Das Sozialisationskonzept von K. Hurrelmann - Zur Bedeutung der Sozialisation für die Gesundheit


Hausarbeit, 2012
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Gesundheitswissenschaft in Deutschland

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Sozialisation
2.2 Gesundheit

3 Das Sozialisationskonzept von K. Hurrelmann
3.1 Symptome
3.1.1 Soziale Auffälligkeiten
3.1.2 Psychische Auffälligkeiten
3.1.3 Somatische Auffälligkeiten
3.2 Belastungen
3.3 Ressourcen

4 Die Gesundheitsentwicklung im Lebenslauf
4.1 Belastungen und Ressourcen im Kindesalter
4.1.1 Familienstruktur
4.1.2 Trennung der Eltern
4.1.3 Materielle Deprivation
4.2 Belastungen und Ressourcen in der Jugend
4.2.1 Schul- und Berufsausbildung
4.2.2 Gleichaltrigengruppe – Peer Group
4.3 Belastungen und Ressourcen im Erwachsenenalter
4.3.1 Arbeitsbedingungen
4.3.2 Arbeitslosigkeit
4.4 Belastungen und Ressourcen im Alter
4.4.1 Pensionseintritt
4.4.2 Physiologische Abbauprozesse

5 Resümee

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Gesundheitswissenschaft in Deutschland

Das Gesundheitssystem und somit auch die zugrunde liegenden Wissenschaften stehen vor immer größeren Herausforderungen. Bedeutende Entwicklungen wie der demographische Wandel, das zunehmende soziale Ungleichgewicht und die steigende Lebenserwartung mit ihren jeweiligen Folgen haben gravierende Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung und das Versorgungs- und Versicherungssystem.

Aufgabe der Gesundheitswissenschaft ist es, die körperlichen, psychischen und gesellschaftlichen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit zu analysieren. Des Weiteren erfasst sie systematisch die Verbreitung von gesundheitlichen Störungen in der Bevölkerung. Außerdem erforscht sie die Konsequenzen für die Organisation und Struktur des medizinischen und psychosozialen Versorgungssystems (vgl. Hurrelmann, Laaser 1998).

Die enge Verknüpfung von individuellen und kollektiven Belastungen und Ressourcen zum allgemeinen Gesundheitszustand gewinnt in der jüngeren Gesundheitswissenschaft immer mehr Beachtung. Um diesen Sachverhalt näher zu beleuchten, werden im Folgenden zunächst die grundlegenden Aspekte von Sozialisation und Gesundheit erklärt und das Sozialisationskonzept von K. Hurrelmann beschrieben. Anschließend wird erläutert wie sich die Sozialisation in den einzelnen Lebensphasen auf die Gesundheit auswirkt. Dafür werden einige entscheidende Einflussfaktoren aufgezeigt. Abschließend erfolgt ein kurzes Resümee mit Ausblick.

2 Begriffsbestimmungen

Um das Sozialisationskonzept von K. Hurrelmann schlüssig zu erklären, bedarf es zunächst der Erläuterung der zentralen Begriffe.

2.1 Sozialisation

Die jüngeren Denkansätze der Sozialisationsforschung erkennen die Zusammenhänge und wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Lebensbelastung und Lebensbewältigung als wichtige Faktoren der Persönlichkeitsentwicklung an. Denn der Mensch befindet sich Zeit seines Lebens in einer wechselseitigen und komplexen Beziehung zu seiner Umwelt. Aus dieser gegenseitigen Beeinflussung bildet sich im Laufe des Lebens in einem Sozialisationsprozess die Persönlichkeit heraus.

