Lending Relationships in the Interbank Market, Contagion and Monetary Policy Transmission


Seminararbeit, 2012
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. “Lending Relationships” Kreditbeziehungen im Interbankenmarkt

3. “Contagion” Ansteckungseffekte auf Interbankenmärkten

4. „Monetary Policy Transmission“ Geldpolitische Transmission

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die aktuelle Finanzkrise hat die Bedeutung des Finanz- und Bankensektors nochmals hervor- gehoben. Die kritische und umfassende wissenschaftliche Betrachtung des Interbankenmark- tes, der innerhalb des Transmissionsprozesses der Geldpolitik auf die Realwirtschaft eine wichtige Rolle spielt, wurde erst seit den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts vorange- trieben.

Beginnend mit der grundsätzlichen Wirkungsweise von „Lending Relationships“ im Interbankenmarkt und einer Abgrenzung zum sogenannten Hausbankenprinzip werden in dieser Arbeit die grundlegenden Zusammenhänge von Bankengröße, Zinssatz und weiteren Determinanten dargestellt. Es zeigt sich, dass vor allem das Verständnis der Netzwerkstruktur im Interbankenmarkt von fundamentaler Bedeutung ist.

Gegensätzlich zu den Vorteilen wird im zweiten Teil der Schwerpunkt auf die Gefahren von direkten Ansteckungseffekten durch Kreditbeziehungen im Bankensektor gelegt. Hierzu werden verschiedene vonAllen und Gale (2000)undFreixas et al. (2000)gezeigte Strukturen dargelegt und länderspezifische Resultate aufgeführt.

Der dritte Teil der Arbeit behandelt die geldpolitische Transmission, die über den Interban- kenmarkt wirkt. Verschiedene Strukturen des Interbankenmarktes haben länderspezifisch ver- schiedene Auswirkungen auf die Geldpolitik.Ehrmann und Wormshaben sich in verschiede- nen Arbeiten mit Netzwerkstrukturen und deren Einfluss auf die Geldpolitische Transmission auseinandergesetzt. Deutschland mit einem hohen Organisationsgerad dient hierbei als gutes Anschauungsbeispiel.

Die Arbeit endet mit einem Fazit und einem Ausblick auf weiter zu untersuchende Themen- gebiete.

2. “Lending Relationships” - Kreditbeziehungen im Interbankenmarkt

In der Vergangenheit wurden „Lending Relationships“ in der Forschung eher in Hinblick auf die Hausbankbeziehungen von Banken zu Unternehmen untersucht. Erst in der jüngeren Ver- gangenheit wurden wiederholte Kreditbeziehungen zwischen Banken von der Literatur näher erforscht.

Beziehungen zwischen Unternehmen und Banken und solchen zwischen Banken untereinan- der lassen Parallelen hinsichtlich einer Definition und der Wirkungsweise erkennen. Das so- genannte Hausbankprinzip ist dabei besonders im klein- und mittelständischen Unterneh- menssektor ausgeprägt. Es sorgt in erster Linie für ein Abnehmen von Informationsasymmet- rien zwischen Banken und Firmen.

Wiederholte Geschäftsbeziehungen ermöglichen kreditgebenden Banken durch eine entste- hende Vertrauensbeziehung weitere Informationen von einem Unternehmen zu erhalten, um die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten durch das sogenannte „monitoring“ zu vermin- dern. Unter „monitoring“ versteht man die systematische Beobachtung und die durch Lang- fristigkeit verbesserte, detailliertere Informationsbeschaffung. Resultierend hieraus ergeben sich die größten Vorteile in einer Geschäftsbeziehung zwischen Banken und Unternehmen. Diese sind wie soeben dargestellt die Versicherungsfunktion gegen Ausfall von Krediten, geringere Zinsen für Kredite oder eine schnellere und bessere Betreuung durch das Insider- wissen des Kreditgebers. Diese Zusammenhänge sind auch auf den Interbankenmarkt anzu- wenden.

Der Interbankenmarkt erlaubt Kreditinstituten Liquidität von anderen Banken zu erhalten. Gerade in Deutschland nimmt der Finanzsektor und somit der Interbankenmarkt eine wichtige Rolle ein. Hier finden wiederholte Geschäftsbeziehungen unter denselben Banken statt, nicht eingeschlossen sind im jedoch Geschäftsbeziehungen von Banken mit der jeweiligen Zentral- bank.

