Die Theologie der Ökumene hat als wissenschaftliche Teildisziplin der Theologie das Miteinander der verschiedenen christlichen Konfessionen und ihrer Mitglieder auf ihre Einheit hin zum Gegenstand. Dieses Miteinander wird in unseren Zeiten des schwindenden Konfessionsbewusstseins der christlich Getauften in sich weiter säkularisierenden, pluralistisch-integrierenden gesellschaftlichen Umfeldern immer bedeutender. So besuchen z.B. Schweizer Katholiken in der Diaspora immer mehr evangelisch-reformierte Sonntagsgottesdienste, wenn infolge Priestermangels in ihrer (Pfarr-)Kirche sonntags keine Messe gelesen wird, in der Überzeugung gemeinsamen Christseins. Die individuell-konkret gelebte Ökumene eilt der institutionellen dabei entsprechend weitgehend theologisch unreflektiert voraus. Diese Entwicklungen stellen die kirchlichen Amtsträger und die akademische Theologie immer wieder von Neuem vor die weitreichend-tiefgehende Herausforderung, sich um die Einheit der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sowie die Einheit der Christen noch intensiver zu bemühen.
Die vorliegende Annäherung an die Theologie der Ökumene im Rahmen einer theologischen Proseminararbeit referiert zunächst in zusammenfassender Form den Aufsatz der evangelisch-lutherischen Theologin Ulrike Link-Wieczorek „Die Wahrheit in zerbrechlichen Gefässen: Theologie als ökumenische Theologie“. Das darin angesprochene Thema einer Kircheneinheit als Ökumeneziel wird daraufhin wegen seiner elementaren Bedeutung für alle Ökumene infolge Jesu Christi Geheiss zur Einheit aller (vgl. Joh 17,21) näher diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegendes zur ökumenischen Theologie gemäss Ulrike Link-Wieczorek
3. Vielfältig-vielgestaltiges Ökumeneziel Kircheneinheit
3.1 Die Herausforderung unterschiedlicher Einheitsverständnisse und -begriffe
3.2 Streitpunkt Petrusdienst
3.3 Eucharistiegemeinschaft als grosses sichtbares Zeichen?
4. Zusammenfassender Schluss und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich mit der ökumenischen Theologie auseinander, wobei der Fokus auf dem Ziel der Kircheneinheit liegt. Ziel ist es, durch die Referierung theologischer Positionen die Schwierigkeiten bei der Erreichung dieser Einheit aufzuzeigen und einen möglichen Weg für ein gemeinsames, sichtbares Zeichen der Einheit zu diskutieren.
- Theologie als ökumenische Teildisziplin
- Differierende Einheitsverständnisse der Konfessionen
- Die Rolle des Petrusdienstes als Streitpunkt
- Eucharistiegemeinschaft als Ziel und Herausforderung
- Möglichkeiten eines gemeinsamen Rahmen-Grundlagendokuments
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Herausforderung unterschiedlicher Einheitsverständnisse und -begriffe
Ziel der ökumenischen Bewegung ist insbesondere die ‚Einheit der Kirche(n)‘. Die nähere Form, inhaltliche Ausgestaltung und Weise der Erreichbarkeit dieses Ziels unterliegt freilich verschiedenen Ansichten. Meyer z.B. vertritt die Meinung, alles ökumenische ‚Tun‘ stehe unter dem Indikativ der (immer) schon gegebenen Einheit der Kirche, wobei diese als gegründet in dem einen Herrn und Haupt der Kirche oder als gegründet in der trinitarischen Einheit gesehen werden könne. Aufgabe und Ausrichtung der ökumenischen Bewegung sei es, die gegebene Einheit der Kirche in der konkreten, sichtbaren Wirklichkeit christlichen Lebens und Handelns sichtbare Gestalt annehmen zu lassen. So werde in den diesbezüglichen Dokumenten der ökumenischen Bewegung nie gesagt, dass die Einheit der Kirche, die wir als eine immer schon gegebene Einheit glaubten und bekennen würden, ihrem Wesen nach ‚unsichtbar‘ sei und ihr Sichtbarkeit erst noch verliehen werden müsse, oder dass durch die kirchlichen Trennungen die Einheit der Kirche völlig ‚unsichtbar gemacht‘ oder geworden sei. In einer durch die kirchlichen Trennungen verdeckten, verdunkelten, entstellten Sichtbarkeit der Einheit liege das ökumenische Problem und der Ausgangspunkt ökumenischen Bemühens. Schütte wiederum ist der Ansicht, die Kircheneinheit werde als Einheit der (bestehenden) Kirchen in einer Kirche, als eine Gemeinschaft von Schwesterkirchen, korporative Vereinigung in der Unterschiedenheit, in Vielfalt, Koinonia, Communio, als Einheit in versöhnter Verschiedenheit angestrebt. Ziel sei ein Miteinander in konziliarer Gemeinschaft mit einem Petrusamt im Dienst an der Einheit, eine volle Kirchengemeinschaft in Wort und Sakrament, Eucharistiegemeinschaft. Eine ‚Absorption‘ einer Kirche durch eine andere werde im ökumenischen Dialog abgelehnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der ökumenischen Theologie ein und stellt den Referenztext von Ulrike Link-Wieczorek sowie die zentrale Fragestellung der Kircheneinheit vor.