Sozialisation ist laut Hurrelmann „die lebenslange Aneignung von und Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den physischen und psychischen Grundmerkmalen […] und der sozialen und physikalischen Umwelt […]“ (Hurrelmann 2002: 15f.; Herv. d. Verf.). In der Sozialisationsforschung werden die sozial-gesellschaftlichen, materiellen, psychischen und körperlichen Einflussfaktoren analysiert. Darüber hinaus werden deren Auswirkungen auf die Persönlichkeit und Gesundheit und die Möglichkeiten der Beeinflussung von Lebensweisen und -bedingungen untersucht. Berücksichtigt wird dabei die gesamte Lebensspanne.

2.2 Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als einen Zustand des vollkommenen körperlichen, sozialen und geistigen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheiten und Gebrechen (vgl. WHO 1946). Hurrelmann bezeichnet Gesundheit darüber hinaus als einen „[…] Zustand des objektiven und subjektiven Befindens einer Person […], wenn diese Person sich in den physischen, psychischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung in Einklang mit den eigenen Möglichkeiten und Zielvorstellungen und […] äußeren Lebensbedingungen befindet“ (Hurrelmann 1988: 16 f.).

Beeinträchtigungen der Gesundheit ergeben sich demnach aus einer unzureichenden Bewältigung von Anforderungen der inneren und äußeren Umwelt mit möglichen psychischen, sozialen und physiologischen Folge-Symptomen. Diese Symptome beeinflussen sich gegenseitig und unterliegen einer ständigen Dynamik. Betroffen sind alle Dimensionen des menschlichen Lebens. Das individuelle Maß an Gesundheit ist demnach sowohl vom Verhalten des Einzelnen, als auch von den Lebensbedingungen innerhalb der Gesellschaft abhängig.

3 Das Sozialisationskonzept von K. Hurrelmann

Grundlegend für das Sozialisationskonzept von K. Hurrelmann ist die Annahme, dass es Interdependenzen zwischen Belastungen, Ressourcen und Symptomen gibt. Ziel des Konzeptes ist es, „[…] Interventionen der Gesundheitsförderung im Sinne der Stärkung personaler und sozialer Ressourcen ab[zu]leiten“ (Waller 2010: 29). Die ständige Auseinandersetzung mit den genannten Faktoren bestimmt das individuelle Maß an Gesundheit. Die Faktoren werden im Folgenden erläutert.

3.1 Symptome

Als Symptome werden sämtliche soziale, psychische und somatische Auffälligkeiten bezeichnet. Gemeint sind Verhaltensweisen die nicht den normalen Standarts der Gesellschaft entsprechen, bzw. dem was allgemein als gesellschaftlich akzeptabel erachtet wird. Als „normal“ werden Ausprägungen erachtet, die innerhalb der Gesellschaft am häufigsten auftreten. Die Symptome ergeben sich aus der Diskrepanz von inneren und äußeren Anforderungen und der individuellen Bewältigungsfähigkeit.

3.1.1 Soziale Auffälligkeiten

Soziale Auffälligkeiten beschreiben abweichendes Verhalten, welches einerseits „…als ungewöhnlich und unangepasst definiert wird, ohne schon als stark abweichend wahrgenommen zu werden…“ (Hurrelmann 1988: 20). Andererseits spricht man von delinquentem Verhalten, welches ein geordnetes und friedliches Zusammenleben der Gesellschaftsmitglieder beeinträchtigt, wenn sich das Verhalten eindeutig gegen kulturelle oder gesetzliche Normen richtet (vgl. Hurrelmann 1988: 20).

Die Festlegungen, welches soziale Verhalten zu welchem Grad als abweichend eigestuft wird, weisen historisch und gesellschaftlich unterschiedliche Toleranzbereiche auf. Beispiele dafür sind die sich wandelnde Auffassung der Berufstätigkeit der Frauen und die unterschiedlichen Meinungen zur Problematik der Eingliederung von Menschen mit Migrationshintergrund.

3.1.2 Psychische Auffälligkeiten

Psychische Auffälligkeiten bezeichnen das Verhalten „[…], das der als normal erachteten Entwicklung nicht entspricht und das nach Schweregrad und Dauer eine Gefahr für die weitere Persönlichkeitsentwicklung bedeutet“ (Hurrelmann 1988: 21).

