Wie erlernen wir das sprachliche System? Und wie funktioniert es schließlich? – Das sind Fragen, die trotz regen Forschens noch nahezu unbeantwortet sind. Die meisten Herangehensweisen sind auch eher philosophischer Natur und daher schwer verifizierbar oder falsifizierbar. Aus diesem Grunde liegt es nahe, sich über den neurokognitiven Weg an dieses Thema heranzutasten, um objektivierbare Kenntnisse um bestimmte Funktionsweisen zu erlangen. Unterstützt wird diese Vorgehensweise im Folgenden durch Arbeiten der (kognitiven) Entwicklungspsychologie. Da der Gegenstand der Linguistik im Zentrum steht, werden natürlich die Grundlagen aus dieser Disziplin als Basis verwendet. Nach der Betrachtung der Muttersprache soll der Bogen zu weiteren Sprachen gespannt werden, wobei differenziert wird, ob jene simultan oder konsekutiv erlernt werden. Diese Ausweitung der Thematik ist unverzichtbar, weil es heutzutage immer unwahrscheinlicher ist, im mentalen Lexikon nur eine Einzelsprache gespeichert vorzufinden. Daher werden diese Überlegungen auch für andere Wissenschaftsbereiche, wie z. B. die Fremdsprachendidaktik, immer relevanter, denn sobald man über die Wirkungsweise des Spracherwerbs genauer Bescheid weiß, lässt sich dieser evtl. auch nachvollziehen, beeinflussen und optimieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Spracherwerb: Die Muttersprache
1.1 Forschungshintergrund
1.2 Die Entwicklung des Sprechens und Lesens
1.3 (Neuro-)kognitive Befunde zur Lokalisation von Sprache im Gehirn
1.4 Organisation: Das mentale Lexikon
2 Bilingualismus – neurolinguistische Betrachtungen
2.1 Simultaner Früh-Bilingualismus
2.2 Konsekutiver Bilingualismus
3 Fazit und Ausblick
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Wo ist Sprache im Gehirn lokalisiert?
Neurokognitive Befunde zeigen, dass Sprache primär in bestimmten Arealen der linken Gehirnhälfte (wie dem Broca- und Wernicke-Areal) verarbeitet wird, wobei das gesamte Netzwerk komplexer ist.
Was ist das „mentale Lexikon“?
Es ist der psycholinguistische Speicher im Gehirn, in dem Wörter, ihre Bedeutungen, Aussprache und grammatikalische Eigenschaften organisiert und für den Zugriff bereitgehalten werden.
Was unterscheidet simultanen von konsekutivem Bilingualismus?
Simultaner Bilingualismus bedeutet das gleichzeitige Erlernen zweier Sprachen von Geburt an, während konsekutiver Bilingualismus das Erlernen einer zweiten Sprache nach der Muttersprache beschreibt.
Wie helfen neurolinguistische Erkenntnisse der Fremdsprachendidaktik?
Wenn man versteht, wie das Gehirn Sprachen speichert und verarbeitet, lassen sich Lehrmethoden optimieren, um den Spracherwerb natürlicher und effizienter zu gestalten.
Warum ist Forschung zum Zweitsprachenerwerb heute so relevant?
In einer globalisierten Welt ist Mehrsprachigkeit der Regelfall. Die Wissenschaft sucht nach Wegen, wie Menschen jeden Alters Sprachen am besten erlernen und mental organisieren können.
- Quote paper
- Sandra Ilg (Author), 2011, Neurokognitive und entwicklungspsychologische Überlegungen zum Thema Zweitsprachenerwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202346