Überall kommt Theater bzw. Theatralität zum Einsatz. Schon Erving Goffman sagte 1959 „Wir alle spielen Theater“. Wir wollen uns vor anderen in irgendeiner Weise darstellen und versuchen eine möglichst der Rolle angemessene Performance abzugeben mit einer bestimmten Intention. Kinder zum Beispiel versuchen, Erwachsene mit Vater-Mutter-Kind-Spielen zu imitieren oder mit Weinen um den Finger zu wickeln. Warum soll dann nicht ebenso darauf mit Theatralität als Erzie-hungsmittel geantwortet werden, wie zum Beispiel bei der Konfliktbewältigung? In der Schule gibt es häufig Konflikte, die sogar in Gewalt münden können. Die Streitschlichtung/Mediation dient hierbei als eine Anleitungsmöglichkeit zur Performance einer Konfliktbewältigung, die gleichzeitig gewaltpräventiv wirken kann.
Diese wissenschaftlich begründete Hausarbeit soll nun den Zusammenhang zwischen Theatralität und Streitschlichtung/Mediation genauer darstellen.
Um das weitläufige Thema einzugrenzen, wird dabei nur auf den Begriff der Theatralität nach Erika Fischer-Lichte eingegangen.
Es wird unter anderem die Problemstellung behandelt, inwiefern Theatralität bei der Streitschlichtung/Mediation an Schulen zum Ausdruck kommt und diese überhaupt sinnvoll ist. Ziel ist es, die (Aus-)Wirkung der Theatralität bei der Streitschlichtung an Schulen herauszufinden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Problemstellung und Untersuchungsziele der Arbeit
1.3 Vorgehensweise
2 Begriffliche und theoretische Grundlagen
2.1 Definition von Theatralität nach Erika Fischer-Lichte
2.2 Definition von Streitschlichtung/Mediation
2.2.1 Zustandekommen einer Streitschlichtung/Mediation
2.2.2 Rolle und Aufgaben von Streitschlichtern
2.2.3 Ablauf einer Streitschlichtung/Mediation
3 Inwiefern wirkt Theatralität bei der Streitschlichtung/Mediation?
3.1 Performance
3.2 Inszenierung
3.3 Korporalität
3.4 Wahrnehmung
4 Ist diese Art der Konfliktbewältigung sinnvoll?
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Konzept der Theatralität und der Methode der Streitschlichtung (Mediation) an Schulen. Das primäre Ziel besteht darin, herauszufinden, inwiefern theatrale Aspekte bei der Konfliktbewältigung zum Tragen kommen und ob dieser Ansatz einen pädagogischen Mehrwert zur Gewaltprävention und Förderung sozialer Kompetenzen bietet.
- Theoretische Fundierung von Theatralität nach Erika Fischer-Lichte
- Strukturen und Rahmenbedingungen der schulischen Mediation
- Analyse der theatralen Elemente: Performance, Inszenierung, Korporalität und Wahrnehmung
- Evaluation der pädagogischen Sinnhaftigkeit von Konfliktbewältigung durch Schüler
Auszug aus dem Buch
3.2 Inszenierung
Die Inszenierung meint den Produktionsprozess, der zum Endergebnis beziehungsweise zur Konfliktbewältigung führt. Bei der Streitschlichtung wird eine Szene inszeniert, die hierzu beitragen soll. „Der Mensch muß sich inszenieren, um in Erscheinung treten zu können.“ Dazu muss das Was, Wann, Wie lange, Wo und Wie geklärt werden. „Die Betonung der theatralen Kommunikation zwischen Darstellern und Zuschauern, die nur an einem bestimmten Zeitpunkt für eine bestimmte Zeitspanne unter der Voraussetzung spezifischer Abmachungen im Sinne der Einhaltung der durch den Rahmen vorgegebenen Verhaltensregeln ablaufen kann“ ist zentral bestimmend, sagten bereits Eckart Liebau, Leopold Klepacki und Jörg Zirfas.