Meist richtet sich das psychisch abweichende Verhalten gegen die soziale Umwelt als Ausdruck von Unmut, Rollenunsicherheit oder Abgrenzung und Ablösung in einzelnen Lebensphasen. Dabei unterscheidet man zwischen konfliktorientiertem und rückzugsorientiertem Verhalten. Konfliktorientiertes Verhalten äußert sich durch Aggression, Impulsivität, Hyperaktivität und asoziales und destruktives Handeln. Rückzugsorientiertes Verhalten zeigt sich in Form von sozialer Isolation, Hemmungen, depressiven Verstimmungen, Ängstlichkeit, Schüchternheit und (versuchtem) Suizid. Beide Verhaltensausprägungen beeinflussen und stören wichtige Lebensbereiche, wie den Aufbau von sozialen Beziehungen, Lern- und Leistungsverhalten, Denken, Fühlen, Motivation, Selbstwert und Anpassungsverhalten.

Je nach Ausprägung der psychischen Auffälligkeit kann sich das Verhalten als krankhafte Depression, Neurose, Schizophrenie, Psychose oder ähnlichem manifestieren.

3.1.3 Somatische Auffälligkeiten

Somatische Auffälligkeiten entstehen „durch langandauernde Überlastung der körperlichen, psychischen und sozialen Anpassungskräfte […]“ die nicht nicht selten in „[…] Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Krebskrankheiten und psychischen Krankheiten münden“ (Hurrelmann 2003: 13). Weitere begünstigende Faktoren sind Krankheitserreger wie Viren und Bakterien, denen ein geschwächtes Immunsystem nicht stand hält. Folge ist eine Abweichung vom physiologischen Normalzustand und eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit.

Bemerkenswert ist in diesem Fall die Wechselseitigkeit von Ursache und Wirkung. Physiologische Erkrankungen können gravierende psychische und soziale Auswirkungen haben, aber in gleichem Maße auch ursächlich durch diese bedingt sein.

3.2 Belastungen

Der Mensch befindet sich Zeit seines Lebens in einer ständigen Auseinandersetzung mit inneren und äußeren Realitäten. Zu den inneren Realitäten zählen die physiologischen, psychischen und körperlichen Prozesse des menschlichen Organismus. Die äußeren Realitäten bezeichnen die gesellschaftlichen Einflüsse, die Sozial- und Wertkultur und die sozialen und materiellen Lebensbedingungen (vgl. Schroeter, keine Angabe: 12). Das Ergebnis der Auseinandersetzung bestimmt das potentielle Maß an Gesundheit bzw. das potentielle Ausmaß an Krankheit.

Es ist bis heute für viele Erkrankungen nicht möglich, eindeutige Ursachen zu finden. Jedoch ist es durch medizinische Analysen möglich geworden, ausschlaggebende Risikofaktoren zu identifizieren. So besteht z.B. zweifelsfrei ein Zusammenhang zwischen erhöhten Cholesterinwerten, Übergewicht, Bluthochdruck und den Herz-Kreislauf-Erkrankungen (vgl. Robert-Koch-Institut 1998). Ein weiterer Zusammenhang besteht zwischen langandauernder Arbeitslosigkeit und einem eindeutig schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand gegenüber Erwerbstätigen (vgl. Grobe, Schwartz 2003: 6ff.).

[...]

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Details

Titel
Das Sozialisationskonzept von K. Hurrelmann - Zur Bedeutung der Sozialisation für die Gesundheit
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V203836
ISBN (eBook)
9783656308782
ISBN (Buch)
9783656309673
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozialisationskonzept, hurrelmann, bedeutung, sozialisation, gesundheit
Arbeit zitieren
Elisa Wolff (Autor), 2012, Das Sozialisationskonzept von K. Hurrelmann - Zur Bedeutung der Sozialisation für die Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203836

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