Ablehnung der Weiblichkeit

Frauengestalten in Turandot und Maria Stuart


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Diskrepanz zwischen Frauenbild und Frauengestalt

3. Die Ablehung der Weiblichkeit zur Erhaltung der Macht in Turandot und Maria Stuart

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den dramatischen Figuren Elisabeth in Maria Stuart und Turandot im gleichnamigen Werk. Die zentrale These der Hausarbeit ist, dass beide versuchen ihre Weiblichkeit abzulegen und die traditionelle Rolle der Frau in der Gesellschaft verneinen, um ihre Macht zu sichern. Zunächst wird die Diskrepanz zwischen Frauenbild und Frauengestalt betrachtet. Diesen Abschnitt könnte man deutlich ausführlicher gestalten, was jedoch den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde, daher werde ich an dieser Stelle nur skizzieren. Wichtig ist dieses Kapitel dennoch, da Schiller als Lyriker ein traditionelles Frauenbild zeichnet. In seinen Dramen vertreten seine Frauengestalten jedoch feministische Positionen, wofür er in der Vergangenheit oft kritisiert wurde. Danach werde ich auf den Kern der Arbeit eingehen, der sich mit der Ablehnung der Weiblichkeit zur Erhaltung der Macht in Schillers Turandot und Maria Stuart befasst, wobei ich meine These anhand von einigen Textbeispielen versuche zu untermauern. Die Frauengestalten in Maria Stuart sind in der Literatur sehr gut aufgearbeitet worden, wohingegen das Werk Turandot in der Forschung bisher eher wenig Beachtung fand. Die Literaturwissenschaft scheint sich eher mit Kabale und Liebe, der Jungfrau von Orleans und Maria Stuart auseinanderzusetzen, was wohl daran liegt, dass Turandot, als Bearbeitung des gleichnamigen Gozzi Stücks, eine geringere Stellung im Gesamtwerk Schillers eingeräumt wird.

Die Diskrepanz zwischen Frauenbild und Frauengestalt Das Auftreten von Elisabeth und Turandot ist untypisch und entspricht weder dem Frauenbild Schillers, noch dem seiner Zeit.1 Man erwartet von der Ehefrau, dass sie ein statisches Leben führt. Heim und Familie waren ihrer Obhut unterstellt, an eine hervorgehobene Rolle einer Frau war nicht zu denken.2

Turandot und Elisabeth gehören dem hohen Stande an und genießen daher schon eine größere Autonomie als dies in niedrigeren Schichten zu erwarten sei. Dennoch ist dies keine ausreichende Begründung für deren Auftreten, denn die Jungfrau von Orleans verhält sich im gleichnamigen Stück ebenfalls alles andere als weiblich und ist eine Bauerntochter. Zudem sprechen Turandot und Elisabeth stets im Namen der gesamten Weiblichkeit. So sagt Elisabeth: „Das Weib ist nicht schwach. Es gibt starke Seelen / In dem Geschlecht“3

Beide Stücke, so wie der Großteil Schillers Dramen, sind geschlossene Dramen. Um die typischen Entscheidungskonflikte entstehen zu lassen, braucht es starke, unabhängige Hauptfiguren. So muss der Autor, um der charakteristischen Dramaturgie willen, mündige Charaktere erschaffen, welche manchmal Frauen sein müssen. In Maria Stuart sind die Personen durch die Historie vorgegeben, in Turandot durch Gozzi, jedoch erst Schiller gibt seiner Turandot ihre feministischen Ansichten.4 Schillers Frauengestalten brauchen diese Attitüden, damit sie ihre traditionelle Rolle in der Gesellschaft ablehnen und durchbrechen können. Naive Hausfrauen, die dem patriarchalischen Frauenbild entsprechen, sind denkbar ungeeignet, wenn es darum geht große Konflikte auszutragen, wovon die klassische Tragödie lebt. So können nur Heldinnen handlungstragende Rollen bei Schiller übernehmen.5 Dennoch muss angemerkt werden, dass dieser die heroische Frau auf der Bühne nicht erfunden hat. Schon in der Antike gab es den Typus der aktiv handelnden Heldin. Ob sich der Dra- matiker seines Widerspruchs in Bild und Gestalt der Frau bewusst war, ist nicht über- liefert. Es ist durchaus möglich, dass für ihn kein Gegensatz erkennbar war.6

Schillers Frauengestalten wurden in der Vergangenheit oftmals negativ und nur von einigen wenigen positiv bewertet. Die Kritiker schließen hierbei vom unterschiedlichen Körperbau der Geschlechter auf unterschiedliche Charaktereigenschaften, was anzuzweifeln ist. Fuhrmann stellt schließlich fest, dass „überall dort, wo man die Frauengestalten Schillers insgesamt oder mehrheitlich als mißlungen betrachtet, ohne gleichzeitig sein Frauenbild in Frage zu stellen, zumindest der Verdacht erlaubt ist, daß weniger literarisches Urteil als antifeministisches Vorurteil zu dieser Einschätzung geführt hat.“7 Dies liegt daran, dass Schillers unabhängige Frauen weniger schmeichelhaft für das Selbst- und Rollenverständnis einiger Kritiker sind.8

Die Ablehung der Weiblichkeit zur Erhaltung der Macht in Turandot und Maria Stuart Schiller verwendet in Turandot und Maria Stuart, sowie in vielen anderen Dramen, weibliche Charaktere, die in ihren Verhaltensweisen eher männliche, statt weibliche, Züge haben. In den beiden Werken, die hier als Bezugspunkt dienen sollen, sind dies vor allem Kaisertochter Turandot und die englische Königin Elisabeth.

