Auswirkung der Finanzmarktkrise auf den Interbankenhandel


Seminararbeit, 2012

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einordnung des Interbankenhandels

3. Der Interbankenhandel
3.1 Voraussetzungen für das Entstehen von Interbankenhandel
3.1.1 Liquiditätsdifferenzen der Geschäftsbanken
3.1.2 Erfolgreicher Vertragsabschluss
3.1.2.1 Risiken bei der Kreditvergabe
3.1.2.2 Strategien im Umgang mit Kreditvergaberisiken
3.2 Formen der Interbankenkredite
3.2.1 Unbesicherte Interbankenkredite
3.2.2 Besicherte Interbankenkredite

4 Interbankindexe

5 Ständige Fazilitäten

6. Entstehung der Finanzmarktkrise
6.1 Asset-backed Securities
6.2 Die Immobilienkrise auf dem Subprimemarkt

7.Zusammenbruch des Interbankenmarktes
7.1 Die Lehman-Insolvenz
7.2 Entwicklungen am Eurogeldmarkt
7.3 Interpretation der empirischen Beobachtungen

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Zuge der Finanzmarktkrise konnten signifikante Störungen des Interbankhandels festgestellt werden.[1] Im Rahmen dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie sich die Entstehung der Finanzmarktkrise auf den Interbankenmarkt auswirkte und welche Folgen dies für die Struktur und das Volumen des Interbankenhandels nach sich zog. Auf Grund der Komplexität des Themas konzentriert sich diese Arbeit auf die Auswirkungen auf den Interbankenmarkt innerhalb der Eurowährungszone.

Zunächst wird die Rolle des Interbankenhandels für die Refinanzierung der Geschäftsbanken erläutert. Im Anschluss werden die Bedingungen, die für einen funktionierenden Interbankenhandel erfüllt sein müssen, dargestellt. Im weiteren Verlauf wird die Entstehung der Finanzmarktkrise skizziert und die Auswirkungen auf den Interbankenmarkt anhand von empirischen Daten nachgewiesen. Im letzten Abschnitt erfolgt die Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse.

2. Einordnung des Interbankenhandels

Das originäre Geschäftsfeld von Banken besteht in der Kreditvergabe.[2] Die Kreditinstitute benötigten für die Vergabe von Krediten liquide Mittel. Um möglichst viele Kredite vergeben zu können, müssen sich Kreditinstitute daher refinanzieren.[3] Neben den traditionellen Kundeneinlagen, die immer mehr an Bedeutung verlieren,[4] sind die Refinanzierungsmöglichkeiten der EZB, der außerbörsliche Handel mit Kreditpapieren und vor allem der Interbankenhandel für die Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken von ausschlaggebender Bedeutung.[5]

3. Der Interbankenhandel

3.1 Voraussetzungen für das Entstehen von Interbankenhandel

Damit es zur Kreditvergabe unter Kreditinstituten kommt, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Zwischen den Geschäftsbanken müssen Liquiditätsdifferenzen bestehen und sie müssen sich über Kreditvergabe einig sein.

3.1.1 Liquiditätsdifferenzen der Geschäftsbanken

Der Interbankenhandel ist eine Ausgleichreaktion auf -volkswirtschaftlich betrachtet- suboptimale Ressourcenallokation von freier Liquidität.[6] Damit eine Bank einen Kredit anbietet, muss sie über überschüssige Liquidität verfügen, die sie weder als Transaktions- noch als Vorsichtskasse benötigt (Ressourcenüberschuss).[7] Damit eine Bank einen Kredit nachfragt, muss sie einen ungedeckten Liquiditätsbedarf haben oder erwarten (Ressourcenmangel). Somit sind Liquiditätsdisparitäten zwischen den einzelnen Kreditinstituten die Grundvoraussetzung für das Zustandekommen von Interbankenhandel.[8]

3.1.2 Erfolgreicher Vertragsabschluss

Bestehen zwischen den Banken Liquiditätsdisparitäten, steht den Banken immer noch die Entscheidung offen, ob sie einen Kredit abschließen bzw. vergeben möchten.[9] Die Entscheidung über die Kreditvergabe wird dabei maßgeblich von den bestehenden Kreditrisiken und deren Handhabung beeinflusst.

