Der Honor Imperii zur Regierungszeit Friedrichs II.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Adelige Ehre und Ehrverletzungen im Mittelalter

3. Die Bedeutung des Honor Imperii

4. Der Honor Imperii am Beispiel des Konflikts mit dem Lombardenbund

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem honor imperii, der Ehre des Reichs zur Regierungszeit von Kaiser Friedrich II. Die zentrale These der Hausarbeit ist, dass die Formel vom honor imperii eine universal einsetzbare, aber auch die Handlungsfähigkeit des Kaisers einschränkende, Kriegsrechtfertigung ist. Zunächst wird betrachtet, was honor überhaupt für einen Adeligen im Mittelalter bedeutet. In diesem Zusammenhang muss ebenfalls erwähnt werden, dass Ehrverletzungen Konsequenzen hatten. Denn Ehre war einer der zentralen Ordnungsfaktoren im Mittelalter. Nachdem die Bedeutung des persönlichen honor geklärt ist, wird auf den honor imperii eingegangen. Hierbei muss zunächst geklärt werden was dieses imperium, dieses Reich, überhaupt ist. Es ist allgemein bekannt, dass das Heilige Römische Reich kein Nationalstaat war und schon gar keinen zentralistischen Charakter hatte. Im dritten Kapitel wird folglich kurz dargestellt wie dieses Reich aussah, um daraufhin aufzuzeigen was honor imperii bedeutet. Im darauffolgenden Kapitel wird diese Bedeutung anhand des Konflikts Friedrichs II. mit dem Lombardenbund genauer erläutert. In diesem Kapitel wird verdeutlicht wie der Kaiser den honor imperii als Rechtfertigung benutzte, um sich schließlich in einen schwer lösbaren Konflikt zu begeben, da seine Handlungsfähigkeit durch den honor imperii beschränkt war. Zur Quellenlage lässt sich sagen, dass Friedrich II. in seinen Briefen oft über die erlittenen Beleidigungen durch die Lombarden eingeht. Zu finden sind einige Briefe Friedrichs bei Jean-Louis-Alphonse Huillard-Bréholles in dessen „Historia diplomatica Friderici secundi“. Übersetzt findet man einige dieser Briefe in Klaus Heinschs Werk „Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit“. Desweiteren sind in der „Monumenta Germanicae Historica“ ebenfalls Briefe Friedrichs zu finden. In den 1960er Jahren hat sich Peter Rassow als erster mit dem honor imperii auseinandergesetzt, honor aber mit Recht übersetzt. Beschäftigt man sich mit der mittelalterlichen Auffassung von Ehre, kommt man zu dem Schluss, dass honor mit Ehre übersetzt werden muss. Mit dem honor imperii hat sich vor allem Knut Görich in zahlreichen Aufsätzen und im Fall Friedrichs I. auch in einem Buch auseinandergesetzt. Zur mittelalterlichen Auffassung von Ehre haben vor allem Gerd Althoff und Knut Görich publiziert.

2. Adelige Ehre und Ehrverletzungen im Mittelalter

Für den Adel im Mittelalter bedeutete Ehre die Summe aus allen Ämtern, Besitz, Vornehmheit, persönlichen Verbindungen und Fähigkeiten, also allem was den politischen und sozialen Rang der Person ausmachte. Der honor war für den Adligen etwas sehr wichtiges, denn von ihm hingen alle Möglichkeiten der Einflussnahme und Mitwirkung in der mittelalterlichen Herrschaftsordnung ab. Allerdings war Ehre keine statische Größe, sondern konnte erhöht werden, daher wurde honor umkämpft, angegriffen und verteidigt. Obwohl sich honor vor allem aus Ämtern generierte, ein König hat per se mehr Ehre als ein Herzog, gab es meist Möglichkeiten seine Ehre zu vergrößern. Durch Taten, zum Beispiel auf dem Schlachtfeld, zeigte man seinen honor, denn Ehre war etwas Öffentliches. Man demonstrierte seinen honor und erwartete ebenso öffentliche Anerkennung.1 Die Pflicht die Ehre zu vermehren, sich einen Namen zu machen, galt für jeden Adeligen, auch für den Kaiser.2

