Die Bedeutsamkeit des Themas Gedenkstättenbesuch nimmt eine besondere Rolle in der Geschichtsdidaktik ein, da Besuche in KZ-Gedenkstätten heute ein fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit in Schulen und in der außerschulischen politischen Jugendbildung sind. Seit vielen Jahren werden von Jugendverbänden Gedenkstättenfahrten angeboten. In der DDR gehörte der Gedenkstättenbesuch zum festen politischen Ritual für alle Heranwachsenden.
„Es ist das Ziel der Bildungspolitik von Mecklenburg-Vorpommern, dass jede Schülerin und jeder Schüler mindestens einmal während seiner Schulzeit eine KZ-Gedenkstätte, eine Gedenkstätte oder einen Gedenkort für die Opfer der jüngeren deutschen Geschichte aufsucht.“
Auch wenn der Begriff "Gedenkstätte" häufig mit den Opfern der NS-Verbrechen verbunden wird, stellt der Gedenkstättenbesuch im Allgemeinen eine Sonderform der Exkursion oder Erkundung im Rahmen der historisch-politischen Bildung dar, die ihr spezielles Profil durch die politische und geschichtskulturelle Funktion der Gedenkstätte erhält, insbesondere wenn die mit der historischen Stätte verbundene Gedenkkultur noch lebendig ist und die Gedenkeinrichtung sich am Ort des historischen Geschehens befindet.
Der Besuch einer Gedenkstätte kann unterschiedlichen Zielsetzungen der historisch-politischen Bildung dienen. Hierzu zählen z. B. eine Initiation in die bewusste Teilhabe an einer gegebenen Gedenkkultur (das Gedenken oder Andenken steht im Mittelpunkt), die Veranschaulichung und Vertiefung einer historisch-politischen Thematik, die im Unterricht behandelt wird, eine Projektarbeit "vor Ort", die dem gemeinsamen entdeckenden Lernen (z. B. Spurensuche) dient oder die exemplarische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Praxis des historischen Gedenkens und ihren sich wandelnden Formen und Funktionen in Vergangenheit und Gegenwart.
Daher beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Thema des Gedenkstättenbesuchs zur inhaltlichen Unterstützung der Unterrichtseinheit Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht. Dies soll im Folgenden zunächst allgemein und dann am Beispiel der Gedenkstätte Sachsenhausen geschehen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine geschichtsdidaktische Betrachtung des Gedenkstättenbesuchs, aber auch deren konkrete methodische Umsetzung am Beispiel der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ziel dieser Hausarbeit ist es, aufzuzeigen, warum der Gedenkstättenbesuch zur inhaltlichen Unterstützung der Unterrichtseinheit Nationalsozialismus unabdingbar ist
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GESCHICHTSDIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN
2.1 GEDENKSTÄTTEN ALS LERNORTE
2.2 ERWARTUNGEN AN EINEN GEDENKSTÄTTENBESUCH
2.2.1 Sicht der Gedenkstätte
2.2.2 Sicht der Schülerinnen und Schüler
2.2.3 Sicht der Lehrerinnen und Lehrer
2.3 GESTALTUNG EINES GEDENKSTÄTTENBESUCHS
2.3.1 Vorbereitung
2.3.2 Durchführung
2.3.3 Nachbereitung
2.4 PROBLEMATISCHE ASPEKTE
3. METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN AM BEISPIEL DER GEDENKSTÄTTE SACHSENHAUSEN
3.1 ÜBERBLICK ZU MUSEUMSPÄDAGOGISCHEN ANGEBOTEN
3.2 CD-ROM „GEGEN DAS VERGESSEN – HÄFTLINGSALLTAG IM KONZENTRATIONSLAGER SACHSENHAUSEN 1939-1945“
3.3 DAUERAUSSTELLUNG „DER ‚ALLTAG‘ DER HÄFTLINGE IM KZ SACHSENHAUSEN 1936-1945“
3.3.1 Gestaltungsmöglichkeiten
3.3.2 Phasen eines Projekttages
3.3.3 Methoden zur Erstellung der Arbeitsergebnisse
4. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geschichtsdidaktische Relevanz und methodische Umsetzung von Gedenkstättenbesuchen zur Unterstützung der Unterrichtseinheit Nationalsozialismus, wobei die Gedenkstätte Sachsenhausen als zentrales Fallbeispiel dient.
- Geschichtsdidaktische Einordnung von Gedenkstätten als außerschulische Lernorte.
- Analyse der Erwartungen von Gedenkstätten, Schülern und Lehrkräften.
- Methodische Gestaltung von Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer Exkursion.
- Evaluierung pädagogischer Angebote wie der CD-ROM „Häftlingsalltag“ und der Dauerausstellung.
