Die vorliegende Arbeit belegt durch die Untersuchung der strukturellen Gegebenheiten der deutschen Kommunalverfassungen sowie Untersuchungen der Akteursgruppen, die auf der kommunalen Ebene handeln, dass es bereits aus der Struktur heraus zu Differenzen zwischen den Akteursgruppen kommen muss, welche durchaus emotionaler Natur sind. Dies wird durch die theoriebasierte Untersuchung der verschiedenen Handlungsmotive der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteure grundlegend hergeleitet und anschließend durch Untersuchungen sowie die Auswertung einer repräsentativen Studie belegt.
Daraus ergibt sich eine Kausalität der Strukturen der Kommunalverfassungen in Deutschland und den emotionalen Problemen zwischen den Akteursgruppen, welche anschließend durch Experteninterviews bestätigt wird.
Obgleich für diese Untersuchung lediglich fünf Experteninterviews durchgeführt wurden, weisen sie jedoch alle die gleichen Ergebnisse zu dem hier behandelten thematischen Schwerpunkt auf und bestätigen somit, dass es zwischen den Akteuren emotionale Differenzen ob der strukturellen Zusammensetzung gibt und geben muss.
Schließlich wird diese Arbeit, gestützt durch einen Vergleich der deutschen Kommunalstrukturen und dem britischen local government verdeutlichen, dass die deutschen Kommunalverfassungen, insbesondere durch die Reformen in den 1990er Jahren, ein hohes Maß an Transparenz aufweisen und trotz der emotionalen Probleme zwischen den Akteuren Handlungsfähigkeit eher fördern.
Zusammenfassend zeigt sich durch die Untersuchungen, dass es keinen Bedarf für strukturelle Reformen gibt, um die emotionalen Probleme zwischen den Akteursgruppen zu lösen, sondern eher einen Bedarf an präventivem Handeln mit den einzelnen Akteuren, um so die emotionalen Vorbehalte zu reduzieren und die Kommunen langfristig handlungsfähiger zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Thesenformulierung
1.1 Methoden
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Uneigennütziges Handeln als ehrenamtlicher Akteur
2.2 Professionalisierte Tätigkeit als hauptamtlicher Akteur
2.3 Ergebnis der theoretischen Grundlagen
3. Die Kommune als politische Instanz in Deutschland
3.1 Kommunalverfassungen in Deutschland
3.1.1 Süddeutsche Bürgermeisterverfassung
3.1.2 Dualistische Bürgermeisterverfassung
3.1.3 Ratsverfassung
3.1.4 Unechte Magistratsverfassung
3.2 Zusammenfassung und Ergebnisse zu den Kommunalverfassungen
4. Das Bürgermeisteramt als Hauptamt
4.1 Sozialprofil eines Bürgermeisters
4.1.1 Persönliche Daten
4.1.2 Bildungsniveau und Herkunft
4.1.3 Tätigkeiten vor dem Bürgermeisteramt
4.1.4 Motive der Berufswahl
4.2 Tätigkeitsprofil
4.2.1 Ratsmitgliedschaft
4.2.2 Leitung der Kommunalverwaltung
4.2.3 Repräsentativfunktion
4.3 Zusammenfassung und Auswertung
5. Ehrenamtliche Akteure der Kommunalparlamente
5.1 Aufgaben des Gemeinderates
5.1.1 Oberstes Beschlussorgan
5.1.2 Kontrollinstanz
5.1.3 Repräsentativfunktion
5.2 Hauptberufliche Tätigkeiten und Sozialprofil der Ratsmitglieder
5.3 Handlungsmotivationen
5.4 Zusammenfassung und Auswertung
6. Auswertung struktureller Differenzen zwischen Haupt- und Ehrenamt
7. Experteninterviews
7.1 Auswahlkriterien für Interviewpartner
7.2 Aufbau der Befragung
7.3 Auswertungen der Interviews
7.3.1 Ehrenamtliches Ratsmitglied 1
7.3.2 Ehrenamtliches Ratsmitglied 2
7.3.3 Hauptamtlicher Ober-/Bürgermeister 1
7.3.4 Hauptamtlicher Ober-/Bürgermeister 2
7.3.5 Vertreter einer übergeordneten Organisation
7.4 Zusammenfassung und Auswertung
7.5 Kritische Betrachtung
8. Internationaler Vergleich
8.1 Das britische „local government“
8.2 Zusammenfassung
8.3 Auswertung
9. Gesamtauswertung und Fazit
10. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die modernen Problemfelder zwischen hauptamtlichen Bürgermeistern und ehrenamtlichen Ratsmitgliedern in deutschen Kommunen. Das Ziel ist es, strukturelle und emotionale Ursachen für Konflikte zu identifizieren, diese zu spezifizieren und anhand von Experteninterviews sowie eines internationalen Vergleichs zu validieren, um Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der kommunalen Zusammenarbeit zu entwickeln.
