Die folgende Arbeit befasst sich mit Qualitätsmanagement und Professiona-lisierung sowie dem Zusammenspiel dieser beiden Faktoren in der Arbeit mit behinderten Menschen.
Zunächst soll der Themenbereich "Qualitätsmanagement" dargestellt wer-den, wobei zu Beginn eine Begriffsbestimmung vorgenommen wird. An-schließend werden zwei gängige Qualitätsmanagementmodelle vorgestellt, die einen Eindruck davon verschaffen sollen, wie Qualitätsmanagement in einem Unternehmen umgesetzt werden kann. Hierzu werden exemplarisch das Modell DIN EN ISO 9000-9004 und das Modell TQM der EFQM ver-wendet.
Der darauf folgende Teil der Arbeit umfasst den Themenbereich "Profession und professionelles Handeln" und dient dazu, im Kontext dieser Ausführun-gen eine einheitliche Bestimmung des Professionsbegriffs zu erzielen. Diese Begriffsbestimmung erfolgt in zwei Schritten: zunächst werden Unterschie-de zwischen Professionen und anderen Berufen erarbeitet. Anschließend wird professionelles Handeln daraufhin untersucht, ob es von der handeln-den Person oder von der Handlung selbst her bestimmt werden muss.
Der letzte Abschnitt der vorliegenden Arbeit befasst sich mit dem Hinein-wirken von Qualität und Qualitätsmanagement in die professionelle Arbeit mit behinderten Menschen. Hierzu wird zunächst ein kurzer Überblick über die Qualitätsdiskussion in der Behindertenhilfe geliefert, woraufhin die Auswirkungen dieser auf das Qualitätsverständnis der professionellen Be-hindertenhilfe erläutert werden. Im Anschluss daran wird dargestellt, inwie-fern die Einführung von Qualitätsmanagement die Ausübung professioneller Arbeit mit behinderten Menschen beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Qualitätsmanagement
2.1 Qualitätsmanagement – Begriffsumriss
2.2 Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9000-9004
2.3 Qualitätsmanagement nach EFQM
3 Profession und professionelles Handeln
3.1 Professionen in Abgrenzung zu anderen Berufen
3.2 Professionelles Handeln als Handeln durch Professionelle
4 Qualitätsmanagement in der professionellen Behindertenhilfe
4.1 Zur Qualitätsdiskussion in der professionellen Behindertenhilfe
4.2 Qualitätsmerkmale in der professionellen Behindertenhilfe
4.3 Auswirkungen von Qualitätsmanagement auf die professionelle Arbeit mit behinderten Menschen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Qualitätsmanagement-Systemen und der Professionalisierung in der Arbeit mit behinderten Menschen. Ziel ist es zu klären, inwieweit standardisierte Qualitätsvorgaben mit dem hohen Grad an Komplexität und Autonomie professionellen sozialen Handelns vereinbar sind.
- Grundlagen und Definitionen des Qualitätsmanagements
- Vorstellung der Qualitätsmodelle DIN EN ISO 9000-9004 sowie EFQM
- Theoretische Abgrenzung von Professionen und Berufen
- Qualitätsdiskussion und spezifische Merkmale in der Behindertenhilfe
- Analyse der Auswirkungen von Standardisierungen auf die professionelle soziale Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.2 Professionelles Handeln als Handeln durch Professionelle
Die Bestimmung professionellen Handelns ist über verschiedene Zugänge möglich; dabei ist zu unterscheiden, ob die Begriffsbestimmung von der handelnden Person oder von der konkreten Handlung her erfolgt.
Definiert man professionelles Handeln über die handelnden Personen, so zählt zu professionellem Handeln jede Handlung, die jene als „Professionelle“ bezeichnete Personen zu jeder Zeit tun. Es ist jedoch anzumerken, dass eine solche Definition professionellen Handelns kritisch betrachtet werden sollte, da Professionelle mitunter Dinge tun, die Nichtprofessionelle ebenfalls tun. Dies macht es unmöglich, auf einen professionellen Handlungstypus zu schließen und verweist auf die Notwendigkeit, die Handlung selbst auf eine bestimmte Qualität hin zu untersuchen.
