90% der Glücksspiele in Deutschland werden in sogenannten "unregulierten Märkten" angeboten. Zu den Akteuren im unregulierten Markt, zählen Anbieter von Sportwetten, Online-Casinos und Online-Poker. Für das Angebot solcher Glücksspiele, bestehen in Deutschland strikte Regelungen, die entweder eine sehr begrenzte Anzahl an Anbietern zulassen oder derartige Veranstaltungen komplett verbieten. Um den deutschen Markt trotzdem bedienen zu können, agieren die Anbieter in rechtlichen Grauzonen, die das deutsche Rechtssystem bis dato nicht erfassen konnte.
Aufgrund dieses Tatbestandes, entgehen dem Staat erhebliche Steuereinnahmen aus Lizenzvergaben. Des Weiteren, ist das Onlineangebot von Pokerspielen, aufgrund der immensen Beliebtheit bei Freizeit-Kartenspielern, eine lukrative Einnahmequelle. Angesichts einer Verfügung der Oberfinanzdirektion in Frankfurt am Main ist scheinbar eine Kompensationsquelle, in Form einer Besteuerung von Gewinneinnahmen etlicher Pokerspieler gefunden worden zu sein. Dieses Vorgehen ist jedoch, vor allem mit Blick auf die Glücksspielregelungen, unverständlich und unzulässig.
Diese Abschlussarbeit thematisiert die gesetzlichen und steuerrechtlichen Aspekte der Glücksspielregelungen in Deutschland, sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfrager Seite und zeigt auf, inwiefern die Verfügung der Oberfinanzdirektion Mängel aufweist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Glücksspiel
2.1 Staatliche Regelungen in Deutschland
2.1.1 Gesetzliche Einordnung
2.1.2 Kritik am deutschen Glücksspielsystem
2.1.3 Steuereinnahmeformen
2.2 Das deutsche Lotteriesystem
2.2.1 Definition und Anbieter
2.2.2 Steuerpflicht von Lotterieeinnehmern
2.3 Poker
2.3.1 Medienpräsenz und Charakteristika des Spiels
2.3.2 Rechtliche Normen des Spielangebots
3 Einkommensteuerrechtliche Differenzierung von Spielgewinnen
3.1 Unterscheidung zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspielen
3.2 Einkommensteuerfreie Spielgewinne aus Glücksspielen
3.2.1 Steuerrechtliche Definition
3.2.2 Einkommensteuerpflicht bei gewinnbringender Anlegung
3.3 Einkommensteuerpflichtige Gewinne
3.3.1 Geschicklichkeitsspiele
3.3.2 Steuerpflichtige Gewinne aus Fernsehshows und Pyramidenspielen
3.4 Poker als einkommensteuerrechtlicher Sonderfall
3.4.1 Rechtliche Einordnung und Kritik
3.4.2 Steuerrechtliche Behandlung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die einkommensteuerliche Behandlung von Glücksspielen in Deutschland, mit einem besonderen Fokus auf Lotto und Poker. Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der rechtlichen Einstufung von Glücksspielen und der steuerbehördlichen Besteuerungspraxis – insbesondere bei Berufspokerspielern – kritisch zu analysieren und aufzuzeigen, wo die aktuelle Verfügungspraxis Mängel aufweist.
- Staatliche Regulierung des Glücksspielmarktes in Deutschland
- Differenzierung zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspielen im Steuerrecht
- Steuerliche Behandlung von Lotteriegewinnen
- Analyse der Besteuerung von Berufspokerspielern als Gewerbetreibende
- Diskussion der problematischen steuerbehördlichen Verfügungspraxis bei Online-Glücksspielen
Auszug aus dem Buch
Poker als einkommensteuerrechtlicher Sonderfall
Poker wird in der aktuellen Rechtsprechung als Glücksspiel charakterisiert. Der Ursprung dieser Einstufung liegt in einem Reichsgerichtsurteil aus dem Jahre 1906, in dem die Pokervariante „Draw Poker“ als Glücksspiel klassifiziert wurde. Gerichtsurteile und Rechtsprechung orientieren sich bis heute an diesem Urteil und betiteln Poker, als ein überwiegend zufallsbezogenes Spiel.
Über die Jahre hinweg, haben diverse Kritiker aus der empirisch-wissenschaftlichen Branche, aber auch aus dem juristischen Bereich, die fortbestehende Anerkennung des Reichsgerichtsurteils angeprangert.