- Entwicklung von Strategien für kreatives Arbeiten und Dokumentation am Lernort.
Auszug aus dem Buch
2.1 Gedenkstätten als Lernorte
Gedenkstätten sind gleichermaßen Leidens- und Tatorte. Sie thematisieren den Zusammenhang von menschlichem Leid und vergangenen Verbrechen. Die damit einhergehende Verschränkung von Täterhandeln und Opferrolle ist konstitutiv für jede Gedenkstätte. Die Errichtung, Gestaltung und Erhaltung von Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus zielt auf Adressaten, die die Botschaft aufgreifen.
Unter Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus werden hier vor allem Einrichtungen an „authentischen“ historischen Orten verstanden, z.B. ehemalige Konzentrationslager mit ihren Außenlagern, in denen Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter inhaftiert waren, „Euthanasie“-Anstalten, Stätten des Gestapo- oder Justizterrors in den Organisationszentralen der Täter, aber auch frühere Synagogen.
Die Authentizität des historischen Ortes macht das Besondere aus. Die Täterinnen und Täter haben genau dort gemordet. Ihre Opfer mussten genau dort leiden, in großer Zahl auch sterben, und sie sind oft auch dort begraben worden. Daher sind Gedenkstätten nicht selten auch Friedhöfe. In der Tat kann der Besuch solcher Gedenkstätten, die nach Wolfgang Benz gleichzeitig einen emotionalen (als Denkmale) und einen rationalen Zugang (als Museen) zur Geschichte bieten, andere Impulse vermitteln als das Lernen im Klassenzimmer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Bedeutung von Gedenkstättenbesuchen im Rahmen der historisch-politischen Bildung und Definition der Forschungsabsicht.
2. GESCHICHTSDIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN: Theoretische Auseinandersetzung mit der Rolle der Gedenkstätte als Lernort sowie den Erwartungen und Anforderungen an die pädagogische Gestaltung.
3. METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN AM BEISPIEL DER GEDENKSTÄTTE SACHSENHAUSEN: Konkrete Untersuchung der pädagogischen Angebote der Gedenkstätte Sachsenhausen und deren praktische Umsetzung im Schulunterricht.
4. RESÜMEE: Zusammenfassung der Ergebnisse und Bestätigung der Gedenkstättenfahrt als unverzichtbares Instrument bei sorgfältiger Vor- und Nachbereitung.
Schlüsselwörter
Gedenkstättenbesuch, Nationalsozialismus, Geschichtsdidaktik, Sachsenhausen, Lernort, Häftlingsalltag, historisch-politische Bildung, museumspädagogisches Angebot, Projekttag, Gedenkstättenpädagogik, Erinnerungskultur, mediale Vermittlung, Unterrichtseinheit, Holocaust, Zeitzeugenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Relevanz des Gedenkstättenbesuchs als Teil des Geschichtsunterrichts, mit einem besonderen Fokus auf die Gedenkstätte Sachsenhausen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die geschichtsdidaktische Theorie, die Erwartungen der beteiligten Akteure (Schüler, Lehrer, Gedenkstätte) und konkrete Methoden für Projekttage vor Ort.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein Gedenkstättenbesuch zur inhaltlichen Unterstützung des Geschichtsunterrichts beitragen kann und welche methodischen Aspekte für einen Erfolg entscheidend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geschichtsdidaktische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Untersuchung spezifischer pädagogischer Konzepte sowie Angebote vor Ort basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Überlegungen zum Gedenkstättenbesuch und eine praktische methodische Untersuchung am Beispiel der Gedenkstätte Sachsenhausen (inkl. CD-ROM und Dauerausstellung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Gedenkstättenbesuch, Nationalsozialismus, Sachsenhausen, Lernort, Gedenkstättenpädagogik und historisches Lernen.
Wie kann die CD-ROM „Gegen das Vergessen“ im Unterricht eingesetzt werden?
Die CD-ROM dient als ideales Arbeitsmittel zur Vertiefung von NS-Themen oder als Ausgangspunkt für die Erarbeitung von Themenfeldern in der Unterrichtseinheit, unabhängig vom eigentlichen Gedenkstättenbesuch.
Warum ist die Vorbereitung eines Gedenkstättenbesuchs so wichtig?
Eine sorgfältige Vorbereitung ist essentiell, da ein unvorbereiteter Besuch laut Fachliteratur pädagogisch misslingen kann und das Risiko besteht, dass die Jugendlichen die komplexe Thematik nicht adäquat aufarbeiten können.
- Citation du texte
- Marco Schmidt (Auteur), 2009, Der Gedenkstättenbesuch zur inhaltlichen Unterstützung der Unterrichtseinheit Nationalsozialismus , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201345