Der Vorgang des Übersetzens, wird oftmals als das „zweitälteste Gewerbe der Welt“ bezeichnet, was nicht von Ungefähr kommt. Das Übersetzen hat schon immer eine große Rolle gespielt, die mit der Globalisierung heute noch ansteigt. Es ist die einzige Möglichkeit, die Kommunikation zwischen Menschen verschiedener Sprachräume und folglich auch den betreffenden Ländern zu ermöglichen, denn selbst mit modernster Technik kann diese Tätigkeit nicht von Computern oder Maschinen zufrieden stellend übernommen werden. Demzufolge ist eine wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema nötig, die sich darum bemüht, das Übersetzen zu optimieren. Denn beim Lesen von Literatur oder auch beim Schauen von Filmen ist es heute oft noch sehr auffällig, dass Übersetzungen nicht wirklich dasselbe wiedergeben, was ursprünglich in der Ausgangssprache gesagt bzw. im Unterton angedeutet war. Das heißt es muss in diesem Bereich noch viel ergründet, beschrieben und festgesetzt werden, damit die weltweite Kommunikation und auch die gemeinsame Forschungsarbeit besser gewährleistet ist.
Die moderne Übersetzungswissenschaft ist außerdem stark linguistisch ausgerichtet, d.h. sie geht vielen grundlegenden Fragen nach, wie z.B. der nach der Unübersetzbarkeit nach. Sie befasst sich also nicht nur mit speziellen textbezogenen oder themenbezogenen Fragestellungen, sondern mit generellen, zugrunde liegenden Problemen. Die Sprache als solches soll nun übersetzt werden.
Man fragt sich natürlich auch, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um ein guter Übersetzer sein zu können. Es treten heutzutage v.a. noch Übersetzungsprobleme auf, die weder mit Inhalt, noch mit der Form, noch mit dem Vokabular zusammenhängen. Häufig werden Übersetzungsvergleiche durchgeführt, um herauszufinden, woran diese liegen. Etliche Wissenschaften sind also aus der Entwicklung heraus entstanden, dass die Betrachtung und der Vergleich von Übersetzungen immer mehr ins Detail gehen und man daher nach weiterreichenden Methoden sucht, um diese beschreiben zu können. Darunter fallen z.B. die sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft und einer deren Teilbereiche, die stylistique comparée (dt.: Vergleichende Stilistik, span.: estilística comparada), die im Folgenden näher erläutert werden sollen. Diese bemühen sich die Übersetzungsvorgänge zwischen einem Sprachenpaar darzustellen und zu ergründen. Mit dem Forschungsbereich der stylistique comparée beschäftigt sich die Übersetzungswissenschaft seit 50 bis 60 Jahren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Das Übersetzen – die heutige Übersetzungswissenschaft
2. Die stylistique comparée als Teilbereich der sprachenpaarbezogenen Übersetzungswissenschaft
2.1. Voraussetzungen und Grundwissen für die stylistique comparée
2.1.1. Übersetzungswissenschaft und sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft
2.1.2. Übersetzungstheorie
2.1.3. Stilistik und Übersetzung
2.1.4. Das Übersetzen und die Übersetzungsprozeduren
2.2. Die stylistique comparée
2.2.1. Definition der stylistique comparée
2.2.2. Grundlagen und Erkenntnisse der stylistique comparée
2.3. Die Übersetzungsprozeduren
2.3.1. Die Übersetzungsprozeduren nach der stylistique comparée
2.3.2. Andere Klassifikationsversuche
3. zusammenfassende Bewertung der stylistique comparée – Ausblick
4. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die stylistique comparée als einen zentralen Teilbereich der sprachenpaarbezogenen Übersetzungswissenschaft, mit dem Ziel, ihre Bedeutung für die Übersetzungspraxis und -didaktik zu erörtern. Dabei wird analysiert, wie diese Methodik dazu beiträgt, Übersetzungsvorgänge greifbarer zu machen, indem sie spezifische Übersetzungsprozeduren systematisiert und den Umgang mit strukturellen sowie soziokulturellen Unterschieden zwischen Sprachenpaarungen beleuchtet.
