Das Wappen der Stadt Nienburg/Weser - Ursprung und Symbolik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Überblick über die Geschichte der Heraldik

3. Erklärung des Begriffs „Symbol“

4. Überblick über die Geschichte Nienburgs

5. Beschreibung des Nienburger Stadtwappens mit Blasonierung

6. Ursprung und symbolische Deutung
6.1 Ursprung und Symbolik des Wappens des Fürstentums Lüneburg/Braunschweig
6.2 Ursprung und Symbolik des Wappens der Grafschaft Hoya
6.3 Ursprung und Symbolik der Burg bzw. Stadtmauer
6.4 Ursprung und Symbolik der Farben

7. Aktuelle Nutzung

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Bild und Bildkultur in Alteuropa“ – so lautet der Titel des Kurses, auf welchen sich folgender Text bezieht. Während in dem Kurs allerdings in erster Linie christliche Werke behandelt werden, soll hier aufgezeigt werden, inwiefern auch Wappen in diesem Kontext anzusiedeln sind.

Kunst im heutigen Verständnis gab es im Mittelalter nicht - damalige Kunstwerke dienten nicht vorrangig der Schaffung von Schönem und Ästhetischem, sondern hatten im Normalfall einen praktischen Verwendungszweck.

So lässt sich mittelalterliche Kunst auch nicht vom Kunsthandwerk trennen, zu dem auch die Anfertigung von Wappen gehört.

Nach Michel Pastoureau wurden sie Ende des 11. bzw. Anfang des 12. Jahrhunderts zum ersten Mal benutzt und zwar als Erkennungsmerkmale auf den Schilden mittelalterlicher Krieger. Die damaligen Rüstungen boten durch ihre komplette Ummantelung des Körpers reichlich Schutz im Kampf. Da aber auch der Kopf bedeckt war, musste eine neue Möglichkeit gefunden werden, Freund und Feind zu unterscheiden. Die große Fläche der Abwehrschilde bot für eine entsprechende Kennzeichnung genügend Platz (Pastoureau, 1997, S. 14-19).

Die hierfür verwendeten Symbole waren hauptsächlich Bilder, welche im Gegensatz zu Schriftzeichen auch von der breiten, schriftunkundigen Bevölkerung erkannt und gedeutet werden konnten.

Anfangs gab es weder allgemeingültige Regeln, wie die Wappen auszusehen hatten, noch wer sie tragen durfte. Nach und nach entstanden jedoch ganz spezielle sogenannte „heraldische Regeln“ bezüglich deren Gestaltung.

Die rasante Entwicklung des Wappenwesens lässt sich aber nicht allein durch neue Kriegstechniken bzw. Rüstungen erklären, es diente ebenfalls der Gruppierung von Menschen (Pastoureau, 1997, S. 20). Durch Wappen wurde kenntlich gemacht, wer zusammengehörte. Dies umfasste zum Beispiel auch die Zugehörigkeit zu Familien, und so entstanden aus den individuellen Zeichen auf den Schilden Familienwappen bzw. ab Ende des 12. Jahrhunderts auch Stadtwappen (Pastoureau, 1997, S. 20).

Inwiefern Familien- mit kommunalen Wappen zusammenhängen können, soll am Beispiel des Nienburger Stadtwappens durch die Erklärung seiner Ursprungsgeschichte aufgezeigt werden. Dieses besteht aus drei einzelnen Wappen mit jeweils eigenen Ursprüngen und Entstehungsgeschichten. Um diese erläutern zu können ist eine Einführung in die Stadtgeschichte nötig, ebenso wie ein Einblick in die Geschichte der Heraldik und der Symbolik.

Des Weiteren ist zu klären, welche speziellen Bedeutungen die Zeichen und Farben des genannten Wappens haben und warum gerade diese gewählt wurden. Geschah dieses aus zeitgenössischen, modischen Gründen oder lässt sich eine bestimmte symbolische Bedeutung erkennen und wenn ja, welche? Auch diesen Fragen wird im Folgenden nachgegangen. Da der Rahmen einer Hausarbeit aber sehr beschränkt ist, kann hier nur die Symbolik des Nienburger Wappens behandelt werden, dies kann auf keinen Fall allgemeingültig sein.

2. Überblick über die Geschichte der Heraldik

Heraldik beinhaltet die drei Elemente Wappenkunde, Wappenkunst und Wappenrecht.

