Um vor dem Hintergrund des weiterhin zunehmenden Globalisierungs- und Internationalisierungstrends wettbewerbsfähig zu bleiben, erschließen Unternehmen verstärkt neue Märkte im Ausland oder bauen diese aus. Aufgrund dessen senden sie ihre Fach- und Führungskräfte ins Ausland. Diese führen intern. Verhandlungen, begleiten die Gründung von Tochtergesellschaften oder den Fusionsprozess mit anderen intern. Unternehmen vor Ort. Insbesondere steigt die Anzahl der langfristigen Mitarbeiterentsendung weiterhin an.Diverse Studien gehen auch für die Zukunft von einem weiterem Anstieg aus. Insofern sind besonders Expatriates mit den Auswirkungen von Interaktionen durch Personen unterschiedlicher Kulturen konfrontiert.
Für eine erfolgreiche intern. Zusammenarbeit ist besonders für diese Personengruppe die Fähigkeit, mit den Eigenheiten der jeweils anderen Kulturen umgehen zu können von grundlegender Bedeutung. Denn nicht selten führen Anpassungsschwierigkeiten
zum Scheitern bzw. vorzeitigen Abbruch des Auslandsaufenthalts und verursachen somit erhebliche Kosten seitens der Unternehmen und als auch der Expatriates. So besteht schon aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen ein großes Interesse von Unternehmensseite, kulturbedingten Missverständnissen, Kommunikationsschwierigkeiten und Handlungsstörungen vorzubeugen und Synergiepotenziale zu erkennen. Aufgrund dessen steigt auch der Bedarf an adäquater interkultureller Kompetenz, die in diesem Rahmen maßgeblich für den erfolgreichen Umgang mit kulturellen Überschneidungssituationen ist. Sie gilt heute als Schlüsselqualifikation für intern. tätige Unternehmen. Auslandsentsendungen sind folglich neben rechtlichen und organisatorischen Fragestellungen v.a. durch interkulturelle Herausforderungen der Fach- und Führungskräfte geprägt.
Um dem erhöhten Qualifikationsbedarf der Mitarbeiter hinsichtlich ihrer sprachlichen, fachlichen und sozialen Qualifikation zu begegnen und somit die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Entsendung zu erhöhen, können interkulturelle Trainings durchgeführt werden. Aufgrund der stetigen Nachfrage, sind vielfältige Trainingsverfahren konzipiert worden, deren gemeinsames Ziel die effektive Vorbereitung auf die reibungslose interkulturelle Zusammenarbeit im Ausland ist.
Der gesamte Auslandsentsendungsprozess umfasst die Phasen Auswahl, Vorbereitung, Einsatz und Wiedereingliederung, wobei der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der Vorbereitung des Auslandseinsatzes durch IT liegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit und methodisches Vorgehen
2. Grundlagen
2.1 Kultur
2.2 Interkulturelle (Handlungs-) Kompetenz
2.3 Expatriate
3. Auslandsentsendung von Expatriates
3.1 Arten der Auslandsentsendung
3.2 Phasen der Auslandsentsendung und Problemstellungen
3.3 Abbruch vs. Misserfolg
4. Interkulturelle Trainings für Expatriates
4.1 Ziele / Inhalte vorbereitender interkultureller Trainings
4.1.1 Awareness Training
4.1.2 Skill Building Training
4.2 Trainingsmethoden / -konzepte
4.2.1 Informationsorientierte Trainings
4.2.2 Erfahrungsorientierte Trainings
4.2.3 Vor- und Nachteile im Vergleich
4.3 Grenzen vorbereitender interkultureller Trainings
4.4 Evaluation / Erfolgskontrolle interkultureller Trainings
5. Fazit
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz interkultureller Kompetenz für Expatriates während ihres Auslandsaufenthaltes und analysiert, welche Rolle vorbereitende Trainingsmaßnahmen bei der Sicherung eines erfolgreichen Auslandseinsatzes spielen, um vorzeitige Abbrüche zu vermeiden.
- Bedeutung interkultureller Kompetenz im internationalen Personalmanagement
- Prozessphasen der Auslandsentsendung und auftretende Kulturschock-Phänomene
- Methoden und didaktische Konzepte interkultureller Vorbereitungstrainings
- Evaluation und Erfolgskontrolle von Trainingsmaßnahmen
- Identifikation von Transferhemmnissen und Lösungsstrategien für den Transfererfolg
Auszug aus dem Buch
Kulturschockmodell nach Oberg (1960)
Mit seinem 1960 entwickelten Kulturschockkonzept erklärt Oberg den Anpassungsprozess der Expatriates im fremdkulturellen Umfeld, den er in die vier Phasen „Honeymoon“, „Crisis“, „Recovery“ und „Adjustment“ unterteilt und ihm einen u-förmigen Verlauf zuweist. Er wird auch als U-Kurve der Gemütslage beschrieben.(Oberg 1960, S. 180; Lysgaard 1995, S. 50; Marx 2000, S. 24 ff.)
