Das Internet befindet sich zurzeit an einer wichtigen Schwelle. Mit Hilfe des Semantic Web wird es ermöglicht, Daten im Netz maschineninterpretierbar darzustellen und weiter zu verarbeiten. Tourismusdestinationen müssen heute mehr denn je die Fähigkeit haben, sich an die Gegebenheiten und Veränderungen der Märkte schnell und flexibel anpassen zu können. Hierbei muss die IT touristischer Organisationen und Leistungsträger in einer Destination in der Lage sein, dies zu unterstützen.
Die forschungsleitende Frage geht auf die Verwendung von semantischen Technologien in Bezug auf die Verbesserung der Kundenorientierung ein. Der Leser wird aufbauend an die Thematik herangeführt, indem zu Beginn der Arbeit näher auf das Semantic Web, die damit verbundenen Ziele und Technologien eingegangen wird. Ferner werden die Anwendungspotentiale semantischer Technologien von zwei Sichtweisen betrachtet. Einerseits wird auf den Einsatz von Semantic-Web-Technologien im E-Commerce-Bereich eingegangen, und andererseits werden semantische Technologien im Bereich des Wissensmanagement näher betrachtet. Das Augenmerk in der Empirie wird auf den Bereich des E-Commerce gelegt, weil aus den Erkenntnissen der Theorie ersichtlich wurde, dass sich in diesem Bereich wesentliche Vorteile für Tourismusdestinationen ergeben, sowie eine Verbesserung der Kundenorientierung beziehungsweise der Dienstleistungsgesinnung festgestellt werden. Als Schlussbetrachtung wird ein Anwendungsszenario dargestellt, wie in Zukunft semantische Technologien im Tourismus sinnvoll genutzt werden könnten.
Semantische Technologien haben das Potential den E-Commerce im Tourismus nachhaltig zu verändern. Anbieter haben die Möglichkeit, die eigenen Wettbewerbsvorteile besser zu kommunizieren, und Kunden finden passende Produkte und Dienstleistungen, die den individuellen Bedürfnissen entsprechen. Jedoch führt die gesteigerte Transparenz am Markt gleichzeitig zu neuen Herausforderungen, und damit zu einem härteren Wettbewerb zwischen den Anbietern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Problemstellung
1.3 Zielsetzung und Forschungsfrage
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Semantic Web
2.1 Definition und Ziele des Semantic Web
2.2 Zentrale Begriffe
2.2.1 Semantik
2.2.2 Metadaten
2.2.3 Ontologie
2.3 Semantic-Web-Technologien
2.3.1 Resource Description Framework (RDF)
2.3.2 RDF-Schema (RDFS)
2.3.3 Ontologien und Web Ontology Language (OWL)
3. Anwendungspotentiale semantischer Technologien in Tourismusdestinationen
3.1 Semantic-Web-Technologien im E-Commerce
3.1.1 Semantische Empfehlungssysteme
3.1.2 Mobile Dienste
3.1.3 Werbung
3.2 Semantic-Web-Technologien im Wissensmanagement
3.2.1 Textbasierte Suchmaschinen
3.2.2 Social Software und das Semantic Web
3.2.3 Entwicklungsperspektiven von Social Software
4. Empirische Untersuchung
4.1 Ziel der Untersuchung
4.2 Forschungsfrage und Hypothesen
4.3 Forschungsdesign
5. Ergebnisdiskussion und Überprüfung der Hypothesen
5.1 Überprüfung der Hypothesen
5.2 Zusammenfassung der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Anwendungspotentiale semantischer Technologien für Benutzer und Unternehmen in einer Tourismusdestination verständlich darzustellen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie die Verwendung dieser Technologien zur Verbesserung der Kundenorientierung in Tourismusdestinationen bewertet werden kann.
- Grundlagen des Semantic Web und dessen technologische Architektur
- Einsatzmöglichkeiten semantischer Technologien im E-Commerce (Empfehlungssysteme, mobile Dienste, Werbung)
- Nutzung semantischer Verfahren im Wissensmanagement (Suchmaschinen, Social Software)
- Empirische Analyse der Chancen, Barrieren und Etablierungsfaktoren für Tourismusdestinationen
Auszug aus dem Buch
1.2 Problemstellung
Die große Herausforderung ist derzeit, diese Datenmenge semantisch anzureichern, damit sie von Maschinen interpretiert werden kann. Ein menschlicher Nutzer kann die Informationen auf einer Webseite ohne Probleme erfassen und zu anderen Informationen in Beziehung setzen. Eine Maschine hingegen scheitert an diesem Versuch. Das nützlichste Werkzeug beim Suchen und Verwenden von Informationen sind zurzeit Suchmaschinen. Mit den auf Schlagwörtern basierenden Suchmaschinen wie z.B. Google oder Yahoo sind allerdings einige Probleme verbunden. Sie liefern eine hohe Trefferzahl, leider aber auch oft geringe Genauigkeit, denn zu viele Suchergebnisse sind letztendlich genauso unbrauchbar wie zu wenige. Außerdem können Wortdoppeldeutungen nicht unterschieden werden und die Ergebnisse sind stets nur auf einzelnen Webseiten zu finden. Benötigen wir Informationen, die sich über mehrere Webseiten verteilen, müssen wir die Informationen selbst einzeln entnehmen und zusammenfügen (vgl. Hitzler et al. 2008, S. 10).