Die ersten Quellen, welche von Heraldik sprechen, stammen aus dem Hochmittelalter und leiteten den Begriff von dem Wort „Herold“ ab. Herolde waren ursprünglich fahrende Literaten bzw. Boten des Hofes, wurden im späteren Mittelalter jedoch zu jenen Männern, die Wappen beschrieben, überprüften und deuteten. Sie trugen beträchtlich zur Institutionalisierung des Wappenwesens bei. Ihre genauere Funktion ist sehr vielfältig und kann hier nicht näher erläutert werden. Schon in der mittelalterlichen Literatur wurden Wappen geschildert. Fraglich ist jedoch, ob hier real existierende Wappen beschrieben wurden, oder ob die Erzählungen hierfür erst die Vorlagen lieferten (Achnitz, 2006, S.3-4). Als Wappen bezeichnet man Zeichen auf den Schilden von Personen oder Körperschaften, ohne dass damit im Mittelalter irgendwelche Rechte verbunden waren. Sie gehörten zu den politischen Symbolen und auch wenn sie sich im Lauf der Zeit veränderten, basieren sie auf geschichtlichen Überlieferungen (Fehrenbach, 1971, S. 310). Der Gegenstand der wissenschaftlichen Heraldik ist die Erforschung von Ursprüngen und Bedeutungen der Wappen, sowie deren Blasonierung, das heißt ihre genaue Beschreibung mit Hilfe einer standardisierten Fachsprache.

Die ersten Wappen entstanden um 1130 n. Chr., unter anderem bedingt durch die schon erwähnten neuen Rüstungen. Mit Hilfe der Zeichen auf den Schutzschilden konnten die Zeitgenossen nicht nur die Person erkennen, sondern sie gaben auch, in symbolischer Form, Hinweise auf Verwandtschafts-, Besitz- und Machtverhältnisse. Anfangs waren die Form und der Inhalt der Wappen noch relativ willkürlich, ab 1250 entstand ein erstes Regelwerk bezüglich der Gestaltung und es durften keine Zeichen mehr verwendet werden, die schon eine andere Familie oder Person für sich beansprucht hatte. Es gab also ein Eigentumsrecht, aber keine Einschränkungen dafür, wer ein Wappen führen durfte. In dieser Zeit besaß jeder Adlige und jeder berittene Krieger einen solchen Schmuckschild, es sorgte für einen gewissen Bekanntheitsgrad und für soziale Anerkennung. Auch nichtadelige Personen und Gruppen, zum Beispiel Kleriker, stellten sich mit Wappen dar. Erste Stadtwappen entstanden ebenfalls in diesem Zeitraum, meistens mit Bildern, die auf die jeweiligen Herrschaftsansprüche verwiesen. Ab dem 14. Jahrhundert sind Wappen- beschreibungen bezeugt, die schon weitestgehend nach den Regeln einer Fachsprache verfasst sind. Im 18. Jahrhundert litt das Ansehen der Heraldik unter spekulativen, esoterischen Deutungen ihrer Symbole, ohne dass auf konkrete Quellen zurückgegriffen wurde. Ab dem 19. Jahrhundert, besonders auch in der Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg, wurden die Forschungen auf diesem Gebiet moderner und mit wissenschaftlichen Methoden betrieben. Mit dem Einbruch der Monarchie und dem damit verbundenen Machtverlust des Adels 1918/19 büßte auch die Heraldik wieder an Ansehen ein, da gerade Wappen in enger Verbindung mit der Adelsmacht standen. Erst nach und nach etablierte sie sich dann zur heutigen sogenannten Hilfswissenschaft als Quelle für die Geschichtswissenschaft (Scheibelreiter, 2006b, S. 9-19). Auf die genaueren geografischen und länderspezifischen Entwicklungen der Heraldik kann in diesem Rahmen nicht eingegangen werden. Moderne Forschungsansätze sehen die Heraldik interdisziplinär, in Zusammenhang mit Symbolforschung, Ikonographie, Sozialgeschichte, Philologie, Literaturgeschichte, Kunstgeschichte und Archäologie (Scheibelreiter, 2006b, S. 9-20).

Ein Vollwappen besteht aus dem Schild, Helm, Helmzier, Helmdecke und eventuellen Prunkstücken, wobei der Schild der wesentliche Bestandteil ist und auch für sich allein als vollwertiges Wappen gilt. Da dies bei den meisten Kommunalwappen, so auch bei dem der Stadt Nienburg, der Fall ist, wird auf die anderen Bestandteile in diesen Erläuterungen nicht näher eingegangen.

