht.3

3. Die Jagdverhältnisse im frühen Mittelalter

Vor der großen Kolonisation des Hochmittelalters, gab es in Deutschland nur große, zusammenhängende Waldgebiete, welche nur partiell besiedelt wurden. Diese Waldstücke wurden somit als herrenlos angesehen und dem dem König aufgrund seiner Banngewalt unterstellt. So konnte dieser von sich aus dieses Land in Anspruch zu nehmen.4 Die Wälder wurden zu einem Forst. Das bedeutete das die Waldgebiete zu Forsten des Königs wurden.5 Auf die herrschaftliche Jagd dieser Zeit hatte diese Regel großen Einfluss. Nach dem römischen Recht waren das Wild eigentlich herrenlos und somit war die Jagd auf eigenem und fremdem Boden erlaubt. So war es noch im Mittelalter, allerdings gab es durch neue Jagdrechte auch einen Wandel der Jagd in der Neuzeit.

3.1 Das allgemeine Jagdrecht der mittelalterlichen Bevölkerung

Die germanischen Stämme besaßen das allgemeine Recht für ihre Existenzsicherung jagen zu dürfen. Durch das Sesshaftwerden der Menschen nahm die Nutzung des Ackerbaus und der Viehzucht stetig zu, die Jagd als Nahrungsquelle nahm indessen ab.6

Es entstanden neue Lebenssituationen für die Menschen dieser Zeit. Dadurch verlor die Jagd im alltäglichen Leben an Bedeutung. In der frühesten Zeit galt die Jagd als Schutz vor Raub- und Wildtieren, Beschaffung von Fleischnahrung und als Erwerbsquelle von Tierhäuten und Pelzen, um daraus Kleidung herstellen zu können. Die erste rechtliche Einengung erfuhr die freie Jagd mit der beginnenden Einforstung durch die Merowingerkönige und ihrer Nachfolger.

Großwild war am Ende der germanischen Zeit eher selten oder ganz ausgerottet.

„Schon Karl der Große musste sich bei Aachen einen Jagdpark anlegen, wollte er Großwild leicht erreichbar haben.“7

Die beliebtesten Jagdwaffen waren Speer und Schwert, sowie ab dem 13. Jahrhundert die Armbrust. Jagdhunde waren auch im Mittelalter wichtigstes Hilfsmittel für die Jagd. Die ritterliche Jagd im Mittelalter bestand aus Hetzjagd mit Jagdhunden oder der Pirsch, welche die Jagdform mit Anschleichen und Pfeil oder Speerwurf darstellte. Treibjagden gab es auch, allerdings waren die Waffen noch nicht genügend entwickelt, um das flüchtende Wild auf diese Art schnell zu erlegen.8

[...]


1 Vgl. Eckardt, Hans Wilhelm: Herrschaftliche Jagd, bäuerliche Not und bürgerliche Kritik, zur Geschichte der fürstlich-chen und adeligen Jagdprivilegien vornehmlich im südwestdeutschen Raum, Göttingen 1975. S. 19.

2 Vgl. Rösener, Werner: Die Geschichte der Jagd, Düsseldorf/Zürich 2004, S. 15.

3 Vgl. Rösener, Werner: Die Geschichte der Jagd, Düsseldorf/Zürich 2004, S. 20 - 24.

4 Der Bann beschrieb die Fähigkeit eines Herrschers, wie dem König oder Grafen, Gebote und Verbote mit Strafandrohung anzuordnen. Das Bannrecht wurde jeweils vom König an Fürsten übertragen und diese können die Gerichtsbarkeit an Richter verleihen, was als Bannleihe beschreiben wird. Volkert, Wilhelm: Kleines Lexikon des Mittelalters - Von Adel bis Zunft, München 1991, S.23.

5 Volkert, Wilhelm: Kleines Lexikon des Mittelalters S. 63.

6 Vgl. Nüßlein, Fritz: Das praktische Handbuch der Jagdkunde. München 2006.S.14.

7 Vgl. Koch, Wilhelm: Die Jagd in VergangenheitundGegenwart. Stuttgart 1961.S.6.

8 Vgl. Nüßlein S.17.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Jagd in der Neuzeit - Wandel von ritterlicher Tugend zum adeligen Vergnügen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Veranstaltung
Tierhaltung in der frühen Neuzeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V200391
ISBN (eBook)
9783656267133
ISBN (Buch)
9783656269175
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jagd, neuzeit, wandel, tugend, vergnügen
Arbeit zitieren
Farina Otto (Autor), 2012, Jagd in der Neuzeit - Wandel von ritterlicher Tugend zum adeligen Vergnügen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200391

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