Die Konfliktparteien kommen also zum Streitschlichter, um ihren Konflikt zu lösen. Die Aufführungszeit ist die Zeit, in der sie die Streitschlichtung abhalten. Der Raum, in dem sie diese vollziehen ist für diesen Moment das Theater. Die Konfliktparteien bilden die Darsteller. Der Streitschlichter kann sowohl als Darsteller als auch als Zuschauer agieren, indem er entweder aktiv in den Streitschlichtungsprozess eingreift oder sich passiv den Konflikthergang anschaut. Er kann ebenso als eine Art Regisseur dienen, der eine Art Drehbuch vorgibt, nämlich den Ablauf der Streitschlichtung. Jeder weiß also über die Inszenierung, seine Rolle und den Ablauf Bescheid.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Theatralität als Erziehungsmittel ein und definiert die Problemstellung sowie das Ziel der Untersuchung im Kontext der schulischen Streitschlichtung.
2 Begriffliche und theoretische Grundlagen: Hier werden die theoretischen Definitionen von Theatralität nach Fischer-Lichte sowie die organisatorischen Standards, Rollen und Abläufe der Mediation an Schulen dargelegt.
3 Inwiefern wirkt Theatralität bei der Streitschlichtung/Mediation?: Dieses Kapitel analysiert die direkte Anwendung der vier theatralen Aspekte Performance, Inszenierung, Korporalität und Wahrnehmung auf den konkreten Mediationsprozess.
4 Ist diese Art der Konfliktbewältigung sinnvoll?: Es wird kritisch erörtert, welche Chancen und Herausforderungen die Streitschlichtung für das Schulklima, die Kompetenzentwicklung der Schüler und die Lehrerentlastung bietet.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Grenzen der Theatralität bei der Konfliktlösung sowie die Bedingungen für eine erfolgreiche Implementierung an Schulen.
Schlüsselwörter
Theatralität, Streitschlichtung, Mediation, Schule, Konfliktbewältigung, Performance, Inszenierung, Korporalität, Wahrnehmung, Erziehungsmittel, Gewaltprävention, soziale Kompetenzen, Perspektivwechsel, Schulklima, Peer-Mediation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Verbindung zwischen dem theaterwissenschaftlichen Konzept der Theatralität und dem pädagogischen Instrument der Streitschlichtung an Schulen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen der Theatralität nach Erika Fischer-Lichte, die Abläufe der schulischen Mediation sowie die Übertragung dieser Konzepte auf die Konfliktlösung im Bildungsalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie theatrale Prozesse bei der Streitschlichtung wirken, und zu bewerten, ob dieser Ansatz ein sinnvolles Mittel zur konstruktiven Konfliktbewältigung darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftlich fundierte Hausarbeit, die eine theoretische Analyse der Theatralität mit den Standards der pädagogischen Mediation verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Begriffe, die Untersuchung der theatralen Elemente (Performance, Inszenierung, Korporalität, Wahrnehmung) innerhalb einer Mediation und eine kritische Diskussion zur Sinnhaftigkeit des Konzepts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Theatralität, Streitschlichtung, Mediation, schulische Gewaltprävention und soziale Kompetenzentwicklung.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Streitschlichters von einem Regisseur?
Der Streitschlichter fungiert in einer theatralen Betrachtungsweise als eine Art Regisseur, da er den Ablauf strukturiert, Regeln vorgibt und den Prozess moderiert, ohne jedoch den Inhalt der Konfliktlösung selbst zu bestimmen.
Welche Grenzen der Methode werden im Fazit genannt?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Streitschlichtung nicht für schwerwiegende juristische Fälle oder bei fehlender freiwilliger Teilnahme geeignet ist und von der gesamten Schulgemeinde aktiv mitgetragen werden muss.
- Quote paper
- Anita Schröder (Author), 2012, Theatralität als Erziehungsmittel am Beispiel von Streitschlichtung/Mediation an Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201724