Das Landgericht Karlsruhe z. B. kritisierte den Beschluss von 1906 in einem veröffentlichten Urteil. In diesem wurden dem Pokerspiel neben Zufallselemente, auch Geschicklichkeitsanteile zugesprochen und das Urteil in der Form kritisiert, dass „eine eingehende Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten des Spiels […]“ nicht behandelt wurde. Zudem würde, je nach steigender Anzahl der gespielten Hände, die Geschicklichkeitskomponente steigen und die Zufallskomponente fallen. Ziel des Spiels sei es nicht, „möglichst viele einzelne Runden zu gewinnen, sondern am Ende am meisten bzw. alles gewonnen zu haben.“ Hierfür müssten Spieler in der Lage sein, „bei schlechten „Händen“ möglichst wenig zu verlieren und bei guten „Händen“ möglichst viel zu gewinnen. Dies erfordert taktisches Geschick, Strategie und mathematisches sowie psychologisches Einfühlungsvermögen – alles Eigenschaften, die als Geschicklichkeitselemente einzuordnen sind […]“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Glücksspiels und die staatliche Interessenlage sowie die Problematik des unregulierten Marktes und die daraus resultierenden steuerlichen Grauzonen.
2 Das Glücksspiel: Dieses Kapitel erläutert die staatlichen Regelungen in Deutschland, das Lotteriesystem und die Besonderheiten des Pokerspiels im Hinblick auf Medienpräsenz und rechtliche Rahmenbedingungen.
3 Einkommensteuerrechtliche Differenzierung von Spielgewinnen: Dieses Kapitel analysiert die steuerliche Unterscheidung zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspielen sowie die spezielle steuerrechtliche Einordnung von Spielgewinnen und die Behandlung von Pokergewinnen als gewerbliche Einkünfte.
4 Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die aktuelle Rechtslage bezüglich der Besteuerung von Pokergewinnen aufgrund widersprüchlicher Einstufungen als Glücksspiel einerseits und als steuerpflichtige gewerbliche Tätigkeit andererseits unklar ist und dringenden Handlungsbedarf erfordert.
Schlüsselwörter
Glücksspiel, Einkommensteuer, Lotto, Poker, Geschicklichkeitsspiel, Steuerpflicht, Gewerbebetrieb, Glücksspielstaatsvertrag, Rechtsprechung, Spielsucht, Online-Poker, Steuerbehörden, Gewinnbesteuerung, Finanzverwaltung, Marktversagen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die steuerliche Einordnung von Spielgewinnen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Einstufungen von Glücks- und Geschicklichkeitsspielen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die staatliche Glücksspielregulierung, die Unterscheidung zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspielen sowie die daraus folgende steuerliche Behandlung von Gewinnen aus Lotto, Poker und Fernsehshows.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Analyse der einkommensteuerlichen Behandlung von Pokerspielen, insbesondere die Untersuchung der unzulässigen Doppelaspekte zwischen Glücksspielstatus und gewerblicher Besteuerung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten rechts- und steuerwissenschaftlichen Analyse, die durch die Auswertung von Urteilen, Fachliteratur und empirischen Studien zur Geschicklichkeitskomponente beim Poker gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des deutschen Glücksspielwesens, die steuerrechtliche Differenzierung von Spielgewinnen nach Einkunftsarten sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Poker als steuerrechtlichem Sonderfall.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Glücksspiel, Einkommensteuer, Gewerbebetrieb, Poker, Geschicklichkeitsspiel, Glücksspielstaatsvertrag und Finanzverwaltung.
Warum wird Poker im Gegensatz zu Lotto steuerrechtlich so kontrovers behandelt?
Weil Poker trotz rechtlicher Einstufung als Glücksspiel von der Finanzverwaltung zunehmend als Geschicklichkeitsspiel mit Gewinnerzielungsabsicht umgedeutet wird, um die Spieler steuerpflichtig zu machen.
Was bemängelt die Autorin oder der Autor am Vorgehen der Steuerbehörden bei Pokerspielern?
Kritisiert wird vor allem die widersprüchliche Einstufung, da der Staat einerseits Poker als Glücksspiel monopolisiert, aber andererseits steuerliche Einnahmen durch eine Umdeutung in gewerbliche Tätigkeit generiert.
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- Viktor Rabinovitsch (Author), 2012, Glücksspiele und Einkommensteuer: Ein kritischer Blick auf die gesetzlichen Regelungen und Gewinnbesteuerungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203459