Patentschutz und Corporate Entrepreneurship


Seminararbeit, 2010

26 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Literaturdiskussion
2.1 Das Konzept des Corporate Entrepreneurship
2.2 Der Ressourcenbasierte Ansatz
2.3 Patentschutz aus wirtschaftlicher Sicht

3 Theorieteil
3.1 Grad des Patentschutzes und CE Aktivitäten des Unternehmens
3.2 Unsicherheit und CE Aktivität

4 Analyseteil
4.1 Innovativität und nachhaltiger Unternehmenserfolg
4.2 Proaktivität und Unternehmenserfolg
4.3 Grad des Patentschutzes als moderierende Variable
4.4 Unsicherheit
4.5 Gesamtmodell
4.6 Limitationen des Modells

5 Schluss

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Ressourcenbasierte Ansatz

Abbildung 2: Hypothese 1

Abbildung 3: Hypothese 2

Abbildung 4: Hypothese 3

Abbildung 5: Gesamtmodell

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In einer komplexer werdenden Unternehmenslandschaft nimmt der Wettbewerbsdruck auf Unternehmen immer mehr zu. Während Produktlebenszyklen immer kürzer werden, sind die Märkte und Technologien kontinuierlichem Wandel ausgesetzt (Kemelgor, 2002). Die zunehmende Globalisierung ist die herausragende Manifestation dieses Wandels. Unternehmen müssen sich diesem Wandel stellen, wollen sie nicht durch Stagnation den Verlust von Marktanteilen riskieren. In den vergangenen Jahren reagierten Unternehmen hauptsächlich damit, ihre Produktion und damit große Teile ihrer Wertschöpfung ins kostengünstigere Ausland zu verlagern (Christensen, 2004) Die Grundlegenden Strukturen der „alten“ Unternehmen bleiben dabei aber oft unangetastet. Dadurch entsteht die Gefahr, neue Chancen und Trends zu verpassen (Sykes und Block, 1989). Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet die Rückbesinnung auf die unternehmerischen Werte eines Unternehmens, wie sie bei dessen Gründung vorgelegen haben. In der Literatur wird dieses unternehmerische Handeln in etablierten Unternehmen als Corporate Entrepreneurship (CE) bezeichnet (Zahra, 1991). Dies drückt sich durch eine unternehmerische Grundhaltung aus, die sich in den Fähigkeiten ausdrückt, neue Produkte zu entwickeln (Innovativität) und Anpassungsfähigkeit an neue Gegebenheiten (Flexibilität) äußert. Die Organisationen müssen die Kompetenzen aufbauen, um neue Chancen („opportunities“) zu ergreifen (Haid, 2004).

Grundlage der weiteren Betrachtungen stellt dabei der sog. Ressourcenbasierte Ansatz (Barney, 1991) dar. Danach können Unternehmen durch einen Einsatz von knappen Ressourcen einen komparativen Wettbewerbsvorteil erlangen.

Die Patente eines Unternehmens stellen solche Ressourcen dar, auf sie soll sich der Fokus dieser Arbeit richten. Dabei soll untersucht werden, inwieweit der Grad des Patentschutzes von Assets eines Unternehmens dessen CE Aktivitäten und damit den Erfolg beeinflusst.

In Kapitel 2 dieser Arbeit werden zunächst die grundlegenden Begriffe anhand des Schrifttums erläutert und die grundlegenden Forschungsströmungen dargestellt.

In Kapitel 3 wird die zentrale These der Arbeit anhand von Hypothesen dargestellt

Kapitel 4 schließlich stellt das Modell im Zusammenhang dar und untersucht die einzelnen Hypothesen anhand empirischer Studien, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden.

Das 5. Kapitel würdigt das Phänomen CE zusammenfassend und stellt die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit abschließend dar.

2 Literaturdiskussion

2.1 Das Konzept des Corporate Entrepreneurship

Corporate Entrepreneurship knüpft gedanklich an den Schumpeter‘ schen Unternehmer an, der neue Faktorkombinationen durchsetzt, neue Möglichkeiten erkennt und bereit ist, ein Risiko einzugehen (Schumpeter, 1996). Mit dem Begriff Corporate Entrepreneurship (CE) wird bewusst ein anderes Denkmodell wie beim klassischen Entrepreneur angewendet. Hier geht es um Entrepreneurship in bereits bestehenden Unternehmen (Frank, 2006).