- Grundlagen der Übersetzungswissenschaft und -theorie.
- Die Rolle der Stilistik und deren Einordnung in den Übersetzungsprozess.
- Systematische Darstellung und Definition der sieben Übersetzungsprozeduren nach der stylistique comparée.
- Kritische Reflexion und Bewertung der Methodik im Hinblick auf ihre Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen.
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Die Übersetzungsprozeduren nach der stylistique comparée
Der Vergleichenden Stilistik zufolge gibt es sieben Möglichkeiten von einer Sprache zur anderen zu wechseln, wenn man anfangs nur die Oberflächenstrukturen betrachtet. Zuerst sollen die drei erläutert werden, die in den Bereich der traduction directe, der wörtlichen Übersetzung fallen:
1. emprunt (Direktentlehnung/Fremdwort): das ausgangssprachliche Wort wird in der Übersetzung genauso übernommen, wobei sich weder Inhalt noch Graphie ändern. Es handelt sich hierbei um Wörter, die im Umfeld der Zielsprache schon bekannt sind und für die keine genaue Entsprechung existiert. Diese werden aber im Laufe der Zeit meist zu Lehnwörtern, da sie sich in der Schreibung und Lautung dem zielsprachlichen System angleichen. So werden sie schließlich lexikalisiert und nach gewisser Zeit ist ihre Herkunft nicht mehr ersichtlich.
Bsp.: (engl. – dt.) know-how, overkill, talk show, show, input, … escalation → Eskalation, status symbol → Statussymbol. Bsp.: (span. – dt.) ambiente → Ambiente, tequila → Tequila. Eine Untergruppe hiervon sind Eigennamen, Titel, Namen von Institutionen, usw., die natürlich einfach so in der Zielsprache transkribiert werden können, was meist die bestmöglichste Art der Übersetzung für diese sein mag.
2. calque (Lehnübersetzung): das ausgangssprachliche Wort oder Syntagma wird wörtlich und ggf. Wort für Wort in die Zielsprache übertragen, also linear ersetzt.
Bsp.: (engl. – dt.) growth rate → Wachstumsrate, market research → Marktforschung, developing country → Entwicklungsland. Bsp.: (dt. – frz.) Mann von Welt → homme du monde, Boulevard → Bollwerk, Militärschule → École Militaire. Bsp.: (dt. – sp.) Kindergarten → jardín de infacia, Hausbesetzung → ocupación de viviendas. Bsp.: (engl. – sp.) science fiction → ciencia ficción. Manchmal ist die Grenze zwischen calque und emprunt, wenn dieser in Phonetik und Graphie angepasst ist, nicht mehr klar ersichtlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Übersetzen – die heutige Übersetzungswissenschaft: Einführung in die Relevanz des Übersetzens im Kontext der Globalisierung und Vorstellung der modernen, linguistisch ausgerichteten Übersetzungswissenschaft.
2. Die stylistique comparée als Teilbereich der sprachenpaarbezogenen Übersetzungswissenschaft: Detaillierte Darstellung der theoretischen Fundamente und der spezifischen Methodik der vergleichenden Stilistik innerhalb der Übersetzungswissenschaft.
2.1. Voraussetzungen und Grundwissen für die stylistique comparée: Klärung der notwendigen terminologischen und theoretischen Basis, einschließlich der Rolle von Übersetzungstheorie, Stilistik und Übersetzungsprozeduren.
2.1.1. Übersetzungswissenschaft und sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft: Abgrenzung der Grundlagenwissenschaft von der sprachenpaarbezogenen Forschung und deren Fokus auf syntaktische, semantische und stilistische Regelmäßigkeiten.
2.1.2. Übersetzungstheorie: Analyse verschiedener theoretischer Ansätze und der Schwierigkeit, eine allgemein anerkannte Übersetzungstheorie zu etablieren.
2.1.3. Stilistik und Übersetzung: Untersuchung des schwierigen Begriffs "Stil" und seiner entscheidenden Bedeutung für authentische Übersetzungen.