Gerade letztere fühlt sich dazu gezwungen ihre Weiblichkeit abzulegen, um ihren Thron, und so ihre politische Macht, in einer Männerwelt zu behaupten.9 Vor allem wird ihre Königsmacht von einer anderen Frau bedroht, denn Maria Stuart hat ihren Anspruch auf Englands Thron angemeldet und wurde daher im Tower von London eingekerkert. Zwischen diesen beiden starken Frauen existiert nicht nur ein Wettkampf um die Herrschaft von England, sondern auch ein erotischer Wettstreit, wer die schönere von beiden sei. Dies ist wohl der einzige Streitpunkt wo auch bei Elisabeth Weiblichkeit aufkeimt. Aus diesem Grund lässt sie sich auch so leicht vom Grafen von Leicester überzeugen Maria zu treffen, indem er Elisabeths Schönheit und Weib- lichkeit betont.10 Desweiteren beklagt sie auch in dieser Szene die Bürde Königin zu sein und nicht den Mann ehelichen zu können, den sie liebt:

„Ich darf ja Mein Herz nicht fragen. Ach! Das hätte anders Gewählt. Und wie beneid ich andre Weiber, Die das erhören dürfen was sie lieben. […] Der Stuart ward’s vergönnt, Die Hand nach ihrer Neigung zu verschenken, Die hat sich jegliches erlaubt, sie hat Den vollen Kelch der Freuden ausgetrunken“11

Elisabeth beneidet Maria um deren Weiblichkeit und die Freiheit ihrem Herzen zu folgen. Sie selbst möchte und muss zeigen, dass sie der männlichen „Berufsethik in der patriarchalischen Öffentlichkeit“12 gerecht werden kann, was der Grund ihres Bedauerns und der Grundkonflikt in ihrer Persönlichkeit ist. Um den Erwartungen an ihre Regentschaft gerecht zu werden, entledigt sie sich ihrer Weiblichkeit und ist daher auch nicht bereit eine traditionell weibliche Rolle zu bekleiden. Vom Volk wird sie jedoch zur Heirat mit dem französischen König gedrängt. Hier gerät Elisabeth in einen Konflikt, welcher darin besteht, dass sie sich nicht einem Mann unterordnen will.

„Auch meine jungfräuliche Freiheit soll ich, Mein höchstes Gut, hingeben für mein Volk, Und der Gebieter wird mir aufgedrungen. Es zeigt mir dadurch an, dass ich ihm nur Ein Weib bin, und ich meinte doch, regiert Zu haben, wie ein Mann und wie ein König.

[...]


1 Hierzu empfiehlt sich die Lektüre von Schillers „Würde der Frauen“, welches sein Verständnis der Geschlechterrollen aufzeigt. Es zeigt sich, dass er ein traditionelles Frauenbild vertrat und die Frauengestalten Elisabeth und Turandot im realen Leben abgelehnt hätte.

2 Vgl. Helmut Fuhrmann: „Feindlich ist des Mannes streben“? Bild und Gestalt des Mannes im Werk Schillers. In: Helmut Fuhrmann: Zur poetischen und philosophischen Anthropologie Schillers. Vier Versuche. Würzburg 2001.S. 76.

3 Friedrich Schiller: Maria Stuart. Stuttgart 2001. V. 1374f.

4 Karl S. Guthke: Nachwort zu Turandot. Stuttgart 2006. S. 91.

5 Vgl. Helmut Fuhrmann: Revision des Parisurteils. In: Helmut Fuhrmann: Zur poetischen und philosophischen Anthropologie Schillers. Vier Versuche. Würzburg 2001. S.32.

6 Vgl. ebd. S. 39.

7 Ebd. S. 41.

8 Vgl. ebd. S. 39-41.

9 Vgl. Walter Hinderer: Der Geschlechterdiskurs im 18. Jahrhundert und die Frauengestalten in Schillers Dramen. In: Walter Hinderer(Hrsg.): Friedrich Schiller und der Weg in die Moderne. Würzburg 2006. S. 263.

10 Vgl. Schiller: Maria Stuart. V. 1945-2070.

11 Ebd. V.1968-1977

12 Gert Sautermeister: Maria Stuart. Ästhetik, Seelenkunde, historischgesellschaftlicher Ort. In: Walter Hinderer(Hrsg.): Schillers Dramen. Neue Interpretationen. Stuttgart 1979. S.185.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ablehnung der Weiblichkeit
Untertitel
Frauengestalten in Turandot und Maria Stuart
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V200418
ISBN (eBook)
9783656265474
ISBN (Buch)
9783656266020
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich Schiller, Schiller, Turandot, Maria Stuart, Weiblichkeit, Frauengestalten, Frau, Frauen, Frauengestalt
Arbeit zitieren
Stephan Budde (Autor), 2011, Ablehnung der Weiblichkeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200418

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