Eine genaue begriffliche Abgrenzung von CE fällt angesichts der vielen unterschiedlichen Definitionen jedoch schwer. Dies ist jedoch nicht verwunderlich, da CE kein klar abgegrenztes Forschungsfeld darstellt, sondern ein Managementkonzept. Eine grundlegende Arbeit zum Thema CE legten Miller und Friesen (1982) vor. Sie nennen erstmals die Dimensionen Innovativität, Proaktivität und Riskobereitschaft. Lumpkin und Dess (1996) ergänzen diese Charakteristika noch um die Dimensionen aggressives Verhalten gegenüber Wettbewerbern und Autonomie.

Guth und Ginsberg (1990) erweitern das Verständnis von Corporate Entrepreneurship um zwei weitere Dimensionen: 1. Das Hervorbringen von neuen Geschäftsfeldern innerhalb von existierenden Unternehmen (Innovation, Risikoverhalten) und 2. Die Transformation von Unternehmen durch eine strategische Erneuerung. CE führt demnach zu einer Rückbesinnung auf die „key ideas“ eines Unternehmens, was zu einer völligen Neuausrichtung der Unternehmensstrategie und zu einer neuen Untenehmensidentität führt.

Auf Covin und Slevin (1991) geht ebenfalls ein CE Modell zurück. Es ist verhaltensbasiert ausgerichtet und enthält als abhängige Variable den Unternehmenserfolg. CE wird dabei durch externe Variablen wie Dynamik, strategische Variablen wie Wettbewerbstaktiken und durch interne Variablen wie Werte und Philosophie des Topmanagements beschrieben.

Zahra (1991) schließlich bildete ausgehend auf den Arbeiten von Covin/Slevin und Guth/Ginsberg ein weiteres Forschungsmodell. Als Einflußfaktoren von CE sieht er dabei die externe Umwelt, die übergeordnete Strategie und die Organisation selbst, als abhängige Variable modelliert er die finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Betrachtet man die verschiedenen Definitionen und Modelle von CE, so wird offensichtlich, dass es sich dabei um einen vielschichtigen Begriff handelt und nicht um eine einzelne Aktivität. Bei der Einführung von CE in etablierten „reifen“ Unternehmen ist mit Widerständen zu rechnen, da CE zum Teil eine komplette organisatorische Neuorientierung bedeutet (Frank, 2006).

2.2 Der Ressourcenbasierte Ansatz

Bei der Systematisierung von CE kann man verschiedene Ansätze erkennen. Man unterscheidet dabei Personen-, organisations- und strategieorientierte Ansätze (Haid, 2004). Während Personenorientierte Ansätze davon Ausgehen, dass Entrepreneure sich durch ausgeprägte Eigenschaften hervortun legen organisationsorientierte Ansätze den Fokus auf die Strukturen innerhalb des Unternehmens. Diese beiden Ansätze sollen jedoch im Folgenden außer Acht gelassen werden und der Fokus auf die strategieorientierten Ansätze des CE gelenkt werden. Sie gehen davon aus, dass eine Festigung des CE Gedankens durch Managementmaßnahmen gefördert werden kann. Die Grundidee dahinter ist, dass unternehmerisches Handeln Teil der Unternehmensstrategie sein muß (Guth und Ginsberg, 1990)

Der Ressourcenbasierte Ansatz (Resource Based View, RBV) betont dabei die unternehmensinternen Quellen für Wettbewerbsvorteile und die Tatsache, dass Unternehmen über verschiedene Ressourcen verfügen (Barney, 1991). Vertreter dieses Ansatzes machen die einem Unternehmen zur Verfügung stehenden Ressourcen und Kompetenzen zum Ausgangspunkt der Strategieformulierung (Grant, 1991). Unternehmen können dabei durch knappe und spezifische Ressourcen einen komparativen Wettbewerbsvorteil erlangen. Effizienzunterschiede und das unterschiedliche unternehmerische Potential zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen werden mit diesem „Axiom der heterogenen Ressourcenausstattung“ erklärt (Foss, 1997). Nach Barney (1991) sind firmeneigene Ressourcen alle „Assets“, Fähigkeiten und Organisationsprozesse, die dem Unternehmen dabei helfen seine Effektivität und Effizienz zu erhöhen. Dieser relativ weiten Fassung des Ressourcenbegriffes wird im Verlauf dieser Arbeit gefolgt.