3.1.2.1 Risiken bei der Kreditvergabe

Die Entscheidung zur Kreditvergabe beinhaltet immer das Risiko, dass der Kreditnehmer seine Schulden nicht tilgt.[10] Dabei kann zwischen endogenen und exogenen Risiken (Umweltrisiken) unterschieden werden.[11] Umweltrisiken bestehen in unvorhersehbaren und unabänderlichen Fremdeinwirkungen, die den Kreditnehmer daran hindern, seine Schulden zu begleichen.[12] Zu den endogenen Risiken gehört unter anderem das Verhaltensrisiko, also die Gefahr der opportunistischen Verhaltensweise eines Kreditnehmers.[13] Das Verhaltensrisiko entsteht nur dann, wenn der Kreditnehmer über mehr Informationen (über seine Bonität etc.) als der Kreditgeber verfügt.[14] Dieses Phänomen wird auch als asymmetrische Informationsverteilung bezeichnet und ist die Grundvoraussetzung für die adverse Selektionsproblematik.[15] Adverse Selektion bedeutet in dem konkreten Fall der Kreditvergabe, dass insbesondere die Kreditnehmer, die mit hohem Kreditausfallrisiko belastet sind, Kredite nachfragen. Je höher die Kreditkosten sind, desto stärker tritt dieses Problem auf. Denn die Kreditaufnahme lohnt sich dann nur für sehr risikoreiche Projekte mit hohen Renditechancen oder für Kreditnehmer, die auf Grund schlechter Bonität, keine andere Möglichkeit haben Liquidität zu akquirieren.[16]

3.1.2.2 Strategien im Umgang mit Kreditvergaberisiken

Der Kreditgeber kann versuchen möglichst viele Informationen über die Kreditnehmer zu sammeln und somit eine Einschätzung der Risikohöhe vorzunehmen. Eine vollständige Risikoeinschätzung ist in der Realität jedoch nicht möglich, weil der Kreditgeber über begrenzte kognitive Kapazitäten und eingeschränkten Informationszugang verfügt und somit nicht alle Parameter in seiner Risikoanalyse betrachten kann.[17] Zu dem entstehen durch die Informationsbeschaffung hohe Transaktionskosten, sodass eine vollständige Informationsbeschaffung ökonomisch nicht sinnvoll wäre.[18]

Im Umgang mit existierenden Risiken, kann im Wesentlichen zwischen den beiden Strategien Risikoreduktion und Risikoabsorption unterscheiden werden.[19] Bei der Risikoabsorption erhebt der Kreditgeber für bestehendes Risiko eine Risikoprämie, je höher das Risiko, desto höher die Prämie.[20] Dies kann jedoch die adverse Selektionsproblematik verstärken.[21] Eine weitere Form der Risikoabsorption ist das entgegenbringen von Vertrauen.[22] Ripperger definiert Vertrauen, als die Bereitschaft Vorleistungen ohne die Vorlage von Sicherheiten zu erbringen, in Erwartung, dass sich der Vertragspartner vertragsgemäß verhält.[23] Vertrauen und Vertrauensentscheidungen sind kein rein rationales, sondern auch ein emotionales Phänomen.[24] Die Risikovermeidungsstrategie versucht die Folgen eines opportunistischen Verhaltens zu minimieren.[25] Dies kann z.B. durch die Festsetzung von Vertragsstrafen, Forderung von Sicherheiten, Begrenzung der Kredithöhe[26] oder der -laufzeit geschehen.

Bei der Entscheidung über eine Kreditvergabe und deren Bedingungen, spielt das Vertrauen, dass der Kreditgeber dem Kreditnehmer gegenüberbringt, eine große Rolle.[27] Durch das Vertrauen werden Schutzmaßnahmen obsolet und somit die Transaktionskosten für beide Parteien minimiert.[28] So haben Cocco et al. nachgewiesen, dass sich immer wieder die gleichen Banken auf dem unbesicherten Interbankenmarkt gegenseitig Kredite vergeben.[29] Durch die häufigen Transaktionen steigt das Vertrauen zwischen den Banken,[30] was auch die günstigen Kreditkonditionen innerhalb der "Lending-Relationships" erklären könnte.[31] In der Regel wird bei der Kreditvertragsgestaltung eine Verbindung aus Vertrauen, Risikoabsorptions- und Risikovermeidungsstrategie angewendet werden. Die Gewichtung der einzelnen Strategien kann von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich ausfallen.[32]

3.2 Formen der Interbankenkredite

3.2.1 Unbesicherte Interbankenkredite

Bei unbesicherten Interbankengeschäften kommt es zu keiner Übereignung von Sicherheiten.[33] Sie sind durch kurze Laufzeiten bis zu einem Monat charakterisiert.[34] Die Kreditvergabe am unbesicherten Interbankenmarkt wird in der Praxis häufig via Telefon oder Internet (z.B. S.W.I.F.T.) verhandelt.[35] Diese wenig formale Form der Verhandlungen kann als Anzeichen für einen hohen Vertrauensgrad der Banken untereinander gewertet werden und macht deutlich, dass der unbesicherte Interbankenhandel in "normalen Zeiten" eine schnelle und unkomplizierte Form der Refinanzierung ist.