Durch die Pflicht eines jeden Adeligen zur Ehrvermehrung, kam es oft zu gezielten Sticheleien, Provokationen und Missachtungen, also zu Ehrverletzungen. Jede Veränderung der Rangordnung musste den honor von Gruppen oder Einzelnen tangieren. Da Ehre jedoch einen so hohen Stellenwert in der adeligen Lebenswelt besaß, musste es zu Konsequenzen kommen.3 Die auf die Ehrverletzung folgende Fehde konnte nun ausgefochten werden oder einer der beiden Konfliktparteien leistete satisfactio, Genugtuung. Im Weiteren wird auf die Genugtuung, also auf die friedliche Konfliktlösung eingegangen werden, welche auch das Ende eines bewaffneten Konflikts markierte. Weil mittelalterliche Fehden in der Regel nicht auf die Vernichtung des Gegners abzielten, gab es viele Möglichkeiten des Drohens und Einlenkens, welche die Fehde friedlich beenden konnte. Der Grundgedanke der Genugtuung war immaterieller Schadenersatz.4 Um die Art der satisfactio setzten die Konfliktparteien Vermittler ein, die auch aus dem Lager des Gegners stammen konnten. Es war aber auch möglich, dass sich Personen, die in einer besonderen Beziehung zu den Kontra- henten standen, anboten. In manchen Konflikten bot sich der König persönlich an, um zu vermitteln, was man jedoch nicht ablehnen konnte.5 Wurde von den Vermittlern eine geeignete Genugtuung ausgehandelt, garantierten sie die Vereinbarung per Eid. Die Genugtuung wurde dann in aller Öffentlichkeit geleistet, damit es Zeugen der Beendigung des Konflikts gab. Nun erschien der sich Unterwerfende beispielsweise mit nackten Füßen und in Büßerkleidung vor dem König, die Unterwerfung vor dem König musste wegen des honor regius6 barfuß erfolgen, warf sich auf den Boden und bat unterwürfigst um Verzeihung. Der Überlegene hatte nun mehrere Möglichkeiten, was mit dem Unterlegenen geschehen sollte. Er konnte zum Beispiel den Status Quo wiederherstellen, aber auch Strafen wie das Exil verhängen. Nahm er die Unterwerfung des Gegenübers nicht an, wiederholte sich der Vorgang ein oder zweimal. Auch wenn der Unterwerfungsakt spontan wirken sollte, waren die Handlungen der Akteure im Vorfeld genauestens von den Vermittlern ausgehandelt worden.7 Somit handelte es sich um reine Inszenierungen für die Öffentlichkeit. Die Genugtuung durfte aber nur so weit gehen, dass beide Kontrahenten ihr Gesicht wahrten.8 Ehrverletzungen zu rächen war normalerweise die Pflicht eines Herrschers, denn diese Rache entsprach den grundlegenden Überzeugungen und Herrschaftsgrundsätzen der politischen Führungsklasse. Allerdings war der Zwang zur Rache nicht völlig starr. In Parma wurden zwei Gefolgsleute Friedrichs II. vor dessen Augen getötet, wobei diese Tat mit Schweigen übergangen wurde. Seine darauf folgende Handlung war, die Türen des Palasts, in dem er sich aufhielt, fest verschließen zu lassen, damit die Entrüstung nicht zu ihm gelangte. Es lag also bis zu einem gewissen Grad in der Hand des Herrschenden, ob er seine Ehre verletzt sah.9

[...]


1 Vgl. Gerd Althoff: Composito, Wiederherstellung verletzter Ehre im Rahmen gütlicher Konfliktbeendigung. In: Klaus Schreinber, Gerd Schwerhoff (Hrsg.): Verletzte Ehre, Ehrkonflikte in Gesellschaften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Köln, Weimar, Wien 1995. S. 63f.

2 Vgl. Knut Görich: Die Ehre des Reichs (honor imperii), Überlegungen zu einem Forschungsproblem. In: Johannes Lausage, Yvonne Leiverkus (Hrsg.): Rittertum und höfische Kultur in der Stauferzeit, Köln, Weimar, Wien 2006. S. 52.

3 Vgl. Althoff: Composito. S. 66f.

4 Vgl. Gerd Althoff: Genugtuung (satisfactio), Zur Eigenart gütlicher Konfliktbeilegung im Mittelalter. In: Joachim Heinzle (hrsg.): Modernes Mittelalter, Neue Bilder einer populären Epoche, Frankfurt am Main, Leipzig 1994. S. 248f.

5 Vgl. Althoff: Composito. S. 70.

6 „Honor regius“: lat. Ehre des Königs.

7 Vgl. Althoff: Genugtuung. S. 252.

8 Vgl. ebd. S. 254.

9 Vgl. Knut Görich: Ehre als Ordnungsfaktor, Anerkennung und Stabilisierung von Herrschaft unter Friedrich Barbarossa und Friedrich II. In: Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Ordnungskonfigurationen im hohen Mittelalter. Ostfildern 2006. S. 68f.

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Details

Titel
Der Honor Imperii zur Regierungszeit Friedrichs II.
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V200420
ISBN (eBook)
9783656265450
ISBN (Buch)
9783656265634
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich II., Friedrich 2., Heiliges Römisches Reich, Honor, Honor Imperii, Ehre des Reiches, Oberitalien, Lombardei, Mailand, Staufer, Kaiser, Ehre, Ordnungsfaktor
Arbeit zitieren
Stephan Budde (Autor), 2011, Der Honor Imperii zur Regierungszeit Friedrichs II., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200420

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