Ich möchte in der folgenden Hausarbeit das Phänomen des Rechtspopulismus aufgreifen und herausfinden, was rechtspopulistische Parteien charakterisiert, was sie von rechtsextremistischen Parteien unterscheidet und vor allem, wie sie es schaffen potentielle Wähler zu mobilisieren. Neben einem internationalen Überblick ist vor allem ein Blick auf Deutschland nicht uninteressant, da es rechtspopulistische Parteien hier mit erschwerten Bedingungen zu tun haben. Diese möchte ich versuchen zu analysieren und im Zuge dessen erörtern, ob rechtspopulistische Parteien langfristig erfolgreich sein können.
Stabile Demokratien, kontinuierliches Wirtschaftswachstum, zunehmender Wohlstand und die Einrichtung sozialstaatlicher Leistungen – was sich anhört wie der Wunschzettel eines Staates der Dritten Welt ist die herausragende Bilanz, vor allem der westeuropäischen Staaten, in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Das politische Tagesgeschäft wurde bis in die 1960er hinein beherrscht von den Großparteien – an linke oder rechte Extremismen war nicht zu denken, an etablierte Bewegungen am Rande des Parteienspektrums erst recht nicht.
Einschneidende Änderungen des politischen Klimas erfolgten in den 1970er Jahren; während die etablierten „Volksparteien“ an elektoraler Unterstützung einbüßen mussten, formierten sich im Gegenzug neue Bewegungen und Parteien. Anfangs vollzog sich dieser Wandel auf der linken Seite des politischen Spektrums, was sich vor allem in der Gründung sozialer und ökologischer Parteien niederschlug.
Die Gründung rechter Parteien, teils populistisch und teils extremistisch setzte mit einer Dekade Verspätung ein. Vor allem in westeuropäischen Staaten kam es zu Gründungen rechtspopulistischer Parteien, die weitaus bessere Erfolge verbuchen können als ihre linken Vorgänger. Angefangen mit Italien, Frankreich, Österreich, über die Schweiz, Dänemark, Norwegen und Belgien, bis hin zur Bundesrepublik Deutschland hat sich die Neue Rechte einen Namen machen können. Mal von weniger und mal von mehr Erfolg gekrönt, scheinen sich die Rechtspopulisten jedoch einen kontinuierlichen Weg ins Zentrum des politischen Geschehens zu „erarbeiten“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Status Quo: Rechtspopulismus in Europa und Deutschland
3. Einführung in Begrifflichkeiten
3.1 Gesellschaftliche Entstehungsgründe
3.2 Umgang mit den Begriffen „Rechtspopulismus“ & „Rechtsextremismus“
3.3 Ideologische Inhalte und Organisationsstrukturen
4. Rechtspopulismus am Beispiel Deutschlands
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht das Phänomen des Rechtspopulismus, analysiert dessen charakteristische Merkmale sowie die Abgrenzung zum Rechtsextremismus und erforscht die spezifischen Bedingungen, die rechtspopulistische Parteien in Deutschland prägen.
- Charakteristika und Organisationsstrukturen rechtspopulistischer Parteien
- Konstitutive Elemente des Rechtspopulismus nach Geden
- Differenzierung zwischen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus
- Analyse der Mobilisierungsschwäche rechtspopulistischer Kräfte in Deutschland
- Vergleich der Erfolgschancen im europäischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.3 Ideologische Inhalte und Organisationsstrukturen
Unabhängig von Ort, Landessprache oder der jeweiligen programmatischen Ausrichtung, bezeichnen sich Rechtspopulisten gern als das „Sprachrohr der Gesellschaft“ (Geden 2007: 6). Die Gesellschaft sei per Definition immer die „schweigende Mehrheit“, die vom politischen Establishment, Eliten aus der Wirtschaft und Fremden, also den „Anderen“ unterdrückt werde. Profiliert wird diese Frontstellung, indem sie fremden- und minderheitenfeindliche Ressentiments entfacht und nationalistische Positionen einnimmt. Geden spricht in seinem Beitrag von vier konstitutiven Elementen des Rechtspopulismus. Da wäre an erster Stelle der „antielitäre Rekurs auf das Volk als politische Kategorie“ – im Vordergrund dieses Elementes steht der permanente Bezug auf das Volk als ein Leitmotiv rechtspopulistischer Politik. Diese sieht sich als einzig legitimer Vertreter der schweigenden Mehrheit, die den politischen und kulturellen Eliten gegenüber steht. Der rechtspopulistische „Volks-Begriff“ meint jedoch nie die Gesamtheit der Staatsbürger, auch wenn aus der „Abstammungsgesellschaft des Volkes“ eine gemeinsame Interessenlage abgeleitet wird. Soziale Gruppen, dessen artikulierte Interessen sich nicht mit denen der rechtspopulistischen Vertretung decken, werden diese zu „Anderen“ gemacht. Im identitätspolitischen Kern steht vor allem die rückwärts gewandte Idealisierung früherer Zeiten und die Rückbesinnung genuiner Interessen und Moralvorstellungen. (Geden 2007: 9)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel des Parteienspektrums in Europa seit den 1970er Jahren und führt in die Fragestellung zur Mobilisierungskraft und Erfolgschance rechtspopulistischer Parteien ein.