Das folgende Beispiel soll die Problematik des heutigen Web besser verdeutlichen. Nehmen wir an, jemand sucht im Internet nach einer Pension für den Urlaub. Die Unterkunft soll familienfreundlich und mit Halbpension sein, ein Wellnessangebot haben und einen Sportkurs in der Umgebung anbieten - und all diese Anforderungen sollen natürlich zum gewünschten Urlaubszeitpunkt passen. Schon beim Begriff „Pension“ treten die ersten Schwierigkeiten auf. Hier muss der Mensch selbst selektieren, ob man eine Unterkunft oder die Rente meint. Spätestens beim Sportkurs steigt die herkömmliche Technologie aus und ist nicht mehr in der Lage mit vertretbarem Aufwand gute Ergebnisse zu liefern. Durch semantische Technologien ist es dagegen auf sehr einfache Weise möglich, Verbindungen zwischen einer Unterkunft und einem Event, die beide in der gleichen Region sind, herzustellen. Dabei handelt es sich hierbei noch um ein eher einfaches Beispiel. Je individueller und komplexer die Kundenwünsche werden, umso deutlicher wird der Vorteil der semantischen Technologien sichtbar (vgl. ebsemantics 2008a, S. 7 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die technologische Entwicklung vom Web 1.0 zum Web 2.0 sowie die daraus resultierende Datenflut, die als Ausgangslage für die Problemstellung dient.
2. Semantic Web: Dieses Kapitel definiert die Ziele des Semantic Web und erläutert zentrale Begriffe sowie die zugrunde liegenden Standards wie RDF, RDFS und OWL.
3. Anwendungspotentiale semantischer Technologien in Tourismusdestinationen: Hier werden Einsatzmöglichkeiten im E-Commerce und im Wissensmanagement, insbesondere durch Web 2.0 Applikationen, detailliert analysiert.
4. Empirische Untersuchung: Dieser Abschnitt beschreibt das Forschungsdesign sowie das Vorgehen bei den Experteninterviews zur Bewertung der semantischen Technologien.
5. Ergebnisdiskussion und Überprüfung der Hypothesen: Die empirischen Daten werden hier ausgewertet, um die aufgestellten Hypothesen zu überprüfen und eine fundierte Antwort auf die Forschungsfrage zu formulieren.
6. Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und zeigt auf, wie semantische Technologien in Zukunft sinnvoll im Tourismus eingesetzt werden können.
Schlüsselwörter
Semantic Web, Tourismus, Kundenorientierung, Ontologien, Wissensmanagement, E-Commerce, Empfehlungssysteme, Mobile Dienste, Web 2.0, Datenintegration, Suchmaschinen, soziale Software, RDF, OWL, Tourismusdestination
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie semantische Web-Technologien dazu beitragen können, den Kundenservice in Tourismusdestinationen zu verbessern und Daten für Maschinen besser interpretierbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den technologischen Grundlagen des Semantic Web, deren Anwendung im Bereich E-Commerce und Wissensmanagement sowie der praktischen Relevanz für Tourismusbetriebe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Bewertung der Verwendung semantischer Technologien in Bezug auf die Steigerung der Kundenorientierung in Tourismusdestinationen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Die Autorin führte eine qualitative Untersuchung durch, die auf problemzentrierten Interviews mit Experten aus Forschung und Praxis basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die semantischen Technologien und eine detaillierte Analyse ihrer Anwendungspotentiale, etwa bei Empfehlungssystemen, mobilen Diensten und in semantischen Wikis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Semantic Web, Ontologien, E-Commerce, Wissensmanagement und Kundenorientierung im touristischen Kontext geprägt.
Welchen Mehrwert bieten semantische Technologien für den Tourismus?
Sie ermöglichen eine intelligente Verknüpfung von Informationen, was zu einer besseren Auffindbarkeit von Angeboten und einer erheblichen Arbeitsersparnis für Leistungsträger führt.
Welche Rolle spielt die Datenstandardisierung?
Standardisierung mittels Ontologien ist essenziell, da sie erst die Voraussetzung dafür schafft, dass touristische Angebote von verschiedenen Portalen automatisch und konsistent interpretiert werden können.
Wie bewerten die Experten die Zukunft der semantischen Technologien im Tourismus?
Die Experten sehen ein sehr hohes Potential, betonen jedoch, dass eine breite Anwendung vor allem durch anwendungsfreundliche "Use Cases" und die Überwindung von Akzeptanzbarrieren bei den Betrieben erreicht werden muss.
Was ist die Schlussfolgerung der Autorin zur „Semantifizierung“?
Sie schlussfolgert, dass in Bereichen, in denen Dateninteroperabilität für den Geschäftserfolg und den Kundenservice entscheidend ist, mittelfristig kein Weg an der Semantifizierung vorbeiführt.
- Citation du texte
- MA Eva Guem (Auteur), 2010, Semantic Web - Nutzbarmachung von Semantic-Web-Technologien zur Verbesserung des Kundenservices in einer Tourismusdestination, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200939