Rousseau et l‘aliénation totale

Warum der Verzicht auf die natürliche Freiheit der Individuen im Gesellschaftsvertrag vollständig sein muss


Essay, 2012
7 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Einleitung

Jean-Jacques Rousseau gilt als einer der meist rezipierten Philosophen in der Soziologie und der Politikwissenschaft. Nach wie vor gibt es unterschiedliche Interpretationsansätze seines politisch-philosophischen Buchs „Du Contract Social ou Principes du Droit Politique“. War Rousseau ein freiheitlicher Theoretiker oder doch Vordenker totalitärer Systeme, wie oft ihm oft von seinen Kritikern vorgeworfen wurde? Feststeht: Rousseau entwickelt mit seinem Gedankenexperiment des Gesellschaftsvertrags eine politische Philosophie, die das Zusammenlebens ab dem 17. Jahrhundert im Sinne der Aufklärung nachhaltig veränderte. Für die Einsetzung seines Gesellschaftsvertrags ist seitens der Menschen ist ein vollständiger Verzicht auf ihre natürliche Freiheit oberste Voraussetzung. [Becker/Schmidt/Zintl 2006: 67] Warum dieser Verzicht tatsächlich nötig ist und inwiefern dies nicht auf totalitäre Weise die Individualität und die subjektive Freiheit des Menschen untergräbt, werde ich im folgenden Text beantworten. Dazu werde ich zunächst Rousseaus Menschenbild veranschaulichen und die dadurch resultierende Notwendigkeit des Gesellschaftsvertrags erläutern. Darauf basierend werde ich dann auf die Kritik an Rousseau geforderten Verzicht auf die natürliche Freiheit eingehen.

Ausgangssituation: Menschenbild und Vertragskonstitution

„Da die Menschen nun keine neuen Kräfte hervorbringen, sondern nur die vorhandenen vereinen und lenken können, (…) haben die Menschen kein anderes Mittel, sich zu erhalten, als durch Zusammenschluss eine Summe von Kräften zu bilden.“ [Rousseau 1986: 16] Rousseau beschreibt hier ein positives Menschenbild der Kooperation, wobei dieser Zustand „kein paradiesischer Zustand ist, er ist viel mehr geprägt vom Kampf ums tägliche Überleben. (…) Der Kampf resultiert nicht aus der Tatsache, dass Eigentumsunklarheiten bestehen, sondern daraus, dass die Natur ihre Fürchte nur in knapper Form zur Verfügung stellt“, dennoch ist es ein friedlicher Zustand ist. [Schaal/Heidenreich 2009: 168] Die einhergehende Vergesellschaftung macht das Leben der Menschen beschwerlich, da sie bei ihrem Überlebenskampf zusehends auf sich allein gestellt sind. Die Menschen haben nun laut Rousseau den Punkt erreicht, wo sie selbst erkennen, dass sie keine andere Wahl haben, als sich mit anderen Individuen zusammen zu schließen, da sonst „das Menschengeschlecht zugrunde gehen würde“. [Rousseau 1986: 16]. Der grundlegenden Bereitschaft der Menschen zum Zusammenschluss mit anderen Individuen steht die „Kraft und Freiheit jedes Menschen, die seine ersten Werkzeuge für seine Erhaltung sind“ gegenüber. Wie kann nun der Einzelne bei der Verpfändung seiner Kraft und seiner Freiheit an die Gemeinschaft davon ausgehen, dass sein Verzicht auf jene Kraft und Freiheit ihn nicht sich selbst vernachlässigen lässt? Rousseau formuliert hierzu: „Finde eine Form des Zusammenschlusses, die mit ihrer ganze gemeinsamen Kraft die Person und das Vermögen jedes einzelnen Mitglieds verteidigt und schützt und durch die doch jeder in dem er sich mit allen vereinigt, nur sich selbst gehorcht und genauso frei bleibt wie zuvor.“ [Rousseau 1986: 17] Um die von Rousseau beschriebenen Bedingungen an das Vertragskonstrukt zu erfüllen, entwirft Rousseau den Gesellschaftsvertrag. Dessen Grundlage die „völlige Entäußerung jedes Mitglieds mit allen seinen Rechten an das Gemeinwesen als Ganzen“ ist. [Rousseau 1986: 17]

Über die Notwendigkeit der völligen Entäußerung

Kernaspekt der Konstitution des Rousseau’schen Gesellschaftsvertrags ist der vollkommende Verzicht auf die natürliche Freiheit und damit auf alle Rechte. Im ersten Satz seines Contract Social stellt Rousseau fest: „der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“ [Rousseau 1986: 5] Die natürliche Freiheit erhält der Mensch mit seiner Geburt. Durch die Vergesellschaftung ist ihm diese natürliche Freiheit genommen worden. Dies lässt sich daran erkennen, dass „die Naturmenschen, die vereinzelt lebten, völlig frei waren. Diese Freiheit nahm ab in dem Maße, in dem die Menschen sich zu Gemeinschaften zusammenschlossen.“ [Bevc 2007: 38] Die natürliche Freiheit ist aufgrund des Prozesses der Vergesellschaftung auf Dauer nicht beständig, denn nicht zuletzt stellt „die Erfindung des Eigentums - und die damit entstehende Selbstliebe, Selbstsucht, Neid und Egoismus - “ [Bevc 2007: 38] die Einschränkung der natürlichen Freiheit dar.

Die Freiheit des Menschen ist weder teilbar noch repräsentierbar. Der Mensch muss seine natürliche Freiheit verteidigen, denn sein Verzicht darauf ist „unvereinbar mit der Natur des Menschen; seinem Willen jegliche Freiheit nehmen heißt seinen Handlungen jegliche Sittlichkeit nehmen.“ [Rousseau 1986: 11] Das Wesen des Menschen liegt in seiner Freiheit. Mit Abschluss des Gesellschaftsvertrags kann das Individuum „seine natürliche Freiheit in eine gesellschaftliche Freiheit überführen“ und sie somit erhalten. [Schaal/Heidenreich 2009: 169] Rousseau nennt diese Freiheit bürgerliche Freiheit. Das Individuum muss dazu aber alle Rechte abtreten, da nur die bürgerliche Freiheit des Gesellschaftsvertrags die gesicherte, beständige und somit erstrebenswerte Freiheit bietet.

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Details

Titel
Rousseau et l‘aliénation totale
Untertitel
Warum der Verzicht auf die natürliche Freiheit der Individuen im Gesellschaftsvertrag vollständig sein muss
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
7
Katalognummer
V204051
ISBN (eBook)
9783656301110
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rousseau, warum, verzicht, freiheit, individuen, gesellschaftsvertrag, alienation totale, alienation, totale
Arbeit zitieren
Florian Zabel (Autor), 2012, Rousseau et l‘aliénation totale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204051

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