Bestimmt man professionelles Handeln von der Qualität der Handlung her, ist eine Unterscheidung zwischen einem alltagssprachlichen und einem innerprofessionellen Verständnis professionellen Handelns vorzunehmen:
Im Alltag spricht man von Professionalität, wenn eine Person unter Beweis stellt, dass sie eine bestimmte Sache oder Problemlösung gekonnt erledigt hat. Dies verweist zwar auf die Qualität der Handlung dieser Person, jedoch wird diese Qualität im alltäglichen Kontext nicht weiter geklärt. Versteht man professionelles Handeln auf einer innerprofessionellen Ebene, so reicht es nicht, eine Sache oder eine Problemlösung gekonnt zu erledigen, denn das Handeln soll darüber hinaus fachmännisch sein. Da professionelles Handeln allerdings auf komplexen, fachspezifischen Wissensinhalten beruht, kann es inhaltlich nicht durch einen Laien beurteilt werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit nach einem hohen Maß an Selbstkontrolle, welche nicht nur die Kontrolle der Qualität selbst erbrachter Leistungen, sondern auch die Kontrolle der Qualifikation und Kompetenz professioneller Kollegen umfasst. Somit ist professionelles Handeln dieser Definition zufolge ein solches Handeln, das „von einer relevanten Kollegenschaft als den formalen und informellen Standards entsprechend wahrgenommen wird“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Qualitätsmanagement und Professionalisierung in der Behindertenhilfe ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2 Qualitätsmanagement: Das Kapitel definiert den Begriff Qualitätsmanagement und stellt die beiden Modelle DIN EN ISO 9000-9004 sowie das TQM-Modell der EFQM exemplarisch vor.
3 Profession und professionelles Handeln: Hier wird der theoretische Rahmen für den Professionsbegriff sowie für professionelles Handeln in Abgrenzung zu allgemeinen Berufsbildern erarbeitet.
4 Qualitätsmanagement in der professionellen Behindertenhilfe: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Grundlagen mit dem Arbeitsfeld der Behindertenhilfe und analysiert die Chancen und Risiken von Standardisierungen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass bei der Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen die professionelle Autonomie der Fachkräfte gewahrt bleiben muss.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Behindertenhilfe, Professionalisierung, Professionelles Handeln, DIN EN ISO 9000-9004, EFQM, TQM, Standardisierung, Sozialarbeit, Qualitätssicherung, Fachkompetenz, Selbstreflexion, Organisationsentwicklung, Inklusion, Selbstbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet das Zusammenspiel und die Konfliktpotenziale zwischen standardisierten Qualitätsmanagementsystemen und dem Anspruch auf professionelles Handeln in der Arbeit mit behinderten Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Qualitätsmanagement, die theoretische Bestimmung des Professionsbegriffs und die spezifische Anwendung von Qualitätssicherungsinstrumenten in der Behindertenhilfe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern die Einführung von Qualitätsmanagementmodellen die Ausübung professioneller Arbeit beeinflusst und welche Auswirkungen dies auf die Qualität der sozialen Dienstleistung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse von Fachliteratur sowie der Gegenüberstellung verschiedener Qualitätsmodelle und professionstheoretischer Ansätze basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert bestehende Qualitätsmodelle (ISO, EFQM), erarbeitet ein Verständnis von Professionalität und setzt dies in den Kontext der Anforderungen und Herausforderungen der Behindertenhilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Qualitätsmanagement, Professionalisierung, Standardisierung, Behindertenhilfe und professionelle Autonomie charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die "alltagssprachliche" von der "innerprofessionellen" Sichtweise auf Handeln?
Die alltagssprachliche Sicht fokussiert lediglich auf das gekonnte Erledigen einer Aufgabe, während die innerprofessionelle Sicht zusätzlich fachmännische Standards, wissenschaftliches Wissen und eine kritische Selbstkontrolle durch die Kollegenschaft voraussetzt.
Warum kann eine zu starke Standardisierung laut Autorin problematisch sein?
Eine zu starke Standardisierung birgt die Gefahr der Bürokratisierung, schränkt die Handlungsflexibilität der Fachkräfte ein und kann dazu führen, dass Innovationen gehemmt werden und kritisches reflektiertes Handeln durch starre Routinen ersetzt wird.
- Citation du texte
- Katarina Stripling (Auteur), 2011, Qualitätsmanagement und Professionalisierung in der Behindertenhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201357