Gemäß dem RBV führt der Einsatz von CE zu einem Ressourcenmangel, was wiederum zu strategischen Allianzen führt. Der Zustand der Ressourcen selbst hat dabei einen Einfluss auf die Beziehung zwischen CE und dem Wettbewerbsvorteil, den ein Unternehmen durch den Einsatz von CE erlangt. Der Zusammenhang wird bei Teng (2007) dargestellt (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Ressourcenbasierte Ansatz (Teng, 2007, S. 121)

Der Zustand der Ressource hat dabei einen Einfluss auf die Beziehung zwischen CE und einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Das bedeutet, dass das Potential für eine Wertschöpfung im Unternehmen von den Ressourcen innerhalb des Unternehmens abhängig ist.

Verschiedenartigkeit heißt, dass knappe Güter nur von einigen wenigen Unternehmen am Markt besessen werden und dadurch wertvoll für das Portfolio sind.

Ex post Wettbewerbsbeschränkungen bezeichnen den Zustand, dass nach Erwerb einer Ressource der Wettbewerber am Markteintritt gehindert wird. Der Grund dafür ist in den sog. First-Mover Vorteilen zu sehen, die durch den frühen Markteintritt geschaffen werden. Darunter fallen z.B. economies of scale, Wechselkosten und Lernkurveneffekte (Lieberman und Montgomery, 1998). Der Zusammenhang zwischen First Mover Vorteilen und CE rührt daher, dass ein entrepreneuriales Unternehmen in der Regel aggressiver und proaktiver am Markt vorgeht (Teng, 2007).

Ex ante Wettbewerbsbeschränkungen dagegen führen dazu, dass ein Wettbewerber frühzeitig am Markteintritt gehindert wird. Der Grund dafür sind oft wissensbasierte Ressourcen, die implizites Wissen generieren (Grant, 1991).

2.3 Patentschutz aus wirtschaftlicher Sicht

Patente erfüllen aus wirtschaftlicher Sicht mehrere Funktionen. Zu den bekanntesten und auch vom Gesetzgeber vorgesehenen Funktionen zählen dabei die Anreizfunktion, die Ausschluss- und die Schutzfunktion sowie die Informationsfunktion (Burr, Stephan, Soppe und Weisheit, 2007)

Patente schützen neue Erfindungen und gewähren dem Erfinder ein territorial und zeitlich begrenztes Monopolrecht. Die Deutschland betreffenden Regelungen befinden sich im Patentgesetz (PatG).

Dieses Monopol ist aus anreiztheoretischer Sicht notwendig, da sonst der Nutzer keinen Anreiz mehr hätte dafür zu bezahlen („free-ride-Problematik“) und der Erfinder seinerseits keinem Anreiz mehr hätte, in Produkt- und Verfahrensinnovationen zu investieren (Arrow, 1962) Dies lässt sich durch die Wettbewerbstheorie begründen, da ein rein kompetitives Marktsystem auf dem Markt für Erfindungen zu einem ineffizienten Niveau an Innovationstätigkeit führen würde. Frei verfügbare Innovationen stellen danach öffentliche Güter dar. Eine Grundeigenschaft dieser öffentlichen Güter ist deren Nicht-Ausschließbarkeit vom Konsum. D.h. keine Person kann an sich vom Konsum ausgeschlossen werden. Da ein Dritter sich dann an den Herstellungskosten nicht zu beteiligen braucht, kann er ein Substitut günstiger am Markt anbieten. Dieses Phänomen ist am Beispiel der Markenpiraterie oder der Plagiate zu beobachten. Die Folge davon ist, dass es dem Produzenten nicht gelingen kann, seine Preise durchzusetzen die er zur Deckung seiner Investition benötigen würde. Antizipiert ein Hersteller diesen Prozess, muss die Investition unterbleiben (Carlton und Perloff, 2005).

