Während der letzten Jahre ließ sich eine zunehmende Wertschätzung für ökologische und soziale Gesichtspunkte von Seiten der Unternehmen beobachten. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielseitig.
Zum einen riefen die Globalisierung und der industrielle Wandel sowohl bei Shareholdern als auch bei Stakeholdern neue Erwartungen hervor und fortan sollten Unternehmen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Weltweit agierende Unternehmen sind in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Gesetzten tätig und befinden sich nicht länger in einem durch Regierungen einfach zu kontrollierenden Wettbewerb. Dies führt zu einer Zunahme an Einfluss und Verantwortung der Unternehmensführungen. Als Beispiel lassen sich die geringeren Auflagen für Arbeitsbedingungen in weniger entwickelten Ländern aufführen. So hat der Computerhersteller Apple mit den Vorwürfen zu kämpfen, seine Produkte unter menschenunwürdigen Bedingungen bei dem taiwanesischen Elektronikhersteller Foxconn fertigen zu lassen, und musste wegen des drohenden Imageschadens auf die Kritik reagieren.
Sowohl private, aber besonders institutionelle Investoren berücksichtigen zunehmend auch ökologische, soziale und ethische Gesichtspunkte in ihren Investitionsentscheidungen. Einer Studie des European Sustainable and Responsible Investment Forum (Eurosif) nach zu urteilen, hat sich das Volumen des nachhaltigen Anlagemarktes in Europa zwischen Ende 2007 und Ende 2009 von 2,7 Billionen Euro auf fünf Billionen Euro fast verdoppelt. Es ist festzuhalten, dass die Aufnahme in einen Nachhaltigkeitsfond oder index für 83 Prozent der DAX-Unternehmen von großer Bedeutung ist. Unternehmen, die ihr Handeln auf Nachhaltigkeit ausrichten, sehen in nachhaltigkeitsorientierten Investoren Shareholder, die eine nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens anerkennen. Die Unternehmen versprechen sich von der Umgestaltung ihres Nachhaltigkeitsmanagements in erster Linie ein gesteigertes Ansehen in der Öffentlichkeit und am Kapitalmarkt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in das Thema
1.1 Ausgangssituation und Relevanz des Themas
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Steuerung im Rahmen des Controlling
2.1 Verständnis von Controlling
2.2 Steuerung als Teil des Controllings
3 Nachhaltigkeit
3.1 Herkunft und Definition des Begriffs der Nachhaltigkeit
3.2 Begriffsabgrenzung zur Triple Bottom Line und zu Corporate Responsibility
3.3 Begriffsunterteilung in schwache und starke Nachhaltigkeit
4 Messung von Nachhaltigkeit – verschiedene Konzepte
4.1 Unterscheidungsmöglichkeiten von Messkonzepten
4.1.1 Unterscheidung in absolute und relative Konzepte
4.1.2 Unterscheidung in kostenorientierte und effizienzorientierte Konzepte
4.2 Kritische Würdigung verschiedener Alternativkonzepte zum SVA
4.2.1 ISO 14031 der International Organization for Standardization
4.2.2 Indikatorensystem der Global Reporting Initiative
4.2.3 Ökoeffizienz-Initiative der World Business Council for Sustainable Development
4.2.4 Konzept vom Center of Waste Reduction Technologies
5 Der neuartige Ansatz des Sustainable Value Added
5.1 Gründe für die Entwicklung des SVA und Herkunft der Idee
5.2 Darstellung des Konzepts
5.2.1 Der Environmental Value Added
5.2.2 Herleiten der Formel des SVA
5.2.3 Der relative SVA
5.2.4 Eigenschaften des SVA
5.2.5 Informationswert des SVA
5.2.6 Kritische Würdigung des SVA
5.2.7 Steuerungsmöglichkeiten anhand des SVA
6 Anwendung des SVA auf die deutsche Automobilbranche
6.1 Annahmen
6.1.1 Branche
6.1.2 Benchmark
6.1.3 Indikatoren
6.1.4 Zeitraum
6.2 Berechnung des SVA
6.3 Ergebnisauswertung
6.3.1 Ergebnisse mit der deutschen Automobilbranche als Benchmark
6.3.2 Ergebnisse mit der europäischen Automobilbranche als Benchmark
6.3.3 Vergleich der Ergebnisse der beiden Benchmarks
6.4 Kritische Würdigung der Untersuchung
7 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeiten zur Steuerung von Nachhaltigkeit in Unternehmen durch den von Figge und Hahn entwickelten Ansatz des Sustainable Value Added (SVA) kritisch darzustellen, zu untersuchen und anhand der deutschen Automobilbranche praktisch anzuwenden.