2. Status Quo: Rechtspopulismus in Europa und Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Erfolg rechtspopulistischer Parteien in verschiedenen europäischen Ländern im Vergleich zur eher bescheidenen Bilanz solcher Bewegungen in Deutschland.
3. Einführung in Begrifflichkeiten: Hier werden theoretische Grundlagen geschaffen, um den Rechtspopulismus wissenschaftlich greifbar zu machen und von anderen politischen Strömungen abzugrenzen.
3.1 Gesellschaftliche Entstehungsgründe: Dieses Kapitel untersucht, wie Modernisierungsprozesse und das subjektive Empfinden von Benachteiligung als Nährboden für rechtspopulistische Bewegungen dienen.
3.2 Umgang mit den Begriffen „Rechtspopulismus“ & „Rechtsextremismus“: Der Abschnitt diskutiert die notwendige Differenzierung und die analytischen Schnittmengen zwischen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in der deutschsprachigen Debatte.
3.3 Ideologische Inhalte und Organisationsstrukturen: Dieses Kapitel analysiert die vier konstitutiven Elemente des Rechtspopulismus, insbesondere den antielitären Rekurs auf das Volk und die Bedeutung autoritärer Führungsstrukturen.
4. Rechtspopulismus am Beispiel Deutschlands: Abschließend wird analysiert, warum Rechtspopulismus in Deutschland auf ein „exclusionary oligopoly“ trifft und welche institutionellen sowie historisch-soziologischen Barrieren dessen Erfolg hemmen.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, politische Mobilisierung, Parteiensystem, Deutschland, Europa, Volk, politische Eliten, Modernisierung, Demokratie, Identitätspolitik, Wahlverhalten, Repräsentationskrise, Ressentiments, Politische Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Aufstieg des Rechtspopulismus in Europa und der Frage, warum vergleichbare Parteien in Deutschland bisher weniger erfolgreich sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Rechtspopulismus, der Abgrenzung zum Rechtsextremismus, der ideologischen Basis dieser Parteien und den spezifischen Bedingungen im deutschen Parteiensystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Charakteristika rechtspopulistischer Parteien zu identifizieren, ihre Mobilisierungsstrategien zu verstehen und zu erörtern, ob sie langfristig in Deutschland erfolgreich sein können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur (u.a. von Frank Decker, Oliver Geden und Uwe Backes) sowie dem Vergleich europäischer und deutscher Parteienentwicklungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des Rechtspopulismus in Europa, eine begriffliche und theoretische Grundlegung sowie eine spezifische Analyse der deutschen Parteienlandschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rechtspopulismus, politische Mobilisierung, Parteiensystem, Demokratie, Identitätspolitik und das Verhältnis von Volk und Elite definieren.
Warum tut sich der Rechtspopulismus in Deutschland laut der Arbeit so schwer?
Die Arbeit verweist auf ein „exclusionary oligopoly“ und die historisch vorbelastete Situation, in der deutsche Wähler eine rechte Wahl aufgrund von Berührungsängsten und Faschismusvorwürfen kategorisch ablehnen.
Welche Rolle spielt die „Führerfigur“ bei rechtspopulistischen Parteien?
Da diese Parteien allgemeine bürokratische Institutionen ablehnen, bilden sich oft autoritäre Strukturen um eine zentrale Person, von deren Machtbasis die Stabilität der gesamten Bewegung abhängt.
- Citation du texte
- Max Boenke (Auteur), 2008, Die Neue Rechte auf dem Vormarsch? Eine Untersuchung zum Rechtspopulismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201936