- Strukturelle Unterschiede zwischen Haupt- und Ehrenamt
- Emotionale Vorbehalte und deren Ursachenforschung
- Die Kommune als politische Instanz und ihre Verfassungsmodelle
- Sozialprofile und Handlungsmotivationen der Akteure
- Internationaler Vergleich mit dem britischen "local government"
Auszug aus dem Buch
2. Theoretische Grundlagen
Um im Verlauf dieser Arbeit die Problemursachen genauer definieren zu können, ist eine deutliche Trennung zwischen strukturellen und emotionalen Ursachen vorzunehmen. So kann bei der Entwicklung von Lösungsansätzen an der jeweils richtigen Stelle angesetzt werden. Strukturelle Ursachen meinen in diesem Zusammenhang solche, die in den Umständen zu finden sind, welche sich u.a. aus juristischen Begrenzungen, Vorschriften und Verfassungen sowie institutionellen Zwängen ergeben.
Emotionale Ursachen sind diejenigen, die sich im Handeln der einzelnen Akteure ausdrücken, wie man sie in jeder zwischenmenschlichen Handlung finden kann, und die nicht zwingend einer Strukturbedingtheit unterliegen. Sie können wiederum durch persönliche Differenzen sowie parteipolitische Hintergründe entstehen oder aber für Außenstehende zunächst unerklärlich bleiben. Ihre Lösung bedarf daher einer aktiven Mitarbeit der beteiligten Akteure und ist nur langfristiger umzusetzen, als struktureller Probleme.
Grundsätzlich muss zu strukturellen Ursachen bemerkt werden, dass sie vermeintlich schnell durch Umstrukturierung gelöst werden können, dieser Prozess jedoch häufig Probleme lediglich verlagert und nicht löst.
Dieses Phänomen und gleichsam die Tatsache, dass es bereits lange bekannt ist, wird in den Worten eines römischen Offiziers bei Saalburg, Gaius Patronius, um 100 n.Chr. deutlich: „Wir übten mit aller Macht, aber immer, wenn wir begannen zusammengeschweißt zu werden, wurden wie umorganisiert. Ich habe später gelernt, dass wir versuchten, neuen Verhältnissen durch Umorganisation zu begegnen. Es ist eine phantastische Methode. Sie erzeugt die Illusion des Fortschritts, wobei sie gleichzeitig Verwirrung schafft, die Effektivität mindert und demoralisierend wirkt.“ (Gaius Patronius, röm. Offizier; Saalburg um 100 n. Chr.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Thesenformulierung: Einführung in die Thematik der Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteuren und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2. Theoretische Grundlagen: Untersuchung der Handlungs- und Motivationsunterschiede zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteuren sowie Differenzierung zwischen strukturellen und emotionalen Ursachen von Konflikten.
3. Die Kommune als politische Instanz in Deutschland: Analyse der verschiedenen Kommunalverfassungen in Deutschland und der Rolle der Kommune als politische Basis.
