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Über Hugo von Hofmannsthals ,,Elektra" (1903)

Title: Über Hugo von Hofmannsthals ,,Elektra" (1903)

Term Paper , 2012 , 13 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sema Kara (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Als Stil schwebte mir vor, etwas gegensätzliches zur Iphigenie zu machen, etwas worauf das Wort nicht passe: >>dieses gräcisierende Product erschien mir beim erneuten Lesen verteufelt human.<< (Goethe an Schiller)“ (v. Hofmannsthal 1997, S.400).
Dieses Zitat ist neben den „Szenischen Vorschriften zu ‚Elektra‘‘‘ nur ein weiterer Beleg für die antiklassizistische Herangehensweise Hofmannsthals an den antiken Atriden – Mythos und die Figur der Elektra, der Protagonistin des vorliegenden Stückes. Im Spiegel seiner Zeit wollte er den „‘Schauer‘ des antiken Mythos“ (Eder 2009, S.127) neu erschaffen, aus einem bildungsbürgerlichen Stück gleichsam ein Werk kreieren, das eher an die Gefühlswelt als an den Intellekt seiner Leser appellieren sollte (vgl. v. Hofmannsthal 1997, S. 309).
Anhand einer psychologischen Neuinterpretation des antiken Sujets gelang es ihm, den Mythos als Gefäß zu nutzen, um dieses mit zeitgenössischen Inhalten zu füllen. Neben der Psychologisierung der Handlung und der Charaktere ist der Einfluss von Friedrich Nietzsches Werk „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ (1872) in der Hofmannsthalschen Version erkennbar.
Auf beide Aspekte soll in nachfolgender Arbeit in Grundzügen eingegangen werden, wobei die Psychologisierung der Charaktere ausschließlich anhand der Protagonistin Elektra dargelegt werden soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hofmannsthals Neubearbeitung im Unterschied zu den antiken Prätexten

2.1 Formale und inhaltliche Unterschiede

2.2 Hofmannsthals Figurenkonzeption

3. Tod und Wiedergeburt der Tragödie in „Elektra“

3.1 Abschaffung des antiken Chors

3.2 Das komödiantische Moment als Mittel zur Subversion

3.3 Verkörperung des Tragischen in den Frauenfiguren und Wiedergeburt einer neuen Tragödie

4. Psychologisierung des antiken Sujets

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Hugo von Hofmannsthals „Elektra“ (1903) im Kontext seiner antiklassizistischen Herangehensweise und beleuchtet, wie der Autor durch die Integration psychologischer Aspekte und Einflüsse von Friedrich Nietzsche eine moderne Neuinterpretation des antiken Mythos erschafft.

  • Die formale Transformation des antiken Stoffes durch Hofmannsthal
  • Der Einfluss von Friedrich Nietzsches „Die Geburt der Tragödie“ auf die Struktur des Stücks
  • Die Psychologisierung der Charaktere als Spiegel des Krisenbewusstseins der Moderne
  • Die Figur der Elektra als personifizierte Verkörperung des Tragischen und als mythische Identifikationsfigur

Auszug aus dem Buch

3.1 Abschaffung des antiken Chors

Um einen wahren Bruch mit der klassizistischen Tragödientradition und eine eigene Neuinterpretation darzustellen, ist es nur sinnvoll, dass Hofmannsthal das wichtigste Element der antiken Tragödie – den Chor – abgeschafft hat um auf diese Weise den Tod der ‚alten‘ Tragödie zugunsten der Wiedergeburt einer modernen Tragödie „nachzuempfinden“.

Nietzsche betrachtet den Chor als ‚Geburtselement‘ der Tragödie („daß die Tragödie aus dem tragischen Chor entstanden ist und ursprünglich nur Chor und nichts als Chor war“, (Nietzsche (1872) 1895, S. 52), sie ist das „entstehungsgeschichtlich […] konstitutive Element“ (Ries 1999, S. 29), da die Tragödie im Rahmen der dionysischen Mysterienkulte aus dem Satyrchor entstanden ist (ebd.)1. Die attische Tragödie ist die Verkörperung der Verschmelzung der zwei gegensätzlichen Kräfte Apollos – die ordnende, harmonische Kunstkraft - und Dionysos‘ – die rauschhafte, ursprüngliche Naturkraft -, demnach die „griechische Tragödie als de[r] dionysische Chor zu verstehen [ist], der sich immer von neuem […] in einer apollinischen Bilderwelt entladet“ (Nietzsche (1872)1895, S. 62). Doch trotz der Verwurzlung des Chores in der attischen Tragödie, beginnt bereits in der Spätantike ein anhaltender Konflikt um die Funktion des Chores, die sich über die Jahrhunderte zuspitzen sollte (Günther 2005, S.110ff). So entwickelte sich der Chor von einer handlungstreibenden Instanz zum expliziten Gegenstück zur dramatischen Handlung, die nur mehr eine passiv beobachtende und urteilende Funktion inne hatte (a.a.O., S. 112). Aufgrund der modernen Dramenentwicklung hin zu Individualschicksalen und der ‚Verinnerlichung‘ der Handlungssphäre, war die völlige Auflösung des Chores unumgänglich: ein Kollektiv kann individuelle seelische Vorgänge nicht adäquat wiedergeben (a.a.O., S.113)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die antiklassizistische Herangehensweise Hofmannsthals an den Elektra-Mythos ein und legt den Fokus auf die psychologische Neuinterpretation sowie den Einfluss Friedrich Nietzsches.

