Versteht man Nachhaltigkeit in ihrem vollem Umfang als Dreiklang aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Fragen, ist einer ihrer Bestandteile der Begriff Lebensqualität. Es klingt logisch und vernünftig gute Lebensbedingungen für alle Individuen einer Gesellschaft zur Maxime menschlichen Handels zu erheben. Dazu ist es jedoch notwendig diesen abstrakten Wert mess- und vergleichbar zu machen. Müssen Politiker oder Wirtschaftsexperten heute eine Aussage über den Zustand einer Nation machen, verweisen sie regelmäßig auf das Bruttoinlandsprodukt. Doch inwieweit gibt diese Messzahl tatsächlich Auskunft über den materiellen Wohlstand, das Bildungsniveau, den sozialen Status, Gesundheit und Umwelt, kurz die Bedürfnisse einer Gesellschaft, die erfüllt werden müssen, um die empfundene Lebensqualität zu maximieren? Gibt es alternative Möglichkeiten der Darstellung der Lebensqualität?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Essenz der Maslowschen Bedürfnispyramide
3 Vergleich von Versuchen der Wohlstandsmessung
3.1 Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
3.2 Das Bruttonationalglück im unabhängigen Königreich Bhutan
3.3 Die Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Maslowsche Bedürfnispyramide als theoretischer Rahmen zur Neudefinition von Nachhaltigkeit dienen kann, indem sie klassische Wohlstandsindikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt kritisch hinterfragt.
- Grundlagen der Maslowschen Bedürfnis- und Motivationstheorie.
- Kritische Analyse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als Wohlstandsmaßstab.
- Untersuchung des Bruttonationalglücks in Bhutan als alternatives Modell.
- Darstellung der Empfehlungen der Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission.
- Verbindung von individueller Bedürfnisbefriedigung und gesellschaftlicher Lebensqualität.
Auszug aus dem Buch
Die Essenz der Maslowschen Bedürfnispyramide
Abraham Harold Maslow gilt als Vordenker und Mitbegründer der humanistischen Psychologie. Diese steht als dritte Kraft zwischen der krankheitsorientierten Psychoanalyse und der behavioristischen Verhaltenstheorie. Maslow stellt sich dabei gegen eine Psychologie, die sich durch die negativen Eigenschaften des Menschen begrenzen lässt, sondern erforscht in der Tradition Kurt Goldsteins die guten Merkmale des Menschen mit dem Ziel der individuellen Selbstverwirklichung, wie folgendes Zitat zeigt:
„Man wird das menschliche Leben nie verstehen können, ohne seine höchsten Ambitionen in Rechnung zu stellen. Wachstum, Selbstverwirklichung, das Streben nach Gesundheit, nach Identität und Autonomie, das Verlangen nach Vortrefflichkeit [...] müssen jetzt ohne Frage eine verbreitete und vielleicht universelle menschliche Tendenz akzeptiert werden.“
Mit diesem gedanklichen Grundgerüst fasst Maslow in seinem Hauptwerk Motivation und Persönlichkeit, das 1954 in den USA erschienen ist, menschliche Grundbedürfnisse in Stufen zusammen. Diese Stufen lassen sich grafisch in einer Pyramide darstellen. Der Aufbau ist eindimensional hierarchisch angelegt und muss von unten nach oben gelesen werden. Das Fundament bilden die grundlegenden Bedürfnisse, wie Nahrung, Schlaf, Bewegung, die in jedem menschlichen Organismus aufkommen. Sind Bedürfnisse dieser ersten Ebene relativ befriedigt, werden sofort neue, höhere Wünsche geweckt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Messung von Lebensqualität und Nachhaltigkeit ein und stellt die Relevanz der Maslowschen Theorie für dieses Themenfeld dar.
2 Die Essenz der Maslowschen Bedürfnispyramide: Dieses Kapitel erläutert die humanistische Psychologie Maslows und die hierarchische Struktur seiner Bedürfnispyramide.
3 Vergleich von Versuchen der Wohlstandsmessung: Hier werden verschiedene Methoden zur Bestimmung von Wohlstand und Lebensqualität kritisch gegenübergestellt und analysiert.
3.1 Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Dieses Kapitel analysiert das Bruttoinlandsprodukt und das Bruttonationaleinkommen hinsichtlich ihrer Aussagekraft über soziale und ökologische Faktoren.
3.2 Das Bruttonationalglück im unabhängigen Königreich Bhutan: Hier wird der alternative Ansatz Bhutans beleuchtet, der das Glück der Bevölkerung statt des wirtschaftlichen Wachstums ins Zentrum rückt.
3.3 Die Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission: Dieses Kapitel untersucht die Empfehlungen der Expertenkommission zur Erweiterung von Wohlstandsmaßen jenseits rein ökonomischer Kennzahlen.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen einer Neuausrichtung gesellschaftlicher Wertesysteme.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Maslowsche Bedürfnispyramide, Lebensqualität, Bruttoinlandsprodukt, Bruttonationalglück, Wohlstandsmessung, Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission, Selbstverwirklichung, Grundbedürfnisse, Bhutan, menschliche Entwicklung, Soziale Marktwirtschaft, ökonomische Indikatoren, humanistische Psychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie moderne Auffassungen von Nachhaltigkeit durch psychologische Modelle, insbesondere die Maslowsche Bedürfnispyramide, bereichert werden können, um Lebensqualität ganzheitlicher zu erfassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritik an quantitativen Wirtschaftsdaten, die Theorie menschlicher Bedürfnisse und alternative gesellschaftliche Wohlfahrtskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, wie viel Maslows theoretisches Modell zur menschlichen Bedürfnisbefriedigung in der heutigen, oft rein ökonomisch geprägten Nachhaltigkeitsdiskussion steckt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Theorieanalyse, um bestehende ökonomische Messverfahren mit psychologischen Modellen in Beziehung zu setzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, das Modell des Bruttonationalglücks in Bhutan sowie die Ansätze der Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Nachhaltigkeit, Lebensqualität, Bruttoinlandsprodukt, Bruttonationalglück und Selbstverwirklichung sind die Kernbegriffe der Analyse.
Inwiefern unterscheidet sich das Modell Bhutans von westlichen Indikatoren?
Bhutan stellt das Glück und die langfristige menschliche Entwicklung explizit über das reine Wirtschaftswachstum, indem es soziale und ökologische Ziele in seiner Verfassung verankert.
Warum wird die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung in der Arbeit kritisiert?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass soziale und ökologische Faktoren bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts ausgeklammert werden, wodurch das BIP keinen direkten Aufschluss über die tatsächliche Lebensqualität gibt.
Welche Bedeutung hat die Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission für die Arbeit?
Die Kommission verdeutlicht den wissenschaftlichen und politischen Konsens darüber, dass herkömmliche Statistiken nicht ausreichen und neue, ganzheitlichere Indikatoren für Wohlstand erforderlich sind.
- Citar trabajo
- Martin Hochrein (Autor), 2012, Wie viel Maslow steckt in unserer heutigen Auffassung von Nachhaltigkeit?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201776