4. Das Bürgermeisteramt als Hauptamt: Detaillierte Betrachtung des Sozial- und Tätigkeitsprofils von Bürgermeistern sowie deren zunehmende Professionalisierung.
5. Ehrenamtliche Akteure der Kommunalparlamente: Analyse der Aufgaben, Sozialprofile und Handlungsmotivationen der ehrenamtlichen Ratsmitglieder als Gegengewicht zum Bürgermeister.
6. Auswertung struktureller Differenzen zwischen Haupt- und Ehrenamt: Zusammenfassende Betrachtung der strukturellen Differenzen und deren Auswirkungen auf die Zusammenarbeit der Akteursgruppen.
7. Experteninterviews: Empirische Überprüfung der theoretischen Erkenntnisse durch die Auswertung narrativer Experteninterviews mit fünf Akteuren aus der Kommunalpolitik.
8. Internationaler Vergleich: Einblick in das britische „local government“ zur Abstrahierung der Problematik und Verdeutlichung der Besonderheiten des deutschen Systems.
9. Gesamtauswertung und Fazit: Zusammenführung aller Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Ergebnis, dass keine weiteren strukturellen Reformen, sondern präventives Handeln erforderlich ist.
10. Ausblick: Handlungsempfehlungen zur Sensibilisierung der Akteure und Verbesserung der Zusammenarbeit in deutschen Kommunen.
Schlüsselwörter
Bürgermeisteramt, Hauptamt, Ehrenamt, Kommunalpolitik, Kommunalverfassung, Ratsmitglieder, Verwaltungsleitung, Politische Partizipation, Professionalisierung, Emotionalität, Machtkämpfe, Konsensfindung, Kommunalverwaltung, Strukturreform, Lokale Demokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen Bürgermeistern und ehrenamtlichen Ratsmitgliedern in deutschen Kommunen und untersucht dabei das Spannungsfeld zwischen strukturellen Vorgaben und emotionalen Konflikten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Analyse der Kommunalverfassungen, die Sozial- und Tätigkeitsprofile der Akteursgruppen sowie die Auswirkungen der zunehmenden Politisierung auf die kommunale Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, moderne Problemfelder zwischen Haupt- und Ehrenamt zu spezifizieren und zu klären, ob strukturelle Reformen zur Lösung dieser Konflikte notwendig sind oder ob andere Ansätze zielführender sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Problemskizzierung anhand von Sekundärquellen sowie auf die Durchführung und Auswertung von fünf narrativen Experteninterviews mit Akteuren aus der Kommunalpolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Handlungslogik von Haupt- und Ehrenamt die verschiedenen deutschen Kommunalverfassungen sowie die Profile und Motivationen der beteiligten Akteure analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Begriffe sind Bürgermeisteramt, Professionalisierung, Kommunalpolitik, ehrenamtliche Ratsmitglieder, strukturelle versus emotionale Probleme und lokale Demokratie.
Inwiefern beeinflussen Reformen der 1990er Jahre die heutige Zusammenarbeit?
Die Reformen führten zur direkten Wahl des Bürgermeisters, was dessen Position enorm gestärkt hat. Dies führte zu einer neuen Qualität der Machtverhältnisse und veränderte die Dynamik zwischen Verwaltung und Rat.
Warum betont der Autor die Notwendigkeit von Prävention?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass weitere strukturelle Reformen kontraproduktiv wären, da sie oft nur für neue Verwirrung sorgen. Stattdessen sei eine Sensibilisierung der Akteure notwendig, um emotionale Vorbehalte abzubauen und die Handlungsfähigkeit der Kommunen langfristig zu sichern.
- Citation du texte
- Peter Schröder (Auteur), 2011, Politiker oder doch „nur“ Mensch? Wie emotionale und systemimmanente Vorbehalte unsere Politik bestimmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200690