3.2.2 Besicherte Interbankenkredite

Bei einem Großteil der besicherten Interbankenkrediten handelt es sich um sog. Repogeschäfte. Bei einem Repogeschäft verkauft ein Kreditnehmer einem Kreditgeber Geldmarktpapiere und verpflichtet sich gleichzeitig diese zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Preis zurückzukaufen. De facto handelt es sich also um einen Kredit bei dem die "gekauften" Papiere als Sicherheiten dienen.[36] Sollte der Kreditnehmer seine Verbindlichkeiten zum Fälligkeitsdatum nicht erfüllen können, kann der Kreditgeber die Papiere weiterverkaufen und den Forderungsausfall kompensieren. Somit sinkt das faktische Kreditausfallrisiko und die damit verbundene Risikoprämie.[37] Jedoch liegen die Transaktionskosten bei einem Repogeschäft über denen einer unbesicherten Kreditvergabe, daher ist bei kurzfristigen "Übernachtkrediten" ein unbesicherter Kredit i.d.R. günstiger.[38]

4 Interbankindexe

Die folgenden Interbankenindexe sind Mittelwerte, und sollen einen Richtwert für Geschäfte auf dem Interbankenmarkt darstellen. Die Indexe werden von der EZB auf der Grundlage von Panelbanken[39] gemeldeten Zinssätzen ermittelt.[40]

Der EONIA

Der ENONIA (European Over Night Index Average) gibt den Durchschnitt der gemeldeten Tagesgeldzinssätze (Laufzeit ein Tag) für unbesicherte Transaktionen am Interbankenmarkt an.[41] Er ist daher als Äquivalent zum Spitzenrefinanzierungssatz der EZB zu sehen. Der EONIA liegt unter dem Spitzenrefinanzierungssatz und über der Einlagefazilität der EZB.[42]

[...]


[1] Vgl. Heider/Hoerova/Holthausen (2009), S. 5.

[2] Vgl. Grill/Perczynski (2001), S. 11.

[3] Vgl. Pausch (2008), S. 1236; Boland 2009, S. 175.

[4] Vgl. Weber (2009), S. 419.

[5] Vgl. Heider/Hoerova/Holthausen (2009), S. 5; Weber (2009), S. 419.

[6] Vgl. Jarchow (2003), S. 356.

[7] Vgl. Jarchow (2003), S. 22ff.; 32ff..

[8] Vgl. Jarchow (2003), S. 358.

[9] Vgl. Boland 2009, S. 175; Grill/Perczynski (2001), S. 344.

[10] Vgl. Grill/Perczynski (2001), S. 338.

[11] Vgl. Ripperger (1998), S. 16f., 19f., 38ff..

[12] Vgl. Ripperger (1998), S. 16 f..

[13] Vgl. Sell/Wiens (2009), S. 526 f.; Ripperger (1998), S. 22f..

[14] Vgl. Ripperger (1998), S. 22f., 74.

[15] Vgl. Ripperger (1998), S. 65.; Akerlof (1970), S. 489.

[16] Vgl. Stiglitz/Weiss (1981), S. 393 f.; Akerlof (1970), S. 492 f..

[17] Vgl. Ripperger (1998), S. 20 ff..

[18] Vgl. Ripperger (1998), S. 26 f.; Jarchow (2003), S. 239f..

[19] Vgl. Ripperger (1998), S. 30 ff., 46f..

[20] Vgl. Madlè (1944), S. 18 f.; Ripperger (1998), S. 121f..

[21] Vgl. Jarchow (2003), S. 235f.; Stiglitz/Weiss (1981), S. 393.

[22] Vgl. Ripperger (1998), S. 46f..

[23] Vgl. Ripperger (1998), S. 45.

[24] Vgl. Ripperger (1998), S. 95 ff.; Rückriegel (2009), S. 52f..

[25] Vgl. Ripperger (1998), S. 30 f..

[26] Vgl. Jarchow (2003), S. 234ff..

[27] Vgl. Sell/Wiens (2009), S. 526.

[28] Vgl. Ripperger (1998), S. 61, 68, 83ff., 124f.; Sell/Wiens (2009), S. 531.

[29] Vgl. De La Motte/Czernomoriez/Clemens (2010), S. 43.

[30] Vgl. Sell/Wiens (2009), S. 528.

[31] Vgl. Cocco/Gomes/Martins (2009), S. 30.

[32] Vgl. Ripperger (1998), S. 83 f., 124f..

[33] Vgl. Jarchow (2003), S. 362.

[34] Vgl. European Central Bank (2009), S. 13.

[35] Vgl. Grill/Perczynski (2001), S. 315; Jarchow (2003), S. 362.

[36] Vgl. Jarchow (2003), S. 366 f..

[37] Vgl. Jarchow (2003), S. 366 f..

[38] Vgl. Heider/Hoerova/Holthausen (2009), S. 9.

[39] Panelbanken sind die größten Banken des Eurowährungsraumes

[40] Vgl. o.V. (o.J.b.).

[41] Vgl. o.V. (o.J.b.).

[42] Vgl. De La Motte/Czernomoriez/Clemens (2010), S. 45 f..

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Auswirkung der Finanzmarktkrise auf den Interbankenhandel
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V204038
ISBN (eBook)
9783656301172
ISBN (Buch)
9783656301639
Dateigröße
789 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interbankenmarkt, Wirtchaftskrise, Interbankencrash, Liquidtätshortung, Interbankenhandel, Finanzmarktkrise
Arbeit zitieren
Lukas Frigger (Autor), 2012, Auswirkung der Finanzmarktkrise auf den Interbankenhandel , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204038

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