2. Grundlegendes zur ökumenischen Theologie gemäss Ulrike Link-Wieczorek: Dieses Kapitel erläutert die Ansätze von Link-Wieczorek zum christlichen Bekenntnis, zum Gottesbild und zur historischen Verankerung der Gottesrede.
3. Vielfältig-vielgestaltiges Ökumeneziel Kircheneinheit: Hier werden verschiedene konfessionelle Ansätze zum Verständnis der Kircheneinheit und deren Herausforderungen dargestellt.
3.1 Die Herausforderung unterschiedlicher Einheitsverständnisse und -begriffe: Dieses Unterkapitel thematisiert die unterschiedlichen, konfessionsgeprägten Ansichten zur Sichtbarkeit und Form der angestrebten Kircheneinheit.
3.2 Streitpunkt Petrusdienst: Das Kapitel analysiert die Problematik der päpstlichen Autorität als zentrales Hindernis für die ökumenische Einigung zwischen verschiedenen Kirchen.
3.3 Eucharistiegemeinschaft als grosses sichtbares Zeichen?: Hier wird erörtert, wie trotz bestehender Differenzen eine Eucharistiegemeinschaft erreicht werden könnte und welche Voraussetzungen dafür spirituell und strukturell notwendig sind.
4. Zusammenfassender Schluss und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Schwierigkeiten der ökumenischen Einigung zusammen und schlägt eine gemeinsame Grundverfassung als realistischen Schritt zur sichtbaren Einheit vor.
Schlüsselwörter
Ökumenische Theologie, Kircheneinheit, Konfessionen, Ulrike Link-Wieczorek, Petrusdienst, Eucharistiegemeinschaft, Dialog-Ökumene, Konsens-Ökumene, Kirchenstruktur, Christentum, Sakramente, Konziliare Gemeinschaft, Glaubenslehre, Einheitsverständnis, Ökumenischer Rat der Kirchen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Teildisziplin der ökumenischen Theologie und untersucht speziell das Ziel der Kircheneinheit unter Berücksichtigung verschiedener konfessioneller Standpunkte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die unterschiedlichen Einheitsverständnisse der Kirchen, die Rolle des Petrusamtes als Konfliktpunkt sowie die Möglichkeiten und Bedingungen einer gemeinsamen Eucharistiegemeinschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die konfessionell unterschiedlichen Ansätze zur Kircheneinheit zu beleuchten, die Hindernisse auf dem Weg zu dieser Einheit zu analysieren und Wege für ein sichtbares Zeichen der Einheit, etwa durch eine gemeinsame Grundverfassung, zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Proseminararbeit, die primär auf der referierenden und zusammenfassenden Analyse theologischer Fachliteratur, insbesondere des Aufsatzes von Ulrike Link-Wieczorek sowie weiterer theologischer Beiträge, basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen zur ökumenischen Theologie, stellt die vielfältigen Einheitsvorstellungen der verschiedenen Konfessionen dar, analysiert den Streitpunkt des Petrusdienstes und diskutiert die Eucharistiegemeinschaft als mögliches sichtbares Zeichen der Einheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Ökumenische Theologie, Kircheneinheit, Petrusdienst, Eucharistiegemeinschaft, Konfessionen, Dialog-Ökumene und Einheitsverständnis.
Welche Rolle spielt die "Dialog-Ökumene" laut der Autorin?
Die Dialog-Ökumene dient der Reflexion konfessioneller Unterschiede und hat dazu beigetragen, jahrelanges zwischenkirchliches Schweigen zu beenden; sie steht jedoch vor der Herausforderung, nicht an den tatsächlichen Glaubensnöten der Menschen vorbeizuarbeiten.
Was schlägt die Autorin als realistischen Schritt zur Einheit vor?
Die Autorin schlägt vor, auf der Basis bereits erzielter (differenzierter) Grundkonsense eine gemeinsame Grundverfassung auszuhandeln, die als einendes Rahmen-Grundlagendokument fungieren könnte.
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- Andrea G. Röllin (Autor), 2012, Ökumenische Theologie, insbesondere ihr Ziel der Kircheneinheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201778