Bei den Zeichen auf den Wappen wird unterschieden zwischen einfachen, geometrischen Heroldsfiguren und gemeinen Figuren. Zu letzteren gehören bildliche Darstellungen, insbesondere von Lebewesen, Pflanzen, Gebäuden, Geräten etc., welche grundsätzlich stark stilisiert wurden (Scheibelreiter, 2006b, S. 40). Die Farben der Wappen werden als Tinkturen bezeichnet. Die starke Reglementierung der Zusammenstellung der Farben und Figuren unterscheidet europäische Wappen von außereuropäischen Emblemen.

Um ihren Symbolgehalt verstehen zu können, sind Kenntnisse über ihre jeweilige zeitgenössische Bedeutung und deren Wandel unabdingbar. Die Zeichen und Farben zeigen auf, wie der Träger sich darstellen wollte, nicht zwangsläufig seine wirkliche Position oder Charakter (Pastoureau, 1996, S. 87).

Mittelalterliche Siegel weisen sehr häufig das persönliche Wappen des Siegelführers auf, was darauf hindeutet, dass Personen mit ihren Wappen gleichgesetzt wurden. Ihre Zeichen hatten eine ähnliche Bedeutung wie heutige Unterschriften und galten als wichtiges Rechtsmittel durch ihre Verbindung von Bild und Schrift (Neubecker, 2002, S. 40). Ein fremdes Wappen zu zerstören oder es auch nur von einem bestimmten Platz zu entfernen, galt als feindliches Verhalten, gleichzusetzen mit einem Angriff auf dessen Träger. Persönliche Wappen wurden bei jeder Gelegenheit gezeigt, z. B. bei größeren Gesellschaftsveranstaltungen wie Turnieren, aber auch bei Begräbnissen, immer mit dem Ziel der Repräsentation (Oexle, 1998, S.343-345). Besonders die Turniere trugen zu der breiten Ausbildung des Wappenwesens und dessen Reglementierung bei (Hartmann, 2009, S. 150).

Im Mittelalter identifizierten sich die Menschen deutlich stärker über ihre Zugehörigkeit zu Großgruppen als in der Gegenwart. Das persönliche Selbstverständnis entwickelte sich in den Schranken der geltenden Normen, Ordnungen und Weltanschauungen. Dabei wurden diese Richtlinien in erster Linie in den jeweiligen Großgruppen von Generation zu Generation weitergegeben, u.a. auch durch Sagen, Fabeln und andere Erzählungen (Scheibelreiter, 2006a, S.7). Die Identität der Gruppen wurde zunächst durch einen gemeinsamen Namen dargestellt, der sich auf die jeweilige Gemeinschaft bezog. Sichtbar gemacht wurde dieser durch symbolische Zeichen. Durch die fortschreitende Christianisierung wurden die älteren Symbole, oft germanisch-heidnischen Ursprungs, zurückgedrängt und allgemeingültige christliche Zeichen traten hinzu. Diese konnten aber nicht die Identität der einzelnen Gruppen darstellen und stärken, da sie allgemein für alle Christen standen. Die gesellschaftlichen Hierarchien und Normen konnten so nicht mehr dargestellt werden, so dass auch die älteren, ursprünglichen Namens und Zeichentraditionen weitergeführt wurden, wenn auch in abgeschwächter Form. Neben der Verbreitung des Christentums sorgten auch andere Veränderungen dafür, dass die alten Bezeichnungen zurückgingen, z.B. die fortschreitende Stadtentwicklung, neue Produktionsmethoden und vor allem eine neue, kritischere Intelligenz der Gesellschaft. Die Wichtigkeit der Individualität nahm zu. Familien wurden durch die gerade Verwandtschaftslinie des Vaters seit dem 12. Jahrhundert als Geschlechter definiert und das Siegel als Vorläufer der Wappen setzte sich als Darstellungs- und Rechtsmittel durch. Die Symbolaussage konnte im Allgemeinen nicht vom Einzelnen, sondern vom Geschlecht abgeleitet werden (Scheibelreiter, 2006a, S. 11-13).