- Grundlagen des Controllings und dessen Rolle bei der Unternehmenssteuerung
- Definition und Konzepte der Nachhaltigkeit im unternehmerischen Kontext
- Vergleich verschiedener Methoden zur Messung von Nachhaltigkeitsbeiträgen
- Vertiefende theoretische Analyse und Herleitung des Sustainable Value Added (SVA)
- Praktische Untersuchung der SVA-Methodik bei führenden deutschen Automobilherstellern
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Der Environmental Value Added
Der von FIGGE entwickelte Environmental Value Added (EnVA) dient als Basis für den SVA. Ein Problem der Messung der Ökoeffizienz ist, dass das Ergebnis in künstlichen Einheiten wie beispielsweise in € pro Tonne CO2 ausgegeben wird, und eine Interpretation dieser nur schwer möglich ist. Der EnVA stellt einen neuen Ansatz zur Messung der Ökoeffizienz dar, bei dem das Ergebnis in einer monetären Einheit ausgewiesen wird. Dieses gibt dabei an, wie viel mehr bzw. weniger Wertschöpfung das Unternehmen im Vergleich zur Benchmark mit der gleichen Menge an Umweltbelastungen geschaffen hat, da die Ressourcen vom Unternehmen und nicht von der Benchmark eingesetzt wurden.
Für die Berechnung werden die nachstehend aufgeführten Abkürzungen verwendet:
EnVA = Environmental Value Added
i = {U,B}, wobei U = Unternehmen und B = Benchmark ist
ÖEi = Ökoeffizienz von i
SSi = Schadschöpfung von i
VS = Value Spread
WSi = Wertschöpfung von i
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in das Thema: Darstellung der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit aus Unternehmens- und Investorensicht sowie Formulierung der Zielsetzung der Arbeit.
2 Steuerung im Rahmen des Controlling: Erläuterung des Controlling-Verständnisses und der zentralen Rolle der Steuerung innerhalb kybernetischer Systeme.
3 Nachhaltigkeit: Definition des Nachhaltigkeitsbegriffs, Abgrenzung zu Konzepten wie Triple Bottom Line und Corporate Responsibility sowie Unterscheidung zwischen schwacher und starker Nachhaltigkeit.
4 Messung von Nachhaltigkeit – verschiedene Konzepte: Überblick und kritische Würdigung bestehender Nachhaltigkeitsmesskonzepte, darunter ISO 14031 und das Indikatorensystem der Global Reporting Initiative.
5 Der neuartige Ansatz des Sustainable Value Added: Detaillierte Darstellung des SVA-Konzepts, seiner Herleitung, Eigenschaften und der kritischen Diskussion in der Fachliteratur.
6 Anwendung des SVA auf die deutsche Automobilbranche: Praktische Durchführung einer Fallstudie zur Messung des SVA bei deutschen Automobilherstellern unter Nutzung verschiedener Benchmarks.
7 Zusammenfassung und Fazit: Kritische Reflexion der Eignung des SVA als Steuerungsinstrument sowie abschließende Beurteilung seiner Anwendbarkeit in der Praxis.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Controlling, Sustainable Value Added, SVA, Umweltmanagement, Ökoeffizienz, Wertschöpfung, Schadschöpfung, Automobilbranche, Unternehmenssteuerung, Nachhaltigkeitsmessung, Benchmark, Opportunitätskosten, Triple Bottom Line, Leistungsbewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept des Sustainable Value Added (SVA) als wertorientiertes Instrument zur Messung und Steuerung der Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit verknüpft Controlling-Methodiken mit Nachhaltigkeitskonzepten und bewertet, wie ökonomische und ökologische Leistung in Unternehmen gemeinsam gesteuert werden können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Eignung des SVA-Ansatzes zur Steuerung von Nachhaltigkeit darzulegen und die Leistungsfähigkeit dieses Indikators in der Praxis anhand der deutschen Automobilindustrie zu überprüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine literaturbasierte theoretische Analyse mit einer quantitativen, praktischen Untersuchung unter Anwendung der SVA-Berechnungsformeln auf reale Unternehmensdaten.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der methodischen Herleitung des SVA, der kritischen Auseinandersetzung mit alternativen Messkonzepten sowie der konkreten Anwendung auf BMW, Daimler und Volkswagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sustainable Value Added (SVA), Nachhaltigkeitsmessung, Ökoeffizienz, Controlling und Automobilbranche.
Warum spielt die Wahl der Benchmark beim SVA eine so wichtige Rolle?
Da der SVA auf der Opportunitätskostenperspektive basiert, bestimmt die Benchmark das Vergleichsniveau, an dem sich das Unternehmen messen lassen muss, um als nachhaltig zu gelten.
Wie unterscheidet sich der SVA von anderen Nachhaltigkeitsmesskonzepten?
Im Gegensatz zu vielen relativen Kennzahlen, die oft Probleme bei der Interpretation aufweisen, liefert der SVA einen monetären Wert, der eine direkte Mikro-Makro-Verknüpfung zwischen Unternehmensleistung und volkswirtschaftlicher Nachhaltigkeit ermöglicht.
- Citation du texte
- Elias Schmidt (Auteur), 2012, Steuerung von Nachhaltigkeit – Ausgestaltungsmöglichkeiten auf Basis des Sustainable Value Added (SVA), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202239