Die Befragung ist das weitverbreiteste Datenerhebungsdesign der empirischen Sozialwissenschaften und hat längst auch in der Meinungs-, Markt- und Konsumforschung, aber auch in der Psychologie einen hohen Stellenwert erlangt. Essentieller Bestandteil einer jeden Befragung, sei sie nun mündlich, telefonisch, schriftlich
oder per Internt ist der Fragebogen. Dass viele Wissenschaftler schon von einer Kunstlehre sprechen, wenn sie über die Fragebogenkonstruktion reden, hat durchaus seine Berechtigung. Unzählige Regeln, Leitfäden und Gebrauchsanweisung gibt es für dessen Konstruktion. Und dennoch muss jeder Fragebogen, jede einzelne
Frage in der spezifischen Forschungssituation erst einmal konstruiert, überdacht und diskutiert werden. Man kennt den alten Spruch „Blöde Frage, blöde Antwort“. Auch wenn im pädagogischen
Kontext gerne von „es gibt keine blöden Fragen“ geredet wird, steckt
in dieser Binsenweisheit in Bezug auf die standardisierte Befragunge eine Menge Wahrheit. Ein standardisierter Fragebogen hat den Anspruch eine akkurate Translation einer Forschungsfrage, die es zu ergründen gilt, zu sein. Jedes falsche Wort, jede undurchdachte Formulierung kann so zur Krux werden und fehlerhafte oder
unbrauchbare Antworten hervorbringen. Da die Frage zentrales Merkmal eines jede Fragebogens ist werden in der vorliegenden Arbeit wichtige Prinzipien für die Formulierung von Fragen, die in einem
standardisierten Fragebogen zum Einsatz kommen, dargestellt. Einige Konstruktionsprinzipien sind auf jeden Fall zu berücksichtigen — wie z.B. die Vermeidung doppelter Stimuli —, da es sonst zu unerwünschten Effekten oder schlimmstenfalls zu unbrauchbaren Daten kommen kann. Bevor aber auf diese Regeln der Frageformulierung
eingegangen wird, wird im Folgenden zunächst rezensiert welche Inhalte mit den konkreten Fragen erfasst werden sollen. Im Anschluß an die inhaltlichen Fragetypen und die Konstruktionsprinzipien werden die zwei besonderen Problem „Meinungslosigkeit“ und „Mittelkategorie“ vorgestellt. Aufgrund der Begrenztheit der Arbeit können die Punkte mehr angerissen als ausdiskutiert
werden, und nur ein recht kleiner Ausblick in die Breite dieses umfassenden Themas geboten werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Frage
2.1 Fragetypen
2.2 Die 10 Gebote der Fragenformulierung
3. Die Antworten
3.1 Meinungslosigkeit
3.2 Mittelkategorie
4. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die methodischen Grundlagen und Herausforderungen bei der Konstruktion von Fragebögen für empirische Sozialforschungen aufzuzeigen, um die Qualität der erhobenen Daten durch eine präzise Fragenformulierung zu optimieren.
- Methodische Grundlagen der Fragebogenkonstruktion
- Systematisierung verschiedener Fragetypen
- Die 10 Gebote der Fragenformulierung nach Porst
- Herausforderungen bei Antwortvorgaben und Skalierungen
- Umgang mit Meinungslosigkeit und Mittelkategorien
Auszug aus dem Buch
2.2 Fragetypen
Als erster Schritt für die Formulierung einer Frage muss entschieden werden, welche Art der Information mit der Frage gewonnen werden soll. Generell wird zwischen Einstellungs- oder Meinungsfragen, Verhaltensfragen, Überzeugungsfragen und Eigenschaftsfragen differenziert (vgl. Schnell, Hill, Esser 2005, 325).
Einstellungs- oder Meinungsfragen zielen auf die positive bzw. negative Bewertung einer konkreten Aussage ab. Die Wünschbarkeit kann sowohl in der Frage, als auch in der Antwort zum Ausdruck kommen.
Verhaltensfragen nehmen generell Bezug auf Handlungen bzw. Verhalten des Befragten, wobei die Frage genau genommen auf Überzeugungen des Befragten in Bezug auf sein eigenes Verhaltens abzielt. Die Verhaltensfrage bezieht sich in Abgrenzung zur Überzeugungsfrage, die Ansichten über rein kognitive Sachverhalte aufdecken möchte, auf eigenes Verhalten bzw. eigene Erfahrungen (vgl. Schnell, Hill, Esser 2005, 326ff).
Hier wird eigentlich nicht nach einem tatsächlichen Verhalten gefragt, sondern nach der Absicht. „Berichtetes Verhalten“, auch wenn es nicht auf die Zukunft, sondern auf die Gegenwart oder Vergangenheit gerichtet ist, ist immer etwas anderes als eine tatsächlich ausgeführte Handlung. Besonders gut ist dies an Befragungen vor Wahlen zu beobachten. Die angegebenen Wahlabsichten müssen nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Wahlverhalten am Ende übereinstimmen (vgl. Stier 1999, 172ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung des Fragebogens als zentrales Instrument der empirischen Sozialforschung ein und betont die Notwendigkeit einer methodisch fundierten Konstruktion.
2. Die Frage: Es werden verschiedene Fragetypen klassifiziert und die "10 Gebote der Fragenformulierung" vorgestellt, die als Leitfaden für eine präzise Erhebung dienen.
3. Die Antworten: Dieses Kapitel behandelt die korrekte Gestaltung von Antwortkategorien sowie die Problematik des Umgangs mit fehlenden Meinungen und neutralen Mittelkategorien.
4. Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Fragebogenkonstruktion eine anspruchsvolle Kunstlehre darstellt, die trotz vorhandener Regeln eine ständige kritische Evaluation erfordert.
Schlüsselwörter
Fragebogenkonstruktion, empirische Sozialforschung, Datenerhebung, Fragetypen, Fragenformulierung, Antwortvorgaben, Meinungslosigkeit, Mittelkategorie, Pretest, methodische Standards, Response Errors, Umfrageforschung, Einstellungsfragen, Verhaltensfragen, Überzeugungsfragen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den methodischen Anforderungen und der Kunst, fundierte Fragebögen für die empirische Sozialforschung zu erstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Typologie von Fragen, die präzise Formulierung nach wissenschaftlichen Regeln sowie die optimale Gestaltung von Antwortmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch methodisch saubere Fragebogenkonstruktion die Qualität der Daten gesichert und systematische Fehlerquellen minimiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und die Zusammenführung bewährter Konstruktionsprinzipien aus der Methodenlehre der empirischen Sozialforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung verschiedener Fragetypen, die Anwendung der 10 Gebote zur Fragenformulierung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Antwortformaten und speziellen Problemen wie Meinungslosigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fragebogenkonstruktion, methodische Standards, Antwortskalierung, Frageformulierung und Datenqualität.
Warum sind Suggestivfragen in einem Fragebogen besonders kritisch zu betrachten?
Suggestivfragen provozieren eine bestimmte Antwortrichtung und verfälschen dadurch die objektive Meinung des Befragten, was die Validität der gewonnenen Daten untergräbt.
Welche Rolle spielt die "weiß nicht"-Kategorie bei der Datenerhebung?
Sie dient als legitime Antwortmöglichkeit für Personen ohne Meinung, kann aber bei falscher Implementierung zu Verzerrungen führen, weshalb ihre explizite Nennung in der Forschung kontrovers diskutiert wird.
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- Marie Luedtkes (Autor), 2008, Zur Kunst des Fragens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201229