"Zigeuner" zwischen Verfolgung und Vernichtung

Massentötungen im Dritten Reich


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: 12

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. „Zigeuner“ - Verfolgung in 3 Eskalationsstufen
I. Ab Machtübernahme 1933 bis ca. 1939
II. Ab 1939 - Ende 1942
III. Ende 1942 - 1945

C. Massentötungen der „Zigeuner“
I. Der Auschwitzerlass
II. Kontext zur Endlösung der Judenfrage
III. Welche Rolle spielte die Militärische Lage?
IV. Nationalsozialistische Rassenideologie

D. Zusammenfassung und Ergebnis
Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Quellenverzeichnis
2. Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit den sogenannten „Zigeunern“ im „Dritten Reich“. Im Verlauf der Hausarbeit, werde ich den Begriff „Zigeuner“ durchgehend verwenden, jedoch weise ich vorsorglich daraufhin, dass dies nicht meinem persönlichen Wortgebrauch entspricht, sondern die Terminologie des „Dritten Reiches“ wiedergibt. Der Massenmord an den „Zigeunern“ wird als vergessener Holocaust bezeichnet oder nach Michail Krausnick: „Der unterschlagene Völkermord an den Sinti und Roma.“[1] In diesem Zusammenhang ist die Literaturlage eher schlecht, was dazu führt, dass ich mich auf einige wenige gute wissenschaftliche Texte beziehen werde. Der überwiegende Teil wissenschaftlicher Forschung hat sich fast ausschließlich intensiv mit dem Holocaust an den Juden beschäftigt.

Die „Zigeuner“ wurden im „Dritten Reich“ diskriminiert, ausgegrenzt und verfolgt. Sie wurden als Plage[2] bezeichnet und sollten aus dem Deutschen Reich verbannt werden. Die Nationalsozialisten verübten diverse Verbrechen an den „Zigeunern“ und sorgten für eine stetige Radikalisierung der Verfolgung. Im Dezember 1942 kam es jedoch zu einer entscheidenden Veränderung der Situation. Durch den „Auschwitzerlass“ verfügte der Reichsführer SS Heinrich Himmler die Deportation der „Zigeuner“ in das Vernichtungslager Auschwitz und somit die nun beginnenden Massentötungen an den „Zigeunern“. Im Verlauf meiner Hausarbeit, möchte ich die Gründe untersuchen, welche zu diesem Umdenken geführt haben. Warum wurde diese Entscheidung getroffen und warum erst im Dezember 1942? Beginnen werde ich meine Ausführungen mit einer kurzen Schilderung der Ereignisse nach der Machtübernahme 1933. Die Verfolgung der „Zigeuner“ werde ich in drei Eskalationsstufen darstellen. Diese Stufen sollen verdeutlichen, dass die Situation der „Zigeuner“ im „Dritten Reich“ zwischen Januar 1933 und Dezember 1942 schlechter wurde, jedoch mit der Einschränkung, dass zu diesem Zeitpunkt kein industrieller Massenmord stattgefunden hatte. Zweifellos sind auch vor dem Auschwitzerlass „Zigeuner“ unter dem Naziterror zu Tode gekommen. In diesem Zusammenhang muss auch der Holocaust an den Juden erwähnt werden, da dieser wesentlich früher forciert wurde. Ich werde Unterschiede zwischen den beiden Entwicklungen aufzeigen und einen Vergleich darstellen. Ein weiterer Aspekt ist die militärische Lage im Dezember 1942. Welche Rolle spielte die Tatsache, dass die Kriegsniederlage offensichtlich nicht mehr abzuwenden war? Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum die Massentötungen vehement - wenn nicht sogar noch verschärfter - fortgesetzt wurden. Bezüglich dieser Vehemenz werde ich die nationalsozialistische Rassenideologie untersuchen und versuchen anhand dieser zu erklären, warum der Massenmord kein Ende fand.