Allgemein wird eine Unterteilung in vier Wappentypen unternommen, deren Trennung nicht immer klar durchzuführen ist: Redende Wappen zeigen Bilder, die einen ähnlichen Klang haben wie der Name des Trägers. Anspielende (allusive) Wappen weisen einen Bezug zum Träger auf indem sie ein Ereignis, einen Anspruch, eine Funktion oder ähnliches darstellen. Politische Wappen bilden ein Lehensband, eine Zugehörigkeit, einen Amtsträger oder eine Parteistellung ab und als vierte Gruppe benennt man die symbolischen Wappen im engeren Sinn, deren Bedeutung sich nicht offensichtlich zeigt (Scheibelreiter 2006b, S. 146). Die heraldische Symbolik unterlag verschiedenen Einflüssen: germanisch-keltischen, christlichen, sowie Einflüssen aus der Entwicklung der Schriftkultur und aus Herrschaftssymbolen. Auch die französische Hofkultur mit ihrer Kunst und ihren weit verbreiteten Selbstdarstellungsbedürfnissen schlug sich in den Zeichen nieder. Für die Quellenanalyse von Wappen beschreibt Christoph Friedrich Weber drei Ebenen: Die Ebene des einzelnen Zeichens, die Ebene des Trägermediums und seines Kontextes sowie die Ebene des übergeordneten, historischen und kulturellen Kontextes. (Weber, 2006, S. 536).

3. Erklärung des Begriffs „Symbol“

Ein Symbol gilt als Bedeutungsträger mit einer Signalwirkung in codierter Form, welche auf Gedankenassoziationen beruht. Der Begriff geht auf das griechische Verb „symballein“ zurück, dies bedeutet „zusammenwerfen“ aber auch „verbergen, verschlüsseln“ (Becker, 1998, S. 5).

Symbole drücken etwas aus und besitzen gleichzeitig eine sinnlich erfassbare Form. Darunter fallen unter anderem Rituale, Mimik, Gestik, Lieder und auch Bilder, zum Beispiel auf Wappen. Um zu erkennen, was genau das Symbol jedoch meint, muss ein größerer Sinn- und Situationszusammenhang bekannt sein (Schwemmer, 2006, S. 7), da seine Wurzeln in christliche, aber auch in vorchristliche und prähistorische Elemente zurückreichen. Beim Erforschen eines Symbolgehaltes müssen demnach mehrere Aspekte berücksichtigt werden: kulturhistorische ebenso wie psychologische Forschungen, zum Beispiel über die sogenannten Archetypen nach C.G. Jung. Diese bezeichnen allgemeine Formmotive im kollektiven Gedächtnis und sind dadurch tief in jedem Menschen verwurzelt. (Becker, 1998, S. 7). Es ist zudem kaum möglich, die Begriffe Symbol, Metapher, Allegorie, Attribut, Emblem und Zeichen genau voneinander zu trennen. Symbole gehören zwar zu den Zeichen, das besondere an ihnen ist jedoch ihre emotionale Aufgeladenheit. Diese sind nicht so neutral wie allgemeine Zeichen und bieten verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Sie schaffen eine Ordnung und befriedigen das Bedürfnis nach kultureller und damit auch persönlicher Identität. Kultur entsteht durch symbolische Systeme, die sich zwar ständig verändern und anpassen, aber dennoch bestrebt sind, die Traditionen, das Alte und Bekannte daran, zu erhalten. So entwickelt sich der einzigartige Charakter verschiedener symbolischer Kulturen (Schwemmer, 1998, S. 12). Jeder Mensch hat das Ziel, eine eigene Persönlichkeit aufzubauen. Diese beinhaltet eine eigene, individuelle Identität sowie die Zugehörigkeit bzw. Abgrenzung zu Mitmenschen, was mit Symbolen dargestellt werden kann (Voigt, 1989, S. 20). In die gemeinsamen Symbole einer Gruppe werden ihre spezifischen Eigenschaften, Eigenarten, Ziele und Kräfte hineinprojiziert, sie werden materialisiert (zum Beispiel auf Wappen) und so auch für Außenstehende sichtbar (Ebd, S. 101-102) Durch Symbole werden Traditionen und Konventionen intuitiv und spontan erkennbar und fassbar. (Fehrenbach, 1971, S. 300).

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Wappen der Stadt Nienburg/Weser - Ursprung und Symbolik
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Entwicklung der Schrift- und Bildkultur
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V202924
ISBN (eBook)
9783656295648
ISBN (Buch)
9783656296096
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wappen, Heraldik, Nienburg, Symbol, Wappenkunde, Mittelalter, Symbolik, Kunstgeschichte, Grafen Hoya
Arbeit zitieren
Tanja Mandelt (Autor), 2012, Das Wappen der Stadt Nienburg/Weser - Ursprung und Symbolik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202924

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