Existieren wiederholte Geschäftsbeziehungen zwischen Marktteilnehmern, so divergieren hieraus resultierend die Konditionen der Kreditgeschäfte zu denen, die mit einem fremden bzw. unbekannten Kreditinstitut zustande kommen. Das Modell vonHo und Saunders (1985) erklärt das Streben nach wiederholten Geschäftsbeziehungen zwischen Kreditinstituten durch Reserven, die eine Bank halten muss. Die Reservequote ist von der Zentralbank festgelegt und somit unterhalten Banken untereinander Geschäftsbeziehungen um durch normale Schwankungen im Portfolio in einem typischen „overnight-market“ die benötigten Reserven bei anderen Banken zu erhalten.Allen und Gale (2000)erweitern dieses Modell um den Ver- sicherungsgedanken. Banken unterhalten in diesem Modell wiederholte Beziehungen mit Kreditinstituten in anderen geografischen Regionen, um sich gegen regionale Liquiditäts- schocks oder eine einzelne Bankeninsolvenz durch Diversifikation zu versichern.Freixas und Holthausen (2005)unterstützen dies damit, dass auch im Interbankenmarkt durch „monito- ring“ Informationsasymmetrien überwunden werden können.

Cocco et al. (2009)verbinden die oben getroffenen Annahmen und untersuchen den Zusam- menhang zwischen dem Zinssatz von Interbankenkrediten und der Beziehungsvariable, die beschreibt, wie häufig Banken im Interbankenmarkt miteinander interagieren. Datengrundlage hierfür ist der portugiesische Interbankenmarkt, welcher durch typische Charakteristika ge- kennzeichnet ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Kreditnehmer einen geringeren Zinssatz bei den Kreditgebern zahlen, mit denen sie schon in der Vergangenheit Geschäftsbeziehungen hatten. Um dieses zu belegen, benutzen die Autoren den „borrower preference index“ und „lender preference index“, welche die Neigung von Kreditnehmern und Kreditgebern darstellen, wie- derholt mit einem Kreditinstitut ein Geschäft abzuschließen. Ergebnisse einer „seemingly unrelated regression“ zeigen, dass Kreditnehmer mit einer geringeren Gesamtkapitalrentabili- tät („return on assets“) und einem höheren Anteil an notleidenden Krediten („non-performing loans“) sich eher auf „Lending Relationships“ verlassen, als Banken mit gegensätzlichen Vo- raussetzungen. Eine niedrige Gesamtkapitalrentabilität in Zusammenhang mit einer höheren Kreditausfallwahrscheinlichkeit sind nach der Definition der Autoren Charakteristika für eine „kleine“ Bank, die sich bei der Liquiditätsversorgung eher auf relativ größere Banken verlas- sen. Eine Parallele zu dem Hausbankenprinzip, bei dem gerade kleine Geschäfte eine enge Beziehung zu einer einzelnen Bank suchen um bessere Betreuung, besseren Informationsaus- tausch und bessere Konditionen zu erhalten. In der Betrachtung des Interbankenmarktes zeigt sich, dass enge Beziehungen zwischen Banken das Kreditausfallrisiko mindern können und somit als Versicherungsmotiv angesehen werden.

Die Preisbildung der Interbankenkredite, welche direkt zwischen den Kreditinstituten zustan- de kommt, bedarf einer weiteren Untersuchung hinsichtlich der Vorteile einer wiederholten Geschäftsbeziehung. Als konsistente Ergebnisse zuFurfine (2003)führenCocco et al. (2009) auf, dass Kreditinstitute mit höherer Rentabilität Geld zu höheren Zinsen verleihen, da sie höhere Opportunitätskosten haben, sollten sie das Geld anlegen. Als Konsequenz hieraus ver- leihen Kreditinstitute mit geringeren Kreditausfallquoten und höherer Kapitalrentabilität we- niger Geld an andere Banken als sie leihen. Im Gegensatz dazu zahlen Kreditnehmer mit hö- herer Kreditausfallquote durch eine Risikoprämie einen höheren Zinssatz und sind Nettokapi- talgeber, da sie das Geld selbst nicht so profitabel anlegen können wie Banken mit relativ höherer Rentabilität. Dieser Zusammenhang wird durch die Ergebnisse vonHo und Saunders (1985), die den amerikanischen Finanzmarkt mit einem Mikroökonomischen Modell unter- sucht haben, unterstützt.

Die notwendige Größenunterscheidung von Banken führt zu einem weiteren Forschungsfeld, welchesCocco et al. (2009)behandelt haben. Ihre Ergebnisse gründen sich auf Daten aus dem „Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer system“ (TARGET)- Daten. Die Resultate zeigen, dass die sogenannten kleinen Banken keinen direk- ten Zugang zum internationalen Interbankenmarkt haben. Sie können sich lediglich auf dem heimischen Markt refinanzieren.Freixas und Holthausen (2005)führen als eine mögliche Erklärung hierfür unter anderem das weniger effiziente „monitoring“ zwischen verschiedenen Ländern an. Dieses ist nur großen, international agierenden Kreditinstituten möglich. Im Hinblick auf die regionalen beziehungsweise länderspezifischen Unterschiede im Organisationsgrad wird im Folgenden die Gefahr untersucht, die eine enge Beziehungsstruktur in Interbankenmärkten durch Schocks hervorrufen kann.