B. „Zigeuner“ - Verfolgung in 3 Eskalationsstufen

I. Ab Machtübernahme 1933 bis ca. 1939

Seit der Machtübernahme 1933 wurden die Maßnahmen gegen die „Zigeuner“ ausgeweitet. Diese Aktionen richteten sich einerseits gegen die ethnische Gruppe der Sinti und Roma und andererseits gegen die sozial gefasste Gruppe aller Fahrenden.[3] Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wird die willkürliche Einordnung der Nazis deutlich. Nicht die eigentliche ethnologische Herkunft, sondern vielmehr das Aussehen oder ein bestimmtes Merkmal dienten der Einordnung in eine bestimmte Rassengruppe. Ab 1935 wurden die „Zigeuner“ in sogenannten „Zigeunerlagern“ zentralisiert. Es folgten umfangreiche Berufsverbote und damit die Heranziehung zur Pflichtarbeit. Durch die Gründung des Reichskriminalpolizeiamtes und der Rassenhygienischen Forschungsstelle (RHF) im Jahr 1936 wurden zwei zentrale Behörden zur Erfassung der im Reich lebenden „Zigeuner“ geschaffen.[4] Ziel der RHF war es, ein Instrumentarium zu entwickeln, wer als „Zigeuner“ einzustufen sei. Im Unterschied zu den Juden war dies nicht über die Religionszugehörigkeit möglich.[5] Hierbei handelte es sich zweifelsohne eher um pseudowissenschaftliche Einschätzungen, die wie zu Beginn bereits erwähnt, eher willkürlich waren.[6]

II. Ab 1939 – Ende 1942

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges verschärfte sich die Lage der „Zigeuner“ im „Dritten Reich“ und in den von den Deutschen Truppen annektierten Gebieten. Die schnellen militärischen Erfolge im Polenfeldzug[7] und die bereits Ende September 1939 beschlossene Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion unter Festlegung der neuen Ostgrenze,[8] führten im weiteren Verlauf zur raschen Gründung des Generalgouvernements. Das Generalgouvernement wurde als Umsiedlungsgebiet für die ab etwa Mai 1940 beginnenden Deportationen verwendet. In diesem Zusammenhang spricht Till Bastian von „einer Art Warteposition vor der endgültigen Vernichtung“.[9] Bereits im Oktober 1939 wurde als Vorbereitung für diese „Umsiedlung“ der Festsetzungserlass veröffentlicht, also das Verbot eines Ortswechsels für „Zigeuner“. Diese Regelung sollte sicherstellen, dass man den laut Propaganda „umherziehenden Zigeunern“ habhaft wird. Bei Zuwiderhandlung folgte bereits zu diesem Zeitpunkt die Einweisung in ein Konzentrationslager. Im Jahr 1941 folgte ein Verbot unehelicher Lebensgemeinschaften und der damit verbundenen Rassentrennung. Insofern wurden die Bestimmungen gegen die Juden auf die „Zigeuner“ ausgedehnt. Ähnliches geht aus einer Verordnung betreffend die Juden und „Zigeuner“ für das Militärgebiet Südost vom 30. Mai 1941 hervor: „§ 18: Zigeuner werden wie Juden behandelt.“[10] Es folgten Zwangssterilisationen, sowie weitere massive arbeitsrechtliche Sonderbestimmungen, welche die bereits schlechte Lage nochmals deutlich verschlimmerten. Der Höhepunkt der zweiten Eskalationsstufe wurde durch den Ausschluss aus sämtlichen Massenorganisationen (Hitlerjugend, Reichsarbeitsdienst),[11] sowie dem Ausschluss aus der Wehrmacht deutlich. Vor allem letzterer Ausschluss traf viele „Zigeuner“ hart, da sie als Soldat einen gewissen Schutz vor Übergriffen hatten.[12] Viele ehemalige „Zigeunersoldaten“ wurden noch in Wehrmachtsuniform mit Orden und Ehrenzeichen – unter anderem nach Auschwitz - deportiert.[13]

[...]


[1] Krausnick, Wo sind sie hingekommen?.

[2] Bastian, Sinti und Roma im dritten Reich (2001), S.34.

[3] Sparing, NS-Verfolgung von „Zigeunern“, S. 9.

[4] Zimmermann, Verfolgt, Vertrieben, vernichtet, S. 18, 24, 33-39.

[5] Sparing, NS-Verfolgung von „Zigeunern“, S. 11.

[6] Bastian, Sinti und Roma im Dritten Reich, S. 40.

[7] Lakowski, Der 1. September 1939, S. 49.

[8] Röhr, Der deutsche Überfall auf Polen 1939, S. 177.

[9] Bastian, Sinti und Roma im Dritten Reich, S. 47.

[10] Bastian, Sinti und Roma im Dritten Reich, S. 73.

[11] Zimmermann, Verfolgt, Vertrieben, Vernichtet, S. 52.

[12] Sparing, NS-Verfolgung von „Zigeunern“, S. 13.

[13] Wippermann, Antisemitismus und Antiziganismus im Vergleich, S. 165.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"Zigeuner" zwischen Verfolgung und Vernichtung
Untertitel
Massentötungen im Dritten Reich
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Massentötungen im Dritten Reich
Note
12
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V204223
ISBN (eBook)
9783656302506
ISBN (Buch)
9783656304586
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zigeuner, verfolgung, vernichtung, massentötungen, dritten, reich
Arbeit zitieren
Johannes Geertsen (Autor), 2012, "Zigeuner" zwischen Verfolgung und Vernichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204223

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