Zu Beginn des Auslandsaufenthaltes erleben die Expatriates ein Gefühl von Euphorie, Begeisterung für das Gastland und die fremde Kultur. In der Honeymoon-Phase (Flitterwochen) entstehen die ersten positiven Beziehungen zu den Einheimischen und ein starkes Gefühl des Wohlbefindens, geprägt von Zuversicht, stellt sich ein. Kurze Zeit später fallen die Expatriates in ein tiefes „Loch“, die Phase der Krise (crisis) beginnt. In dieser Zeit nehmen sie verstärkt die Unterschiede zwischen Heimat- und Gastland wahr. Sprachliche Schwierigkeiten und Akzeptanzprobleme der fremdkulturellen Werte und Normen verstärken das Gefühl von Hilflosigkeit. Frustration macht sich breit und führt je nach Ausprägung zu den oben beschriebenen Symptomen und Verhaltensweisen. Nach einiger Zeit durchlebter Krisen beginnt die Erholungsphase (recovery), in der sich die Expatriates durch bessere Sprachkenntnisse und Wissen über die kulturellen Werte und Gewohnheiten zurecht finden und ein grundlegendes Wohlbefinden allmählich zurückkehrt. Ihre psychische Verfassung stabilisiert sich in der Phase der Anpassung (adjustment), in der sie die kulturellen Charakteristika akzeptiert haben. Die Symptome des Kulturschocks sind kaum noch vorhanden bzw. gänzlich verschwunden. Die Integration der Expatriates im Gastland ist abgeschlossen. (Oberg 1960, S. 180; Lysgaard 1995, S. 50; Marx 2000, S. 24 ff.; Kiechl 1991, S. 299).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den steigenden Bedarf an Expatriates im Zuge der Globalisierung und definiert das Ziel der Arbeit, die Rolle interkultureller Trainings zur Vermeidung von Auslandsentsendungsabbrüchen zu untersuchen.
2. Grundlagen: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Kultur und interkulturelle Kompetenz theoretisch fundiert sowie der Begriff des Expatriates definiert.
3. Auslandsentsendung von Expatriates: Hier werden die verschiedenen Arten der Entsendung sowie die psychologischen Phasen des Kulturschocks, inklusive der U- und W-Kurven-Modelle, detailliert dargelegt.
4. Interkulturelle Trainings für Expatriates: Dieser Hauptteil analysiert Ziele, didaktische Methoden (Informations- vs. erfahrungsorientiert), Grenzen sowie Evaluationsmodelle (Kirkpatrick) für interkulturelle Trainings.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Untersuchung zusammen und betont die Notwendigkeit systematischer Trainings und einer fortlaufenden Betreuung, um den Erfolg von Auslandsentsendungen nachhaltig zu sichern.
Schlüsselwörter
Expatriate, Auslandsentsendung, Interkulturelle Kompetenz, Kulturschock, Training, Vorbereitung, Evaluation, Personalentwicklung, Anpassung, Kulturstandards, Methodenmix, Transferlücke, Auslandseinsatz, Erfolgskontrolle, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung von interkultureller Kompetenz für Expatriates im internationalen Geschäftsumfeld und die Rolle gezielter Vorbereitungstrainings zur Sicherung eines erfolgreichen Auslandseinsatzes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen interkultureller Kompetenz, die verschiedenen Phasen der Auslandsentsendung und die auftretenden psychologischen Herausforderungen (Kulturschock).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen interkultureller Trainings zu belegen und Wege aufzuzeigen, wie Unternehmen durch eine fundierte Vorbereitung das Risiko des Scheiterns bzw. des vorzeitigen Abbruchs von Auslandseinsätzen minimieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den Vergleich theoretischer Modelle zu interkulturellem Lernen, Kulturschock-Verläufen sowie Evaluationsansätzen (u.a. Kirkpatrick).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Konzeption und Durchführung interkultureller Trainings, den Vergleich verschiedener didaktischer Methoden und die Möglichkeiten der Erfolgsmessung sowie des Transfer-Managements.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Expatriate, Interkulturelle Kompetenz, Kulturschock, Vorbereitungstraining, Evaluation und Personalentwicklung.
Wie unterscheidet sich die U-Kurve von der W-Kurve nach Kopper?
Während das U-Kurven-Modell nach Oberg lediglich den Prozess der Anpassung im Gastland abbildet, integriert das W-Kurven-Modell nach Kopper zusätzlich den Rückkehrschock und die anschließende Reintegration in der Heimat.
Warum ist eine Evaluation interkultureller Trainings so schwierig?
Die Erfolgsmessung gestaltet sich aufgrund des qualitativen Charakters der Trainings und der Vielzahl an exogenen Einflüssen auf den Unternehmenserfolg oft als komplex und kostenintensiv, was in der Praxis häufig zu einer Vernachlässigung der Evaluation führt.
- Citar trabajo
- Maiken Wagner (Autor), 2012, Interkulturelle Trainings als Vorbereitung für den Auslandeinsatz von Expatriates, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204756