Dieser Ineffizienz soll das Patentwesen in zwei Punkten entgegenwirken: Erstens durch zeitlich begrenzte Monopolrenditen. Zweitens zwingt das Patent durch die Pflicht zur Offenlegung zur Preisgabe der Innovation an jeden interessierten potentiellen Nutzer in Form der Offenlegungsschrift. Dadurch wird eine Verwendung für den gesamtwirtschaftlichen Fortschritt sichergestellt (LÉVÊQUE und MÉNIÈRE, 2004).

Die Ausschlussfunktion des Patentrechtes dient dazu, Konkurrenten am Markteintritt zu hindern. Dadurch kann das Patent auch zu einer „Waffe im Wettbewerb“ werden mit dem Zweck der Errichtung von Markteintrittsbarrieren für potentielle Konkurrenten

Jedoch stellt der Patentschutz nur eine sog. Zweitbeste Lösung dar, da mit der Patentierung Effizienzverluste durch die Kosten der Patentierung verbunden sind. Der Grund dafür ist, dass durch den Patentschutz die Preise oberhalb der Grenzkosten liegen (Monopolgewinne) und daher die Erfindung zu wenig gekauft bzw. genutzt wird. Nordhaus (1969) und Scherer (1972) entwickelten ein erstes theoretisches Modell, was diesen trade-off zwischen Vor- und Nachteilen des Patenwesens wiedergibt.

Ex post stellen Patente somit ein Hindernis für die Benutzung dar und somit einen gesellschaftlichen Nachteil, wohingegen sie einen starken ex ante Anreiz zur Entwicklung neuer Ideen verkörpern. Weiterhin können Patente zur Verbreiterung technischen Wissens beitragen, da sie bei ihrer Beantragung in einer Veröffentlichungsschrift dargelegt werden müssen.

Ein weiterer positiver Effekt des Patentwesens auf die soziale Wohlfahrt wird darin gesehen, dass ein geordneter Patentschutz von wichtigen, bahnbrechenden Erfindungen eine weitere geordnete Forschung erst ermöglicht und sinnlose Investitionen in Parallelerfindungen verhindern kann. Diese Effekte werden in der „Erwartungs-Theorie“ (Kitch1977) dargelegt.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht stellen sich eine Reihe weiterer Überlegungen. Das Recht auf die alleinige Nutzung, das durch ein Patent verliehen wird, trägt in der Regel dazu bei, dass Unternehmen auch verstärkt in F&E von neuen Produkten und Dienstleistungen investieren. Mit jeder Investition ist aber auch wiederum ein Risiko verbunden (Siehe Abschnitt 3.2, sowie 4.4). Daher ist für einen Unternehmensneugründer auch der Patentschutz so wichtig, da er ein hohes unternehmerisches Risiko eingeht. Für potentielle Kapitalgeber kann ein Patent ein Signal sein, dass der Erfinder ein erfolgreicher Innovator ist und das sich das Produkt auch am Markt durchsetzen kann. Dieser aus der Signalling-Theorie (Spence, 1973)abgeleitete Ansatzspielt auch im Bereich der Patente eine Rolle. Die Patentierung kann als Gütesiegel für die Innovationsleistung gesehen werden (Burr, Stephan, Soppe und Weisheit, 2007). So kann man Dritten glaubhaft signalisieren, dass die Erfindung eine gewisse Güte aufweist, die vom Patentamt formal bestätigt wurde.

In einer Studie stellten Blind et al. (2003) fest dass Patente eine hohe Reputation bei Unternehmen genießen, wenn sie hochwertige Innovationen schützen.

Welche Auswirkungen der Patentschutz auf Corporate Entrepreneurship Aktivitäten hat, soll im Abschnitt 4.3 näher erläutert werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Patentschutz und Corporate Entrepreneurship
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre Unternehmensführung und Organisation)
Veranstaltung
Hauptseminar Corporate Entrepreneurship: Theorie und Evidenz
Note
2,2
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V204070
ISBN (eBook)
9783656309758
ISBN (Buch)
9783656311065
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entrepreneurship, Patentschutz, Corporate Entrepreneurship
Arbeit zitieren
Basilius Eberle (Autor), 2010, Patentschutz und Corporate Entrepreneurship, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204070

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