3. “Contagion” - Ansteckungseffekte auf Interbankenmärkten

Enge und wiederholte Geschäftsbeziehungen zwischen Kreditinstituten haben nicht nur Vor- teile, sondern bieten auch die Gefahr von Ansteckungseffekten, die bei einem auslösenden Ereignis wie ein Domino-Effekt andere Marktteilnehmer beeinflussen kann. Ansteckungseffekte sind ebenso wie „Lending Relationships“ ein junges Untersuchungsob- jekt der Finanzwissenschaften. Grund hierfür ist, dass erst Mitte der neunziger Jahre des letz- ten Jahrhunderts lokale Krisen, gerade in Entwicklungsländern, Auswirkungen auf Industrie- länder hatten, die als stabil galten. Die Weltbank bezeichnet „contagion“ als eine länderüber- greifende Übertragung exogener Schocks, vergleichbar mit einem Spillover-Effekt. Moser (2003)

„Contagion“ muss dabei nicht zwingend mit einer Krise verbunden sein, sondern kann auch aus einer einzelnen Bankeninsolvenz resultieren, deren Auswirkungen wie ein Dominoeffekt auf andere Kreditinstitute überspringen. Politische Entscheidungen in Industrieländern, die Auswirkungen auf makroökonomische Fundamentalfaktoren haben und somit ähnliche Effekte in Entwicklungsländern auslösen können sowie Erwartungsänderungen von Marktteilnehmern stellen einen weiteren Grund für Ansteckungsgefahren dar.

In dieser Arbeit werden hauptsächlich nur direkte Ansteckungsgefahren behandelt, die durch enge, wiederholte Verbindungen zwischen Kreditinstituten aus verschiedenen Regionen bestehen. Hierfür wird in der Folge ein Schwerpunkt auf verschiedene Organisationsstrukturen zwischen den auf theoretischer Ebene betrachteten Märkten gelegt.

Georg (2011)zeigt durch ein dynamisches Modell eines Bankensystems die grundlegende Funktionsweise der Liquiditätsversorgung. In Nichtkrisenzeiten wird von Banken mit Liquiditätsüberschuss Geld auf Interbankenmärkten zur Verfügung gestellt. So wird es anderen Marktteilnehmern in anderen Regionen ermöglicht, Kapital bei anderen Kreditinstituten aufzunehmen. Sollte sich jedoch eine Krise abzeichnen, so können auftretende Schocks durch eben dieses enge Netzwerk verstärkt werden.

Netzwerkstrukturen mit wenigen, dafür stark vernetzten oder vielen, aber wenig vernetzten Banken sind nach Auswertung des Modells stabiler als die vom Autor getroffene theoretische Vergleichsannahme, die von einem Interbankenmarkt ausgeht, in dem im Mittel alle Banken die gleiche Anzahl an Geschäftsbeziehungen haben.

Lelyveld und Liedorp (2006)begrenzen ihre Forschungen mit einer Interbank-Lending-Matrix auf die Ansteckungsgefahr im niederländischen Bankensektor. An dieser Stelle wird eine explizite Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Ansteckungseffekten vorgenommen. Die direkten gründen sich, wie bei der Abgrenzung vonGeorg (2011), auf finanzielle Verflechtungen zwischen Banken. Indirekte Ansteckungseffekte hingegen gründen sich auf Erwartungen, die an den Bankensektor gerichtet werden. Betrachtet werden zwar nur direkte Ansteckungseffekte, jedoch wird explizit darauf hingewiesen, dass direkte auch indirekte Effekte verstärken bzw. beeinflussen können.

Bevor das Augenmerk auf die Ergebnisse der Modelle gelegt werden kann, werden die angenommenen Strukturen des Interbankenmarktes dargestellt. Dies ist eine wichtige Determinante, die es ermöglicht, Effekte eines einzelnen Teilnehmers am Interbankenmarkt auf die übrigen Teilnehmer darzustellen.Allen und Gale (2000)legen den Schwerpunkt besonders auf den grundlegenden Erklärungsversuch der Struktur. Die Autoren unterscheiden dabei drei Marktstrukturen im Interbankenmarkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung Nr. 1 - Eigene Darstellung in Anlehnung an Allen und Gale (2000)

Abbildung Nr. 1 zeigt ein Modell, in dem alle Banken symmetrisch miteinander Geschäftsbeziehungen unterhalten. Sollte in diesem Modell eine einzelne Bank Insolvenz anmelden, so werden nicht wie bei einem Domino-Effekt alle Banken nacheinander betroffen, sondern alle Kreditinstitute gleichzeitig Abschreibungen vornehmen müssen.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Lending Relationships in the Interbank Market, Contagion and Monetary Policy Transmission
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Lehrstuhl für Geld, Währung und Internationale Finanzmärkte)
Veranstaltung
Geld und Kredit
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V201747
ISBN (eBook)
9783656282082
ISBN (Buch)
9783656282457
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lending relationship, interbank market, contagion, monetary policy transmission
Arbeit zitieren
Moritz Mahler (Autor), 2012, Lending Relationships in the Interbank Market, Contagion and Monetary Policy Transmission, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201747

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