2.1.4. Das Übersetzen und die Übersetzungsprozeduren: Diskussion der Abgrenzung zwischen wörtlicher und nichtwörtlicher Übersetzung sowie der Suche nach systematischen Prozeduren.
2.2. Die stylistique comparée: Definition des Forschungszweigs und Erläuterung seines Ziels, das Übersetzen praxisorientiert greifbarer zu machen.
2.2.1. Definition der stylistique comparée: Darlegung der Kernfragen und der Arbeitsweise der vergleichenden Stilistik durch Übersetzungsvergleich und Beispielkonstruktion.
2.2.2. Grundlagen und Erkenntnisse der stylistique comparée: Erläuterung der Unterscheidung zwischen stylistique interne und externe sowie der notwendigen zweistufigen Vorgehensweise.
2.3. Die Übersetzungsprozeduren: Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, zwischen Sprachen zu vermitteln.
2.3.1. Die Übersetzungsprozeduren nach der stylistique comparée: Detaillierte Vorstellung der sieben klassischen Übersetzungsprozeduren von emprunt bis adaptation.
2.3.2. Andere Klassifikationsversuche: Darstellung ergänzender Modelle, wie etwa das semiotisch orientierte Modell von KADE.
3. zusammenfassende Bewertung der stylistique comparée – Ausblick: Kritische Reflexion der Errungenschaften, Vor- und Nachteile der stylistique comparée sowie ein Ausblick auf deren Weiterentwicklungspotenzial.
4. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Übersetzungswissenschaft, stylistique comparée, sprachenpaarbezogene Übersetzung, Übersetzungsprozeduren, wörtliche Übersetzung, nichtwörtliche Übersetzung, Transposition, Modulation, Äquivalenz, Adaptation, Translation, Kontrastive Linguistik, Übersetzungstheorie, Sprachvergleich, Übersetzungskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die stylistique comparée (Vergleichende Stilistik) als ein spezifisches Instrumentarium der sprachenpaarbezogenen Übersetzungswissenschaft, um Übersetzungsprozesse zu systematisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Voraussetzungen der Übersetzungswissenschaft, die Definition des Stilbegriffs, die Systematisierung von Übersetzungsprozeduren und deren praktische Anwendung im Sprachvergleich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die stylistique comparée als eine hilfreiche Methodik darzustellen, die das Übersetzen durch die Einteilung in prozedurale Kategorien für die Praxis besser greifbar und didaktisch vermittelbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um eine theoretische Literaturanalyse, die zentrale Konzepte verschiedener Wissenschaftler wie VINAY, DARBELNET, MALBLANC und WILSS gegenüberstellt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Fachgebiets, eine detaillierte Ausarbeitung der sieben Übersetzungsprozeduren und die Vorstellung alternativer Klassifikationsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Übersetzungsprozeduren, stylistique comparée, Translation, Sprachvergleich sowie die spezifischen Fachausdrücke der Prozeduren (z.B. Transposition, Modulation, Adaptation).
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "servitude" und "option" eine wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung ist zentral, um zwischen obligatorischen, sprachsystembedingten Zwängen (servitude) und fakultativen, vom Übersetzer frei wählbaren stilistischen Möglichkeiten (option) zu differenzieren.
Was wird an der "stylistique comparée" besonders kritisiert?
Kritisiert wird vor allem ihr oft einseitiger Blickwinkel, die isolierte Betrachtung einzelner Sprachelemente und die häufige Verwendung konstruierter Beispiele statt authentischer Textauszüge.
Wie bewertet die Autorin den Nutzen der Methodik für die Übersetzungspraxis?
Obwohl die Methodik methodische Schwächen aufweist, wird sie als sehr wertvoll für die Konzeption von Lehrbüchern, die Fehleranalyse und die Übersetzungskritik eingestuft, da sie das Verständnis für sprachliche Differenzen fördert.
- Quote paper
- Sandra Ilg (Author), 2006, Sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft – stylistique comparée, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202350