2. Hofmannsthals Neubearbeitung im Unterschied zu den antiken Prätexten: Dieses Kapitel analysiert die formalen Modifikationen des Stoffes sowie die radikale Neukonzeption der Figuren, wobei die drei weiblichen Protagonistinnen in den Mittelpunkt rücken.

3. Tod und Wiedergeburt der Tragödie in „Elektra“: Hier wird der Bruch mit der Tradition durch die Abschaffung des antiken Chors, die Nutzung komödiantischer Elemente zur Subversion und das moderne Verständnis des Tragischen detailliert untersucht.

4. Psychologisierung des antiken Sujets: Dieses Kapitel verknüpft die archaische Vorstellung des Mythos mit den Erkenntnissen der modernen Psychoanalyse (Breuer/Freud) und verdeutlicht deren Anwendung auf die Figur der Elektra.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Hofmannsthal durch die dialektische Charakterzeichnung und das Spiegeln des gesellschaftlichen Krisenbewusstseins ein modernes Seelenbild schuf.

Schlüsselwörter

Hugo von Hofmannsthal, Elektra, Antike, Friedrich Nietzsche, Tragödie, Mythos, Psychologisierung, Psychoanalyse, Moderne, Wiener Moderne, Hysterie, Frauenfiguren, Literaturwissenschaft, Dramenanalyse, Individualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Hofmannsthals „Elektra“ im Hinblick auf dessen Abkehr von klassischen Tragödienkonventionen und die Transformation des antiken Stoffs durch moderne psychologische und philosophische Konzepte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rezeption von Nietzsches Tragödientheorie, die Integration der Psychoanalyse sowie die Darstellung des modernen Individuums in einer Welt ohne göttliche oder moralische Ordnung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hofmannsthal den antiken Mythos als „Gefäß“ für zeitgenössische psychologische Inhalte nutzte und dabei eine „neue Tragödie“ schuf, die den Anforderungen der Moderne gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Textvergleich mit antiken Prätexten (Sophokles) mit einer wirkungsgeschichtlichen Betrachtung (Nietzsche, Breuer/Freud) verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der formalen Änderungen, der Bedeutung der Chor-Abschaffung, der Verwendung komödiantischer Momente sowie einer tiefgehenden psychologischen Interpretation der Frauenfiguren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Hofmannsthal, Elektra, Psychologisierung, Psychoanalyse, Nietzsche, Tragödie, Moderne und Archaik.

Inwiefern spielt der Chor eine Rolle für das Verständnis des Stücks?

Die Abschaffung des antiken Chors symbolisiert bei Hofmannsthal den Bruch mit der klassischen Tradition und trägt der notwendigen Verinnerlichung der Handlung in der modernen Welt Rechnung.

Warum wird die Figur der Elektra als „hysterisch“ charakterisiert?

Ihre Charakterisierung orientiert sich an den psychoanalytischen Studien von Breuer und Freud; Elektra zeigt Symptome wie Dissoziation, Halluzinationen und eine gestörte Wahrnehmung von Zeit und Sexualität, die ihr Trauma widerspiegeln.

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Details

Title
Über Hugo von Hofmannsthals ,,Elektra" (1903)
College
University of Würzburg
Course
Die deutschsprachige Tragödie seit Nietzsche
Grade
2,0
Author
Sema Kara (Author)
Publication Year
2012
Pages
13
Catalog Number
V201224
ISBN (eBook)
9783656279891
ISBN (Book)
9783656281115
Language
German
Tags
über hugo hofmannsthals elektra
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sema Kara (Author), 2012, Über Hugo von Hofmannsthals ,,Elektra" (1903), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201224
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